Pakistan: Ausschreitungen bei Protest gegen Regierung

15.01.2013 | 07:07 |   (DiePresse.com)

Der Kleriker Tahir ul-Qadri versammelte mehr als 25.000 Menschen vor dem Parlament. Die Polizei versucht, die Demonstration mit Tränengras zu zetreilen.

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Bei einer Großdemonstration gegen Pakistans Regierung ist es am Dienstag zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte Tränengas gegen tausende Protestteilnehmer ein, die zum Parlament in der Hauptstadt Islamabad vordringen wollten, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Auch Schüsse waren zu hören. Die Demonstranten waren dem Aufruf eines muslimischen Geistlichen gefolgt, der die Auflösung des Parlaments fordert.

Der pakistanisch-kanadische Kleriker Tahir ul-Qadri (Tahir ul-Qadri) wirft der Regierung Inkompetenz und Korruption vor und fordert tiefgreifende Reformen vor der Parlamentswahl im Frühsommer. Der 61-Jährige hatte zehntausende Anhänger auf einem zweitägigen Protestmarsch in die Hauptstadt geführt. Er stellte am Dienstag der Regierung ein Ultimatum bis 11 Uhr Ortszeit (7 Uhr MEZ). Bis dahin soll diese das Parlament auflösen. Unter Führung des einflussreichen pakistanischen Militärs soll dann eine Übergangsregierung eingesetzt werden.

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25.000 Menschen vor dem Parlament

Gegen 10 Uhr Ortszeit hatten sich rund 25.000 Menschen vor dem Parlament versammelt, wie ein Vertreter der Sicherheitsbehörden sagte. "Die Zahl der Demonstranten steigt." Einige von ihnen hatten vor dem Tränengaseinsatz Steine auf die Sicherheitskräfte geworfen. Weitere zerstörten Scheiben von Autos, viele trugen Stöcke. Wer die Schüsse abgab, war unklar.

Die Demonstranten drangen bis zum Rand der sogenannten Roten Zone vor, in der sich das Parlament und andere wichtige Gebäude befinden. Diese wurde von einem Großaufgebot an Sicherheitskräften geschützt. Um den Demonstranten den Weg zu versperren, waren Schiffscontainer aufgestellt und Stacheldraht verlegt worden.

 

"Wir sind friedlich"

Einer der Organisatoren des Protests warf der Regierung vor, Gewalt provozieren zu wollen. "Wir sind friedlich", sagte Muzamal Ahmed Khan. "Die Polizei hat Tränengas eingesetzt und Schüsse ohne Grund abgefeuert." Qadris Unterstützer sehen in seinen Forderungen einen Weg, Pakistan von Grund auf zu reformieren, das unter einer schwächelnden Wirtschaft, Energieproblemen und islamistischer Gewalt leidet. Kritiker des Protestaufrufs beklagen dagegen den Versuch, die Parlamentswahl im Frühsommer zu verzögern und politisches Chaos zu säen.

Qadri hatte bereits am 23. Dezember, kurz nachdem er nach Jahren in Kanada zurückgekehrt war, in Lahore bei einer Kundgebung 100.000 Anhänger versammelt. Er ist der Führer der religiösen Bewegung Minhaj ul-Quran (Der Weg des Koran) in Lahore. Nach eigenen Angaben hat die Organisation mehr als 500 Religionsschulen in Pakistan und Vertretungen in mehr als 90 Ländern. Der frühere Abgeordnete verurteilte in einem religiösen Rechtsgutachten Selbstmordanschläge als anti-islamisch und gilt seinen Anhängern als Vertreter eines aufgeklärten und friedlichen Islam.

(APA/AFP)

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    Tahirul Qadri (Mitte) / Bild: (c) REUTERS (MANI RANA) Der nach Kanada ausgewanderte Tahirul Qadri steht an der Spitze einer internationalen religiösen Organisation und möchte in Pakistan Justiz und Armee aufwerten. Zehntausende folgen seinen Protestaufrufen.

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1 Kommentare

Muhammad Tahir-ul-Qadri ist vielleicht einer der wenigen islamischen Geistlichen, die wirklich an Reformen interessiert sind.

In seine 2010 erschienene Fatwa über den Terrorismus lehnt er Terrorismus, egal welcher Art, vollkommen bedingungslos und ausnahmslos ab. In dieser Eindeutigkeit und Schärfe sind innerislamisch nur wenige Aussagen der Geistlichkeit zu vernehmen gewesen. Schade, dass seine Stimme in der islamischen Welt nicht mehr Gewicht hat.

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