Albanische Rebellen drohen mit Aufstand in Südserbien

27.12.2012 | 18:20 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS ROSER (Die Presse)

Schon 2000 tobte ein Guerillakampf zwischen der Befreiungsarmee Preševo, Medvedja und Bujanovac und Serbiens Sicherheitskräften. Nun sorgt ein Denkmal für getötete Rebellen in Preševo für Streit.

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Preševo. Vom Minarett der Moschee ruft die klagende Stimme des Muezzins in Preševo die Gläubigen zum Gebet. Blökend künden die zum Verkauf in die Stadt getriebenen Schafherden vom nahen Neujahrsfest. Doch von einem friedvollen Jahresausklang kann in der 38.000 Einwohner zählenden Stadt im äußersten Südzipfel Serbiens beim Dreiländereck mit Mazedonien und dem Kosovo keine Rede sein. Im Verhältnis der verarmten Albaner-Hochburg zur Zentralregierung in Belgrad stehen die Zeichen dieser Tage auf Sturm.

2000/2001 hat die Befreiungsarmee Preševo, Medvedja und Bujanovac (UÇPMB) einen Guerillakampf gegen Serbiens Sicherheitskräfte geführt. Und nun drohen Veteranen dieser Untergrundgruppe aus dem Schweizer Exil mit einer Neuauflage des bewaffneten Konflikts: Man werde erneut „Stiefel und Tarnanzüge anziehen und die Waffen in die Hand nehmen“, so die düstere Ankündigung. In der westlichen Diaspora stünden 500 Kämpfer bereit.

Stein des Anstoßes ist ein Stein: Mitte November errichteten Veteranen der UÇPMB auf dem Rathaus-Vorplatz von Preševo ein Denkmal, das an ihre vor mehr als zehn Jahren gefallenen Mitstreiter erinnert. Seither patrouilliert die Militärpolizei wieder verstärkt in der Grenzregion. Die Regierung und erst recht die serbischen Gazetten malen die Gefahr neuer bewaffneter Konflikte an die Wand.

Zwar haben sich alle Parteien im Preševo-Tal von den als „völlig unseriös“ und „schädlich“ bezeichneten Drohungen der Exilrebellen distanziert. Dennoch schlagen diese in Belgrad gehörig Wellen. Von einer „Provokation“ spricht Premier Ivica Dačić, der die Gemeindeverwaltung in Preševo mehrmals vergeblich aufgefordert hat, das von ihr genehmigte Denkmal „für Leute, die Polizisten töteten“ zu schleifen – andernfalls werde Belgrad dies veranlassen.

 

Albaner fühlen sich als Fremde

Die Gemeinde stellt sich taub – und lässt verlauten, dass man die Geschichte jedes Volkes respektieren müsse. Die albanischen Veteranenverbände wiederum behaupten, dass von einer Provokation keine Rede sein könne, da in Preševo fast ausschließlich Albaner lebten und die UÇPMB-Veteranen bereits 2002 von Belgrad amnestiert worden seien.

Knapp 60.000 Menschen zählt Serbiens albanische Minderheit. Unmittelbar an der Ostgrenze lebend haben sich die Albaner in den Gemeinden des Preševo-Tals per Referendum schon 1992 für den Anschluss an einen unabhängigen Kosovo ausgesprochen. Eine Gruppe militanter Albaner suchte nach dem Ende des Kosovo-Kriegs 2000/2001 die Abspaltung von Serbien mit einem bewaffneten Aufstand zu erzwingen. Die bei dessen gewaltlosem Ende gemachten Zusagen verbesserter Minderheitenrechte sind weitgehend unerfüllt geblieben. Stattdessen fühlen sich die Albaner weiter als Fremdkörper in einem Staat, der ihnen misstrauisch bis feindselig begegnet.

 

Serbiens Politiker „Außerirdische“

Der Mann im Anzug ist Bürgermeister. Doch mit Serbiens Regierung hat Ragmi Mustafa laut eigener Aussage keinen Kontakt. Serbiens Politiker seien „immer Außerirdische“ für die Albaner im Preševo-Tal gewesen, sagt er bitter: „Sie haben noch nie etwas für uns getan.“ Belgrad gestehe der Minderheit weder das Recht auf Schulbücher in eigener Sprache noch eine eigene Hochschule noch volle Bewegungsfreiheit zu, sondern versuche mit der massierten Stationierung von Polizei ein „Gefühl der Verunsicherung“ zu verbreiten, klagt Mustafa: „Sie sind nicht an den Menschen, sondern nur am Land interessiert: Sie wollen, dass wir Albaner verschwinden.“

Tatsächlich sind die Sicherheitskräfte höchst präsent: Hoch über der Anhöhe an der Straße zwischen Preševo und Bujanovac flattert die serbische Flagge an einem überdimensionierten Fahnenmast. Ende 2009 wurde hier für 18 Millionen Euro Serbiens größte Militärbasis Jug (Süden) eröffnet.

„Die schicken nur Polizei und Militär – sonst nichts“, sagt der TV-Journalist Gazmen Idrizi. Für Auszüge aus dem Grundbuch müssten die Bewohner genauso ins 35 km entfernte Vranje reisen wie zum Gebären. Zum Studieren müssten sich die Jugendlichen entweder in die Kosovo-Hauptstadt Prishtina, ins mazedonische Tetovo oder ins albanische Tirana aufmachen: „Viele kommen nicht mehr zurück. Denn in Serbien haben sie Probleme, dass ihre Abschlüsse anerkannt werden. Und in Preševo gibt es ohnehin keine Arbeit.“

Auf einen Blick

Ein Denkmal für gefallene albanische Rebellen sorgt für Streit zwischen Belgrad und der starken albanischen Minderheit in Südserbien. Dort kämpften Rebellen 2000/2001 für die Abspaltung. [Roser]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2012)

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12 Kommentare

Es wäre so einfach! Laßt mich nur machen!

Presevo, Südkosovo und Albanien bilden einen albanischen Staat, Serbien plus Nordkosovo einen serbischen Staat.

Die verbleibenden Kirchen und Klöster im muslimischen Albanien kommen unter die Hoheit Rußlands, die Moscheen in Serbien unter die Hoheit der Türkei. Unbewaffneten Pilgern wird die Wallfahrt gestattet.

Und eine Ruhe ist endlich am Balkan!

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Wo gibt's denn so was?

In Serbien ein Denkmal für albanische REBELLEN (!), wäre das Denkmal in Albanien und/oder im Kosovo würde ich es verstehen...

Diese Welt ist echt crazy!

die armen albaner

überall werden sie diskriminiert.... serbien, griechenland, montenegro, mazedonien. das treibt mir die tränen in die augen wie sich diese zärtliche volksseele vor der multinationalen tyrannei erwehren muss

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Re: die armen albaner

die Armen Nachbarn der Albaner hatten die Unabhängigkeit von der Osmanische Reich ein par Jahre früher erreicht und als die Albaner von den Osmanen frei wurden dann nutzten unseren "lieben"
Nachbarn die Gunst der Stunde und gingen los auf unsere Gebiete und annektierten alles was Sie Könnten.....!!!!!
Das kann Mann Nachbarschafts Hilfe nennen.
die Nachbarn werden aber nie Glûklich werden damit.

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Re: Re: die armen albaner

Wann hat es denn Bitteschön einen Krieg zwischen Albanien und seinen Nachbarstaaten gegeben? Ich schätze mal sie meinen Krieg wenn sie sagen die Nachbarn sind auf Albanien los. In Wahrheit ist es so gewesen das kein Staat am Balkan sich selbst aussuchen durfte wie seine Grenzen aussehen sollen. Die Großmächte haben die Grenzen festgelegt so wie es ihnen gepasst hat. Wäre schön gewesen wenn man die Grenzen so gezogen hätte das die Bevölkerungen der Staaten homogener wären, also wenn es quasi keine Minderheiten geben müsste. Aber am Balkan ist und war das schon immer unmöglich. Albaner meinen im Allgemeinen es reicht wenn es Albaner in einem Gebiet gibt dann sollte dieses Gebiet auch Albanien gehören. Das Problem an der Sache ist nur das "alle" anderen Völker am Balkan genauso denken. Und da die Bevölkerung in sehr vielen Gebieten zum Großteil nun mal gemischt ist führt das ganze unausweichlich zum Krieg. Davon hat dann keiner mehr was.

Re: Re: die armen albaner

träum weiter, die Wirklichkeit wird Dich irgendwann einholen ...

Albanien ist tiefster Balkan und gehört heute nur mehr geografisch zu Europa,

belassen wir es dabei

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Patt...

Die Idee das Presevo Tal mit dem Nordkosovo zu tauschen gibt es schon lange. Jedoch pochen jene die für die Abspaltung des Kosovo von Serbien waren, nun auf die "territoriale Integrität" des Kosovo (!).

Auch wenn man damit viel Leid ersparen könnte...

Auch die serbischen Nationalisten wollen den Gebietstausch eher nicht - die

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Bravo Presse!

Albaner können stolz sein auf ihre Lobby!

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was heißt Rebellen

die Albanische Mehrheit in Preshevo, bujanoc u medvegje haben garkeine rechte und wird gegen denen nur Gewalt ausgeübt , wenn dass selbe in Südtirol passieren wird, werden die Südtiroler auch nicht gefallen lassen und es heißt nicht dass die Rebellen sind.

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Re: was heißt Rebellen

Wie bitte??

1. In Medvedje erreichen die Albaner nicht mal 20%, also wie kommen die Leute drauf diese Teile abspalten zu wollen?? Werden die Serben dort nichts gefragt, obwohl sie die große Mehrheit sind, und zwar im EIGENEN Land??

2. Was für eine Gewalt wurde an denen ausgeübt?? Wissen Sie überhaupt was Sie da reden, oder sprechen Sie einfach irgendwem nach, weil es in den Kram passt? Wissen Sie eigentlich, was dort genau passiert ist?

3. Wie kommen Sie und die anderen drauf, ein fremdes souveränes Land zerspalten zu können wie es Ihnen passt?? Sollen jetzt türkische Mitbürger im 10. Bezirk diesen für türkisches Boden erklären, weil es viele von denen dort gibt? Wo ist da die Logik? Und was wäre die Antwort drauf? Natürlich -> wenn es Euch hier nicht gefällt, dann könnt Ihr nach Türkei zurück. Was sonst?!

So viel Schwachsinn, das man hier lesen muss...

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Frieden

Es ist ganz einfach.
Sie sollen nur die rechte haben können was die Serben in Kosovo
haben.
Sonst wird es Probleme geben.

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Re: Frieden

Albaner haben in jedem der Staaten in denen sie sich aufregen die Rechte. Sie hatten am Kosovo schon immer mehr Rechte, als sich irgendein Ausländer auch nur wünschen kann in Österreich, oder sonstigem Europa. Wo sonst gibt es Fernsehsender, Unis etc. auf Türkisch/BKS, oder egal welcher anderen Sprache, und zwar STAATLICHE?? Es kann wohl nicht sein, dass sie überall unterdrückt werden (Griechenland, Serbien und Mazedonien), und jedoch dort bleiben. Und nicht nur das, sondern sie wollen die Länder abspalten! Wo gibt es das?! Wo endet die Frechheit? Wenn es einem ach so schlecht geht, kann er gerne zurück nach Albanien gehen, oder? Unglaublich...

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