Schweden: "Können uns eine Woche verteidigen"

14.01.2013 | 18:20 |  Von unserem Korrespondenten HANNES GAMILLSCHEG (Die Presse)

Generalstabschef Sverker Göranson hat eine Debatte über die Landesverteidigung losgetreten. Er schürt Zweifel an der Abwehrkraft seines bündnisfreien Landes. Der Ruf nach einem Beitritt zur Nato wird wieder laut.

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Kopenhagen. Kann Schwedens Militär einem Aggressor höchstens eine Woche lang Widerstand leisten? Ist man dann auf Hilfe von außen angewiesen, aber nicht imstande, diese entgegenzunehmen? Und wer sollte sie leisten? Mit einem Interview hat Sverker Göranson, der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, eine Debatte über die Landesverteidigung losgetreten, wie sie das bündnisfreie Schweden jahrzehntelang nicht mehr erlebt hat.

„Wir können uns gegen einen Angriff auf ein begrenztes Ziel verteidigen. Wir reden von etwa einer Woche aus eigener Kraft. Dann wären unsere Ressourcen aufgebraucht und das Widerstandsvermögen nicht mehr groß“, sagte der Militärchef zum „Svenska Dagbladet“. Gegen einen Angriff aus zwei Richtungen könne man sich nicht angemessen wehren. Diese Äußerungen schlugen in Schweden wie eine Bombe ein, auch wenn die konservative Verteidigungsministerin Karin Enström versuchte, die Aufregung einzudämmen: Angesichts der aktuellen Bedrohung sei eine Woche „angemessen“.

Doch damit geben sich die Kritiker aus den eigenen bürgerlichen Reihen wie aus der linken Opposition nicht zufrieden. Die Regierung gaukle der Bevölkerung vor, dass das ganze Land verteidigt werden könne, jetzt müsse sie sich der Wirklichkeit stellen, fordert der sozialdemokratische Verteidigungspolitiker Peter Hultqvist. Wenn Russland seine Militärausgaben allein heuer um 25 Prozent erhöhe, sei eine Stärkung seines militärischen Vermögens eine Realität.

Schweden hat seit Ende des Kalten Krieges die „Friedensdividende“ voll gezogen. Der Anteil der Militärausgaben am Sozialprodukt sank von 2,5 Prozent 1988 auf aktuell 1,1 Prozent. Die von einer Wehrpflichtarmee gestützte Territorialverteidigung mit potenziell 850.000Waffenträgern wird in diesen Jahren auf eine Einsatztruppe mit 53.700 Berufssoldaten umgerüstet. Statt 347 Armeebataillons gibt es nur noch 20, statt 71 Schiffen 16, statt 23 Flugdivisionen nur noch vier. Doch die 40 Milliarden Kronen (4,7 Mrd. Euro), die die Regierung jährlich fürs Militär bereitstellt, reichen nicht aus, behauptet Göranson, zumal der Ankauf von 40 bis 60 JAS-Gripen-Flugzeugen, die man eher aus industriellen als aus militärischen Gründen anschaffen muss, ein Gros der Mittel verschlingt. Selbst die Infrastruktur, die man benötigt, um im Krisenfall Fremdhilfe aufzunehmen, sei unzureichend, klagen die Militärs.

Die Aufrüstung eines zunehmend autoritären Russlands zeichnet nun eine neue sicherheitspolitische Karte in Nordeuropa, auch wenn niemand Schweden konkret bedroht sieht. Wenn man sich allein nicht verteidigen könne, müsse man eine Allianz suchen, sagt der liberale Parlamentarier Allan Widman, „und die einzige, die es gibt, ist die Nato“. Zwar ist Schwedens Militär jetzt schon mit der Nato eng verbunden: Von 62 Militärübungen, die man 2012 durchführte, fanden 44 mit Nato-Ländern statt; von 655 bei Auslandsmissionen eingesetzten Soldaten standen 612 in Afghanistan und dem Kosovo unter Nato-Befehl. Doch für einen Nato-Beitritt gibt es keinen Rückhalt in der Bevölkerung, was laut Widman auf eine jahrzehntelang versäumte Debatte zurückzuführen ist.

Jetzt wird die Annahme, dass im Ernstfall die Nato den Schweden beistehen werde, in Zweifel gezogen. Die Sicherheitsgarantien erstreckten sich nur auf die Mitglieder, unterstrich Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Sozialdemokraten und Konservative propagieren stattdessen die nordische Zusammenarbeit. Die nordischen Länder könnten Militärmaterial gemeinsam anschaffen, lagern und nutzen, schlugen Enström und Außenminister Carl Bildt vor. Doch die Nachbarn Norwegen und Dänemark sind Nato-Länder und haben ihre erste Loyalität innerhalb der Allianz.

 

Pläne für Patrouille über Island

Auch andere Nato-Länder haben Bedenken. So stößt der Plan Schwedens und Finnlands, gemeinsam mit Dänen und Norwegern Islands Luftraum zu patrouillieren, im Baltikum auf Widerstand. „Wenn wir Schweden zulassen, könnte auch Russland kommen und sagen: Wir sind auch Partner, wir wollen auch patrouillieren“, sagt Lettlands Verteidigungsminister Artis Pabriks. „Sollten wir dann auch Russland zulassen? Nein, entweder ist man Mitglied, oder man ist es nicht.“

Auf einen Blick

Sverker Göranson ist seit 25.März2009 Generalstabschef der schwedischen Armee. Nun sorgte er in einem Interview mit der Zeitung „Svenska Dagbladet“ für Aufsehen: Er behauptet, dass sich Schweden nur eine Woche aus eigener Kraft gegen einen Angriff zur Wehr setzen könne. [SwedishArmedForces]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2013)

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37 Kommentare
 
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Das Berufsheer ist ein sozialistischer Trojaner

zur Abschaffung der Landesverteidigung.
Die Ideologen glauben das es keine Bedrohungen mehr gibt. Schlagen die dann plötzlich zu war's wieder keiner und Schuld sind die anderen. So wie in der Schuldenkrise die man voraussehen konnte ja musste wenn man alle Tassen im Schrank hat...

Du meine Güte!

Was sollen denn die Schweden verteidigen müssen?
Die Volvo-Kraxn will eh keiner und die Saab-Schüssel sind gottseidank bankrott.
Und sonst hat Schweden ja dann nichts mehr au0er Winter und Einöde.

Re: Du meine Güte!

menschen wie Sie sind genau die, wegen denen man einen eid auf sein land widerrufen möchte und zumindest hofft, dass der gegner sie in einem hypothetischen konflikt als erstes schnapppt. allerdings: vermutlich würden sie dann schin weit weg sein als flüchtling oder mit dem gegner kollaborieren, so was kennt man von pazifistenfeiglingen.

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Re: Du meine Güte!

Bei allem Respekt, aber sie haben wirklich einen festen Schuss.
Tun sie der Welt einen Gefallen und behalten sie ihren Schwachsinn für sich!!
PS: und wechseln sie dringend ihren Psychiater, sowie die Psychopharmaka!

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man sollte schauen

was man in ö alles einsparen könnte von den über 100 liegenschaften sicher die hälfte

von den 2000 offizieren davon um die 100 generäle(bei 12000soldaten und 22000 gwd etwas viele häuptlinge) wovon diese um die 5-7000 verdienen
auch irgendwo die hälfte

weiter das uo korps zumindest den anhang der bei den eingesparten offizieren dranhängt
(lieber mehr zeitsoldaten und gruppenkommandanten als überbezahlte bürokräfte)
und die masse der Ausbilder die gwd sinnlos ausbilden jährlich 3 einrückungstermine für 3x4mon nutzungsdauer

und da will noch irgendwer sagen das das berufsheer um soviel teurer ist

liebe övp hören sie auf mit der unwahrheit mit denen sie bei gewönlichen krone kurier und heutelesern durchkommen

für mich ist es wie herr schmidseder gesagt hat er will funktionierende einsatzverbände und

keine sicherheitsschule die deutschkurse für österreicher anbietet

deshalb berufsheer x

und keine teure rumrepariereri auf einen ausrangierten system

Re: man sollte schauen

Auch du hast das wesentliche nicht kapiert:
1) das schwedische Verteidigungsbudget ist trotz Reduzierung immer noch doppelt so hoc h wie unseres.
2) Schweden bestätigt nun, dass ein Berufsheer nur mit NATO-Beitritt funktioniert!

Re: Re: man sollte schauen

und sie glauben die marine und die luftwaffe kostet gar nichts

da schwerden ein bißchen mehr maschine(40-60grippen anzuschaffen) hat als wir und auch bei schiffen leicht überlegen sind

sie haben etwas nicht kapiert
da sie weder beim militär sind noch ahnung von kosten in diesen bereich haben

Re: Re: Re: man sollte schauen

ad Luftwaffe: sollten wir auch haben - haben wir aber nicht wirklich.
ad Schiffe: haben sie recht.

ich gebe ihnen sogar recht, wenn sie behaupten, dass wir zu viele beamtete Offiziere und Unteroffiziere haben.
Ein Heer das auf Beamten aufbaut, führt über kurz oder lange immer zu überbordenden Personalkosten, da man nicht mehr benötigtes Personal nicht mehr los wird. Eine milit. Org. sollte eine Pyramide darstellen. Haben wir - bloß steht die fast Kopf.

Dieses rein österr. Problem geht man aber nicht an - man verändert nur die Rekrutierungsbasis.

Ich glaube nicht, dass die Politik auch nur einen Cent für zeitgemäße Ausrüstung locker macht egal welches System kommt.
Auch Agenda 2010 wurde politisch nicht umgesetzt.
Wenn Österreich aus welchen Gründen auch immer einmal wirklich mobil machen muss, fährt die Miliz mit den privaten Fahrzeugen oder geht zu Fuß. Und wehe, wenn das Mobilnetz ausfällt - dann ist es mit der Kommunikation wieder wie zu Napoleons Zeiten: Meldereiter ...

Re: man sollte schauen

ach ja, und sie sind wer, dass sie wissen sicher die hälfte der liegenschaften und die hälfte des personals einsparen können.
zurück in die parteizentrale und bvg lernen und bdg gleich mit.

Re: Re: man sollte schauen

wer sind sie und da sie nur wettern ohne fakten zu bringen sollten sie lieber die parteizentrale aufsuchen viel spaß bei spindi und mikl

weiters was glauben sie was mit den ganzen panzerverbänden passiert denen grad die panzer(+kilometerbeschränkung) abgenommen werden weiters wird die ausbildung an diesen waffesystemen ausgesetzt

seinen sie weiter leichtgläubig und ahnungslos wie die masse der bevölkerung

Jetzt bitte noch bedenken, dass Schweden militärisch (technisch und ausrüstungsmäßig) Ö. weit überlegen ist!

Wie lange würden wir wohl "Stand halten"?

Noch Fragen? Wir sind militärisch hilflos und am Ars... .!

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Re: Jetzt bitte noch bedenken, dass Schweden militärisch (technisch und ausrüstungsmäßig) Ö. weit überlegen ist!

Bei einem altmodischen Einmarsch 3 Tage.

Re: Jetzt bitte noch bedenken, dass Schweden militärisch (technisch und ausrüstungsmäßig) Ö. weit überlegen ist!

Sind wir das denn nicht sowohl mit Berufsheer als auch Wehrpflichtigenheer? ....

Re: Re: Jetzt bitte noch bedenken, dass Schweden militärisch (technisch und ausrüstungsmäßig) Ö. weit überlegen ist!

Das schwedische Verteidigungsbudget ist immer noch (obwohl reduziert wurde) doppelt so hoch wie unseres. Und dass ein Berufsheer ohne NATO-Beitritt verantwortungslos ist wissen nun auch die Schweden.

Re: Re: Jetzt bitte noch bedenken, dass Schweden militärisch (technisch und ausrüstungsmäßig) Ö. weit überlegen ist!

Nein, wären wir nicht, wenn wir unser Heer auf Basis der allg. Wehrpflicht (und damit ausreichender Mannstärke) so modern organisieren würden, wie die Schweiz. Nur: Das kostet eben etwas und Sicherheit ist den Österreichern, anders als unseren schweizer Nachbarn, eben nichts wert, frei nach dem dummen Motto: "es wird schon eh`irgenwie gehen und nix passiern - an G´spritzn bitte".

Bananenschalen auf dem Weg in ein friedliches Europa



ich würde vorschlagen, dass wir dem Markt alles regeln und regulieren lassen. Wer vom Gott Mammon am meisten geliebt wird kann uns alle seinem Eigenwohl opfern. Ist doch schön. Berufsheer inklusive.

Alles ganz normal
mir geht es gut

Re: Bananenschalen auf dem Weg in ein friedliches Europa

das kommt sowieso. der vorschlag (wenn auch ein guter) ist also wie eulen nach athen oder bananen nach österreich zu tragen.

Du meine Güte!

Die Schweden haben aber auch null Erfahrung mit großen Siegen!
Wir Österreicher hingegen haben sogar N-Deutschland erledigt.

Schweden hat ja ein Berufsheer und kann ja so gut rekrutieren, laut Darabos.

Wie werden wir nur belogen.

Re: Schweden hat ja ein Berufsheer und kann ja so gut rekrutieren, laut Darabos.

Aber sie wissen doch das dies in Schweden, Frankreich, Spanien, Deutschland usw. perfekt klappt oder lesen sie nicht einzig den daraboschen Boten - welcher auch Krone heißt? Bei Schweden hatte ich schon Gespräche, welche einem sagten wartet mal was ihr bekommt wenn die Wehrpflicht fällt. Herr KTzG strich die Wehrpflicht und wir sahen es. Personen die nirgends sonst einen Job erhalten würden und die Armee muss sie nehmen um überhaupt Personal zu haben. In Spanien sieht es ähnlich aus genauso wie in Frankreich, denn man kann nicht nur mit Häuptlingen kämpfen. Nur für die Chargenlaufbahn wird sich niemand finden außer nach dem Motto Karlau oder Allensteig und ob man von denen beschützt werden will mag ich bezweifeln.
Da ist mir die Miliz aus Staatsbürgern doch lieber.

Re: Re: Schweden hat ja ein Berufsheer und kann ja so gut rekrutieren, laut Darabos.

Naja - nicht ganz: zumindest in Spanien haben sie keine Probleme mit der Rekrutierung mehr.
Ob dies daran liegt, dass sie in Ex-Kolonien rekrutieren oder dass sie 56% Jugendarbeitslosigkeit haben?
Ex-Kolonien haben wir nicht - aber vielleicht bekommen sie das mit der Jugendarbeitslosigkeit hin ...

Frage welcher europäische Staat könnte länger als eine Woche Wiederstand leisten?

Mit der Argumentation können wir bis auf die Chinesische, Russische, Indische, Pakistanische und Amerikanische Militärmacht alle auflösen. Da selbst um Frankreich und Großbritannien bis auf einzelne Wiederstandsnester zu besiegen es keine Woche bei einem hochgerüsteten Angreifer bedarf.
Auch der Beistand der Nato wird wenig bringen, wenn der Angreifer über Nuklearwaffen verfügt und den Beistandswilligen klar macht, dass er auch bereit und gewillt ist diese gegen die Unterstützer seines Feindes einzusetzen.
Nur derzeit ist die Situation eher nicht so, dass ein klassischer Übergriff erfolgt sondern eher Operationen wie der Falklandkrieg.
Also als Beispiel Slowenien und Ungarn verbünden sich aufgrund ihrer desolaten Wirtschaftspolitik und stellen Gebietsansprüche an Österreich um von ihren innenpolitischen Problemen abzulenken und versuchen dies durch militärische Operationen zu untermauern.
Nur Schweden sieht sich von Norwegen und Finnland bedroht? Defakto gehört Schweden wie auch Österreich durch die Assignation von Truppen in die EU-BG und als Unterstützung in den NRF schon lange zur NATO und jetzt versucht man sich halt gänzlich einzugliedern. Denn den österreichischen Luftraum kann man von Manching und Piacenza mit betreuen mit Jagdstaffeln.
Bei Schweden sieht es etwas schlecht aus. Nur sollte man bedenken das ein französischer Marschall Schweden im nächsten Jahr 200 Jahre Frieden durch Neutraliät sicherte.

Re: Frage welcher europäische Staat könnte länger als eine Woche Wiederstand leisten?

Jeder, der eine von 2 Varianten erfüllt:

a) einem Militärbündnis angehört (NATO)
b) eine ausreichend ausgerüstete Armee hat (Schweiz)


Re: Frage welcher europäische Staat könnte länger als eine Woche Wiederstand leisten?

Ich will als Tiroler keine italienischen Abfangjäger in unserem Luftraum - Ende! Für den Westen (Vlbg. + Tirol) wäre es ohnedies besser zur Schweiz zu wechseln! Auch Tirol und Bayern wären denkbar. Mit dem Osten Österreichs gehen wir ohnedies nur unter - die passen besser zum östlichen Europa.

Re: Re: Frage welcher europäische Staat könnte länger als eine Woche Wiederstand leisten?

Sie wollen als Tiroler keine ital. Abfangjäger..........und gleichzeitig planen sie neue Staaten.....interessant. Aber gleichzeitig sind sie zufrieden mit der Tatsache, dass Südtirol zu Italien gehört.

bitte nicht schauen ...

Schweden hat also auf Profis gesetzt und die Friedenskarte gezogen. Das, was unsere Politriege auch tun will.
Blöd, dass die anderen drauf kommen, dass dies vielleicht keine so gute Idee war und sich den Problemen stellen, wir aber nicht nach Norden schauen dürfen, sonst sieht die Profi-Armee-Zukunft nämlich nicht mehr so rosig aus, wie man uns glauben machen will.

Schweden ist neutral, und ebenso "nahe" bei der NATO wie wir. Die Nato winkt in Sachen Unterstützung ab - aber uns wird die Nato ja helfen. Und das sollen wir glauben?
Massenheer brauchen wir keines - so viel ist richtig. Dieses (Einberufungsstärke 300.000 Mann) wurde aber schon lange abgeschafft. 55.000 Mann - davon grob 50% Kampftruppe wären gerade genug, wenn sie denn ausgerüstet wären. Aber davon ist Österreich weit entfernt. Profis haben wir schon, denn das BH leistet unter widrigen Umständen großartiges.
Nur zeitgemäße Ausrüstung in ausreichender Menge hat das BH nicht.


 
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