Entführung: Jemen-Geiseln in Hand der al-Qaida?

15.01.2013 | 17:27 |   (Die Presse)

Die ursprünglichen Entführer sollen in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa den entführten Wiener und zwei Finnen an Terroristen „verkauft“ haben. Das Außenamt in Wien spricht von „Gerüchten“.

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Sanaa/Wien/WG/AG. Über das mögliche Schicksal jenes Österreichers und der zwei Finnen, die kurz vor Weihnachten in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa verschleppt worden sind, gibt es beunruhigende Neuigkeiten: Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Dienstag unter Berufung auf einen „hohen jemenitischen Beamten“, dass die drei Europäer von ihren ursprünglichen Entführern an die Terrororganisation al-Qaida verkauft worden seien. Sie seien demnach in die Provinz Bayda im Süden des Landes überstellt worden.
Am Montag hatte Jemens Nachrichtenagentur „Saba“ Jemens Präsident Abd-Rabbu Mansour Hadi nach einem Treffen mit Österreichs Botschafter Gregor Kössler und einem finnischen Diplomaten mit den Worten zitiert, die Geiseln seien von „terroristischen Gruppen“ gekidnappt worden.

Bei den Geiseln handelt es sich um den 26-jährigen Wiener Dominik und ein junges finnisches Paar. Die beiden Männer hatten am renommierten „Center for Arab Language and Eastern Studies“ (Cales) in Sanaa Arabisch studiert. Im Dezember stieß die Freundin des Finnen dazu, wenig später, am 21. Dezember, wurden die drei trotz starker Polizeipräsenz mitten in Sanaa von Bewaffneten aus einem Elektronikgeschäft gezerrt in ein Auto gezerrt und weggebracht.

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„Es gibt noch nicht einmal ein Bekenntnis“

Schon bald hieß es von jemenitischer Seite, dass die Entführer mehrere Millionen Dollar Lösegeld fordern würden und sie trotz Straßensperren aus Sanaa hinaus aufs Land verbracht hätten. Ob die Entführer sie nun wirklich an eine andere Gruppe, in diesem Fall an das Terrornetzwerk al-Qaida, weiterverkauft hätten, etwa, um rascher und sicherer an Geld zu kommen, wollte unterdessen das Außenministerium in Wien nicht bestätigen. „Es gibt ja nicht einmal ein Bekenntnis irgendeiner Entführergruppe“, sagte Außenamtssprecher Martin Weiss zur „Presse“.
Daher seien „alle Szenarien möglich“ und man wolle und könne sich darüber nicht näher äußern. Im Übrigen könne sich die Sache noch über längere Zeit hinziehen.

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Jemens Präsident habe nur von „terroristischen Gruppen“ gesprochen, was noch nichts Genaues heiße, und der von Reuters zitierte jemenitische Beamte sei ja anonym geblieben. Zudem habe der österreichische Botschafter vor Ort, der grundsätzlich in Saudiarabien amtiert und nun zwischen Riad und Sanaa pendelt, keinen Kontakt mit den Tätern und den Entführten, also sei man allein auf Angaben der Jemeniten angewiesen. Und von diesen heiße es eben „dieser Stamm“ oder „jener Stamm“, doch schon morgen könne alles wieder anders sein.

Angeblich keine Lebenszeichen von Geiseln

Österreich hat neben dem Botschafter drei weitere Beamte, darunter einen Mitarbeiter des Heeresnachrichtenamtes, im Jemen auf den Fall angesetzt und arbeitet mit anderen Geheimdiensten befreundeter Länder (darunter den USA) zusammen. Aus informierten Kreisen heißt es, von den Entführten gebe es noch keine Lebenszeichen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2013)

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45 Kommentare
 
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es ist unglaublich....

was für gestalten der kapitalismus geschaffen hat... wenn man sich hier die kommentare so durchliest muss man einfach nur den kopf schütteln...

ich hoffe es entführt euch einer hier in wien und dann wird euch genau dieser kommentar ins gesich gesagt "selber schuld warum soll ich steuertzahler zahlen" omg lächerlich...


Dominik N.

BREAKING THE NEWS

Dominik N. wird gegen erteilte Baubewilligungen von je einem zusätzlichen Gebilde für religiöse Handlungen incl. arabischer Glockentürme in den neun Landeshauptstädten wieder freigelassen, um uns als Arabistikfachmann von den Vorzügen des Morgenlandes zu überzeugen.

Und wer zahlt das Ganze

Natürlich wir Steuerzahler!!! Ich persönlich finde wenn man Länder bereist wo Reisewarnungen ausgesprochen wurden handelt man zu 100% grob fahrlässig! Man muss mit sowas einfach rechnen dass man verschleppt oder sogar getötet wird. Wenn man hier in Österreich grob fahrlässig handelt egal wie muss man seine eigenen Fehler selbst bezahlen.

was tun?

vielleicht den leiter des salafistenzentrum in wien als geisel nehmen? oder die lösegeldforderungen an saudi-arabien weitersenden?

entführt

da könnten sich die sogenannten "künstler" um aufmerksamkeit bemühen.

Her mit der Eingreiftruppe!

Wenn Darabos was taugte, hätte er schon längst eine schnelle Eingreiftruppe in den Jemen geschickt.
Ach so, er ist ja Zivildiener!

Jedenfalls: Höchste Zeit, die Terroristen aus dem Spiel zu nehmen.

Re: Her mit der Eingreiftruppe!

Darabos ist Zivildiener? Woher Du Deine Infos beziehst, würd mich interessieren...!

Re: Re: Her mit der Eingreiftruppe!

würd mal so sagen: aus dem medienrummel!! entweder lügen die medien oder ??????

Soziales Presseforum

Nach der herrschenden Ansicht der ehrenwerten Presse-Kommentatoren steht auf Reisen in mitunter nicht ungefährliche Regionen die Todesstrafe. Nichts anderes bedeutet es nämlich, wenn man weder (ver)handelt noch zahlt.

Beste Grüße und in Erwartung von mehrern dutzend Rotstrichlern - einen schönen Abend noch auf der gemütlichen Couch allerseits!

Einfache Rechnung:

Einmal nicht zahlen: 1 Toter

Einmal zahlen: 10 weitere Entführungen, manche davon vielleicht unbeabsichtigt mit Todesfolgen.

So tragisch es im Einzelfall ist, mit Erpressern darf nicht verhandelt werden.

Und "sozial" ist sowieso ein Schimpfwort.


Re: Einfache Rechnung:

Ein triftiges Argument, immerhin begründen Sie Ihre Meinung.

Schön wäre es natürlich in solch einem Fall eine qualifizierte Elite-Eingriffseinheit parat zu haben um eine Befreiungsaktion zu starten.
Oder die Verantwortlichen nach einem Austausch per Drohne in die Steinzeit zu bomben. Das würde Entführungen wohl eher abstellen. Niemand entführt einen US-Bürger wenn er annehmen muss, dass dann die Special-OPs anrücken.

Für all das haben wir aber weder den politischen Mut, die Ressourcen oder die Bündnisse. Also bleibt verantwortungsloserweise nur nichts zu tun oder Zugeständnisse zu machen. Ich bin froh diese Entscheidung nicht treffen zu müssen. Ich bin nicht froh, dass solche Entscheidungen unsere weltfremden Politiker treffen.

PS. Wenn sozial für Sie ein Schimpfwort ist, haben Sie mein Beileid. Lassen Sie sich keine Wörter von grenzdebilden Politikern verhunzen! (sozial = gemeinsam, menschliches Zusammenleben und ist sicherlich keine Erfindung der Sozialdemokratie)

Re: Soziales Presseforum

Sozial kann man die meisten Kommentatoren hier wirklich nicht bezeichnen...

Du zahlst gern?

Dann spende doch gleich den Terroristen dein Jahresgehalt!

Re: Soziales Presseforum

...nicht ungegfährlich = lebensgefährlich.....

Schickt doch Faymann oder Chefverhandler Darabock dort hin

Dann kriegen die noch 500 Staatsbürgerschaften dazu.

Re: Schickt doch Faymann oder Chefverhandler Darabock dort hin

na eher schon den spindi! der ist doch außenminister und initiator des saudi-arabischen salafistenzentrums in wien! der hat doch sicher einen guten draht!

Arabistik

Ist ein gefährliches Fach.

Der...

..Arabistik Student kann ja selbst verhandeln und auch bezahlen.

der kasperl

soll selber zahlen.

Mit Gregor Kössler ist ein Vollprofi für Österreich in Sanaa. Er wird tun, was er kann und nichts unversucht lassen,

damit die Geiseln freikommen.

Re: Mit Gregor Kössler ist ein Vollprofi für Österreich in Sanaa. Er wird tun, was er kann und nichts unversucht lassen,

vollprofi in was das ist die frage ich glaube im ja und armen sagen.

Kopfgeld

-ich würde die Höhe des Lösegelds als Kopfgeld für die Entführer aussetzen.

Damit wären wir dann alle auf dem gleichen Nievau angekommen.


Was glaubt ihr, wer den Freikauf dieser Pfosten wieder zahlen kann?

Unsere Regierung hat schon oft bewiesen, dass sie es noch schafft im Liegen umzufallen.

Der Steuerzahler darf daher wieder für diese "Abenteuerlustigen" aufkommen.

Re: Was glaubt ihr, wer den Freikauf dieser Pfosten wieder zahlen kann?

Ich hoffe du sprichst genauso, wenn es mal deinen Bruder oder einen deiner Verwandten trifft. ;)

Auch im Sinne zukünftiger Jemenreisender

sollte nichts - absolut nichts. auch keine "Wirtschaftshilfe etc. - bezahlt werden.

Sonst ist jeder Österreicher dort in Gefahr.


 
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