Rücktrittserklärung: "Das Amt darf nicht beschädigt werden"

09.02.2013 | 15:53 |   (DiePresse.com)

Die Erklärung der deutschen Bildungsministerin Schavan im Wortlaut.

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"Vielen Dank, meine sehr verehrten Damen und Herren, ich danke zunächst der Bundeskanzlerin. Ich danke dir, liebe Angela, für deine Worte und deine Würdigung heute und für Vertrauen und für Freundschaft über viele Jahre. Freundschaft hängt nicht an Amtszeiten und wirkt über diesen Tag hinaus.

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Meine Damen und Herren, am 2. Mai des vergangenen Jahres sind anonyme Plagiatsvorwürfe im Blick auf meine Dissertation von vor 33 Jahren öffentlich geworden. Ich habe am gleichen Tag den Rektor der Universität in Düsseldorf gebeten, diese Vorwürfe prüfen zu lassen. Die philosophische Fakultät hat am vergangen Dienstag die Ungültigkeit meiner Promotion entschieden. Ich werde diese Entscheidung nicht akzeptieren und dagegen klagen.

Ich habe in meiner Dissertation weder abgeschrieben noch getäuscht. Die Vorwürfe, das habe ich in den vergangenen Wochen und Monaten mehrfach gesagt, treffen mich tief. Zugleich hatte ich nicht zuletzt in den Tagen der Delegationsreise in Südafrika Gelegenheit, gründlich über politische Konsequenzen nachzudenken.

Wenn eine Forschungsministerin gegen eine Universität klagt, dann ist das mit Belastungen verbunden für mein Amt, für das Ministerium, die Bundesregierung und auch die CDU. Und genau das möchte ich vermeiden, das geht nicht, das Amt darf nicht beschädigt werden.

Politische Ämter sind Ämter auf Zeit. Ich hatte eine lange Zeit, 17 Jahre als Kultusministerin in Baden-Württemberg und jetzt als Mitglied der Bundesregierung seit sieben Jahren, politisch gestalten zu können. Ich habe das gerne getan. Ich habe mich in all den Jahren auf die Loyalität und den hohen Einsatz meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Stuttgart und Berlin verlassen können. Auch deshalb waren es gute Jahre, für die ich sehr dankbar bin.

Ich möchte ausdrücklich den Mitgliedern der Bundesregierung, den Kolleginnen und Kollegen im Parlament quer durch die Fraktionen dafür danken, dass ich in den vergangenen Wochen und Monaten viel Fairness, Zuspruch und Solidarität erfahren habe. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist, zumal wenn es quer durch die Fraktionen geht.

Meine Entscheidung resultiert aus genau der Verantwortung, aus der heraus ich mich bemüht habe, mein Amt zu führen. Einer Verantwortung, die verbunden ist mit der Überzeugung, die Erwin Teufel oft formuliert hat in den Worten: Zuerst das Land, dann die Partei und dann ich selbst. Und deshalb denke ich, der heutige Tag ist der richtige Tag, aus dem Ministeramt zu gehen und mich auf mein Bundestagsmandat zu konzentrieren. Vielen Dank."

(APA/dpa)

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3 Kommentare
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Erbärmlich

Ich habe keine unmittelbare Meinung zur deutschen Bildungsministerin Schavan, möchte auch nicht beurteilen, ob sie einen guten oder schlechten Job gemacht hat.

Aber die Art, wie sie aus dem Amt gedrängt wurde, kann man nur als erbärmlich und unterklassig bezeichnen.
Da wird jemandem eine 33 Jahre alte Diss, die unter völlig anderen Bedingungen als heute zustande gekommen ist, die von Leuten unter den damaligen Bedingungen begutachtet worden ist, die vermutlich zum größten Teil gar nicht mehr leben, und die zur damaligen Zeit als würdig erachtet worden ist, heute von Leuten unter völlig anderen Kriterien abgelehnt.

Das ist die selbe Masche, mit der heute das Verhalten vergangener Generation schlecht gemacht wird, einfach weil man viele Dinge heute besser weiß oder zu wissen glaubt.
(Das ganze ist übrigens auch ein Plagiat, da ich vermutlich etwas ähnliches bereits wo gelesen habe, ist mir aber egal, es ist trotzdem (auch) meine Meinung)

Was glaubt man wohl, wie viele Dissertationen aus heutiger Sicht einfach falsch sind oder den heutigen Kriterien nicht mehr genügen. Nur mit den heutigen Methoden ist es sehr leicht, das zu überprüfen. Will man nun mit der Überheblichkeit des größeren Wissens und der besseren Methoden alles Vergangene schlecht machen?
Dass das Ganze politisch motiviert war, ist evident, umso höher ist der Rücktritt der Bildungsministerin zu bewerten, die damit ein deutlich höheres ethisches Verhalten zeigt als die "Plagiatsjäger" und "Neubegutachter"

So eine konsequente

Haltung würde ich mir für die österreichischen Politiker und Beamten wünschen!! Dieses Ehrgefühl und entsprechendes Verantwortungsbewusstsein hierzulande unbekannt.

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Re: So eine konsequente

dann wäre das Parlamentsgebäude genauso leer wie die Kammern, Gewerkschaftsgebäude und alle Ministerien - das hätte durchaus Charme.

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