Paris drängt auf österreichische Beteiligung in Mali

19.01.2013 | 12:29 |   (DiePresse.com)

Der Botschafter in Wien hofft, dass Österreich bei der Ausbildung malischer Truppen hilft. Frankreich entsendet indes weitere Bodentruppen.

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Frankreich wünscht sich, dass sich Österreich an der geplanten EU-Mission zur Ausbildung malischer Truppen beteiligt. "Natürlich hoffen wir, dass die Hilfe der Europäer noch stärker wird", sagte der französischer Botschafter in Wien, Stephane Gompertz, gegenüber dem Nachrichtenmagazin "profil". "Österreich zum Beispiel könnte bei der Ausbildung der malischen Truppen helfen."

Die Europäische Union hat am Donnerstag die Entsendung der Militärmission zur Ausbildung und Reorganisation der malischen Streitkräfte beschlossen. Ihr sollen 200 Ausbilder und 250 weitere Soldaten angehören. Diese Mission soll Mitte Februar starten.

In der österreichischen Regierung herrscht allerdings Uneinigkeit über eine Beteiligung an der EU-Mission. Während Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) unter Verweis auf die laufenden Auslandseinsätze unter heimischer Beteiligung abgewunken hat, ist Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) einem Beitrag nicht abgeneigt.

Botschafter Gompertz sagte dem "profil", er habe bisher noch keinen Kontakt zu Darabos aufnehmen können: "Ich habe ihn bei meinem Amtsantritt vor zehn Monaten um einen Termin gebeten, aber bisher noch keinen bekommen."

Bodentruppen auf 2000 Soldaten aufgestockt

Frankreich hat indes seine Bodentruppen in Mali weiter aufgestockt. Die Armee habe derzeit 2000 Soldaten im Rahmen der "Operation Serval" in dem Krisenland, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Samstag dem Sender France 3 Bretagne. Die bisher als Obergrenze genannte Zahl von 2500 Soldaten vor Ort könnte womöglich überschritten werden, sagte Le Drian.

Frankreich hat am vergangenen Wochenende damit begonnen, Truppen in den Sahara-Krisenstaat zu entsenden, um eine totale Machtübernahme durch Islamisten zu verhindern und hofft auf weitere Unterstützung. Insgesamt sollten in Mali und den Nachbarländern Burkina Faso, Niger und Senegal 4000 Soldaten für die "Operation Serval" mobilisiert werden.

Der französische Außenminister Laurent Fabius forderte bei der Eröffnung des Sondergipfels der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) in Abidjan den Staatenbund auf, die Franzosen in Mali rasch abzulösen. Diese hätten nicht die Absicht, den Einsatz der Internationalen Unterstützungsmission für Mali (MISMA) zu ersetzen. Das Ziel des Gipfels sei es dafür zu sorgen, dass die ECOWAS-Eingreiftruppe "so bald wie möglich" zum Einsatz komme.

Die ECOWAS-Eingreiftruppe nahm in Abidjan Gestalt an: Die ersten 2000 Soldaten der MISMA sollen bis zum 26. Jänner in der malischen Hauptstadt Bamako eintreffen. Langfristig soll die Mission unter dem Kommando des nigerianischen Generals Shehu Abdulkadir 5800 Soldaten umfassen.

Den größten Beitrag zur MISMA, die auf einem Mandat des UNO-Sicherheitsrats beruht, stellt Nigeria mit 1.200 Soldaten. Ein nigerianischer Generalstab ist bereits in Bamako eingerichtet. Des weiteren stellt Togo 540 Soldaten, der Niger 500, Burkina Faso 500, der Senegal 500, Benin 300 und Guinea 125. Ghana entsendet seinerseits 120 Soldaten einer Pioniereinheit nach Mali. Zudem beteiligt sich der Tschad, der der ECOWAS nicht angehört - voraussichtlich mit 2000 Soldaten.

Eine Kooperation mit der französischen Eingreiftruppe ist bisher nicht geplant. Die Franzosen und die MISMA sollen logistische Unterstützung aus den USA, Deutschland, Großbritannien, Dänemark und Belgien erhalten.

"Afrikaner müssen den Stab übernehmen"

"Frankreich war gezwungen, sehr, sehr schnell zu intervenieren, sonst hätte es kein Mali mehr gegeben", hatte Fabius vor dem Gipfel dem Sender RTL gesagt. "Doch es ist klar, dass die Afrikaner den Stab übernehmen müssen." Ihre Truppe werde in den kommenden Wochen einsatzbereit sein, um "die Rückeroberung Malis" zu starten. Fabius betonte, dass die Lösung des Konflikts neben einem militärischen auch einen politischen und einen entwicklungspolitischen Aspekt habe.

Die Islamisten, die seit April den Norden Malis kontrollieren, hatten vergangene Woche die Stadt Konna eingenommen. Zur Verhinderung eines weiteren Vordringens der Extremisten nach Süden war die französische Luftwaffe eingeschritten. Mit ihrer Unterstützung gelang es der malischen Armee inzwischen, Konna vollständig wieder einzunehmen.

(APA)

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144 Kommentare
 
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Österreich

könnte ja das Catering übernehmen. Vielleicht noch die Militärmusik runter schicken. Wir sind schließlich neutral. Oder wo in der Welt kämpfen z.B. Schweizer Truppen?

Re: Österreich

Wir sind schon lange nicht mehr neutral. Seit dem Beitritt zu EU sollten wir uns daher, so wie es die Schweden getan haben, als "militärbündnisfrei" bezeichnen. Das wäre korrekt. Nun ja, die Schweden haben schon immer korrekt gehandelt.


Re: Deutschland schickt nur zwei Transall-Maschinen nach Mali!

Deutschland leistet dem Bündnispartner Frankreich logisitsche Hilfe. Dasselbe macht auch England, ist also nichts Besonderes, sondern eine partnerschaftliche Selbstverständlichkeit.

ist jetzt nachtzeit das keine kommentare seit 21,50 angezeigt werden?


überschriften manipulation wird jetzt häufig hier betrieben

die presse heischt nach leser.
in einem der presse beiträge - meinung - schrieb der autor das er für die endgültige reisserische überschrift nicht endverantwortlich gewesen sein!

Vorsicht bei Schlagzeilen

Das was Gompertz tatsächlich sagt,klingt so gar nicht nach Drängen (warum sollte Frankreich gerade auf zwei österreichische Ausbildner "drängen").Also nicht vergessen,dass Schlagzeilen oft überspitzt formuliert werden.
Wenn Frankreich so drängen würde,dann würde wohl Darabos´ eklatante Unhöflichkeit,den Botschafter nicht zu empfangen, schon beendet sein.

Re: Vorsicht bei Schlagzeilen

Halten wir fest: Darabos hat es in 10 Monaten nicht geschafft, den französischen Botschafter zu empfangen. Aber in 11 Monaten will er die Umgestaltung des Bundeheeres in eine aus Freiwilligen gebildete Berufsarmee schaffen? Der neueste Burgenländerwitz!

Krieg

Die Franzosen haben den Krieg angefangen, die sollen ihre eigene Scheisse auch zu Ende bringen. Krieg anfangen, und ein paar Tage später um Hilfe rufen weil alles viel schwieriger ist und länger dauern wird. Da waren die Kolonialkriege viel ehrlicher. Da hat niemand gesagt wir helfen den Menschen, wir verteidigen unser Vaterland in, wo auch immer. Da ist man hingegangen, hat umgebracht wer eben gerade da war und hat sich alles genommen was man wollte. Die heutigen Kriege sind im Prinzip das Gleiche, es wird uns nur mit Hollywood Filmen und schönen Worten gesagt wie gut gerade dieser Krieg jetzt ist und wie sehr uns das hier helfen wird. Alles Verbrecher diese Leute!!! Helft euch selber!!!

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Tipp für mogen

Die sollen sich da unten die Köpfe einschlagen, wenn sie wollen. Das geht uns überhaupt nichts an, die sollen machen was sie wollen, nur nicht zu uns kommmen. Um zu verhindern, dass unsere Soldaten einmal da unten kämpfen und sterben müssen sollten wir morgen für die Wehrpflicht stimmen. Wehrpflicht sichert auch Neutralität und reduziert die Chance auf einen baldigen Nato-Beitritt.

Re: Tipp für mogen

Die "wollen" sich da unten nicht die Köpfe einschlagen,der nördliche Teil des Landes wurde von teils ausländischen Islamisten okkupiert.Und die Malier wollen nicht unter der Scharia leben.Informieren Sie sich!

Re: Tipp für mogen

Hatte die Wehrpflicht im Ernstfall die Neutralitäten Norwegens, Hollands, Belgiens und des Iran geschützt?

Re: Re: Tipp für mogen

Wenn Norwegen seine Neutralität verteidigt hätte (Altmark-Fall) dann wäre Deutschland nicht einmarschiert. Und dann wahrscheinlich auch nicht in Dänemark. Da es aber Norwegen vorgezogen hat, dem britischen Druck nachzugeben und Deutschland einer Beestzung Norwegens durch Großbritannien nur um einige Stunden zuvorgekommen ist, hat es die Konsequenz ertragen müssen: Jedes Land hat eine Armee, entweder die eigene oder eine fremde.

Re: Tipp für mogen

Genau. Mir san mir! Bloß keine Solidarität zeigen und Mitverantwortung übernehmen. Lieber in die Schluchten verkriechen und unsere Zwangsdienstverpflichteten ausbeuten.

Re: Re: Tipp für mogen

Reichen Ihnen zwei verlorene Weltkriege nicht?

Re: Re: Tipp für mogen

Bitte wer ist denn mit uns solidarisch?

Re: Re: Re: Tipp für mogen

Mexiko!

Re: Re: Re: Tipp für mogen

Wenn du keinem Bündnis angehörst, wird auch niemand solidarisch sein mit dir. Dann bist du eben ein Outsider.

Re: Re: Re: Re: Tipp für mogen

Jetzt passen Sie einmal auf was Sie schreiben.

Zuerst werfen Sie uns vor, daß wir nicht solidarisch sind, darauf meinte ich wer denn das mit uns ist. Und jetzt quasseln Sie da was von Outsider und solchen Quatsch.
Wenn wir nur einmal den Fleiß und den Mut aufbrächten so selbstbewußt zu sein wie die Schweiz, dann brauchen wir kein Bündnis und das ganze Larifari!

Es gäbe eine einfache Lösung

Hätten wir die geplanten 30 EF Typhoon gekauft, wären die gekauften nicht vom Daraboschi kastriert worden, könnten wir (wie die Schweden in Libyen) die Aktion mit 6 Maschinen unterstützen. Bringt mehr als ein paar Ausbilder, ist risikolos und erhöht die Reputation unseres Landes

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haben dort überhaupt nichts verloren

Frankreich hat Angst um seine Uranminen, denn ohne dem Uran aus Afrika kann es seine Atomkraftwerke still legen. Die riesigen Gold- und Bauxitvorkommen sind auch nicht zu verachten. Grund genug, um dort für "Ruhe und Ordnung" zu sorgen. Viele Länder zieren sich da mitzumachen, weil sie zu recht befürchten, das sich der Krieg in Mali zu einem zweiten Afganistan entwickeln könnte. Es gibt vom 12.12.2012 eine UNO Resulotion zur Intervention in Mali, die aber ausdrücklich von einer rein afrikanischen Einsatztruppe spricht. Das ist ein innerafrikanischer Konflikt, wo wir, auch wenn wir nur mehr auf dem Papier neutral, aber zumindest militärisch bündnisfrei sind, in keiner Weise etwas verloren haben. Mit einem Berufsheer, und in Folge auf dem Weg zur NATO, schaut die Situation dann anders aus. Der Druck von außen wird dann sehr groß sein, und es wird schwierig sein, sich aus solchen Situationen herauszuhalten.

Re: haben dort überhaupt nichts verloren

Herrgott! Ja,die EKOWAS soll das machen,aber sie waren nun mal noch nicht so weit.Was glauben Sie,wie froh die sind,wenn sie nicht auch den Süden noch zurückerobern müssen,weil Frankreich den Vormarsch stoppt.Nicht einmal im "Standard",wo sich die ganz vehementen "Anti-Imperialisten" treffen,herrscht so wenig Verständnis für diesen Einsatz wie hier.

Re: haben dort überhaupt nichts verloren

Du solltest die Stellungnahme der UNO, des UNO-Sicherheitsrates sowie der Verbündeten Frankreichs genauer studieren und dich auch mit der Situation in Afrika eingehender beschäftigen, bevor du hier eines dieser üblichen Outsider-Kommentare schreibst.

Re: Re: haben dort überhaupt nichts verloren

UNO Resolution 2085 vom 20.12.12: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ermächtigt die Westafrikanische Staatengemeinschaft zum militärischen Einsatz. Mir ist neu, dass Frankreich dazu gehört. Am 10.01.2013 startete Frankreich unabhängig davon die Intervention in Mali, erst am 15.01.13 wurde diese von der UNO gebilligt. Wenn Sie andere Informationen haben, dann klären Sie mich bitte auf. Woher bezieht Frankreich sein gesamtes Uran? Können Sie mir irgendeinen Krieg,nennen wo nicht wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend waren?

Re: Re: Re: haben dort überhaupt nichts verloren

Du schreibst es ja selber:
"...am 15.01.13 wurde diese von der UNO gebilligt...".

Und die Franzosen haben eben rechtzeitig eingegriffen und das wurde auch gutgeheißen!

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Hat Frankreich ein Berufsheer?

Der französische Botschafter regt Hilfe bei Ausbildung malischer Truppen an! Frankreich wünscht, dass sich Österreich an der geplanten EU-Mission beteiligt. Das entspricht genau der Berufsheer-Philosophie in der EU: Arbeitsteilung und gegenseitige militärische Unterstützung. Berufsheere sind außerdem abkommandierbar und nicht auf Freiwilligen-Bewerbung angewiesen, wie unsere derzeitigen Auslandseinsätze zeigen. Hat Frankreich nicht auch ein Berufsheer? Hat Frankreich etwa zu wenig Soldaten? Verehrter Herr Botschafter, Herr Vizekanzler, Herr Verteidigungsminister, unsere Soldaten sollten lieber die österreichische Staatsgrenze bewachen! Keine österreichischen Soldaten im Ausland, keine ausländischen Soldaten in Österreich und damit Wahrung der immerwährenden Neutralität Österreichs. Diese immerwährende Neutralität gibt es (anscheinend) nur noch auf dem Papier. Durch die EU-Verträge gibt es, wenn es von unseren Politikern auch bestritten wird, eine Beistandspflicht im Kriegsfall. Sie ist momentan zwar nicht realistisch, aber man kann nie wissen, was noch auf uns zukommt. Die Friedenssicherung und die Gewährleistung der Sicherheit der Bevölkerung funktioniert offenbar überhaupt nicht. Ein Beispiel: Warum gibt es z.B. noch immer Asylwerber aus dem Kosovo oder aus Serbien?

 
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