Beneš-Dekrete lassen die Wogen hochgehen

19.01.2013 | 18:39 |   (Die Presse)

Karel Schwarzenberg musste sich jetzt wieder in einer TV-Diskussion verteidigen: Hat Tschechiens Außenminister den früheren Präsidenten Edvard Beneš als Kriegsverbrecher bezeichnet?

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Prag. Eine Woche vor dem Finale bei der tschechischen Präsidentenwahl liegt der frühere Regierungschef Miloš Zeman vor Außenminister Karel Schwarzenberg. Das ergab eine gestern veröffentlichte Umfrage des Prager Meinungsforschungsinstituts ppm factum. Zeman käme demnach auf 53,7 Prozent, Schwarzenberg auf 46,3 Prozent.

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Der Chef des Meinungsforschungsinstituts erklärte, Zeman sei derzeit Favorit, aber nicht Sieger. Niemand wisse, was für unerwartete Ereignisse in der Woche vor der Stichwahl eintreten könnten. Vielleicht ist eines dieser Ereignisse die plötzliche Diskussion über die Dekrete des einstigen tschechoslowakischen Präsidenten Edvard Beneš, aufgrund derer die Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben und enteignet wurden.

Karel Schwarzenberg musste sich jetzt wieder in einer TV-Diskussion verteidigen: Zeman warf ihm vor, Beneš in einer anderen, vorherigen TV-Diskussion als „Kriegsverbrecher“ bezeichnet zu haben, der vor das Haager Tribunal gehöre. Schwarzenberg wies den Vorwurf zurück: „Ich habe das über den Präsidenten Beneš nie gesagt. Ich habe nur gesagt, dass heute für ähnliche Taten ehemalige Politiker und Generäle des ehemaligen Jugoslawiens oder Afrikas vor den Internationalen Strafgerichtshof kommen.“ Schwarzenberg versuchte klarzustellen: „Ich gestehe ein, dass ich mich ungenau ausgedrückt habe.“ Die Beneš-Dekrete hätten nur die Wirkung verloren. „Sie sind weiterhin ein gültiger Bestandteil der tschechischen Rechtsordnung.“

Zeman zieh Schwarzenberg der Lüge: „Sie haben ganz klar Edvard Beneš genannt. Sie sagen also nicht die Wahrheit.“ Schwarzenberg konterte: „Ich habe Beneš genannt, aber nicht als Kriegsverbrecher bezeichnet.“

Daraufhin erklärte Zeman, bisher hätte er „voll und ganz respektiert, wenn Sie Präsident der Tschechischen Republik würden. Aber jemand, der einen der Präsidenten der Tschechoslowakei als Kriegsverbrecher bezeichnet, redet wie ein ,Sudetak‘ (abwertender tschechischer Ausdruck für Sudetendeutsche, Anm.), nicht wie ein (tschechischer) Präsident.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2013)

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67 Kommentare
 
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Eine Antwort auf die Diplomarbeit Fr. Znoy von 1995. Siehe weiter unten den Link von „demo“ (25.01.2013. 22:16). Widerspruch erwünscht!

„demo“, auch wenn ich es sympathisch finde, daß Sie mein „lückenhaftes Wissen“ verbessern wollen, muß ich sie enttäuschen. Ich werde Ihr offensichtlich weithin überhaupt nicht gegebenes Wissen erst einmal herstellen.

Eine alte Lebenserfahrung sagt, mit der Schilderung der halben Wahrheit kann man die ganze Wahrheit zur Unwahrheit machen.

Und darin ist die von Ihnen zitierte Diplomandin, Fr. Znoy, große Klasse.

Zunächst müssen Sie zur Kenntnis nehmen, die Prüfung einer Diplomarbeit bezieht sich auf das Vorliegen wissenschaftlicher Arbeit und nicht darauf, ob der Inhalt der Arbeit auch unbestritten ist. Zur Erinnerung, in all den Querelen jüngster Vergangenheit, bei denen es um Dissertationen geht, geht es niemals darum, ob der Betreffende wissenschaftlich unrecht hätte, es geht immer nur um die Frage, hat er abgeschrieben oder nicht. Im übrigen, wäre alles wahr, was in einer wissenschaftlichen Arbeit steckt, gebe es keinen Konflikt zwischen Wissenschaftlern. Es gibt ihn aber haufenweise.

Nehmen Sie die vorliegende Arbeit als wahr an, liegen Sie falsch, wie ich leicht beweisen kann.

Gleich zu Beginn bezieht sich Fr. Znoy auf US-Präsident Wilson und dessen 14-Punkte-Programm für die Friedensverhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg. Sie zitiert den Pkt. 10, den Sie mißinterpretiert, eine beliebte Methode der Sudetendeutschen, demzufolge ihnen das Selbstbestimmungsrecht vorenthalten worden wäre.

Fortsetzung folgt:

Eine Antwort auf die Diplomarbeit Fr. Znoy von 1995. Siehe weiter unten den Link von „demo“ (25.01.2013. 22:16). Widerspruch erwünscht!

Fortsetzung 1:

Wilson bezieht sich ausdrücklich auf die „Völker Österreich“. Die Sudetendeutschen waren zu keiner Zeit ein „Volk Österreichs“, sondern immer deutschsprachige Bürger des „Volkes des Böhmischen Königreiches“. Und nur das war unter Volk von Österreich gemeint, ebenso wie das Volk der Mährischen Markgrafschaft. Hätte man das Sudetenland von der Tschechoslowakei abtrennen wollen, hätte man Böhmen und Mähren als Ganzes zu fragen gehabt und nicht nur die Sudetendeutschen.

Mit Ausnahme des Egerlandes hat kein Teil jenes Gebietes, das als Sudetenland bezeichnet wird, je zu Deutschland oder zu Österreich gehört, sondern immer nur zum Böhmischen Königreich und der Mährischen Markgrafschaft. Das Egerland wiederum war Teil Bayerns bis Ludwig I von Bayern es wegen seiner Schulden zu Beginn des 14. Jh. (1322) an den König von Böhmen, Johann von Luxemburg, dem Vater Karl IV. verpfändete. Das Pfand wurde später nicht mehr eingelöst und so verblieb auch das Egerland im Bereich des Böhmischen Königreiches.

Das ist ein klassisches Beispiel der sogenannten halben Wahrheit, denn Fr. Znoy stellt richtig fest, daß die Sudetendeutschen gar keine Deutschen im engeren Sinn des Wortes sind und will sie trotzdem als eigenes deutsches Volk sehen, auf das der Pkt. 10 Wilsons zuträfe.

Eine weitere eklatante Halbwahrheit bei Fr. Znoy ist die Frage Nationalismus.

Fortsetzung folgt:

Eine Antwort auf die Diplomarbeit Fr. Znoy von 1995. Siehe weiter unten den Link von „demo“ (25.01.2013. 22:16). Widerspruch erwünscht!

Fortsetzung 2:

Den „deutschen Nationalismus“ in Böhmen, bestreitet sie einerseits und bagatellisiert ihn anderseits als „politische, religiöse oder soziale Differenzen“. Und sie versteigt sich sogar dazu, in diesem Zusammenhang die Hussiten zu nennen. Ist also Nationalismus keine politische Erscheinung?

Jan Huss, katholischer Geistlicher, Uni.-Prof. an der Karl-Universität in Prag, zeitweise deren Rektor und Reformer einhundert Jahre vor Martin Luther. 1409 setzte er mit seinen Kuttenberger Dekreten durch, daß an der Karls-Universität neben der bis dahin allein zugelassenen deutschen Sprache auch die tschechische Sprache erlaubt wurde. Die deutschsprachigen Professoren wanderten daraufhin unter Mitnahme ihrer deutschsprachigen Studenten überwiegend nach Leipzig aus, weil es für sie unerträglich war, daß an ihrer Alma Mater nunmehr auch tschechisch gesprochen werden durfte. Das war kein religiöser Konflikt, sondern schlicht ein nationaler.

Der deutsche König Sigismund II sicherte Jan Huss freies Geleit zu, wenn er zum Konzil von Konstanz kommt, um dort seine Reformwünsche der Kirchenleitung darzulegen. Die aber war damit nicht einverstanden und verbrannte Jan Huss am 6. Juli 1415 auf dem Scheiterhaufen als Ketzer. Das unter Bruch des freien Geleites durch Sigismund. Für Sigismund, der beim Konzil anwesend war, hatte die Kirche die Drecksarbeit geleistet, weil er damit einen tschechischen Rebellen in seinem Machtbereich beseitigen konnte.

Fortsetzung folgt:

Eine Antwort auf die Diplomarbeit Fr. Znoy von 1995. Siehe weiter unten den Link von „demo“ (25.01.2013. 22:16). Widerspruch erwünscht!

Fortsetzung 3:

Für seine Anhänger wurde Jan Huss zum Märtyrer, es entstand die Hussiten-Bewegung. Wieder war es Sigismund, der dadurch dagegenhielt, daß er seine Tochter Elisabeth mit dem Habsburger Albrecht in Wien verheiratete, um solcherart einen Bundesgenossen gegen die Hussiten zu gewinnen. Dieser marschierte auch sofort in Südböhmen und Südmähren ein, um Sigismund zu Hilfe zu kommen. Die deutschsprachigen Bürger von Znaim und von Iglau, um nur zwei zu nennen, setzten sich sofort auf die Seite des eindringenden Habsburgers gegen ihre tschechischsprachigen Mitbürger.

Das ist die ganze Wahrheit, die man nicht durch die halbe Wahrheit der Bagatellisierung der Konflikte überrunden kann.

Und so geht es weiter bei Fr. Znoy. Generell erklärt sie, die Sudetendeutschen seien Hitlerdeutschland auf den Leim gegangen bzw. seien dort getäuscht worden. Es hätte auch Verfolgte, insbesondere Sozialdemokraten, unter den Sudetendeutschen gegeben. Das ist in Summe nur als skurril einzuschätzen, aber eben die halbe Wahrheit.

Auch hier nur zwei Beispiele. Fr. Znoy schildert richtig, im Jahr 1938, also vor dem Münchner Abkommen, herrschte im Sudentenland ein bürgerkriegsähnlicher Zustand. Richtig, der aber war von den Sudetendeutschen unter Konrad Henlein in Absprache mit Hitler bewußt durch Sprengstoffanschläge und unangemeldete Demonstrationen herbeigeführt.

Fortsetzung folgt:

Eine Antwort auf die Diplomarbeit Fr. Znoy von 1995. Siehe weiter unten den Link von „demo“ (25.01.2013. 22:16). Widerspruch erwünscht!

Fortsetzung 4:

Konrad Henlein war im Frühjahr 1938 mehrfach in Berlin, um im direkten Gespräch mit Hitler einzelne derartige Maßnahmen abzusprechen und sogar im Detail zu planen. Hitler brauchte das für seine Behauptung, die Tschechen suchen den Krieg, er wolle den Frieden. Neville Chamberlain ließ sich täuschen und fühlte sich betrogen, als Hitler nur 5 ½ Monate nach dem Münchner Abkommen vom 29. September 1938 die „Resttschechei“ am 19. März 1939 durch das Protektorat Böhmen und Mähren erledigte. Das führte zur einseitigen britischen Garantieerklärung zugunsten Polens, weil zu dieser Zeit bereits die Propaganda gegen Polen lief.

Zweites Beispiel der Bagatellisierung durch Fr. Znoy: In den letzten Kriegstagen, schreibt sie, herrschte im Raum Prag Chaos. Deutsche Truppen und Zivilisten warten auf der Flucht vor der Roten Armee. Richtig, ob wirklich Chaos herrschte, darüber kann man streiten.

Nicht streiten aber kann man darüber, daß die Prager Bevölkerung am 5. Mai 1945 einen Aufstand gegen die deutsche Besatzung begann, den die SS bis zum 8. Mai 1945 blutig mit mehreren tausend Toten niederschlug.

Jene SS, die wissen mußte, daß nach dem Selbstmord Hitlers am 30. April 1945, sein Nachfolger, Admiral Dönitz, den Chef des Wehrmachtsführungstabes, Gen.-Oberst Jodl, an eben diesen 5, Mai 1945 nach Reims bei Paris losschickte, um dort gegenüber US-Oberbefehlshaber Eisenhower zu kapitulieren.

Fortsetzung folgt:

Eine Antwort auf die Diplomarbeit Fr. Znoy von 1995. Siehe weiter unten den Link von „demo“ (25.01.2013. 22:16). Widerspruch erwünscht!

Fortsetzung 5:

Jodl traf Eisenhower am 6. Mai 1945 um 5 Uhr früh und unterschrieb die bedingungslose Kapitulation, erbat aber Waffenstillstand erst mit Ende des Tages 8. Mai 1945, um deutsche Zivilisten aus dem Ostseeraum vor der Roten Armee in Sicherheit bringen zu können. Eisenhower stimmte zu, befahl seinem Armee-Kommandanten George Patton, der bereits 30 Kilometer vor Prag (Beroun) stand, augenblicklich die Kampfhandlungen einzustellen, was dieser auch befolgte.

Hätte sich die SS korrekt verhalten, hätte sie sich in ihre Kasernen zurückzuziehen gehabt und nur mehr zur Selbstverteidigung zur Waffe greifen dürfen. Statt dessen hat sie mehrere Tausend Tote allein in diesen vier Tagten zu verantworten. Geht man heute durch Prag, sieht man an den Hauswänden massenhaft Gedenktafeln an diese Toten, viele von Ihnen am Jahrestag frisch geschmückt. Mit anderen Worten, dieses Massaker ist bei den Tschechen immer noch gegenwärtig.

Nichts davon liest man bei Fr. Znoy, die nur die Opfer der gewaltsamen Vertreibung kennt, die durch dieses Massaker ausgelöst wurde.

„demo“, Sie sehen, ich fülle erheblich mehr Platz für Ihre Aufklärung als Sie brauchen, um mein „lückenhaftes Wissen“ zu verbessern. Sie sollten auch erkennen, ich könnte Ihnen noch erheblich mehr Details nennen, als Sie sich vorstellen können. Also vergessen Sie die Möglichkeit mit belehren zu wollen, Sie können das nicht!

Fortsetzung folgt:

Eine Antwort auf die Diplomarbeit Fr. Znoy von 1995. Siehe weiter unten den Link von „demo“ (25.01.2013. 22:16). Widerspruch erwünscht!

Fortsetzung 6:

Das sollte Ihnen zu denken geben. Nämlich, die Problematik der Aussiedlung, resp. der vorauslaufenden gewaltsamen Vertreibung der Sudetendeutschen hat eine Vorgeschichte und hat Begleitumstände, die sich nicht wegreden lassen.

Weiters sollte Ihnen zu denken geben, daß es die Tschechen und die Deutschen waren, die sofort, als die Tschechen nach dem Zusammenbruch der Kommunisten es auch konnten, der Versöhnung das Wort redeten und zu entsprechenden Untersuchungen (Genscher-Dienstbier-Kommission) und zu Verträgen (Nachbarschaftsvertrag 1992) und Erklärungen (Versöhnungserklärung 1997) kamen, ganz abgesehen davon, daß Vaclav Havel sofort das beiderseitige (!) Verschulden an der Tragödie einräumte.

Von den Vertriebenenverbänden hört man nichts Derartiges. Es gibt nur mehr eine kleine Zahl von Schreiern, die noch immer keine Ruhe geben können und nicht bereit sind, beides zu sehen, nicht nur das tschechische, sondern auch das eigene Verschulden.

Daher mein Standpunkt. Es gibt keine Kollektiv-Schuld! Es gibt aber auch keine Kollektiv-Unschuld!

da merkt man wieder mal,

wie man zwar von österreichischer und deutscher seite dauernd wiedergutmachung einfordert, es aber im eigenen land überhaupt nicht umsetzt. und das in der EU. wie toll. aber wir sind ja alle brüder und sollen zu einem superstaat verschmelzen. wem jetzt noch immer kein licht aufgeht, gute nacht.

dass der zeman den schwarzenberg auch noch als sudetak beschimpft, ist wirklich der gipfel. und das als präsidentschaftskandidat.

niemals werde ich dem zustimmen, das kommt: dem verfassungskonvent der EU. niemals!

Klar und mutig

Karel Schwarzenberg gebührt für seine klaren Worte und dem Umstand, dass er diese Worte im gerade geführten entscheidenden Wahlkampf um die Präsidentschaft aussprach, persönliche Anerkennung und Respekt!

Die Beneš-Dekrete und die Wirklichkeit

Es fällt das Wort Beneš-Dekrete und die Volksseele kocht.

Fürst Schwarzenberg ist ein Vertreter jene immer breiter werdenden Kreise in Tschechien, die zwar nicht bereit sind, die Verbrechen Nazi-Deutschlands zu bagatellisieren, die aber trotzdem bereit sind, zuzugeben, daß die tschechischen Verbrechen der ersten gewaltsamen Vertreibung auch nicht kleinzureden sind.

Dazu kommt und das kann nicht oft genug betont werden, die Beneš-Dekrete geben bei weitem das nicht her, was ihnen ständig unterstellt wird. In den Beneš-Dekreten steht kein Wort von Aussiedlung oder gar gewaltsamer Vertreibung. Die Beneš-Dekrete legen nur fest, daß jene tschechoslowakischen Bürger, welche die reichsdeutsche Staatsbürgerschaft annahmen, die tschechische nicht zurückbekommen. Sie wären staatenlos geworden, hätten aber bleiben können. Die Alliierten haben die Aussiedlung veranlaßt. Und die Beneš-Dekrete legen die Enteignung jener Bürger fest, die nicht beweisen können, daß sie dem tschechischen Staat gegenüber loyal geblieben sind.

Nach dem Zusammenbruch der Kommunisten war es eine Reihe hochrangiger Tschechen, die der Versöhnung das Wort redeten. Als erster war es Vaclav Havel, der das vor deutschen Studenten zum Ausdruck brachte, ihm folgte sehr rasch Jiři Dienstbier.

Von den Vertriebenverbänden hört man kein Wort in der Richtung „wir müssen etwas falsch gemacht haben, als wir Konrad Henlein mit überwältigender Mehrheit ausstatteten.

Das fordere ich (erfolglos) seit Jahr und Tag in solchen Debatten.

Re: Die Beneš-Dekrete und die Wirklichkeit

Im Ggensatz zum historischen Cicero glänzt der zeitgenössische durch
Halbwissen, Polemik und Präpotenz. Benes-Dekrete, Historikerkommissionen, Versöhnungserklärungen und Nachbarschaftsverträge hin oder her, Tatsache ist: Der Völkermord an der alteingesessenen, deutschsprachigen Bevölkerung des Sudetenlandes, also des Kronlandes Böhmen, ist das größte Massenverbrechen der Nachkriegszeit, bei dem 3,2 Mio. Menschen bis aufs Hemd ausgeplündert, kollektiv entrechtet, sadistisch verfolgt und aus dem Land gejagt wurden. Die Mörder und Folterer Tausender Unschuldiger laufen noch heute in Tschechien unbehelligt herum, weil sie vom Gesetz vor jeder Verfolgung geschützt sind. Mehr als ein Drittel des tschechischen Volksvermögens ist fremdes, gestohlenes Eigentum, ohne daß dafür auch nur ein Heller Entschädigung gezahlt worden wäre.
Weder Deutschland, noch Österreich (es waren Bürger der k&k-Monarchie!) noch die "Wertegemeinschaft EU" sind bisher gegen dieses Menschheitsverbrechen ernsthaft aufgetreten, obwohl sie laut völkerrecht dazu verpflichtet wären.

Im Gegenteil: Die Strukturhilfen in Milliardenhöhe, welche Tschechien seit 2004 laufend kassiert, müssen natürlich auch von den beraubten Vertriebenen in Deutschland und Österreich mitfinanziert werden.

Wenn Cicero glaubt, über seine Ansichten diskutieren zu müssen, dann soll er es mit jemand tun, der wie ich das Trauma der Vertreibung persönlich erlebt und
mehr als 65 Jahre darunter gelitten hat!

Wieso haben so wenige – und es gibt solche – Sudetendeutsche nicht die Beneš-Dekrete genutzt und haben ihre Loyalität gegenüber den Tschechen nachgewiesen? Sie hätten bleiben können und wären nicht enteignet worden!

Na ja, Rübezahl, Sie verlangen also, ich solle mit jemand diskutieren, der die Vertreibung der Sudentedeutschen aus der Tschechoslowakei selbst erlebt hat.

Gerne, ich stehe zur Verfügung! Auch wenn Sie mich unqualifiziert beschimpfen! Letzteres entspricht – das müssen Sie sich sagen lassen – nicht den guten Sitten.

Argumente haben Sie sichtlich keine, denn sonst würden Sie mir ja in der Sache widersprechen.

Schon mein Beitrag, auf den Sie jetzt zehn Tage später antworten, eignet sich für Widerspruch. Und mein mehrteiliger Beitrag mit dem ich die Diplomarbeit Fr. Znoys auseinandernehme, eignet sich auch dafür und dort verlange ich sogar Widerspruch. Also bitte, nichts wie los mit dem Widerspruch! Dann werden wir ja sehen, wer über Halbwissen verfügt, wer polemisch ist und wer präpotent.

Wie alt sind sie denn? Wenn Sie wenigstens das Kriegsende als schon einigermaßen denkender Jugendlicher erlebt haben, dann sind Sie um die 85 Jahre alt.

Wenn das so ist, dann stelle ich fest, Sie müssen Konrad Henlein gekannt haben, Sie müssen Reinhard Heydrich gekannt haben, Sie müssen Karl Hermann Frank gekannt haben. Wenn Sie zum Kriegsende in Prag waren, dann müssen Sie das Massaker der SS vom 5. bis 8. Mai 1945 miterlebt haben, oder wenn Sie nicht in Prag lebten, müssen Sie davon gehört haben.

Meine wesentliche Frage, haben Sie gegen diese Leute und gegen die deutsche Besatzung Widerstand geleistet?


Re: Die Beneš-Dekrete und die Wirklichkeit

Papier ist geduldig.. zwischen dem was festgelegt wurde und dem was tatsächlich geschah sind Welten... ich habe unlängst eine Diplomarbeit zu dem Thema gelesen welche das Thema sehr gut aufarbeitet, für den Fall das Sie ihr lückenhaftes Wissen aufbessern möchten hier der Link:
http://www.sudeten.at/de/dokumente/pdf/znoy.pdf

Hier ist nicht von "Aussiedlung" die Rede, sondern von V@.lkerm@rd.

Die Tschechen nun als "Opfer" der bösen Alliierten zu bezeichnen ist mehr als verfehlt. Das war eine ganz gezielte "ethnische Säuberung". Um nichts besser als in Jugoslawien in den 90ern.

Just for the record...aber es ist ja vorbei und wir zahlen ja eh weiter barv für unsere lieben nordöstlichen Nachbarn...

Alle Details zur „Deutsch-Tschechischen und Deutsch-Slowakischen Historikerkommission“, vulgo „Genscher-Dienstbier-Kommission“ kann man, wenn man kann, im Internet nachlesen!

Na ja, Hans Kircheisen, auf mich dreschen Sie ein und beschimpfen mich in guter Manier des tschechischen Pöbels als „Cicerak“ und weiter unten als Antwort an Dr. Otto L. Ortner sind Sie plötzlich sanft wie ein Lamm, anerkennen, daß die Tschechen in ihrem eigenen „Böhmischen Königreich“ seit Jahrhunderten von der deutschsprachigen Minderheit kujoniert wurden und reden der friedlichen Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen das Wort.

Daraus ziehe ich – mit Verlaub – die Erkenntnis, Sie haben keine festgefügte Meinung zum Thema, sondern neigen dazu, auf „fahrende Züge“ aufzuspringen. Haut einer auf mich ein, pöbeln Sie mich auch an und lesen bei mir Dinge heraus, die ich gar nicht geschrieben habe, wie z.B., daß die Tschechen Opfer der Potsdamer Konferenz wären. Wie kommen Sie nur darauf?

Versucht aber einer darzustellen, daß das Sudentenproblem eine Vorgeschichte hat, dann sind Sie auf einmal bereit auf „Sühne“ zu verzichten, weil sowieso keiner mehr lebt von den seinerzeitigen Tätern.

Na ja, dann!

Erklären Sie mir bitte, wer sind unsere „lieben nordöstlichen Nachbarn“, für die wir „ja eh weiter brav“ zahlen? Das bitte ist hanebüchener Unsinn!

Dann würde ich auch noch gerne wissen, haben Sie die Aussöhnung zwischen den Deutschen und den Tschechen verschlafen? Sind Ihnen die Genscher-Dienstbier-Kommission, der Nachbarschaftsvertrag von 1992 und die Aussöhnungserklärung von 1997 völlig entgangen?

Dort können Sie alles nachlesen, was ich hier unter Ihrem Protest dargestellt habe!

Zur „Deutsch-Tschechischen und Deutsch-Slowakischen Historikerkommission“ und deren Aussöhnung über die man ja so toll im Internet nachlesen kann...

Na ja, lieber Cicer@k, wie viel diese "Aussöhnung" wert ist, sehen wir ja an der hetzerischen Reaktion Zemans.

Was das Zahlen für unsere Nachbarn angeht: WIR - Österreicher, wie die Deutschen - sind NettoZAHLER, die Tschechen sind ganz, ganz eindeutig reine Empfänger - so wie viele andere national-stolze Völker Europas auch.

Sehrwohl habe ich eine Meinung zu dem Thema, aber ich bin auch der Differenzierung fähig, zementiere mich nicht ein und nenne etwas unwahr, wenn es unwahr ist.

Aber jetzt lass ich Sie in Ruhe, denn Sie sind heute nicht gut drauf... ;o)

Das Sudenteproblem läßt sich nicht wegreden, von keiner der beiden Seiten

Hans Kircheisen, was muß ich froh sein, daß Sie mich in Ruhe lassen, weil ich heute nicht gut drauf bin! Wie man sich irren kann! Wären Sie so gut drauf, wie ich es meistens bin, würden Sie – so interpretiere ich Ihre Auslassung – nicht darum betteln, von mir in Ruhe gelassen zu werden.

Österreich zahlt keinen Cent an die Tschechen! Österreich entrichtet gemäß den EU-Verträgen seinen Beitrag an die EU. In dem Moment, wo dieses österreichische Geld die österreichische Kassa verläßt und in der EU-Kassa eintrifft, ist es nicht mehr österreichisches Geld sondern EU-Geld. Geld hat bekanntlich nirgendwo auf der Welt ein Mascherl.

Österreich erhält aus der EU-Kassa Förderungen. Tschechien und alle anderen EU-Mitglieder auch. Weil aber Österreich weniger Förderungen erhält als sein Beitrag ausmacht, wird Österreich zum Nettozahler. Anderswo, so auch in Tschechien ist es umgekehrt. Dort kommen mehr EU-Förderungen zurück als der jeweilige Beitrag ausmacht, das heißt, diese Länder sind Nettoempfänger.

Das ist der EU-Vertragszustand! Wie Sie darauf kommen, Österreich zahlt etwas an die Tschechen müssen Sie mir noch erklären.

Niemand bestreitet, bei der ersten gewaltsamen Vertreibung sind erhebliche Verbrechen passiert. Das waren aber keine (gewissermaßen) „amtlichen“ Verbrechen, das war Ausfluß einer Volkswut nach dem SS-Massaker in Prag, die nur schwer zu bändigen war. Es war Beneš, der noch im Juni 1945 mit Unterstützung der Alliierten, diese Verbrechen eindämmte.

Fortsetzung folgt:

Das Sudenteproblem läßt sich nicht wegreden, von keiner der beiden Seiten

Fortsetzung 1:

Es waren die Alliierten, welche die Aussiedlung beschlossen. Eine rein zeitliche Ausnahme der oben genannten Verbrechen stellt das Massaker von Aussig dar, das erst am 31. Juli 1945 erfolgte, also während der Konferenz von Potsdam.

Zweifellos, das waren vermeidbare Verbrechen, sie aber als Völkermord zu bezeichnen, ist übertrieben, betrachtet man den Hintergrund, daß vorher in den sechs Jahren deutscher Besatzung 300.000 Tschechen zu Tode kamen. Damit Sie nicht wieder einem Mißverständnis aufsitzen können, das hat nichts mit gegenseitiger Aufrechnung zu tun.

Denn diese 300.000 Toten waren tatsächlich Völkermord. Es waren z.B. an die 80.000 Juden, die ermordet wurden, weil sie Juden waren.

Die Tschechen aus Theresienstadt wurden restlos ausgesiedelt, um die gesamte Stadt freizumachen, für ein KZ, das zwei Gründe hatte. Erstens Durchgangslager in die Vernichtung und zweitens, Herzeigelager für die wiederholte Kontrolle durch das internationale Rote Kreuz. Dort gab es perfekte Gesundheitsversorgung der Häftlinge, dort gab es Kultur von und für die Häftlinge, etc. In Prag im jüdischen Museum kann man Kinderzeichnungen aus Theresienstadt bewundern.

Die Festung Theresienstadt wurde als Gestapo-Gefängnis für das gesamte Protektorat Böhmen und Mähren eingerichtet. Dort gab es eine eigene Hinrichtungsstätte, weil so großer Bedarf hiefür bestand.

Nicht umsonst nannte man Reinhard Heydrich den Henker von Prag.

Fortsetzung folgt:

Das Sudenteproblem läßt sich nicht wegreden, von keiner der beiden Seiten

Fortsetzung 2:

Reinhard Heydrich, der oberste Polizeichef des Reiches setzte sich als „stellvertretender Reichsprotektor“ nach Prag, um die Tschechen auszubeuten und soweit dies nicht möglich war, zu liquidieren.

Nach dem Heydrich-Attentat entwickelte der Reichsführer SS Heinrich Himmler den „Generalplan Ost“. Diesem Plan zufolge sollten Tschechen bleiben dürfen, die „eingedeutscht“ werden konnten, der Rest sollte liquidiert werden und soweit das aus welchen Gründen auch immer nicht möglich war, sollte nach Sibirien ausgesiedelt werden.

Das war im Frühsommer 1942, also vor Stalingrad, da konnte Heinrich Himmler noch solche Phantasien entwickeln.

Unbestritten ist auch, die generelle Enteignung bewegt sich am Rande der Völkerrechtswidrigkeit. Die Völkerrechtswidrigkeit ist umstritten, weil die Beneš-Dekrete ausdrücklich festhalten, wer beweisen kann, daß er der Tschechoslowakei gegenüber loyal geblieben war, bleibt von der Enteignung verschont. Bleibt somit nur die auch umstrittene Beweislast-Umkehr.

Sowohl der Nachbarschsaftvertrag von 1992, wie auch der Versöhnungserklärung von 1997 klammern die Vermögensfrage bewußt aus, weil die Enteignung als Reparation für die vorangegangene Ausbeutung deklariert wurde. Eine gegenseitige Aufrechnung hätte – im einvernehmlichen Verständnis – nur zu einem Nullsummenspiel geführt.

Wenn Sie, Hans Kircheisen, dem widersprechen können, tun Sie es doch! Wenn Sie nicht können, sollten Sie Ihre Hetzschriften aufgeben, sie führen zu nichts!

Re: Die Beneš-Dekrete und die Wirklichkeit

Täter und Opfer...
Die Wahrheit tut weh...
So oder so...
Und je mehr etwas weh tut, desto mehr heult man auf...

Re: Die Beneš-Dekrete und die Wirklichkeit

Ist ja haarsträubend, was Sie da schreiben! Beinahen 1 Million Menschen waren schon brutalst vertrieben worden, tausende ermordert, bevor die Potsdamer Konferenz überhaupt einberufen wurde, also keine Rede davon, dass die Alliierten den Völkermord veranlassten! Weitere Unwahrheit:"..sie hätten bleiben können!" Tatsache ist, dass sie wie Vieh aus ihren Häusern getrieben wurden, alle Wertgegenstände + Geld abgenommen wurde und dann in Viehwaggons oder Todesmärschen über die grenze gejagt wurden. Widerlich, wie Sie ezhnische Säuberung in Schutz nehmen. Solche Verbrechen kann man durch nichts begründen. Ausschnitt aus einer Benes-Rede 1945 in Tabor:".. endlich können wir das tun, was wir schon 1919 erledigen wollten!" Weitere Kommentare überflüssig!

Die erste gewaltsame Vertreibung hat die SS ausgelöst, die restliche Aussiedlung wurde auf der Potsdamer Konferenz beschlossen. Das läßt sich nicht wegreden!

veverka, Sie triefen ja vor Haß auf die Tschechen!

Wenn es ein Beneš-Dekret gibt, das die Aussiedlung der Sudetendeutschen postuliert, dann nennen Sie es doch, möglichst im Wortlaut. Es sind alle Beneš-Dekrete im Internet zugänglich.

Weiters darf ich Sie bitten, mir nachzuweisen, wo ich etwas Unwahres behaupte. Nur Aufheulen und mich verbal prügeln reicht nicht!

Darf ich Sie darauf hinweisen, sofort nach dem Zusammenbruch der Kommunisten die sogenannte Genscher-Dienstbier-Kommission eingerichtet wurde, welche die Sudentenfrage zu klären hatte.

Das Ergebnis ist eindeutig. Die erste gewaltsame Vertreibung, die durch das Massaker der SS in Prag in den drei letzten Kriegtagen (5.- 8. Mai 1945) mit tausenden Toten ausgelöst wurde, umfaßte nicht wie Sie behaupten 1 Million Bürger, sondern nur 300.000. Es gab tatsächlich tausende Tote dabei, aber nicht, wie wiederholt behauptet wird 250.000, sondern zwischen 29.000 nach deutsche Unterlagen und 39.000 nach tschechische Zahlen.

Das Entscheidende dabei aber ist, von den Vertriebenverbänden kam dazu kein Widerspruch.

Das ist die von mir angesprochene Wirklichkeit. Auch Wirklichkeit ist es, daß die 6 Jahre deutsche Besatzung Tschechiens 300.000 tote Tschechen hinterfließ. Auch das ist historisch gesichert.

Die Sudetendeutschen haben bis heute kein Wort des Bedauerns gefunden. Nur die Regierungen in Berlin und in Prag bedauern.

Für mich die gilt Maxime, es gibt keine Kollektiv-Schuld! Für mich gilt aber auch, es gibt keine Kollektiv-Unschuld!

...auch das ist historisch gesichert...sagt Cicerak

...in den Archiven der tschechischen Republik, gell Cicerak?...wer da vor Hass trieft.

Du meine Güte!

Die alten Benes-Geschichten aufwärmen ist wohl was für Ewiggestrige. Heute haben wir genug andere Themen die zu lösen sind.
Darauf herumreiten ist ja nur ein Vorwand wie man Tschechenfeindlichkeit in ein hübsches moralisches Mäntelchen steckt!

Re: Du meine Güte!

Hier im Forum tummeln sich jede Menge rechter "Einrichtungsdenker", Sie jedoch würde ich (auch in Kenntnis Ihrer sonstigen geschätzten Beiträge) mit Verlaub als "linken Einrichtungsdenker" bezeichnen.

Re: Du meine Güte!

Sagen Sie das auch bei den Mahnmälern, die wir aufstellen oder bei den Wiedergutmachungszahlungen der Deutschen und Österreicher? Oder ist das für Sie "etwas Anderes"?

 
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