Wahl in Tschechien: Stürmt der "Fürst" die Prager Burg?

13.01.2013 | 18:45 |  Von unserem Korrespondenten HANS-JÖRG SCHMIDT (Die Presse)

Haltung der Sozialdemokraten könnte Duell von Karel Schwarzenberg (75) gegen Miloš Zeman (68) entscheidend beeinflussen.

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Prag. Tschechiens früherer EU-Kommissar Vladimír Špidla bildet sich ein, ein guter Analytiker und Kenner seines Landes zu sein. Doch am Wochenende war auch er platt: „Dass Schwarzenberg derart abschneiden würde, hätte ich nicht für möglich gehalten.“

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Špidla war nicht der einzige Experte in Tschechien, der sich mit seiner Prognose für den Ausgang der ersten Runde der Wahl des Nachfolgers für Staatspräsident Václav Klaus vertan hatte. Die Tatsache, dass neben dem erklärten Favoriten Miloš Zeman, dem früheren linken tschechischen Premier, auch der amtierende Außenminister Karel Schwarzenberg in die Stichwahl in zwei Wochen kommt, hat alle überrascht. Selbst seine eigenen Anhänger in einem Prager Theater waren so überwältigt, dass sie ihn schon wie den kommenden Staatschef bejubelten und spontan die Nationalhymne anstimmten.

„Ich habe schon viele Schlachten geschlagen, die am Anfang aussichtslos erschienen“, schmunzelte der „Fürst“, wie die Tschechen den 75-Jährigen liebevoll nennen. Der böhmische Adelsspross, der vor der Revolution von Österreich aus die Dissidenten in der Tschechoslowakei unterstützt hatte und dafür von Václav Havel zum Kanzler gemacht wurde, brachte keine guten Voraussetzungen für die Wahl mit. Immerhin ist er Vizepremier der aktuellen Regierung, die im Volk wegen ihrer Sparpolitik so unbeliebt ist wie keine zweite vor ihr.

Doch die Tschechen, so ergaben die ersten Analysen, haben weniger nach Parteizugehörigkeit gewählt, sondern auf die Personen geachtet, die zur Wahl standen.

 

Zeman präsentiert sich als „Politprofi“

Das gilt auch für Schwarzenbergs Widersacher Miloš Zeman (68). Der rhetorisch begnadete, ausgefuchste Analytiker mit dem Hang zu Bonmots und zu scharfen Getränken gehörte in der jungen Geschichte Tschechiens zu den wenigen politischen Schwergewichten. Zwar ist er seit zehn Jahren nicht mehr aktiv in der Politik gewesen, doch diese Pause hat ihm eher gut getan. Angriffslustig bezeichnete er die derzeitige Politikerklasse als eine „Ansammlung von Amateuren“. Er sei Profi, habe in seiner Zeit als Premier von 1998 bis 2002 Tschechien aus der Krise geführt. Damit hat er seinen vermeintlich schärfsten Konkurrenten bei der Wahl, den farblosen Ex-Premier Jan Fischer, alt aussehen lassen, der für die Wähler zudem ein unscharfes Profil zeigte.

Dass Zeman am Ende mit 24,2 Prozent nur äußerst knapp vor Schwarzenberg (23,4 Prozent) landete, verspricht einen offenen Ausgang der Stichwahl.

Schwarzenberg nannte Zeman einen „Mann der Vergangenheit“, damit daran erinnernd, dass der einstige Chef der Sozialdemokraten gemeinsam mit Václav Klaus der Korruption Tür und Tor geöffnet habe, an der Tschechien bis heute schwer krankt. Zeman konterte mit der Bemerkung, dass Schwarzenberg ein „Mann der Gegenwart“ sei, alle Gesetze zum Nachteil der Masse der Bevölkerung mit zu verantworten habe. Er selbst, so Zeman, sei tatsächlich ein „Mann der Vergangenheit, aber ein erfolgreicher“.

 

Votum der Sozialdemokraten entscheidend

Zemans Linie vor der Entscheidungsschlacht ist klar: Er will daraus eine Richtungswahl zwischen links und rechts machen. Er hofft, dass sich die Tschechen hinter ihm scharen, die frustriert sind von Steuererhöhungen und Sparprogrammen.

Schwarzenberg sieht Tschechien auch vor einer Richtungswahl, aber einer zwischen dem „alten Tschechien“ der Ära Klaus-Zeman und einem „neuen Tschechien“, das prosperiert und wieder seinen Platz als „Kern Europas“ einnimmt.

Entscheidend dürfte sein, wie sich die Sozialdemokraten zu Zeman stellen. Zeman hatte die Partei einst groß gemacht, sich dann aber von ihr zutiefst zerstritten getrennt. Die Partei fürchtet, irgendwann regieren zu dürfen, dabei aber von einem Präsidenten Zeman gegängelt zu werden. Die Sozialdemokraten gaben denn auch nur eine sehr halbherzige Wahlempfehlung zugunsten Zemans ab. Vladimír Špidla hat bereits angekündigt, dass er nicht Zeman, sondern Schwarzenberg wählen wird. Sollte das linke Lager so uneinig bleiben, könnte der Fürst tatsächlich die Prager Burg erklimmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2013)

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12 Kommentare

Gegen Hass und Nationalismus!

Für Schwarzenberg!

Auch die Tschechen...

werden eines Tages ihre Rolle in dieser Zeit aufarbeiten muessen - genauso wie das die Deutschen und Oesterreicher gemacht haben. Jetzt sind sie offenbar noch nicht soweit.
Auch bei uns wollten das nicht alle hoeren, aber es ist notwendig.

Ja, der Zeman, war ja damals der einzige Nicht-EU-Regierungschef für

die Sanktionen gegen Österreich.

http://www.conwutatio.at/index.php?option=com_content&view=article&id=100:eu-sanktionen&catid=5:europa

Herzlichen Glückwunsch zur gewonnen Wahl, Herr Zeman.

Die Slowaken haben uns gezeigt, was Nationalismus im 21. Jh. bedeutet.

Da kann einem übel werden, wenn

solche Schanddekrete als „unauflöslicher und fester Teil der slowakischen und tschechischen Rechtsordnung“betrachtet werden und ethnische Säuberung nennt man Nachkriegsordnung. Solche Staaten haben in einem zivilisierten Europa nichts verloren!

Zwischen Skylla und Charybdis oder zwischen Pest und Cholera



Unsere böhmisch-mährischen Nachbarn schaffen es leider nicht, eine nur einigermaßen menschlich sympathische Gestalt hervorzubringen und ihr eine politische Rolle zu geben, den Rollschuhfahrer ausgenommen!

Von den halbwegs prominenten jetzt lebenden Ex-Tschecho-Slowaken fällt mir gerade noch die Frau Kammersängerin Edita Gruberová ein, die wenigstens einen deutschen Namen hat. Aber die ist leider aus der falschen Hälfte des 1918 unter viel Getöse gegründeten Ex-Staates!! Ein Berg kreißte, und eine Tschechoslowakei ward geboren!

Red Bull

In CZ hat er sich durch seine aufmerksame Zuhörerfähigkeit den Spitznamen SCHLAFENBERG verdient, von Red Bull hält er wohl nichts. Ich persönlich nehme ihm die Kirchenrestitution übel, jetzt hofft er wohl auf eine Unterstützung seitens der Kirche! Sehr schön, das Geld hätte man sinnvoller Einsetzen können.

enttäuscht

ich hatte mehr von den Tschechen erwartet als diese Witzfigur zu wählen.

Re: enttäuscht

Stellen sie bitte Schwarzenberg nicht auf eine Stufe mit Strache und Stronach!

Re: enttäuscht

Selbst eine Witzfigur wäre allemal noch besser, als ein Politiker, der ethnische Säuberung, Raub und Mord als probate Staatsmittel hält- so wie Zeman damals den Israelis riet, die Palästinenser einfach hinauszuwerfen, wie es die Tschechen "erfolgreich" mit den Sudetendeutschen taten. Auf solche Polituker kann Europa heute wirklich verzichten! Kann sich die Presse an diesen Eklat nicht mehr erinnern, weil immer gelöscht wird?

Einmal ein Beweis mehr

man gewinnt Wahlen, wenn man Anstand und Rückgrat hat.

Die Wähler verstehen es, wann es Änderungen geben muß, und wenn man es ihnen erklärt verhalten sie sich auch "vernünftig".

In Ö verlieren Poltiker die Wahl nur nicht. Alle spielen das "Köpfchen in den Sand"-Spiel. Wer als erster rauskommt hat verloren.

PS:
Ich hoffe das der Gewinner endlich mit dem korrupten Pack an "Klaus-Politikern" aufräumt und die Tschechen wieder dort hinbringt, wo sie hingehören: Ins Zentrum von Europa!
Es würde Ö gut tun.

Re: Einmal ein Beweis mehr

Sorry, aber wir sind im Zentrum Europas !

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