China baut Macht im Weltraum aus

30.12.2012 | 18:29 |  Von unserem Korrespondenten FELIX LEE (Die Presse)

Mit dem Satellitensystem Beidou ist Pekings Militär nicht mehr vom amerikanischen GPS abhängig. Wie der US-Konkurrent wird Beidou kommerziellen Dienstleistern seine Satellitentechnik anbieten.

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Peking. Was die Europäer bisher nicht auf die Reihe bekommen haben, ist den Chinesen nun gelungen: Seit wenigen Tagen steht Chinas Satellitensystem Beidou (BDS) kommerziellen Anbietern für Navigationsdienste zur Verfügung – zunächst einmal für den asiatisch-pazifischen Raum inklusive Australien. Damit gibt es erstmals einen wichtigen Konkurrenten zum weltweit bislang dominanten GPS der USA. „Nach einer einjährigen Versuchsphase ist das Beidou-Satellitennavigationssystem von der Leistung her nun vergleichbar mit GPS. Es gibt nur einen Unterschied: Unser System ist günstiger“, erklärte der Sprecher von BDS Ran Chengqi. Wie der US-Konkurrent wird Beidou kommerziellen Dienstleistern seine Satellitentechnik zur Positionsbestimmung, Navigation und Zeitmessung anbieten.

Gegenüber dem von den Europäern geplanten System Galileo hat das Beidou-System der Chinesen auch einen wichtigen Vorteil: Anders als beim europäischen System verfügen die Chinesen ebenso über Frequenzen, die von außen nur schwer gestört werden können. Beidou reserviert ein Signal, das nur militärischen Zwecken vorbehalten bleibt. Damit kann Chinas Militär eigene Positionssatelliten nutzen.

 

Europa bleibt von USA abhängig

Auch wenn das bisher noch nie vorgekommen ist, könnten die USA die GPS-Nutzung für potenzielle Gegner einfach abschalten. Für alle mögliche Militärtechnik bis hin zur Steuerung interkontinentaler Raketen benötigt man jedoch Satellitennavigation.

Kritiker des europäischen Systems monieren, dass Galileo im Gegensatz zu Beidou nur für zivile Nutzung geeignet sei, weil die Europäer auf eine solche störresistente Bandbreitenspreizung verzichtet haben. Das heißt: Für militärische Nutzung werden die Europäer weiter vom GPS der USA abhängig sein, die Chinesen jedoch nicht.

Aus der Sicht Pekings hat ein eigenes Satellitennavigationssystem auch andere Vorteile: China, bereits der weltgrößte Hersteller von Elektrogeräten, kann Smartphones, Navigationsgeräte, Kameras und Tablet-PCs künftig mit Ortungsfunktionen anbieten, ohne auf den US-Standard GPS zurückgreifen zu müssen. Zudem werden die Chips zur Auswertung des Beidou-Signals aus technischen Gründen billiger sein als GPS-Empfänger.

 

Kooperation mit EU beendet

China arbeitet daher bereits seit 2007 am Aufbau eines eigenen Navigationssystems und hat seither 20 Satelliten ins All geschossen, allein sechs in diesem Jahr. 16 von ihnen stehen nun ab sofort kommerziellen Anbietern zur Verfügung, weitere sollen in den nächsten Jahren folgen. Bis 2020 will Chinas Raumfahrtbehörde insgesamt 35 Einheiten zur Verfügung stellen und einen Dienst anbieten, der dann die gesamte Welt abdeckt. Aus dem Dienst im asiatisch-pazifischen Raum plant Beidou zunächst einmal Einnahmen von 400 Milliarden Yuan im Jahr, rund 48 Milliarden Euro.

Anfangs wollte China bei Galileo mitmachen und war bereits mit 280 Millionen Euro an dem Projekt der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der EU beteiligt. An der Pekinger Universität hatten Chinesen und Europäer sogar schon ein gemeinsames Trainingszentrum für Satellitennavigation eingerichtet. Doch die Chinesen stiegen aus. Nicht zuletzt aufgrund der innereuropäischen Querelen dauerte ihnen der Prozess zu lange. Zudem hatten europäische Politiker immer wieder Sicherheitsbedenken gegenüber Chinas Beteiligung angeführt.

 

Moskau modernisiert altes System

Während Galileo frühestens 2014 in Betrieb gehen wird, verfügt Peking bereits jetzt schon über ein eigenes globales System. Und auch die Russen haben mit Glonass wieder ein eigenes System. Glonass stammt noch aus Sowjetzeiten, verwahrloste jedoch nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems. Inzwischen hat die russische Regierung das System jedoch modernisiert und kann es seit einiger Zeit wieder in voller Betriebsstärke nutzen.

Auf einen Blick

China will mit seinem eigenen Satellitensystem, Beidou, dem weltweit dominanten GPS-System der USA Konkurrenz machen. Seit einigen Tagen bietet Beidou im asiatisch-pazifischen Raum auch zivilen Interessenten Dienstleistungen in den Bereichen Positionsbestimmung, Navigation und Zeitmessung an. Mit Beidou sind auch Chinas Streitkräfte nicht mehr vom amerikanischen GPS abhängig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2012)

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19 Kommentare
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die springen nicht nur

sonder ......

china sollte mehr reis anbauen

viele kinder verhungern noch in kung fu

Zudem hatten europäische Politiker immer wieder Sicherheitsbedenken gegenüber Chinas Beteiligung angeführt

Hätt ma erst gar nicht angefangen zu kooperieren. Jetzt haben sie sich die noch fehlenden Informationen aus Europa geholt und brauchen uns nicht mehr.

Re: Zudem hatten europäische Politiker immer wieder Sicherheitsbedenken gegenüber Chinas Beteiligung angeführt

China kann das auch allein, europäischer Hochmut ist absolut falsch

" Europäischer Hochmut"

Nun sind die "Europäer" alles andere als Europäer, sondern höchstens eine Ansammlung von nationalen Ausbeutern, im Gegensatz zu den US-Amerikanern, wo deren Union nicht nur in Sonntagsreden am Sockel steht. Insofern kein Wunder, dass unter diesen Bedingungen nichts daraus wird und die EU bald froh sein muss hinter Indien und Brasilien ihren Platz zu halten.

Dass aber China alles allein kann, ist ein Silvesterscherz. Tausende Studenten haben nach Nixons Besuch bei Mao 1972 US- und europ. Universitäten belagert, unzählige westliche Unternehmen sich in China betätigt und ihr KnowHow mehr oder weniger freiwillig zur Verfügung gestellt. Von sonstigen Informationsquellen ganz zu schweigen.

Es bleibt dennoch ein erstaunlicher Aufschwung in diesen 4 Jahrzehnten, der mit viel Anstrengung, aber teils auch auf Kosten unterer Schichten gegangen ist, so wie das nur in einem autoritären Staat möglich ist (aber auch nicht so unähnlich, wie dies während der Industrialisierung im Westen war). Nicht zu vergessen die anfänglichen unfreiwilligen Beiträge westlicher Konsumenten für so manches Billigprodukt und dessen Funktionsdauer.

wir Europäer sind wiedermal unfähig!

welcher unfähige ESA bürokrat kommt auf die idee das gallileo system nicht auch für militätische zwecke nutzbar zu machen?

wie dumm kann man eigentlich sein?

nicht nur dass gallileo zu langsam gebaut wurde, nein es ist jetzt auch noch militärisch unbrauchbar!

GPS ausreichend

Europa und die EU sind ein militaerisch, politischer Block. Galileo ist ein vertrottelter Gedrausschmiss... das russische System Glosnass , seit vielen Jahren operativ, wird hier einfach verschwiegen. Und die Chinesen koennen Beidu fuer sich behalten, denn welcher Europaeer oder Amerikaner braucht etwas anderes als GPS auf seinem smartphone wenn Beidu nur in Asien funktioniert...glaube auch nicht, dass die billiger sein koennen wenn jedes Jahr hunderte Millionen gps chips produziert werden...

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bezeichnend

und europas abstieg scheint besiegelt.

nur: meistens kommt es anders als gedacht, und das ist unvorhersehbar und gut so.

Ein schönes Beispiel, daß ein EU-Europa genau keine Vorteile bringt.

Technischer Stillstand durch Bürokratie und Brain Drain nach Asien, dafür Diktatur und Bevormundung der Europäer, das ist die EU. Von den restlichen Segnungen mal ganz zu schweigen.

Re: Ein schönes Beispiel, daß ein EU-Europa genau keine Vorteile bringt.

dafür haben wir energiesparlampen und in bälde wassersparende duschköpfe. is doch auch eine bewegende errungenschaft... :-P

die EU kann man nur begreifen, wenn

man sich vor Augen hält, dass sie eine verein von kaufleuten sind, die Geschäfte machen wollen ...

diese bedingt div. Freiheiten (Dienstleistungs-, Reise-, Geldfreiheit, etc.) und bringt zwangsläufig - durch die wirtschaftliche Verflechtung - auch im wesentlichen Frieden mit sich.

von mil. Stärke oder gemeinsame globale Politik oder geldintensive Investitionen in die Zukunft keine Rede

Ob das schade ist sei dahingestellt, es ist ein Verein von Kaufleuten!

Re: die EU kann man nur begreifen, wenn

Auch die Rothschilds & Äquivalente sind im Grunde nur Kaufleute. Das hat dem Frieden in den letzten 100 Jahren wahrlich geholfen.

Not.

Merke: Kaufleute sind die rücksichtslosesten Kreaturen, wenn es um's Geschäft geht. Argumentation daher nichtig.

Re: Re: die EU kann man nur begreifen, wenn

den Unterschied zwischen Räuber und Kaufmann muss nicht jeder wissen

guten Rutsch, auch ihnen

Re: Re: Re: die EU kann man nur begreifen, wenn

Kaufleute, die finanzstark genug sind, um auf der von Ihnen angesprochenen Ebene überhaupt wahrgenommen werden, sind in der Regel Räuber.

Der Fleischer um's Eck kann Frieden oder was auch immer weder sichern noch gefährden.

Ebenfalls einen guten Rutsch.

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Re: die EU kann man nur begreifen, wenn

ein Kaufleute-Verein? nein, eine PleitiersVersammlung.

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Re: die EU kann man nur begreifen, wenn

nein, der kaufmaennische aspekt ist nur sagma 20%, der rest sind die typischen auswuechse und machenschaften einer bureaukratie.

Re: die EU kann man nur begreifen, wenn man sich vor Augen hält, dass sie eine verein von kaufleuten sind, die Geschäfte machen wollen ...

Im wesentlichen haben Sie damit schon Recht, wenn man die Anfänge der EU-bzw. des EWR sieht.
Leider ist aus den Kaufleuten ein korrupter Haufen geworden, der nur mehr der Selbstbereicherung dient.

Der teuertste Weinkeller der Welt und üppigste Gehälter , die heuer noch mit 7% erhöht werden, eine Reisespesenregelung, die ihresgleichen sucht, Familienmitglieder als persönliche Berater mit Spitzenhonoraren,...und Lobbyismus in Reinkultur.

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Der Debattierklub namens EU

beschäftigt sich lieber mit so wichtigen Dingen wie Sparduschköpfe usw.

Die Glühlampen möchte ich dazu nicht anführen weil wenn die Forschung keinen Tritt in Form des Glühlampenverbotes erhalten hätte, würden wir noch in 15 Jahren mit der Glühlampe und der vertrottelten ESL wursteln.

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Re: Der Debattierklub namens EU

offensichtlich aber wurden alternative Lichtquellen schon vor Gluehlampenverbot konzipiert bzw. entwickelt (Neon, Halogen, LED). Die Notwendigkeit staatlicher 'Tritte' zur Korrektur eines vermeintlich versagenden Marktes wird von Europaern typischerweise ueberbewertet. Steigende Effizienz (Output/Input) ist ein Grundprinzip der wirtschaftlich-technologischen Evolution, die Politik beeinflusst nur die Definition und Gewichtung allfaelliger Externalitaeten, je nach politischem Bedarf.

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