Nahost: Syrien droht Israel mit Gegenschlag

31.01.2013 | 18:20 |  Von unserer Korrespondentin Susanne Knaul (Die Presse)

Der israelische Luftangriff auf syrisches Territorium hat die Spannungen in der Region weiter erhöht. Moskau protestiert, Jerusalem schweigt. In Israel rechnet man indes nicht mit einem Vergeltungsschlag.

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Jerusalem. Einen Tag nach dem israelischen Luftangriff auf syrisches Territorium scheint nur eines sicher: dass es diesen Angriff tatsächlich gegeben hat. Ob es aber ein Waffenkonvoi war, der sich mit in Russland produzierten modernen Luftabwehrraketen des Modells SA-17 auf dem Weg zu den libanesischen Extremisten der Hisbollah (Partei Gottes) befand, oder ob das Ziel eine syrische Forschungsstation für Chemiewaffen war – oder beides – blieb auch am Donnerstag weiter unklar.

Syrien drohte am Donnerstag mit einer „überraschenden Antwort“. Man werde seine Souveränität und sein Territorium verteidigen. In Israel rechnet man indes nicht mit einem Vergeltungsschlag, weder seitens der Hisbollah noch aus Syrien. Assad hat vorläufig genug damit zu tun, die Rebellen im eigenen Land zu bekämpfen. Damaskus hielt auch still, als Israel im September 2007 einen Reaktor bombardierte.

Während der Vorfall in den USA und Europa zunächst gar nicht kommentiert wurde, äußerte Moskau „Besorgnis“. Israels Regierung bewahrte, wie in solchen Fällen üblich, Stillschweigen.

 

War Angriff erst der Anfang?

C-Waffen oder Luftabwehrraketen in den Händen der Hisbollah, die Israel in ihrem Parteiprogramm als „kleinen Satan“ bezeichnet, den es zu vernichten gelte, sind für Israel eine Schreckensvorstellung. Die Sicherheitskräfte würden „alles tun, um das zu verhindern“, meint Boas Ganor, Direktor des „International Policy Institute for Counter-Terrorism“ in Herzliya. Nach Ansicht Ganors waren die Angriffe diese Woche erst ein Anfang.

Israel und die USA beobachten besorgt den nahenden Sturz des syrischen Regimes. Die nicht konventionellen Waffenarsenale Syriens gehören zu den größten weltweit: „Die Hisbollah und andere Terrorgruppen werden versuchen, die gefährlichen Stoffe an sich zu bringen“, meint Ganor. Sollte es dazu kommen, werde nicht nur Israel in Gefahr sein, sondern es würde „der Terrorismus weltweit auf eine neue Stufe gehoben, wie wir es noch nicht gesehen haben“.

Syrien ist das Bindeglied zwischen dem Iran und der Hisbollah. Die libanesische Terrororganisation mit angeschlossener Partei, die von Irans Revolutionsgarden aufgebaut wurde, wird via Syrien mit iranischen Waffen versorgt. Damaskus half mitunter auch mit eigenen Rüstungsgeschenken an die schiitischen Extremisten aus, um sie für einen eventuellen neuen Krieg mit Israel vorzubereiten. Zum Dank schickte die Hisbollah nun Kämpfer nach Syrien, um dem Assad-Regime zu helfen.

Solange dieses noch entscheiden kann, wer die syrischen Waffen erbt, liegt die Hisbollah als Empfänger nahe. Im Gegensatz zu den offiziellen Befürchtungen, glaubt Brigadegeneral a.D. Schlomo Brom jedoch nicht, dass Syrien C-Waffen an die Hisbollah liefern wird. „Es gibt keinen Präzedenzfall für den Transfer chemischer Waffen aus Staatsbesitz an eine nicht staatliche Organisation.“ Außerdem hält Brom es für fraglich, dass die Hisbollah an Chemiewaffen, „die gegen eine mit Gasmasken gut geschützte Bevölkerung wie die israelische kaum etwas ausrichten könnten“, interessiert sei. Berichten der israelischen Zeitung „Haaretz“ zufolge meldeten sich in den vergangen Tagen tausende Israelis, um ihre alten Gasmasken gegen neue auszutauschen.

 

Israels Trumpf ist die Luftwaffe

Moderne Luftabwehrraketen in den Händen der Hisbollah wären für Israels Nachrichtendienste und Luftwaffe problematisch. Vorläufig kann die Hisbollah israelischen Aufklärungsflügen am Himmel von Beirut genauso wenig anhaben wie den Kampfflugzeugen und Hubschraubern. Die Luftwaffe war im letzten Krieg im Sommer 2006 für Israel der entscheidende militärische Vorteil. Beim Kampf zu Lande musste die Armee schon damals hohe Verluste einstecken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2013)

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208 Kommentare
 
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Querdenker sagt,

mit dem grünen Licht aus den USA darf israel nun überall tätig werden wo es Gefahr sieht. die sind von Ländern umgeben die sie als Feinde ansehen. man darf gespannt sein wo Israel noch überall das grüne Licht schweifen lässt.

Dieser Hass einiger hier auf Syrien

kann doch nicht einem gesunden Geist erwachsen.

Söldner hatten noch nie Immunität...

... und Konvois von Waffenlieferanten sind im Artenschutzabkommen auch nicht gelistet...

Aber Staatsgrenzen haben sehr wohl eine Geltung...

Aber beim Eigentum der Anderen war ja Israel nie besonders zimperlich... Folklore halt...

Nicht vergessen

Kommt es eigentlich jemanden in den Sinn dass ein volk das fast komplett ausgerottet wurde vielleicht ein etwas groesseres beduerftniss hat sich zu verteidigen/schuetzen? Die machen nicht alles richtig, bei weitem nicht, aber gerade in Oesterreich sollte die geschichte in der diskussion doch nicht komplett vergessen werden.

Re: Nicht vergessen

Es spricht leider für den Ungeist der nach wie vor in den Köpfen viel zu vieler Menschen zuhause ist, dass die Rotstrichler gleich wieder einmal zur Hochform auflaufen, wenn man Österreich auch nur ansatzweise mit der Judenvernichtung in Verbindung bringt. Eigentlich beschämend. Die braune Brut scheint nicht auszusterben.

Re: Nicht vergessen

Ich kann nur sagen, BRAVO ISRAEL!!

Terror gehört auch preventiv bekämpft!

Re: Nicht vergessen

@chipotle ..... (Zitat ) .... sich zu verteidigen ....

Verteidigen, Ja, da kann und wird niemand wird etwas dagegen einwenden wollen, ABER ein "Verteidigungsfall" liegt erst dann wirklich vor, wenn ein direkter Angriff ( ein klarer unübersehbarer Angriff ) stattgefunden hat und zwar auf EIGENEM Territorium d.h. in diesem Falle israelischem .....

Anderes ist nicht akzeptabel auch nicht von einem Volk Israel - das hat auch etwas mit INTERNATIONAL geltendem Recht zu tun, das auch keine Ausnahmen machen kann ( soll, darf )

Re: Nicht vergessen

...123 Freunde des Terrors....beschämmend

Re: Re: Nicht vergessen

@KundK .... Wenn man Ihrer Argumentation richtig folgt und entsprechend auf die internationale Gemeinschaft anwendet, dann sind wohl ALLE anderen Menschen, die sich zu einem Eingreifen in Syrien oder dem Nahen-Osten allgemein bisher nicht entschließen konnten oder wollten, in Ihren Augen Freunde von Terror.

Das kann eigentlich nicht ernst gemeint sein - von Ihnen.

Gerade in Österreich

schätzt man die Neutralität. Das ermöglicht uns, uns gegen Aggressoren aller Länder kritisch auszusprechen.

Re: Nicht vergessen

und kommt es ihnen nicht in den sinn das jeder die schnauze voll hat von einem verbrecherregime das wahllos herumbombt unterdrückt landraub begeht
anschläge verübt(geheimdienst)
kriege führt ohne kriegserklärung

in ihrer welt wüde ich gern leben wo die münze nur eine seite hat

Re: Nicht vergessen

so, wie es aussieht, haetten 100 rotstrichler eine freude, wenn israel sich sklavisch als einziger an regeln halten wuerde, damit die regellosen feinde endlich obsiegen.


Re: Nicht vergessen

das erlaubt diesem volk noch lange nicht andere zu unterdrücken und wie hier in syrischen luftraum einzuzdringen

Re: Re: Nicht vergessen

das erlaubt den arabern nach der staatsgruendung israels (UNO!) einen Vernichtungskrieg anzuzetteln, dessen feuchte Träume noch heute jeden freitag in zahllosen moscheen der arab welt ausfantasiert werden....

ursache-wirkung

Re: Re: Re: Nicht vergessen

Auf einmal ist die UNO legitim. Wenn die UNO aber die israelischen Verbrechen anprangert ist sie sooooooo böse.

Aber bei den ganzen feuchten Träumen über die Ausrottung der indigenen, semitischen Bevölkerung (Palästinenser) kann man die Realität schon mal aus den Augen verlieren ;)

Re: Re: Re: Nicht vergessen

Vielleicht liegt die Ursache aber auch in der Zerschlagung des Osmanischen Reiches, in dem Moslems, Christen und Juden Jahrhunderte friedlich zusammen lebten.
Wahrscheinlich jedoch wird es die Summe aller politischen Machtspiele und Veränderungen sein, die zu einem nun unlösbaren Zustand geführt haben. Die Leidtragenden sind aber immer die Völker auf beiden Seiten, auf deren Kosten sich Minderheiten von Machthabern und Extremisten bekriegen.
Das wiederum ist ja keine Besonderheit des Nahen Ostens, das ist überall auf der Welt so, wo es Konflikte gibt, die schlimmstenfalls zu Kriegen führen.

Re: Re: Re: Re: Nicht vergessen

hören sie auf mit diesem Märchen des friedlichen Zusammenlebens.


Re: Re: Re: Re: Nicht vergessen

Ja, mein Herr, DA GUCKE ICH!!
Beiträge wie den Ihren, intelligent und humanitär ausgewogen, würde ich gerne öfters lesen-in einem PRESSE-Forum,bravo!

re

verwehren

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Was?

Was genau ist schlecht daran wenn Raketen und/ oder Fabriken für Chemiewaffen vernichtet werden? Könnte ruhig öfter geschehen.

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Re: Was?

.. Was genau ist schlecht daran, wenn Raketen und/oder Fabriken in Israel vernichtet werden? Sollte das ebenfalls öfters geschehen?
Das war wirklich keine gute Frage!

Ach was

In wirklichkeit sind die Syrer dankbar, dass ihnen der Nachbar gegen die radikalen Islamisten hilft und Israel ist happy dass der Diktator an der Macht bleibt und keine religiösen Spinner.

Re: Ach was

sehe ich auch so,

Assad ist doch eigentlich ein potentieller Verbündeter, allemal besser als die Islamisten - Terroristen, der muss jetzt lauthals "jammern" um den Iran bei Laune zu halten

Nahost-Krieg längst beschlossen damit neue Waffen auspropiert werden können?

US-Vizepräsident Joe Biden droht Teheran offen mit Angriff. Ist ein neuer Nahostkrieg längst beschlossene Sache der amtierenden Machthaber, wovon sie ganz einfach vergessen haben die Bevölkerungen zu informieren?

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/511632_Vorschau-2013.html

Re: Nahost-Krieg längst beschlossen damit neue Waffen auspropiert werden können?

Das ist typisches Sechzigerjahre-Niveau, zu behaupten, die zetteln nur Kriege an, um neue Waffen auszuprobieren...

 
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