Syrien: Mehr als 60 zivile Opfer nach Luftangriff

23.12.2012 | 19:55 |   (DiePresse.com)

Nach einem Luftangriff auf die Stadt Halfaya in der Provinz Hama sollen bis zu 60 Zivilisten getötet worden sein. 50 Menschen schweben in Lebensgefahr.

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Nach Angaben von Oppositionsaktivisten sollen am Sonntag bei einem Luftangriff auf die Stadt Halfaya in Syrien bis zu 60 Zivilisten getötet worden sein, das berichtet die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London. Die Totenzahl könne aber weiter steigen, da es mindestens 50 Verletzte in kritischem Zustand gebe.

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Die Menschen sollen vor einer Bäckerei Schlange gestanden haben. "Wir haben noch keine genauen Zahlen, weil wir noch immer nicht genau wissen, wer tot und wer verwundet ist", sagte ein Aktivist der Nachrichtenagentur Reuters. Demnach könnten bis zu Tausend Menschen vor der Bäckerei gewartet haben.

Die Stadt in der Provinz Hama wurde vor Kurzem von Rebellenkämpfern eingenommen. Wegen der Belagerung durch die Armee herrsche in dem Ort Lebensmittelknappheit, teilten die oppositionellen Lokalen Koordinierungskomitees in einer Erklärung mit. Sie sprachen von einem "Massaker". Unter den Todesopfern in Halfaya seien Frauen und Kinder, auch gebe es viele Verletzte.

Warnvideo an Christen

Aus der Unruheprovinz meldete sich am Sonntag auch eine Rebellengruppe zu Wort und drohte zwei christlichen Ortschaften in der Region. In der Videobotschaft waren sieben bewaffnete Männer zu sehen, die schwarze Stirnbänder mit dem islamischen Glaubensbekenntnis trugen. Aus deren Mitte verlas ein bärtiger Mann eine Warnung an die Christen. Sollten sie Assad-Kämpfer nicht ausliefern, würden sie angegriffen, betonte er. Die Organisation für Islamische Kooperation verurteilte die Drohungen umgehend.

Bildung einer Islamistenfront

In einem anderen Video verkündeten radikale Islamisten derweil die Bildung einer Islamistenfront nach einem Sturz von Präsident Bashar al-Assad. Ihr Ziel sei eine islamische Gesellschaft, die nach den Regeln der Scharia regiert werde, nach islamischem Recht.

Die im November von zahlreichen Oppositionsgruppen gegründete "Nationale Koalition" erkennen sie - anders als die internationale Staatengemeinschaft - nicht als legitime Vertreterin des syrischen Volkes an. Im Syrienkonflikt gewinnen zunehmend auch Jihadisten an Einfluss. So hat sich im Norden des Landes wie auch im Großraum Damaskus die islamistische Al-Nusra-Front breitgemacht, die von der US-Regierung jüngst zur Terrororganisation erklärt wurde.

Eliteeinheiten schützen Waffenlager

Russland betonte derweil, dass die syrische Regierung die Kontrolle über die Chemiewaffen im Land habe. "Die syrischen Behörden haben diese Vorräte in ein oder zwei Zentren konzentriert. Vorher waren sie über das ganze Land verteilt", sagte Außenminister Sergej Lawrow am Samstag der Agentur Interfax zufolge. Die Führung tue alles, um die Waffen zu sichern. Auch die USA hätten zugestanden, dass Chemiewaffen in Händen der Regierungsgegner die größte Gefahr in Syrien seien, sagte Lawrow. Russland ist ein Partner Assads.

Das deutsche Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete unter Berufung auf NATO-Kreise, französische und US-Eliteeinheiten bereiteten sich an der jordanisch-syrischen Grenze auf Kommandoeinsätze in Syrien vor. Die Soldaten sollen bei einem Zusammenbruch der Regierung Chemiewaffenlager vor Plünderungen durch islamistische Aufständische schützen.

Neue Vermittlungsversuche

Am Sonntag traf der internationale Syrien-Gesandte Lakhdar Brahimi in Damaskus ein, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Bisherige Vermittlungsversuche des UN-Diplomaten waren gescheitert.

Israel richtet sich indes nach den Worten des Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu auf "weitreichende Veränderungen" im syrischen Nachbarland ein. "Wir beobachten die Entwicklungen in Syrien und arbeiten mit den USA und der internationalen Gemeinschaft zusammen", sagte der Regierungschef am Sonntag in Jerusalem.

Zahlen und Fakten
Dem seit März 2011 andauernden Konflikt sind inzwischen mehr als 42.000 Menschen zum Opfer gefallen. Mehr als zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht. Ein Schlechtwettereinbruch im Nahen Osten verschlechtert die Lage der syrischen Flüchtlinge weiter. Nach Schätzungen des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) sind zur Zeit etwa 500.000 Syrer ins benachbarte Ausland geflohen. Im Land selbst seien 1,2 Millionen Menschen auf der Flucht.

 

(APA/dpa/AFP)

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18 Kommentare

ZAHLEN UND FAKTEN

Mehr als 60 zivile Opfer, sollen bis zu 60 Zivilisten getötet worden sein, Gestern waren es noch über 200 (wo sind bloß die Berichte hin verschwunden?).

Natürlich freut es, wenn statt "über 200" nur "bis zu 60" Opfer zu beklagen sind (vielleicht/hoffentlich werden es noch einmal weniger), aber die reißerische, ungeprüfte Nachplapperpropaganda geht schon gehörig auf die Nerven!

Und dem Nachbarland am südwestlichen Zipfel Syriens sei geraten die Füße still zu halten. Die Welt weiß schon wie Netanjahu die Situation in Syrien zu nutzen gedenkt, aber Syrien bleibt auch nach Assad Syrien, mit sämtlichen UN konformen Gebietsansprüchen nach '67.

Die FRANZOSEN

Haben Europa seit der Revolution und Napoleon, nein seit Ludwig XIV zerstoert, ruiniert und demoralisiert. Nun hat ganz Europa die FRANZOESISCHE KRANKHEIT.

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Re: Die FRANZOSEN

Gehts ihnen gut? Was sagt ihr Betreuer dazu? Frohe Weihnachten

1 0

Re: Die FRANZOSEN

ah ja, jetzt ist mir alles klar

15 1

Solche reisserischen Schlagzeilen

hätte ich mir im Irakkrieg nach jedem Luftschlag gewünscht.

Wo malt ihr eure Nachrichten eigentlich ab? Direkt von der Propagandaabteilung der CIA, oder steht dazwischen noch eine Nachrichtenagentur?

Mit Entsetzen

erfuellt wohl jeden das Leid der Menschen in Syrien zu Weihnachten 2012. Beim Brotkauf vor den Feiertagen von der eigenen Regierung in Stuecke gebombt zu werden ist einfach unsaeglich und eine echte Tragoedie.
Tragisch ist allerdings auch das Versagen des Westen solchen staatlichen Gewaltexzessen einen Riegel vorzuschieben. Scheinbar ist die moralische Kraft und der Anpruch fuer Freiheit und Gerechtigkeit auch bewaffnet einzugreifen wenn Menschen von Ihrer eigenen Regierung massenhaft umgebracht werden in einer Mischung aus Flucht vor der globalen Verantwortung, Eurokrise und Post Irak Trauma verloren gegangen. Der Westen scheint nicht nur wirtschaftlich schwach sondern auch moralisch fragwuerdig wenn wir fuer Iraker und Lybier, Kosovaren und Afghanen und ihre Freiheit kaempfen aber fuer Syrier nicht. Von der Fuehrung des Westens kann man da nur enttaeuscht sein.
Schlimmer sind nur mehr die Kommentare in diesem Forum die nur so von Auslaender und Islamfeindlichkeit strotzen. Erschutternd aber wahrscheinlich Folge von ORF Konsum und Dauerberieselung von AntiAmerikanismus und Erziehung im Sozialkonsenus der Ab und Ausgrenzung von und zur Welt der leider unser Konsenus hier in Oesterreich zu sein scheint.
Um klar zu sein. Die Syrer brauchen den Schutz durch die Westliche Intervention und unsere Verweigerung basiered auf Feigheit radikalisiert die Opposition und foerdert die radikalisten Kraefte und diese Staerkung wird als Gegenargument gegen den Schutz der Menschen verwendet..

Der arabische Frühling aus Ausbllick auf 2013

2013 ein Schicksaljahr, ich danke allen, die mir für diesen Ausblick Informationen zur Verfügung gestellt haben damit die Bevölkerung Informationen bekommt, welche den Machthabern (z. B. Umfragen, Anfragen aus anderen Ländern, usw) längst bekannt sind.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/?em_cnt=511632

19 0

Es weihnachtet sehr

Und die Propaganda wird immer mehr.
Qatar und Saudi Arabien finanzieren die Mordtouristen aus allerlei Ländern bis hin zu Tschetschenien, welche mit „syrischen Aktivisten“ so rein gar nichts gemein haben, französische Fremdenlegionäre aus arabischen Ländern kämpfen nach offiziellen Angaben bereits längst in Syrien, NATO-Logistik unterstützt den islamistischen Terror und der ganze Wahnsinn wird noch von der hiesigen Presse verklausuliert und dahingeschwurbelt in Märchenform präsentiert.

Christen

die Moslem dürfen das, das passt schon....
auch in Ägypten usw ist alles gut, wie es ist....

ja der arabische Frühling scheint eher ein moslemisches Gewitter zu werden....

8 5

Islam

.... bleibt Islam

Divide and Conquer

war da nicht angeblich irgendwas im Iraq mit WMD´s und in Lybien...die Brandstifter des Problems sind dann auch gleich immer die Feuerlöscher - komisch - ob da etwa Planung dahintersteckt???Problem-Reaction-Solution

Die Lösung ist in diesem Fall sicher wieder eine Flugverbotszone mit Bombardierung von Frauen+Kindern...da wird der Hr. Soetoro dann aber keine Tränen vergießen wie kürzlich in Newton...

Und wie wurde W. Putin von den westl. Medien...

...(allen voran wie immer verlässlich der ORF-Hetzsender), geprügelt, weil er es wagte, Assad nicht SOFORT die Unterstützung zu untersagen, solange "man nicht wisse, was danach kommt" (O-Ton).

Daran kann man erkennen, wie sehr der Westen mit seinen PC-Politikern bereits im Arxxx ist, wenn ein "Vorzeige-Demokrat" wie Putin härter am Wind der Wahrheit segelt.

Christen in Not!

Und die EU-Musi spielt dazu!

1 1

Besser es machen

die genannten Einheiten bzw. es wird etwas gemacht, als g'scheid reden, wir manche Gutmenschen.

18 0

"Arabischer Frühling"


Was für eine Chuzpe, initiieren den "Arabischen Frühling", unterstützen die "Rebellen" (= Al-Kaida) und wenn die "Rebellen" die Oberhand gewinnen, müssen die Chemiewaffen des Landes vor den "Rebellen" mittels Krieg geschützt werden!


laut anderen Berichten

sind tausende "Aufständische" im mittlerweile menschenleeren Daraya, einem Vorort Damascus' der syr. Armee in die Falle gegangen, wo sie eingekesselt ihrer systematischen Vernichtung entgegensahen;

das Experiment "FSA" dürfte in den letzten Zügen liegen,
sollen wir deshalb auf den Einsatz von NATO-Truppen vorbereitet werden, der natürlich völkerrechtswidrig wäre?

aber natürlich, Syriens Chemiewaffen sind eine Gefahr für den Weltfrieden, das ändert sich schlagartig, wenn die Fremdenlegion, der Mossad, Delta Force, CIA, und sonstige friedenserhaltende Gruppierungen in Syrien einfallen, das gibt der Region erst die richtige Stabilität lol


Wenn die Russen sich das gefallen lassen

Dann versteh ich die Welt nicht mehr.

Re: Wenn die Russen sich das gefallen lassen

dann wollen wir hoffen das sie das nicht tun

lieber Assad als Scharia

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