Zehntausende Russen beim "Marsch gegen die Schurken"

13.01.2013 | 16:10 |   (DiePresse.com)

Die Demos richteten sich gegen das von Putin verordnete Waisen-Adoptionsverbot russischer Kinder für Amerikaner. Zudem werden Neuwahlen gefordert.

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Neue Massenproteste in Russland: Zehntausende Menschen haben unbeeindruckt von einem Großaufgebot der Polizei und Eiseskälte gegen Kremlchef Wladimir Putin protestiert. Zu dem ersten "Marsch gegen die Schurken" kamen am Sonntag allein im Stadtzentrum von Moskau mehr als 20.000 Menschen, wie unabhängige Beobachter schätzten. Auch in Sankt Petersburg und vielen anderen Städten riefen Regierungsgegner "Schande den Schurken!", "Russland ohne Putin!" und "Freiheit für politische Gefangene!".

Diese erste Anti-Regierungs-Aktion des Jahres richtete sich gegen das von Putin zuletzt unterzeichnete Adoptionsverbot russischer Kinder durch US-Bürger. Prominente Oppositionspolitiker wie Sergej Udalzow, Boris Nemzow und Gennadi Gudkow forderten neben den vielen Bürgern den Kreml auf, die Adoptionen weiter zuzulassen, um vor allem auch den vielen Behinderten unter den Waisen eine menschenwürdige Zukunft zu ermöglichen.

Putin über Proteste informert

Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte der Agentur Interfax, dass der Präsident über die Proteste informiert sei. Außerdem verlangten die Initiatoren die Auflösung der Staatsduma mit anschließenden Neuwahlen. "Das ist technisch möglich. Putin kann leicht einen Vorwand dafür finden und vorgezogene Wahlen ansetzen", sagte Gudkow. Bei leichtem Schneefall trugen Hunderte Menschen Plakate mit den Porträts der Duma-Abgeordneten, die im Dezember das anti-amerikanische Gesetz verabschiedet hatten.

Das Parlament steht seit der manipulierten Wahl vom Dezember 2011 bei Bürgerrechtlern unter Kritik, in Russland mit immer mehr autoritären Gesetzen ein System der Angst und Unterdrückung wie zu Sowjetzeiten zu schaffen. Zahlreiche Aktivisten sammelten am Sonntag Unterschriften für Neuwahlen und für ein Ende des Adoptionsverbots. Von den nach offiziellen Angaben mehr als 600.000 Waisen in Russland leben rund 100.000 in Heimen unter oft armseligen Bedingungen.

Demos in mehreren Städten

Allein in der russischen Hauptstadt waren 4000 Polizisten im Einsatz, wie Medien berichteten. Zur Zahl der Demonstrationsteilnehmer gab es stark voneinander abweichende Zahlen. Die Polizei sprach von maximal 9500 Teilnehmern, mehrere Oppositionspolitiker nannten dagegen rund 50.000.

In St. Petersburg nahmen rund 1500 Menschen an der Demonstration teil, wie eine Reporterin des Radiosenders Echo Moskwy berichtete. Der "Marsch gegen die Schurken" richtete sich auch dort gegen russische Bürokraten, die gegen Menschenrechte verstoßen.

US-Präsident Barack Obama hatte im Dezember den "Magnitsky-Act" unterzeichnet, der Sanktionen wie Einreiseverbote gegen kriminelle russische Beamte vorsieht. Dieses US-Gesetz geht zurück auf den in einem Moskauer Gefängnis qualvoll gestorbenen russischen Anwalt Sergej Magnitski. Die Staatsduma hatte als Antwort auf die US-Initiative ein Anti-Magnitski-Gesetz verabschiedet, das US-Bürger bestrafen soll.

(APA/dpa)

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21 Kommentare

Typisch Linke ...

... solange Neuwahlen zu verlangen, bis das "dumme" Volk endlich die "richtige" Partei wählt.

Marsch gegen die Schurken

Die kapitalistische Genossenschaft der politischen Korruption, ist klar auf Seite der Väterchen Putin Oligarchie-Social Club Partei.
Dekadente, pro-westliche demokratische Auswüchse, ergeben für eine hart trinkende Bevölkerung natürlich keinen Sinn.
:-)

In Russland zählt ein Menschenleben eben nichts

man hat ja genug davon..

Putin wurde trotzdem mit Mehrheit gewählt

Es ist ein Faktum, dass Putin frei gewählt wurde und die "Fälschungs"-Schreier haben noch nie erklärt, was, wo und wann gefälscht wurde.
Und selbst wenn es in dem riesigen Land irgendwo Unregelmässigkeiten gab so ist das genauso uninteressant, wie (angebliche) 10.000
Demonstranten in der Millionenstadt Moskau oder
wenn in dem modernen und ebenso riesigen St. Petersburg 1500 Wurschteln zusammenkommen.
Es ist ähnlich wie auch im Westen:
Wenn eine Mehrheit sich für eine Wahl entscheidet, die irgendwelchen, angeblichen "Demokraten" nicht passt, dann wird herumgeplärrt. Wenn euch der Putin nicht passt, dann stellt das nächste Mal euren Kandidaten oder vielleicht eine von den Rotzmenschern auf, die in einer Kirche ihre "Gedichte" von Scheiss... und pud...vortrugen und das irgendwelchen Trotteln im Westen als "Freiheit" verkaufen wollten.
Die Demokratie endet erst dann, wenn man einen nicht mehr abwählen kann. Sonst hat man eben das zu akzeptieren, was die Mehrheit entscheidet. Wenn man Demokrat ist.

Re: Putin wurde trotzdem mit Mehrheit gewählt

Das ist ein lesenswertes Kommentar und man braucht dem nichts zufügen - Respekt.

Frage

Vielleicht habe ich auch nur etwas verpasst, aber weshalb wird ausgiebigst über Proteste in Russland geschrieben, aber kein Wort über die zehntausend in Frankreich, die gegen die Homoehe demonstrieren?

Irgendwie finde ich schon, dass das Thema innerhalb der EU doch mehr Relevanz für Österreich hat, als im Verhältnis wenige Aktivisten, die wohl selbst nicht so recht wissen, was sie wollen.

Re: Frage

Es waren HUNDERTTAUSENDE.
Außerdem, wie kann ich als Russe
dafür sein, daß meine Nachkommenschaft
ausgerechnet von AMIs adoptiert wird?

einigen wir uns doch darauf, dass es

weder den mächtigen amerikanern noch den mächtigen russen wirklich um die "menschen", oder gar um die lieben armen kinderlein geht.
die mächtigen wissen halt, wie man die massen manipuliert!
da ist irgend etwas ganz mafioses im hintergrund, es geht um viel viel geld... aber putin hat sich getäuscht: sein kinderlein-manöver ging nach hinten los.es steht 1:0 für amerika. man darf gespannt sein!

"Marsch gegen die Schurken"

lustig: der gerard depardieu marschiert genau in die andere richtung!

Re: "Marsch gegen die Schurken"

und das ganze von "UNabhängigen?) Beobachtern VERIFIZIERT - notariell mit UNgültiger (wie üblich) Unterschrift.

putin der despot russlands ist rücktrittsreif


Re: putin der despot russlands ist rücktrittsreif

Warum?
Wäre Russland ein Schurkenstaat, könnte so eine Demo nicht stattfinden.
Und nicht wenige, die heute Krododilstränen über das angeblich so diktatorische Rußland vergießen, waren noch vor 25 Jahren UDSSR-Anhänger.
Ob Breschnew auch eine Demo gegen sich geduldet hätte?

Re: Re: putin der despot russlands ist rücktrittsreif

es gibt keine Schurkenstaaten.
Das Volk ist der Staat. Wenn, dann sind die Politiker die Schurken - siehe Nordkorea, Rusland - Österreich.

Nur- wir haben keine Politiker auf der Regierungsbank.
Seit 1970 treibt der Club 45 sein Unwesen und siehe Androsch, Gusi, Klima, Fayman&Friends sitzen auf prall gefüllte Geldsäcke, krallen sich gierig am Bundesheer fest, dort fliegen bald die gebratenen Hühner durch die Luft, Wein und Honig werden fliessen. Milliarden warten um in die Parteikasse umgeleitet zu werden.
Die ÖVP ist nach aussen hin dagegen, wird aber wenn es so weit ist wie immer stillhalten und so gut es geht mit abkassieren. Wie seit 60 Jahren.

Warum geht ihr nicht auf die Strasse......
Ist euch unser Land und unser Frieden nicht mal 1 Stunde Protest wert ?.

Re: putin der despot russlands ist rücktrittsreif

Faymann auch.

Eines sollen sich die demonstrierenden Kummerln hinter die ungewaschenen Löffel schreiben:

zu den Zeiten, als sie selber noch an der Macht waren, wäre schon scharf geschossen worden.

Also seid froh, daß ihr Putin habt.

"Marsch gegen die Schurken"

dieser ist in unserem Land längst überfällig...

Re: "Marsch gegen die Schurken"

ich lach mich krumm...
der hier wäre ein ring-marsch der schurken so lang, dass man das ende nicht mehr sehen kann!

Re: "Marsch gegen die Schurken"

hihi, wen meinen sie genau? alle?

Unseriöser, tendenziöser und teils unrichtiger Artikel der "Presse"

Nach Information verschiedener (regierungs-kritischer als auch -freundlicher) russischer Medien kamen ca. 9.500 Personen zur Demomstration in Moskau, deutlich weniger als die von den Organisatoren geplanten 20.000.

Die Annahme "manipulierter Wahlen" ist eine Unterstellung der Presse, da die Rechtmäßigkeit der Wahl Putins auch international nicht angezweifelt wurde, und alle Umfragen nach wie vor eine weit über 50%ige Unterstützung Putins bei der russischen Bevölkerung zeigen.

Der sog. "Dima Yakovlev Act" war eine Reaktion der Duma auf den (von den Republikanern betriebenen) russlandfeindlichen "Magnitsky Act" der USA, der russischen Beamten und Regierungsmitgliedern wegen vermuteter(!) Menschenrechtsverletzungen eine Einreise in die USA verweigert. Andere Länder mit wesentlich gröberen Menschenrechtsverletzungen wurden von diesem Gesetz ausgenommen, deswegen war dieses Gesetz eine Provokation Russlands im Geiste des alten Kalten Kriegs.

Schließlich, der "Dima Yakovlev Act" verbietet im Gegenzug nicht nur US-Bürgern mit mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen die Einreise nach Russland, sondern es wurde das Adoptionsverbot auch in das Gesetz aufgenommen, da immer wieder Fälle von schweren Mißhandlungen und sogar Todesfällen russischer Adoptionskinder in den USA bekannt wurden, es seitens der Behörden (wie bei dem zu Tode gekommenen Kind Dima Yakovlev) jedoch kaum Reaktionen gab und darüber hinaus Russland Informationen und Kontakt mit solchen Kindern verweigert wurde.

Re: Unseriöser, tendenziöser und teils unrichtiger Artikel der "Presse"

ich vermute, die antwort aus der amerikanischen botschaft könnte ganz anders aussehen und das glatte gegenteil behaupten!

Re: Re: Unseriöser, tendenziöser und teils unrichtiger Artikel der "Presse"

Seit wann sind die Amis an der Wahrheit interessiert?
Wahrscheinlich unterstützen sie gerade die Kommunisten, um Russland zu schwächen.

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