Geiselnahme in Algerien endet mit Blutbad

19.01.2013 | 12:58 |   (DiePresse.com)

Algerische Soldaten stürmten die Gasanlage. Es gab weitere Tote. Bis zu 27 Geiseln mussten seit Mittwoch Berichten zufolge ihr Leben lassen.

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Mit einem weiteren Blutbad ist das Geiseldrama in der algerischen Wüste zu Ende gegangen. Einheiten der Armee stürmten am Samstag die Gasanlage bei In Amenas im Osten des Landes. Bei der Erstürmung der Gasanlage wurden nach einem Bericht der algerische Nachrichtenagentur APS alle verbliebenen elf Terroristen getötet. Zuvor sollen die Islamisten sieben ausländische Geiseln getötet haben. Einzelheiten blieben am Samstag unklar.

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Insgesamt sollen den Angaben zufolge 25 bis 27 Geiseln gestorben sein. Die Geiselnehmer hatten unter anderem ein Ende des französischen Militäreinsatzes im Norden Malis gefordert, wo Islamisten die Kontrolle übernommen haben.

Der Sturmangriff algerischer Soldaten vom Samstag habe dem Drama ein Ende gesetzt und "einen weiteren Verlust an Menschenleben" zur Folge gehabt, sagte der britische Verteidigungsminister Philip Hammond bei einer Pressekonferenz mit seinem US-Kollegen Leon Panetta. Dass es Todesopfer gegeben habe, sei "entsetzlich und unannehmbar", liege aber in der "alleinigen Verantwortung der Terroristen". London drängt die algerische Regierung laut Hammond aber, "Details zur genauen Lage" zu veröffentlichen.

Die schwer bewaffneten Angreifer hatten die Anlage am Mittwoch besetzt. Am Donnerstag griff das Militär die Islamisten an. Nach Informationen der algerischen Zeitung "El Watan" sollen die Entführer am Samstag begonnen haben, die Geiseln zu töten. Für die sieben Ausländer - drei Belgier, zwei US-Amerikaner, ein Brite und ein Japaner - kam der Armee-Einsatz zu spät.

Laut algerischem Radio hatten die Entführer versucht, einen Teil der Anlage in Brand zu setzen. Die Anlage soll nun nach Minen abgesucht werden.

Zuvor hieß es in Algerien, Spezialkräfte hätten in der von Islamisten überfallenen Erdgasanlage 15 verkohlte Leichen gefunden. Man bemühe sich gegenwärtig um die Identifizierung der Toten. Wie die Menschen zu Tode gekommen sind, war zunächst unklar.

Bereits beim ersten Angriff auf die Geiselnehmer wurden laut Regierung in Algier zwölf algerische und ausländische Geiseln getötet. Zugleich seien 650 Geiseln befreit worden. Von den zunächst auf 32 bezifferten Geiselnehmern wurden dabei 18 nach algerischen Angaben "außer Gefecht gesetzt".

Dem französischen Außenminister Laurent Fabius zufolge war unter den getöteten Geiseln auch ein Franzose. Der britische Premierminister William Hague bereitete seine Landsleute auf "schlechte Nachrichten" vor. Der rumänische Regierungschef Victor Ponta teilte mit, unter den getöteten Geiseln sei ein Rumäne.

Geflüchteter Niederösterreicher wohlauf

Jener 36-jährige Niederösterreicher, der das Geiseldrama unbeschadet überstanden hat, dürfte wohl bald zurück in die Heimat gelangen. Der Zwettler Christoph Z. befinde sich derzeit in Deutschland und werde laut seiner Mutter wahrscheinlich noch am Samstag zu Hause ankommen, sagte Zwettls Vizebürgermeister Johannes Prinz Samstagmittag. Genauere Auskünfte wolle die Familie aus Sicherheitsgründen aber nicht geben, betonte er. Dem 36-Jährigen, der sich während der Geiselnahme versteckt hatte, gehe es soweit gut. Er war für den britischen Öl-Multi BP in Algerien tätig.

Die algerische Armee verteidigte ihr umstrittenes Vorgehen. "Der Einsatz ist die Antwort auf eine Entscheidung der Terroristen gewesen, alle Geiseln zu töten und ein wahres Massaker anzurichten", zitierte die Tageszeitung "El-Khabar" einen Armeesprecher.

Frankreichs Präsident Francois Hollande sieht sich durch das blutige Geiseldrama im Kampf gegen den Terrorismus bestärkt. Er verurteilte den Tod der Geiseln am Samstag als feigen Mord.

Das Auswärtige Amt in Berlin bekräftigte, dass es keine deutschen Geiseln gegeben habe. Zwei deutsche Staatsangehörige befänden sich jedoch am Flughafen In Amenas und sollten ausgeflogen werden. Diese Mitarbeiter einer Bohrfirma seien jedoch nicht unter den Geiseln gewesen.

(APA/dpa/Reuters/AFP)

 
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18 Kommentare
Rauhrackel
20.01.2013 11:32
1

Geiselnahme = Verbrechen und da ...

ist Militär überfordert; Polizeiarbeit soll nicht von Truppen ausgeführt werden!

Landnahme (Okkupation) und Sicherung von Rohstoffen hat einen Preis!

karrybe
20.01.2013 10:05
2

Mokhtar Belmokhtar

war mit seinem Geschäftsmodell bereits viel zu lange erfolgreich. Erst die algerische Regierung hat dem jetzt ein Ende gesetzt, zu spät. Das Nachgeben der vorher erpressten hat jetzt viele das Leben gekostet.

Antworten Markus Trullus
20.01.2013 11:24
2

Re: Mokhtar Belmokhtar

Das ist leider immer ein Faktum unserer Gutmenschgesellschaft. Es muss doch ohne Blut gehen; nur, wenn die andere Seite das so nicht sehen will, sondern nur auf suizidale Machtausübung, dann ziehen Gutmenschen immer den Kürzeren, oder sie stellen ihre Meinung um. Hätten die Briten 1938 die Impeasement - politik weiter verfolgt, wir wären heute alle im KZ und längst tot, wir "Gutmenschen".....

Der Schärdinger
20.01.2013 09:30
7

Der Schärdinger

Bei uns würde eine Endlosdebatte losbrechen, wie man den Terroristen helfen könnte.

namenlos
20.01.2013 08:45
1

"Gasfeld befreit, 55 Menschen tot"

Der Spiegel titelt treffend.

polditante
19.01.2013 19:54
18

tragisch aber logisch

für die geiseln ist es immer tragisch, aber religiösen fanatikern ist mit vernuft und zugeständnissen nicht bei zu kommen. es ist daher nur logisch dass die geiselnehmer, wenn nicht anders möglich, getötet werden müssen. es ist dies aus westlich aufgeklärter sicht ein horror, aber diese islamistischen gottesstaatkrieger leben offensichtlich in einer geistig völlig isolierten steinzeitwelt.

Antworten gastkommentator
19.01.2013 21:13
14

Re: tragisch aber logisch

Da stimme ich zu 100% zu. Um einen berühmten Philosophen zu zitieren: "Im Namen der Toleranz müssen wir uns die Freiheit nehmen, die Intoleranz nicht zu tolerieren." Deshalb: mit aller Härte gegen Terroristen!

Cervello
19.01.2013 19:28
22

Es ist entsetzlich, aber Terror wird durch Gegenterror gebrochen.

Terroristen gehen in ihrem "Kampf" gegen mit voller Absicht gegen alle Regeln der Fairness, der Ehre und des Anstandes vor. Das Entsetzliche daran ist, dass auch ihre Bekämpfer oft gezwungen sind, nach diesen ihnen aufgezwungenen Regeln zu reagieren.
D. h. es gilt der Satz "Terror bricht man durch Gegenterror".
In Afghanistan nahmen die Russen, sobald sie erfuhren, dass jemand von ihren Leuten als Geiseln entführt wurde, einfach etliche Verwandte der Geiselnehmer gefangen. Das war sehr wirksam, die russischen Geiseln waren innerhalb kurzer Zeit wieder frei.

Antworten Dorian Gray IV
19.01.2013 20:08
17

Re: Es ist entsetzlich, aber Terror wird durch Gegenterror gebrochen.

sehe ich genauso, Terroristen, deren "Angehörige" und Unterstützer gehören gleichbehandelt

pastonade
19.01.2013 18:48
21

Mit Terroristen verhandelt man nicht.

Gut so. Die westlichen Regierungen hätten Lösegeld angeboten und so die Terroristen zu weiteren Entführungen motiviert.

Freeman85
19.01.2013 18:26
29

Die wissen wie man mit Terrorristen umgeht


bei uns bekommen sie eine Wohnung und Sozialhilfe.

ZeitGeistHeiler
19.01.2013 18:21
12

Eine Geiselnahme in einem Militärstaat

wird wohl weltweit so enden. Es gibt einzig und alleine ein Freund / Feind denken und die verlockende Möglichkeit eine Terrorgruppe (komplett?) auszuschalten.
Der algerische Bürgerkrieg zwischen Islamisten und der vom Militär bestimmten Regierung hat weit über 100.000 Menschenleben gefordert und war an Grausamkeit kaum zu überbieten. Die sind einiges gewöhnt und fackeln dort nicht lange.
Zudem war die Erstürmung vermutlich den meisten involvierten Ländern recht - die Nachricht an die Terrorgruppen war eindeutig.

Antworten MiFi
19.01.2013 19:46
4

Re: Eine Geiselnahme in einem Militärstaat

Irrtum - auch jeder demokratische Staat - unsere Weicheier mal ausgenommen - hätte gehandelt wie die algerische Regierung, da es keine Alternative gibt.

MiFi
19.01.2013 18:15
11

Mit Schrecken erfüllt mich der Gedanke wie

unsere Laiendarstellertruppe mit dem Taxler Faygmann an der Spitze eine solche Krise bewältigen würden - wahrscheinlich die Terroristen bewirten und dann mit Handschlag verabschieden (alles hierzulande schon passiert)

Antworten piraa
19.01.2013 19:02
9

Re: Mit Schrecken erfüllt mich der Gedanke wie

Wo denken Sie hin.

Zuerst eine Einladung zum Opernball, vielleicht Ehrengast bei Lugners. Dann mal ein paar Advokaten engagiert und Dolmetscher, damit sämtliche Sozialleistungen für diese Personen und die nachkommende Familiensippe zur Verfügung stehen.


Antworten Antworten peter155
19.01.2013 20:34
3

Re: Re: Mit Schrecken erfüllt mich der Gedanke wie

Zur Ehrenrettung Faymanns, möchte ich schon noch anmerken, er hätte sicher vorher um die Freislassung der Geiseln gebeten.

Mohammed
19.01.2013 16:24
29

Eines sollte man sich vor Augen führen...

Schuld am quasi Desaster hat nicht die algerische Armee, sondern die Islamisten!

Spätesten jetzt sollte sich Europa einmal in Klausur zurück ziehen und den Umgang mit dem Islam neu überdenken. ;-)

walter mandl
19.01.2013 16:10
7

Chaos der Regierungen und Medien

Bei den sich widersprechenden algerischen Regierungsangaben kann man sich nur wundern. Das total organisierte Chaos scheint Regie zu führen.
Welch furchtbaren Stunden und Tage gehen damit für Angehörige einher, die vielleicht noch immer einen Funken Hoffnung in sich spüren?

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