Bulgarien: Chef der Türken-Partei mit Pistole bedroht

20.01.2013 | 13:14 |   (DiePresse.com)

Der Täter handelte nach eigenen Angaben im Alleingang. Er habe den Chef der bulgarischen Türken-Partei nur "wachrütteln" wollen.

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Der 25-Jährige, der auf dem Parteitag der bulgarischen Türken-Partei DPS am Samstag den Parteivorsitzenden Achmed Dogan mit einer Gaspistole bedroht hatte, hat nach eigenen Angaben im Alleingang gehandelt. Das gab der Leiter des Psychologieinstituts beim bulgarischen Innenministerium, Nedeltscho Stojtschew, am Sonntag bekannt.

Beim Verhör habe der türkischstämmige Architekturstudent jährige Oktai Enimehmedow zugegeben, seine Tat zwar geplant zu haben, jedoch ohne die Absicht, den DPS-Parteichef zu töten. "Laut seinen eigenen Angaben wollte er ihn lediglich wachrütteln, weil er mit Achmed Dogans Alleinherrschaft und Diktat in der Partei nicht einverstanden sei", erläuterte Stojtschew.

Die Ermittler fanden bei der Durchsuchung von Enimechmedows Mietwohnung in Sofia einen Abschiedsbrief. Der junge Mann, der für die Polizei als zurechnungsfähig gilt, sei sich über die eventuellen Folgen eines solchen Angriffs durchaus im Klaren gewesen und habe nicht ausgeschlossen, dass er vom Sicherheitspersonal erschossen werden könnte, kommentierten die Ermittler.

Anklage wegen Morddrohung

Der zuständige Sofioter Staatsanwalt Nikolaj Kokinow gab in einem Interview für das Staatsradio bekannt, gegen den Täter werde eine Anklage wegen Morddrohung und nicht wegen versuchten Totschlags erhoben. Das Gutachten der Polizei über die Tatwaffe - eine Gaspistole türkischer Herkunft, ergab, dass ihre Schüsse für den DPS-Parteivorsitzenden nicht lebensgefährlich gewesen wären. Dem Angreifer drohen sechs Jahre Freiheitsstrafe.

Unterdessen hat der sonst redgewandte und medienfreundliche bulgarische Ministerpräsident Bojko Borissow erst einen Tag nach dem vereitelten Anschlag auf Achmed Dogan zum ersten Mal die Tat kommentiert. "Es ist nicht angebracht, über ethnische Anspannung in Bulgarien zu sprechen, wenn Täter und Opfer der gleichen muslimischen Minderheit angehören", sagte Borissow, zitiert von der Nachrichtenagentur Fokus. Der Regierungschef verurteilte den Anschlag als "unzivilisierte Tat" und empörte sich über das "grauenvolle Zusammenschlagen" des zu Boden gebrachten Täters von aufgebrachten Delegierten des Parteitages.

Nach einer stundenlangen Unterbrechung nahm der Parteitag der liberalen Bewegung für Rechte und Freiheiten, wie die Türkenpartei mit vollem Namen heißt, am Samstag Abend seine Arbeit mit der Wahl eines neuen Vorsitzenden wieder auf. Wie zuvor angekündigt, trat der Parteigründer und bisher einziger DPS-Parteichef Dogan zurück und schlug seinen jahrelangen Stellvertreter Ljutfi Mestan als seinen Nachfolger vor, der vom Parteitag mit absoluter Mehrheit und ohne Gegenkandidaten gewählt wurde.

(APA/Reuters)

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4 Kommentare
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Mich erstaunt,

dass dieser Mann, als er schon überwältigt und von den Sicherheitsleuten am Boden festgehalten wurde, von anderen Personen (Politikern?) getreten und geschlagen wurde.
Diese Tritte und Schläge sind mit einer solchen "Hingabe" verteilt, dass ich mir die Frage Stelle ob das nun aus der einmaligen Situation heraus kommt oder ob so ein aufgestauter Hass (auf wem auch immer) vorhanden ist, der sich hier entlud.

klingt nach: suicide by bodyguard


In

Bulgarien gibt es keine "Tuerken"- Partei, das waere verfassungswidrig im Sinne des Bgr Grundgesetz. Jede politische Partei gegruendet auf religioeser, ethnischer etc. Basis ist verfassungswidrig.

Eine Partei, in der die Mehrheit der Waehler und Parteimitglieder tuerkischer Herkunft sind, ist nicht unbedingt als tuerkisch einzustufen, da die DPS, wie alle anderen Partien in Bulgarien als Volkspartei gedacht ist.

Genause darf man die Oe Gruenen offiziell nicht als "Hippie"- Partei, die OeVP nicht als Bauernpartei etc. bezeichnen

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Türkenpartei

Ich hoffe - ehrlich - dass so etwas auch in Österreich gegründet wird. Das würde der SPÖ endlich den Anreiz nehmen Steuergelder und Zukunftsressourcen in diese Richtung zu verschleudern.

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