Krieg in Mali: Frankreich schickt Bodentruppen

16.01.2013 | 14:08 |   (DiePresse.com)

Die Soldaten sollen die Stadt Diabaly von den Islamisten zurückerobern. Der Verteidigungsminister in Paris stellt sich auf einen "langen Kampf" ein.

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Nach tagelangen Luftangriffen schickt Frankreich nun auch Bodentruppen in den Kampf gegen islamistische Rebellen in Mali. Dies bestätigte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Mittwochvormittag auch offiziell. Die französischen Soldaten auf dem Boden sollen gemeinsam mit malischen Truppen die Stadt Diabaly an der Grenze zu Mauretanien zurückerobern. Es habe in Diabaly bereits erste Gefechte "Mann gegen Mann" gegeben, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Einhundert Franzosen seien zudem auf dem Weg nach Markala, um Islamisten davor abzuhalten eine Niger-Brücke zu überqueren, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Er stelle sich auf einen "langen Kampf" ein, erklärte Verteidigungsminister Le Drian.

"Die härtesten, fanatischsten Gruppen"

Bisher sei der malisch-französische Militäreinsatz vor allem im Osten erfolgreich gewesen, sagte der Verteidigungsminister. Im Westen, wo sich auch Diabaly befindet, seien die Islamisten weiterhin stark. Es gebe dort die "härtesten, die fanatischsten, die am besten organisierten, die überzeugtesten und die am besten bewaffneten" Gruppen. Die französische Armee war am Dienstag zahlreiche Luftangriffe auf Diabaly geflogen, jedoch ohne die Islamisten vollständig vertreiben zu können. Mauretanien hatte aus Angst vor vordringenden Rebellen die Grenzkontrollen zu Mali verstärkt, Algerien die Grenze vollständig geschlossen.

Le Drian musste auch eingestehen, dass Konna, wo die französische Militärintervention am 10. Jänner begonnen hatte, weiterhin unter Kontrolle der Islamisten steht. Erfolgreich sind die malisch-französischen Truppen hingegen im Nordosten, wo die Rebellen aus den vormals von ihnen kontrollierten, strategisch wichtigen Städten Gao, Kidal und Timbuktu zurückgedrängt werden konnten.

Beobachter werten dies jedoch als "strategischen Rückzug". Die Islamisten hätten sich in die bergigen Gebiete rund um Kidal, an der Grenze zu Algerien, zurückgezogen, um sie langfristig zu besiegen, müsste es auch gelingen, sie von dort zu vertreiben, erklärte der Terrorismusexperte Jean-Charles Brisard gegenüber AFP. Zudem haben Rebellen in der Nacht auf Mittwoch die Telekommunikationsverbindungen in Goa gekappt, wie Bewohner berichteten, die französische Luftwaffe sei erneut Angriffe auf Gao, Kidal und Timbuktu geflogen, hieß es aus malischen Militärkreisen.

Rund hundert französische Soldaten trafen am Mittwochvormittag bei der strategisch wichtigen Niger-Brücke in Malaka, nahe der Stadt Segou, rund 120 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bamako ein. Ihre Aufgabe sei es, die Brücke zu sichern, um die Islamisten davon abzuhalten weiter nach Süden vorzurücken, erklärte ein Truppensprecher.

Die Westafrikanische Staatengemeinschaft (Ecowas) will am Mittwoch ein am Vortag in Bamako begonnenes Treffen fortsetzen, um die "letzten Vorkehrungen" für einen von der UNO unterstützten Einsatz von 3300 Ecowas-Soldaten zu treffen. Der Start der Mission war ursprünglich für September vorgesehen gewesen, soll nun jedoch so früh wie möglich beginnen. Deutschland will den Einsatz mit zwei Transall-Transportflugzeugen unterstützen, die unverzüglich nach Mali entsandt werden sollen, gab Verteidigungsminister Thomas de Maiziere am Mittwoch bekannt.

Eine EU-Aufklärungsmission soll sich am Sonntag auf den Weg nach Mali machen, am Donnerstag wollen die EU-Außenminister über die Entsendung der rund 200-Mann starken EU-Ausbildungstruppe nach Mali entscheiden. Österreich will sich nach bisherigem Stand daran nicht beteiligen, heißt es aus dem Verteidigungsministerium.

Französische Geisel soll getötet werden

Unterdessen erklärte die islamistische Shabaab-Miliz in Somalia am Mittwoch, den entführten französischen Geheimdienstagenten Denis Allex töten zu wollen. Grund sei die "Verfolgung der Muslime weltweit durch Frankreich". Auch mit Blick auf den jüngsten Militäreinsatz Frankreichs gegen die Islamisten in Mali habe sich die Miliz zu diesem Urteil entschieden, hieß es. Erst am Samstag war eine französische Operation zur Befreiung von Allex fehlgeschlagen und zwei Soldaten dabei getötet worden.

(APA/AFP)

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67 Kommentare
 
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Friedensnobelpreis

Hat die Europäische Gemeinschaft nicht den Friedensnobelpreis erhalten ?

Frankreich ist ein Teil Europas und zieht in den Kriege. Ist das der neue Frieden ?


Religion

Ein alter Hut unter dem Vorwand der "Religion" einen Staatsstreich durchzuführen. Ein geplanter und organisierter militärischer Aufmarsch dem die afrikanischen Länder machtlos gegenüber stehen!
Es wird nicht lange dauern, dass auch in weiteren afrikanischen Ländern unter dem Deckmantel der Religion sich erhebliche Änderungen ergeben werden.
Diese hochgradige religiöse Verblödung greift wie eine Seuche um sich!!

Re: Religion

angefangen hat es damit, dass ein gewisser Mohammed Mekka erobert hat... - Wo ist Mekka, wo ist Bamako?

Die Fakten

Wenn in der Politik von Demokratie und Menschenrechten gesprochen wird geht es in der Regel um wirtschaftliche Interessen, um Geld, und in Mali sind insbesondere wirtschaftliche Interessen von
französischen , britischen , kanadischen und US-amerikanischen Unternehmen tangiert.
Diese Interessenlage bestimmt auch die Intensität der Beteiligung an Militärinterventionen, um besagte Interessen zu schützen.
Deutsche Interessen sind nur unbedeutend tangiert. Versorgungsflüge mit Transall-Maschinen und das ein oder andere Zeltkrankenhaus, um lädierte Militärs zu versorgen, sollten da ausreichen.
Zu den Interessen bzw. Rohstoffvorkommen :
Gold (drittgrößte afrikanische Goldindustrie), Kupfer, Bauxitvorkommen (die größten der Welt),
Uran (benötigt für französische-/britische AKW), Mangan (geschätzt 10 Millionen Tonnen),
riesige Phosphatvorkommen.
Der Wert dieser Interessen dürfte sicherlich viele Milliarden Dollar/EURO umfassen.

Große Teile dieser Rohstoffvorkommen liegen in Rebellengebieten und das bestimmte auch die schnelle Entscheidung des Präsidenten Hollande zur Militärintervention, ließ ihn zugleich bei den Franzosen als „stark“ erscheinen.
Demokratie ? Menschenrechte ? Terrorismusbekämpfung durch Bekämpfung von Islamisten in einem überwiegend muslimischen Land (ca. 90% Muslime) ???

Die Frage : Wer finanziert die "Gotteskrieger" und wo liegen deren finanzielle Interessen ?

Der Artikel erschien bereits im Handelsblatt


Re: Die Fakten

Jajaja, es geht nur um Wirtschaftliche Interessen und es gibt unter den Terrorregimen und der Scharia jede Menge an Grund- und Menschenrechten; und natürlich an Religionsfreiheit. Guten Morgen!!!!

Re: Re: Die Fakten

Natürlich wären diese Rohstoffvorkommen bei den Islamisten in den besten Händen. Diese würden in nullkommanix die Armut ihrer Glaubensbrüder beseitigen. Sieht man ja auch in Dubai z.B.

Die Terroristen sind bestens ausgerüstet:

Das Werkzeug ist der offiziellen Armee zumindest ebenbürtig: französisch/britischer Provenienz!
.

Was haben Syrien, Libyen und Mali gemeinsam?

Gewalttätige Rebellen.

Die Malier sehen das so,

erzählt der Bürgermeister von Timbuktu schon im Nov. 2012

Aqmi steht für "Al-Kaida im islamischen Maghreb", diese Truppe habe vor allem das Sagen. "Es sind AUSLÄNDER. Bei uns patrouillieren bewaffnete Algerier, Pakistani, Afghanen durch die Straßen, ja sogar zwei Franzosen, nicht arabischstämmige Franzosen, sondern richtige weiße europäische Franzosen."

Die Menschen hoffen auf eine Militärintervention.

Mali - Ein gebeugtes Land
Im Norden Malis haben islamistische Truppen das Sagen.
http://www.fr-online.de/politik/m... 61246.html

Im Moment schlachten in Mali mehr oder weniger ausländische "Islamisten" inklusive bezahlten SÖLDNERN aus aller Welt die gemäßigt muslimische Bevölkerung ab. Dort wüten ausländische Berufsmörder unter dem Vorwand der Religion.

Im Moment schlachten in Mali mehr oder weniger ausländische "Islamisten" inklusive bezahlten SÖLDNERN aus aller Welt die gemäßigt muslimische Bevölkerung ab. Dort wüten ausländische Berufsmörder unter dem Vorwand der Religion.

Und wo ist der Unterschied zu Syrien?

Wunder

Ist es ein Wunder das sie gut ausgerüstet sind?? Durch die Bombardierungen im Libyen hatten die Leute gute Möglichkeiten zu stehlen. Das haben die offenbar großzügig getan. Dank der NATO haben die gute Waffen. Das sollte eigentlich niemanden wundern. Egal, was auch immer da unten genau die Ursachen auf beiden Seiten sind, aber durch Gewalt und Bomben wird sich sicher nichts verbessern. Warum der Westen an solchen primitiven Mitteln immer noch fest hält, das wissen die Götter. Das einzige was ihnen als Erklärung einfällt, ist sie verteidigen uns hier in Europa mit einem Krieg dort. Wenn sie uns schon so großzügig retten dann muß auch alles platt gemacht werden, dann kann uns nie was passieren. Die Menschheit, oder zumindest die Leute die Kriege anfangen, sind wirklich noch auf sehr niedrigem Niveau, obwohl sie heute Anzüge tragen aber im Kopf grenzenlose Primitivität

Re: Wunder

Jetzt wissen wirs! Die von der nato sind die Bösen;Ghaddafi war der Gute!

Ihr glaubt aber auch jeden Schmarrn

Ich sehe das so: Die unterdrückten Tuareg haben recht erfolgreich eine Revolution angezettelt, was die Franzosen als Chance erkannt haben, vom Regime Zugeständnisse im Fall einer Unterstützung herauszuquetschen.

Das Gequatsche mit "Islamisten" und "Terror" ist nur die Propagande, unter der man es dem dümmlichen Volk hierzulande verkaufen will.

Ach ja...

Und die Tuareg haben dann auch gleich bei der Gelegenheit ihre eigenen Heiligtümer zerstört...

Die Tuareg-Angreifer sind schon längst weg,

verdrängt von den Islamisten und enttäuscht, die wollten einen eigenen Staat, aber nicht so einen Scharia-Staat wie die Terroristen. Zitat: Das Ganze war ein Zweckbündnis, denn die Tuareg sind keine Islamisten. Zum Beispiel sind ihre Frauen nicht verschleiert.
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Mali/tendeng.html

Es gibt eine Anekdote, nach der die Islamisten zu den Frauen dieser Tuareg gesagt haben, sie sollten sich verschleiern. Die Frauen haben ihnen geantwortet: »Wenn Sie einen Schleier brauchen, mein Mann hat einen, bei uns verschleiern sich die Männer, nicht wir.«

Die Tuareg-Einwohner von Mali (3 große Ethnien) sind friedlich integriert und mussten genau so nach Süden fliehen wie alle anderen. Dort gabs schon im November (!) gute 200.000 Binnen- und Auslandsflüchtlinge in die Nachbarstaaten, also nicht erst durch die Franzosen.
.

Re: Ihr glaubt aber auch jeden Schmarrn

Der Insider hat gesprochen.

Re: Re: Ihr glaubt aber auch jeden Schmarrn

meine güte wie armselig .
er hat einfach ahnung um was es geht, aber anscheinend haben hier sehr wenige leute den verstand und den erweiterten horizont um dies zu begreifen.
traurig aber wahr.

Re: Re: Re: Ihr glaubt aber auch jeden Schmarrn

Ich glaub eher, dass die meisten Leute ein Problem damit haben Mali auf der Weltkarte zu finden aber trotzdem Experten in der malischen Innenpolitik sind.

Re: Re: Re: Ihr glaubt aber auch jeden Schmarrn

Die Orthographie ist der Spiegel des eigenen Horizonts...

Re: Re: Re: Re: Ihr glaubt aber auch jeden Schmarrn

Und Sprache beinflusst stark das Denken. Welchen Dialekt sprichst du?

Areva nennt sich die Firma, die den "humanitären" Einsatz braucht.

Und es ist gut, dass wir kein Berufsheer haben, welches wir den Franzosen zur Unterstützung leihen könnten!

Re: Areva nennt sich die Firma, die den "humanitären" Einsatz braucht.

Alle Mütter, Großmütter, Töchter, Jungmänner und gebildeten, aufgeklärten Männer stimmen gegen die Zwangsrektrutierungen unserer männlichen Jugend. Und das ist gut so :-))
In 4 Tagen:
► (X) "Sind Sie für die Einführung eines Berufsheeres und eines bezahlten freiwilligen Sozialjahres"
Und dann: ♫♪~~♫♪~~♫♪~~ :-))))

Re: Areva nennt sich die Firma, die den "humanitären" Einsatz braucht.

Und noch so ein Nabelgucker mit einem billigen Kommentar aus der Schlucht.

Die Geister die man in Libyen rief,

wird man in Mali nicht mehr los...

In Syrien und Lybien steckt(e) man den islamischen Fanatikern die modernen Waffen hinten rein....

... und wundert sich dann, wenn sie diese auch verwenden, um ihren Zielen weltweit zum Durchbruch zu verhelfen.

Immer das selbe "Theater"

Es ist absolut erfreulich, dass immer wieder fast die selben Ereignisse unsere Medien der Gegenwart prägen, aber trotzdem glauben wir alle an die freie Marktwirtschaft, Demokratie und Menschenrechte. In Wirklichkeit geht es immer nur um Bodenschätze und Ressourcen. Und es ist auch immer typisch zu sehen, dass wenn einer anfängt alle anderen aus dem "Verteidigungsbündnis" mitziehen. Was für ein Glück für all die Menschen in der Dritten Welt, die nach und nach aus dem Dilemma hinaus kommen, Ihre Menschenrechte in vollem Maß geniesen können und Ihren Platz in einer globalisierenden Welt einnehmen können!

 
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