Zypern: Proeuropäer wird neuer Staatschef

24.02.2013 | 17:09 |   (Die Presse)

Der konservative Nikos Anastasiades hat die Präsidentenwahl im nahezu bankrotten Inselstaat gewonnen. Er will Zyperns Bilanzen in Ordnung bringen.

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[ATHEN/NIKOSIA AG./C.G] Vor dem Hintergrund eines drohenden Staatsbankrotts haben sich die griechischen Zyprioten am Sonntag klar für einen proeuropäischen und bürgerlichen Staatschef entschieden.  Der konservative Politiker Nikos Anastasiades wird künftig den Inselstaat führen. Er setzte sich laut mit einer überwältigenden Mehrheit von 57,5 Prozent der Stimmen gegen den linken Stavos Malas durch.

Da Zypern ein präsidiales System hat, ernennt der Staatschef auch die Regierung und führt sie.
„Es geht ums Überleben der Republik, wir müssen uns alle auf die kritischen Zustände einstellen, die auf uns zukommen“,  sagte Anastasiades am Sonntag.
Der zurückhaltende 66-Jährige steht bereits seit 1997 an der Spitze seiner proeuropäischen Partei „Demokratische Gesamtbewegung“. Anastasiades ist fest davon überzeugt, dass die Zukunft Zyperns in der EU liegt. Und betont europäisch war auch sein Wahlkampf – im Gegensatz zu jenem EU-skeptischeren seines linken Rivalen. Er wolle den Inselstaat wieder auf europäischen Kurs bringen, betonte der Jurist.

Dabei versicherte Anastasiades mit einem Blick nach Brüssel, er werde alle notwendigen Maßnahmen zur Sanierung der Finanzen treffen.  Erwartet wird, dass er dies durch Verhandlungen und Kompromisse erreichen wird. Denn heftige Konfrontationen scheut der analytische Kopf eher – wobei er hinter den Kulissen offenbar auch hin und wieder mit Härte seine Meinung durchsetzt. Weil er gelegentlich explosiv reagiert, wird er auch „der Wolf“ genannt.

Zypern hat nur bis Ende März Geld

Die Zeit drängt jedenfalls: Das EU-Mitglied und Euroland hat nur noch bis Ende März Geld. Der Inselstaat braucht dringend 17,5 Milliarden Euro, um seine Staatsfinanzen und Banken zu stabilisieren. Dies entspricht der Wirtschaftsleistung eines Jahres. Schafft es das Land nicht, seine Finanzprobleme in den Griff zu bekommen, könnte es gezwungen sein, als erster EU-Staat die Eurozone zu verlassen.

Zyperns Wirtschaft leidet unter ihrer Exportschwäche: 2011 standen Importen von 6,2 Milliarden Euro Ausfuhren von 1,3 Milliarden Euro gegenüber. Haupthandelspartner ist das marode Euroland Griechenland. Die Krise in Griechenland hat auch Zyperns Banken schwer in Mitleidenschaft gezogen. Zyperns Geldinstitute sind eng mit dem griechischen Bankensystem verbunden und wurden in den Strudel der Griechenland-Krise gerissen, als 2012 der Schuldenschnitt für den privaten Sektor in die Tat umgesetzt wurde.

Präsident Zyperns war bisher Demetris Christofias – das einzige kommunistische Staatsoberhaupt der EU.  Als Grund dafür, dass er kein weiteres Mal für eine fünfjährige Amtszeit kandidiert, nannte er die festgefahrenen Verhandlungen zwischen griechischen und türkischen Zyprioten über eine Wiedervereinigung des Landes. Doch die eigentliche Ursache waren wohl die schwierigen Gespräche mit den Vertretern der Eurozone in den vergangenen Monaten. Der Kommunist lehnte Privatisierungen als Gegenleistung für Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM prinzipiell ab.

Beide Kandidaten der Stichwahl standen hinter einem Hilfspaket der EU inklusive Sparauflagen, beide wollten das ausverhandelte, aber ununterschriebene Paket zur Bankenrettung und Sanierung des Staatshaushalts aber nachverhandeln. Anastasiades deutete denn bei der TV-Debatte mit Malas am Freitag auch an, dass er Kreditgeber zur Hand habe.

Deutsche zögern mit Hilfszahlung

Vor allem Deutschland zögert mit der Zustimmung zu einem Rettungspaket von bis zu 17,5 Milliarden Euro. Erst will man Sicherheiten, dass Schwarzgeldwäsche durch zypriotische Banken wirksam eingedämmt wird – Zypern streitet allerdings diese Vorwürfe ab.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble betonte am Wochenende, dass im Fall des zypriotischen Hilfsantrags „Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehe“. Zypern müsse nachweisen, dass das Land systemrelevant für die Eurozone sei, sagte er.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2013)

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26 Kommentare
 
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Bin schon gespannt wie er das innerhalb der Lissabonner Verträge ohne Fremdstaatenhilfe schaffen wird?!

Oder werden wieder Gesetze und Verträge auf unsere Kosten gebrochen?!

Der alte war gegen Europa!

Jetzt kommt ein Proeuropaer an die Macht und die Gelder fliessen gen Zypern! Tra lal la, so schön ist das europaische Leben!

Und wer hilft uns?

Die ÖVAG braucht auch schon wieder Hilfe in Milliardenhöhe.
Ich sage wir dürfen uns von der Finanz und Bankenmafia nicht mehr länger erpressen lassen.
Beide ABWICKELN ohne Rücksicht auf Verluste.

rätselhaft

warum Länder die Geld wollen pro EU sind, und die Anderen dagegen?

Re: rätselhaft

ja eigenartig
vor allem haben die bis Ende März noch Geld
wir sind jetzt schon pleite....;))

Proeuropäer das ich nicht lache

Ein weiterer ferngesteuerter Merkel-Mann sonst nichts. Besser gesagt von Goldmann-Sachs.
Die sollen sich jetzt bloß nicht einbilden das es jetzt Geld gibt.
Ich habe keine Lust mit meinem Steuergeld die Millionen und Milliarden retten die auf zypriotischen Banken herumliegen.
Die sollen zuerst dieses Geld nehmen.
Unsere Regierung muss sofort ein Veto einlegen, noch besser die Deutsche Regierung aber von Merkel der Goldfrau-Sachs erwarte ich mir diesbezüglich nichts.
Traurig aber wahr.

Re: Proeuropäer das ich nicht lache

Wären dieses Jahr keine Wahlen hätte Merkel längst bezahlt.
Dasselbe gilt für unsere Regierung.
Ich sage nochmals Nein, kein Steuergeld für Milliarden Euros die auf fremden Banken herumliegen und die auch noch mit diesem Geld gegen uns spekulieren.
Wie kommen wir dazu, Frechheit.

Was im Bericht nicht steht

Auch diese angeblich pro-europäische Partei ist gegen Privatisierungen der Telekommunikationen, Häfen, Strom- und Wasserversorger. Die Staatsverwaltung hat 60,000 Beamte bei etwa 600,000 Einwohnern und zahlt mit Abstand die höchsten Gehälter. Die Warenausfuhren pro Kopf sind mit 1,500 Euro die niedrigsten in der EU. Fazit: ein Mini-Griechenland in jeder Hinsicht. Kein Grund zu jubeln.

ich erinnere mich noch an

den schwarzen Bischof...

Ein Proeuropäer, der die Bilanzen in Ordung bringen will.

Um zu erraten, wer das finanzieren wird, ist nicht viel Phantasie nötig.

One for the road..!!

Interessant wie Katastrofias es nicht lassen konnte for seiner Abgang eine letzte Schuss auf die Türken los zu lassen. Er glaubt, dass die Welt hat es bereits vergessen wer 2004 zu Wiedervereinigung "nein = oxi" gesagt hat!

Leider, kann man von Anastasiades auch nicht mehr erwarten, weil er, um gewählt zu werden viel zu viele Kompromisse gemacht hat. Der grösster verhinderer eine für beiden Seiten akzeptablen Lösung (bi-zonal, bi-communal federation) gilt der Kirchenoberhaupt Erzbischof Hrisostomos. Man kann nur hoffen,
dass die EU Druck macht!


Re: One for the road..!!

Wie gesagt, lieber die Griechen in Zypern, als die Türken in Österreich.

Das ist grundsätzlich und nicht persönlich gemeint.

Re: Re: One for the road..!!

Das musst aber auch Merkel beibringen. Sie verweilt momentan in der Türkei und macht Erdogan den Hof...
Du wirdst doch Merkel nicht widersetzen oder?

Re: Re: Re: One for the road..!!

Frau Merkel und Herr Erdogan werden die traditionell sehr gute deutsch-türkische Freundschaft weiterhin hochhalten. Auch Frankreich ist pro-türkisch eingestellt. Die beiden wichtigsten Staaten in Europa, die Zugpferde der EU sozusagen, werden mit Augenmaß und Geduld den Beitritt der Türkei fördern, sind sie doch alle drei sowieso schon seit Jahrzehnten Verbündete in der Nato und kenne sich somit bestens. Gerade auch deswegen ist die Türkei schon immer ein Teil Europas und hat für dessen Sicherheit zu Zeiten des Kalten Krieges wesentlich mehr beigetragen als so manch Zentraleuropäischer Staat. Deswegen muss und wird die Türkei in die Europäische Union aufgenommen werden.

Re: Re: Re: One for the road..!!

die Merkel ist eine geborene Ost-deutsche und mir schon deswegen unbehaglich.

Mit ihrer Vergangenheit und speziell ihrem religiösen Hintergrund besonders.

Der kann man nicht trauen (den Türken sowieso).

Re: Re: Re: Re: One for the road..!!

Sie hat wohl mit den Beutegermanen keine Erbarmen!

Rassismus

ist ja nichts Neues in Österreich.

Re: Rassismus

Wenn die Argumente fehlen wird Rassismus ins Spiel gebracht:

Wessen Geist nicht blitzt, dessen Stimme donnert!

Re: Re: Rassismus

Wunderbar, wie Sie die "Geistes"-Haltung der Rechten in Österreich auf den Punkt gebracht haben.

Re: Re: One for the road..!!

So etwas ist leicht gesagt, aber wir sind Menschen mit Gefühle, und die Geschichte und unsere Erfahrungen prägen uns ein. Niemand ist so geborn!
warum können Österreicher & Türken,
Griechen & Türken nicht gut auskommen mit einander? Ich habe wertvolle österreichische, griechische und türkische Freunde die wie Familienmitglieder sind! Was sagen Sie dazu? Alles was ich als Privatperson mache betreffen mich direkt und ich hafte auch dafür. Es lebe die Freundschaft.

Re: Re: Re: One for the road..!!

Ich würde mit dem Wort Freundschaft nicht so großzügig umgehen.

Ich, wir haben in Ägypten seit 20 Jahren sehr gute Bekannte. Unsere Familien besuchen sich regelmäßig.

Aber Aufgrund unsere unterschiedlichen kulturellen Herkunft sind wir keine Freunde. Ich mag halt keine Religion, egal welcher Couleur. Insbesondere die in dem arabischen vorherrschende.

Jeder in seinem Land - ok. Ansonsten werde ich mich mit allen Mitteln dagegen wehren.

One for the road..!!

Ich respektiere deiner Meinung und teile auch deiner Meinung bezüglich Religion. Aber, ich selbst bin alt genug zwischen Freundschaft und Bekanntschaft unterscheiden zu können. Die grösste Verschönerin in diesem Leben ist die Liebe. Wo die Liebe fehllt, fehllt alles. Ohne Liebe und Respekt kann keine Freundschaft geben. Religion und Nationalismus zählen bei mir nicht -
nur der Mensch zählt, egal welche Farbe!

Re: Re: Re: One for the road..!!

Ich habe auch türkische Freunde. Die sind aber atypisch für die überwiegende Mehrzahl der Türken in Wien und somit selbst eine Minderheit.

Re: Re: Re: Re: One for the road..!!

Weil du ausser diesen Türken keinen kennst...
Das sind immer die bessere Türken, die man kennt!

Re: Re: Re: Re: Re: One for the road..!!

Natürlich. Die, die mir nicht passen, will ich auch nicht kennen. Ich bin ja nicht mein eigener Feind.

Ist ja klar,

daß ein "Proeuropäer" die Wahl gewonnwn hat. Die brauchen ja auch Geld aus dem ESM.

 
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