„Frankreich kann Mali nicht allein zur Seite stehen“

15.01.2013 | 18:12 |  von unserem Korrespondenten RUDOLF BALMER (Die Presse)

Der französische Außenminister Laurent Fabius erwartet sich Hilfszusagen der EU-Partner im Kampf gegen die Islamisten in Mali. Laut internationalen NGOs rekrutierten die Rebellen mehr als tausend Kinder.

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Paris. Die Kämpfe im afrikanischen Land Mali sorgen für eine gewaltige Flüchtlingswelle: Wie das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR am Dienstag bekannt gab, haben 150.000 Menschen Mali in Richtung der Nachbarländer verlassen. Hilfsorganisationen wie World Vision berichten zudem, dass zuletzt mehr als tausend Kinder von den Rebellen als Kämpfer rekrutiert worden seien.

Am Donnerstag treffen die EU-Außenminister zusammen, um über die Lage in Mali zu beraten. „Es ist nicht Frankreichs Rolle, Mali allein zur Seite zu stehen“, sagte der französische Außenminister Laurent Fabius, der sich von den EU-Partnern mehr materielle und militärische Unterstützung erhofft als bisher.

Französische Truppen hatten vergangenen Freitag in die Kämpfe in Mali eingegriffen, um den Vormarsch der islamistischen Rebellen zu stoppen. Nun bemüht sich Paris um eine internationale Absicherung der Aktion. Bereits am Montagabend hatte der UN-Sicherheitsrat in New York Frankreichs Vorgehen gebilligt.

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Unklare Mission

Auch wenn das französische Eingreifen weltweit vorwiegend auf Zustimmung stößt, tauchen erste Fragen auf: Unklar ist, wie genau die Mission der französischen Soldaten in Mali aussieht, deren Zahl auf 2500 steigen soll. Und unklar ist die Dauer des Einsatzes. Ursprünglich hatte Präsident François Hollande nur erwogen, die Offensive der Islamisten zu stoppen und sie wieder hinter die Linie zwischen dem Norden und dem Süden Malis zurückzuwerfen.

Jetzt geht es offensichtlich darum, die Rebellen aus ihren Stützpunkten im Norden zu vertreiben und die territoriale Integrität Malis wiederherzustellen. Die Sicherung der befreiten Gebiete und der Wiederaufbau sowie die Schaffung demokratischer Strukturen kann dagegen nicht das Werk des französischen Expeditionskorps sein.
Zweifel hegen Experten an Frankreichs Fähigkeiten, über längere Zeit ohne mächtige Verbündete wie die Nato Krieg gegen Rebellen zu führen, die anscheinend besser ausgerüstet und ausgebildet sind, als man in Paris angenommen hatte. Zu den zweifellos enormen Kosten der Expedition liegen noch keine Schätzungen vor.

In Frankreich wird das militärische Eingreifen von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung und auch von der bürgerlichen und rechten Opposition akzeptiert. Nur wenige kritische Stimmen wurden bisher laut, wie die des früheren Premiers und gaullistischen Außenministers Dominique de Villepin oder des Wortführers der Linksfront, Jean-Luc Mélenchon.

Das Parlament wurde am Montag, drei Tage nach dem Beginn des „militärischen Auslandseinsatzes“, vom Premier nur „informiert“, wie dies die Verfassung vorsieht. Einer expliziten Zustimmung der Volksvertreter braucht es nur für eine Kriegserklärung gegen einen anderen Staat. Eine Debatte im Parlament ist erst nötig, wenn der Einsatz mehr als vier Monate dauern sollte – wie das etwa bei Frankreichs Engagement in Afghanistan der Fall war.

Reserveoffizier Hollande in Aktion

Positiv erstaunt sind in Frankreich diejenigen, die Präsident Hollande für einen Zauderer oder einen Weichling gehalten haben. Er hat in diesem Fall sehr entschlossen gehandelt. Man erinnert sich nun, dass er Reserveoffizier war, bevor er als Präsident auch Oberbefehlshaber der französischen Streitkräfte wurde. Ein erfolgreiches Eingreifen in Afrika würde es ihm zweifellos als Nebeneffekt erlauben, sein im eigenen Land angeschlagenes Image aufzubessern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2013)

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56 Kommentare
 
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Zutiefst beschämend

...finde ich,dass manche meiner Landsleute hier wie verrückt posten ohne sich auch nur im geringsten über die Geschehnisse und Gegebenheiten in Mali informiert zu haben.Eine eigene Meinung steht jedem zu - aber eine Meinung kann man nur auf Grundlage von Fakten bilden.Heutzutage bilden anscheinend nur mehr Gerüchte und Verschwörungstheorien die Basis einer Meinung - das ist ja auch viel einfacher,da muss man sich nicht weiter plagen.

Re: Zutiefst beschämend

Ob eine Gruppe Terrorist ist oder nicht bestimmt immer noch der Westen. Also gehen Sie mal in sich und fragen Sie sich ob dieser Westen nicht Terroristen nach eigenen Gunsten werken lässt?? Der Präsident dieses "demokratischen Staates" ist selber erst durch einen Putsch an die macht gekommen und hat zahlreiche Tote und Kindersoldaten im Gewissen. Und nur weil nun jetzt eine andere Gruppe meint einen Stück vom Kuchen der Bodenschätze Malis bekommen zu wollen verteidigt der Westen, allen voran Frankreich, seine Interessen. Manche Leute sehen das als legitim. Jedem ist seine Meinung überlassen.

Aber nur deswegen sind es wieder die Islamisten, die islamischen Extremisten oder die radikalen Scharia Anhänger die wieder in den Medien präsent sind.

Re: Re: Zutiefst beschämend

Ach ja,Ansar Dine sind gar keine schwerbewaffneten Islamisten,sie haben nicht die Scharia eingeführt und 150000 Malier sind nur zum Spass ein bißchen auf der Flucht und Mali war vorher keine Demokratie,das haben wir nur geträumt.Gute Nacht,für heute, mir reichts.Die Gotteskrieger können sich echt bedanken für die viele Freundschaft - oder Naivität - im verhassten Westen.

Meinung auf Grundlage von Fakten

Ist es nicht Faktum genug, daß radikale Islamisten die Bevölkerung terrorisieren und umbringen, wenn sie der radikalen Scharia nicht gehorchen?

Wir bekommen schon einmal einen Vorgeschmack, wie es bei uns in 20 Jahren aussehen wird, wenn man die Salafisten so weitermachen lässt.

Re: Meinung auf Grundlage von Fakten

Ja,natürlich,aber anscheinend nehmen nur wenige dieses Faktum ernst

friedensnobelpreis

wenn die anderen eu staaten eingreifen, rufe ich persöhnlich beim nobelpreikomitee an und frag die gschrift obs jetzt ganz depoat san...

Re: friedensnobelpreis

zum Nobelpreis für Europa empfehle ich folgenden Beitrag

http://www.youtube.com/watch?v=BaOE3pUY6cg

Ja und diese Al-Kaida...

...nicht zu fassen was die alles drauf hat... Man redet immer von primitiven Islamisten, welche jegliche Art von westlicher Technologie und Errungenschaften als satanisch sehen... Die sind mal in Pakistan, mal in den USA, mal in Afghanistan, dann doch in Mali, dann in Lybien dann wieder in Europa... Also eigentlich besser im Kriegführen als die meisten europäischen Streitkräfte :D

So groß die Al- Kaida, aber dann doch so unaufflällig im besorgen von unendlich viel Waffen und Munition, medizinische Versorgung und Infrastruktur, und vieles mehr...

Ja genau und den Osterhasen gibts wirklich...

Krieg 2.0

Das ist halt so... In Syrien sind die Rebellen die guten, in Lybien genauso. In Mali sind sie die schlechten. Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen, wie der Westen hier die Unterschiede zwischen Gut und Böse zieht. Wir dürfen natürlich nicht von Doppelmoral reden. Schließlich geht es ja nicht um die Installation der Regierungen, die einem die meisten Gewinne verspricht, sondern um die Befreiung der Menschen und Menschenrechte.

Und Frankreich hat es sowieso gut drauf andere mit in den Dreck zu ziehen. Da ist der Vietnamkrieg nur ein Beispiel unter vielen vielen vielen....


Re: Krieg 2.0

Sagen Sie doch gleich,dass Sie sich nicht auskennen,dann passt es.Sie sind jedenfalls nicht allein.Es gibt eine ganze Menge Österreicher,die jeden Einsatz in einen Topf schmeissen,denn es ist offenbar viel zu anstrengend,sich gründlich zu informieren und zu differenzieren.Während die Lage in Syrien tatsächlich sehr unübersichtlich ist,ist sie das in Mali überhaupt nicht.Islamisten haben einen vormals demokratischen Staat überfallen und gehen daran,dort Terrorcamps zu errichten - durchaus auch mit Zielrichtung Europa.Also dann:lassen wir sie machen,oder?

In meinen Augen

ist das eine sehr unbedachte Aktion Hollande´s.

So wie seine Politik....ein paar Ideen, aber ohne Ziel und ohne Struktur.

Zuerst hätte er Verbündete gebraucht um dieses doch riesige Land (3x so groß als Deutschland) in den Griff zu bekommen.
Die spielen doch Katz und Maus mit den Franzosen.

Aber dieser Stil passt ganz gut zu diesem Mann.

Ehemals französische Kolonie

Frankreich verteitigt hier seine eigenen Interessen. Mali ist Teil der 'Organisation der Frankophonie'. Jetzt sollen andere ihnen beistehen um ihre aus der Kolonialzeit stammenden und chauvinistischen Interessen zu verteitigen??. Unser BK wird vermutlich aus sozialistischer solidarität den Kollegen Hollande unterstützen.

Man bringt alle Verbrecher in einem Verein zusammen und

der Verein heisst einfach EU!

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IstSyrien vorerst gerettet ?

Die Hetze gegen Assad hat merklich nachgelassen. Im UN-Sicherheitsrat wurden die Aktionen der Franzosen in Mali einstimmig gebilligt. Auch die Russen gaben freudig grünes Licht. Ist das ein Kuhhandel ? Alle haben verstanden, zur Rettung des US-Dollars und der Anhängselwährungen (EU) braucht es einen Krieg. Es müssen Rohstoffe her, um dem fiat money Substanz zu verleihen. Wenn man nicht in Iran / Syrien weiter kommt, dann halt Afrika.

Es müssen Rohstoffe her,

von denen es in Mali jede Menge gibt:

http://news-beacon-ireland.info/?p=10061

Die Wertegemeinschaft weiß, wo die wahren Werte zu finden sind.

Einmal werden die Interessen Europas

Am Hindukusch verteidigt und dieses mal in Mali.

So sehen eben die Verteidigungseinsätze der Europäer aus !!!

Ist Zeit unser Bundesheer endlich einer Feuertaufe zu unterziehen.

1000 Mann ab nach Mali, dort können sie ihre "Professionalität" zeigen. Ein Heer ohne richtigen Kampferfahrung ist ein Schneebrunzerverein!

Die Mitgliedstaaten der EU

Ein Garant für Frieden oder ???

Angriff korrekt.

Dieser militärische Eingriff ist in jedem Fall zu begrüßen. Kein Mensch, und schon gar nicht das weichgespülte dekadente Europa braucht ein Afrika, in dem sich Islamisten immer weiter ausbreiten. Nur ein humanistischer naiver Gutmensch würde das vermutlich anders sehen.

Re: Angriff korrekt.

...und wie war das mit den Islamisten in Lybien,die Guten,Ägypten,die Guten,Syrien,die Guten...Mali,die ganz Bösen? Oder geht es nur um die Bodenschätze?

Frankreich kann Mali nicht allein zur Seite stehen

1. Habts das nicht vorher gewusst?; vor der Abfahrt.
2. Es ist Eur Problem, Franzosen - nicht EUr

gebt uns ein berufsheer

dann können wir endlich mitmachen beim Bodenschätze sichern

Re: gebt uns ein berufsheer

Wenn es um die Bodenschätze ginge,dann müßte China diesen Einsatz machen - Mali exportiert wenig nach Frankreich.

Re: Re: gebt uns ein berufsheer

In Lybien haben vor der "Befreiung" auch tausende Chinesen gearbeitet
Rate mal wer dort jetzt das Öl fördert

Vertreibung

Vertreiben will er die Islamisten?? Hinter die Grenzen?? Na die werden aber beeindruckt sein und sicher nie wieder kommen. Vertreiben heißt aber mit Jets kommen und bombardieren?? Das Land ist 15 mal so groß wie Österreich, da kann man nicht innerhalb von ein paar Tagen Konflikte lösen die sich mit Bomben sicher nicht lösen lassen

Re: Vertreibung

Ja eine toll damit die dann als Asylwerber nach Europa kommen.

 
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