TV-Ansprache: Assad nennt Oppositionelle "Killer"

06.01.2013 | 18:41 |   (DiePresse.com)

Syriens Diktator zeigt sich seit Monaten wieder öffentlich und ruft zur Mobilisierung aller Kräfte auf. Er sei zu einer Lösung des Konflikts bereit, die "Extremisten" verstünden aber nur die Sprache der Gewalt.

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"Das Leiden ist über das gesamte Land gekommen. Es gibt keinen Raum mehr für Freude, es fehlen Sicherheit und Stabilität auf den Straßen", sagte der syrische Machthaber Bashar al-Assad am Sonntag in einer TV-Ansprache. Damit wandte er sich erstmals seit rund sieben Monaten wieder an die Bevölkerung. In seiner Rede beschuldigte er die Aufständischen schwer. Deren Vorgehen habe nichts mit einer Revolution zu tun. Die "Terroristen" hätten mit den Angriffen auf das Land begonnen und den friedlichen Weg verlassen. "Wir werden sie bekämpfen", so Assad.

Der Machthaber sprach auch von Verbindungen der "Terroristen" zum Terrornetzwerk al-Qaida und ausländischen Rebellen. Die Situation sei "gefährlich". Sie würden "jede Gesellschaft zerstören, in die sie eindringen". Jeder müsse das Land nun verteidigen, mit den Mitteln, die jedem einzelnen zur Verfügung stünden. "Wir werden mit einer Hand reformieren und mit der anderen Hand den Terrorismus zerstören", sagte er.

Die Oppositionellen bezeichnete der Diktator als "Killer". "Es ist ein Konflikt zwischen dem Volk auf der einen Seite und Killern und Kriminellen auf der anderen Seite", so Assad in seiner Ansprache, die vom syrischen Staatsfernsehen und dem Sender "Al-Jazeera" live übertragen wurde.

Damaskus "ist offen für den Dialog"

Der Machthaber betonte auch, Damaskus sei offen für den Dialog, die "Extremisten" würden jedoch nur die Sprache der Gewalt verstehen. Die syrische Führung würde sich keiner politischen Lösung verweigern, habe jedoch noch keinen Partner dafür gefunden. Weiters rief er zu einer Versöhnungskonferenz mit allen Kräften auf, die "Syrien nicht betrogen haben". Einen Dialog mit einer "Marionette des Westens" werde es allerdings nicht geben.

Die Regierung solle erweitert werden, sagte Assad weiter ohne Details zu nennen. Auch kündigte er eine Charta an, die die Einheit des Landes erhalten soll. "Landesverteidigung ist eine Pflicht", betonte der Präsident im vollen Opernhaus von Damaskus. Die Rede wurde wiederholt von Applaus und "Gott schütze Dich"-Sprechchören unterbrochen.

(c) REUTERS (REUTERS TV)

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Assad hatte zuletzt im Juni 2012 vor dem Parlament eine öffentliche Rede gehalten. Anfang November lehnte er in einem Interview mit einem russischen Fernsehsender den Gang ins Exil ab. Er werde in Syrien leben und sterben, gab sich Assad damals kämpferisch.

Spekulationen über Fünf-Punkte-Plan

Vor Assads Auftritt hatte der Abgeordnete Sherif Shehada laut syrischen und libanesischen Internetportalen gesagt, Assad wolle Vorschläge für ein Ende des Blutvergießens machen.

Auch die Assad-freundliche libanesische Zeitung "Al Akhbar" hatte berichtet, der Staatschef könnte einen Fünf-Punkte-Plan vorlegen. Dabei gehe es um einen Waffenstillstand, internationale Beobachter zu seiner Überwachung, eine Verfassunggebende Versammlung, die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit sowie freie Wahlen zu einem neuen Parlament. Außerdem wolle Assad nach dem Ende seiner Präsidentschaft 2014 abermals für das Amt des Staatschefs kandidieren dürfen, hieß es.

Assad: Ein Diktator vor dem Ende?

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In Syrien tobt seit 21 Monaten ein Bürgerkrieg. In den Auseinandersetzungen zwischen Rebellen und Truppen Assads kamen nach Erkenntnissen bisher über 60.000 Menschen ums Leben.

Die Nato hatte zuletzt mit der Vorbereitungen für die Aufstellung von "Patriot"-Luftabwehrraketen im türkischen Grenzgebiet zu Syrien begonnen. Diese sollen den Nato-Partner Türkei vor möglichen Angriffen aus Syrien schützen.

(Red./APA/dpa/Reuters/AFP)

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63 Kommentare
 
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während Assad

die Opposition "Killer" nennt, lässt er seine Schergen Scud-Raketen gegen Wohngebiete starten: http://youtu.be/4SdHQioZVwA

mein posting

zur beziehung syrien - israel

wurde natürlich flugs...

10siert


Führung würde sich keiner politischen Lösung verweigern

warum finden denn keine Wahlen unter der Beobachtung der Uno in Syrien?
das Land gehört nicht nur ihm!

Assad is weitaus gebildeter und zivilisierter als das Feygmandl

DAS muss man sich dabei immer vor Augen halten.

1 9

Re: Assad is weitaus gebildeter und zivilisierter als das Feygmandl

Was für ein perverses Weltbild.

10 0

Re: Assad is weitaus gebildeter und zivilisierter als das Feygmandl

Faymann ist eine Marionette der Bilderberger, während Assad ein heroischer Staatsmann ist, dessen Volk zu ihm steht.

12 0

Allen, die sich ein anderes Bild der Syrienkrise machen wollen,

sei das Video auf youtube "Syrisches Tagebuch" empfohlen.
Man kann nur hoffen, dass Assad und das syrische Volk die Oberhand behalten.
Nobelpreisträger, Herr O. aus den USA, und die EU sind auf Seiten der Schlächter.

wie wäre es, wenn sich die killer gegenseitig killen würden?

die welt hätte ein problem weniger!

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Recht hat er, der Assad!

Der Westen hätte gut daran getan sich nicht auf die Seite der Rebellen zu schlagen, sondern Assad zu unterstützen. Ja, da waren die Russen und Chinesen einfach schlauer. Mir kommt überhaupt vor, dass die westliche Außenpolitik dermaßen blauäugig agiert, dass einem manchmal schlecht wird. Unter Assad konnten die verschiedenen Bevölkerungsgruppen beinahe in Frieden miteinander leben. Was ist, wenn Assad geschasst wird?! Jo, dann beginnt die große Vertreibung derjenigen die nicht der Rel. des Friedens angehören.

0 0

Re: Recht hat er, der Assad!

Der Westen und die EU sind nicht blauäugig, sondern die veranstalten das gegen Syrien. Das ist ein Krieg von Feiglingen. Genauso wie in Libyen, aber hoffentlich mit gutem Ausgang.

Re: Recht hat er, der Assad!

Warum leben Sie dann in Österreich?
Wenn Sie so schlau sind!

Re: Re: Recht hat er, der Assad!

Warum leben sie nicht im Landstreifen westlich von Jordanien?

Re: Re: Re: Recht hat er, der Assad!

ich mache mich nicht so wichtig, wie Ihrer Kollege.

Der Westen will in ganz Nord-Afrika und Arabien Demokratien nach Saudiarabischen Vorbild einführen.

Um später den Iran zu überfallen.
Dazu ist ihnen jedes Mittel und jede Menge Tote recht

6 0

Re: Der Westen will in ganz Nord-Afrika und Arabien Demokratien nach Saudiarabischen Vorbild einführen.

sitzt, passt, hat Luft

5 0

Re: Der Westen will in ganz Nord-Afrika und Arabien Demokratien nach Saudiarabischen Vorbild einführen.

stark reduziert kommt das in der Summe exakt hin.

schade..

.. dass die machtgeilheit eines einzigen menschen so vielen menschen den kopf kostet

aber das war leider immer schon so

Re: schade..

sie haben recht, obama und das US-Imperium sind wirklich sehr machtgeil.

2 21

die geisteskrankheit eines despoten wird manifest


Re: die geisteskrankheit eines despoten wird manifest

Noch nichts gelernt von Libyen, Tunesien, Ägypten?
Viele Ägypter und Tunesier die keinen Islamistenstaat wollen, sind sicher nicht ihrer Meinung

16 1

Warum verteidigen Sie die Mörderbanden, die Syrien ruinieren wollen?


Ein...

Eingreifen durch die USA oder gar der Nato in Syrien soll doch sehr gut überlegt sein. Ansonsten sich die Nato/USA erneut den Zorn und den Spott der europäischen linken Träumer auf sich zieht. Im Fall Libyen und Ägypten machten und machen sich die linken Träumer doch nach wie vor alle Ehre. Immerhin handelt es sich bei al-Assad auch um einen geschätzten sozialistischen antisemitischen Liebling europäischer rotgrüner Träumer wie bei Gaddafi und Mubarak. Auch der Wegbruch des Ostblockes hat offenbar bei den rotgrünen Träumer eine grosse Lücke hinterlassen, was man anscheinend in diesen Kreisen bis heute noch nicht verkraftet hat. Sich nun die rotgrünen Träumer nur noch unbeholfen an Nordkorea, Iran und Kuba festklammern können. Fragt sich allerdings wie lange noch.

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Fehler...

Der Westen macht hier denselben Fehler wie in Lybien, nämlich statt die Gelegenheit zu nutzen Assad - im Gegenzug für Unterstützung - zu demokratischen Reformen zu zwingen werden stattdessen die Rebellen unterstützt.
Und das, obwohl sich inzwischen selbst in der linken Systempresse schon herumgesprochen hat, dass das keineswegs irgendeine friedliche arabische-Frühlings-Twitter-Jugend ist sondern Steinzeitislamisten, die mit Vorliebe steinigen und enthaupten.

leben uns sterben, haha

das gleiche blabla das die bonzen immer von sich geben wurscht ob gauleiter oder sonstige kommandeure und die dann als die ersten die flatter machen wenns ernst wird. und sich dann berufen dass man ihnen als offiziere, diplomaten oder einfach gstopfte nicht den hals umdrehen kann. brrrrrrrrrrrr.

6 21

Assad

klingt wie ein Diktator in den letzten Zügen eben klingt - die Worte ähneln sich verblüffend...jetzt ruft er zum totalen Krieg und hofft auf einen Endsieg....

Hoffentlich ist der Spuk dort unten bald zuende.

23 3

Assad hat Recht: youtubevideo: syrische Tagebücher!


 
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