Hektische Vermittlungen im Geiseldrama

24.02.2013 | 19:20 |  Von Martin Gehlen und Anna Gabriel (Die Presse)

Wien und Brüssel versuchen, das Leben des entführten Österreichers zu retten. Aber: "Die Republik lässt sich nicht erpressen."

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[Wien/Sanaa] Der Schrecken sitzt einen Tag nach dem dramatischen Videoappell des im Jemen entführten Österreichers Dominik N. tief. Im Wiener Außenministerium laufen die Bemühungen auf Hochtouren, um das Leben des 26-Jährigen zu retten. Denn die Zeit drängt: Sieben Tage hat die Regierung Zeit, auf die Forderungen der Kidnapper einzugehen. „Sonst werden sie mich töten", hat der verzweifelte Mann in der im Internet veröffentlichten Botschaft gesagt.

Die Vermittlungsbemühungen laufen auf allen Ebenen: Im Außenministerium tagt der Krisenstab. Und im Jemen selbst spricht der österreichische Botschafter, Gregor Kössler, im Außenministerium in Sanaa vor. Wie „die Presse" aus Diplomatenkreisen erfährt, will EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton Gespräche mit dem jemenitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi höchstpersönlich führen. Doch auf die Forderung der Entführer, eine Lösegeldzahlung, will man in Wien nicht eingehen - offiziell zumindest nicht. Zur Frage, ob Österreich im Extremfall bereit sei, Lösegeld zu zahlen, sagte Außenamts-Sprecher Martin Weiss zur „Presse": „Die Republik lässt sich nicht erpressen."

Ohnehin scheint derzeit die Hauptfrage zu sein, wer wirklich hinter der Geiselnahme steckt. Das am Samstag aufgetauchte Video hat die Ratlosigkeit erhöht: „Die Botschaft ist sehr nebulös und unkonkret gehalten", sagt Weiss. So sei nicht klar, was die Entführer wirklich wollen, da konkret keine Höhe des Lösegeldes genannt wurde. Tatsächlich deutet vieles darauf hin, dass die Entführer ein anderes Ziel haben. So kursieren Gerüchte, dass die Kidnapper politische Forderungen gestellt haben. Einen Hinweis darauf gibt das Video: In dem gut eine Minute langen Clip appelliert N. dezidiert an die jemenitische Regierung, ihm zu helfen. Das alles ist die Handschrift von radikalen Islamisten. Terrorexperten im Jemen gehen schon seit Wochen davon aus, dass der Österreicher sich in Händen einer al-Qaida-nahen Gruppe befinden könnte. Dazu Weiss: „Wir schließen kein Szenario aus." Möglich sei, dass es sich bei den Geiselnehmern um eine jemenitische Stammesgruppe handle oder um eine Terrorgruppe.

Wo sind die beiden Finnen?

Die Videobotschaft ist das erste Lebenszeichen des Österreichers, der am 21. Dezember in Jemens Hauptstadt Sanaa entführten wurde. Von den beiden Finnen, die gemeinsam mit N. gekidnappt worden waren, fehlt jede Spur. Möglich ist, dass sie sich mittlerweile in den Händen einer anderen Entführergruppe befinden. „Es kann aber auch sein, dass in den nächsten Tagen ein ähnliches Video mit den beiden anderen Geiseln auftaucht", befürchtet Weiss.

Dominik N. lebte schon länger als Arabisch-Student in Sanaa. Er war mit einem befreundeten finnischen Paar in der Altstadt der Hauptstadt von Kidnappern mit gezückten Pistolen zum Mitkommen gezwungen worden. „Eine Entführung wie diese hat es so noch nicht gegeben", betont Weiss. Im Normalfall werden Geiseln nicht in großen Städten gefangen genommen. „Diese Entführung erforderte erheblichen organisatorischen Aufwand. Die Geiseln wurden wohl schon seit längerer Zeit beobachtet." Terror-Experten glauben, dass die drei Geiseln von ihren kriminellen Entführern an al-Qaida weiterverkauft wurden. Gerüchten zufolge sollen sie sich in Radaa aufhalten. Die Stadt steht seit einem Jahr unter Kontrolle der Gotteskrieger.

Im Jemen gilt diese Art der Entführung - mit Weitergabe der Geiseln an die al-Qaida - als gefährlicher Präzedenzfall. Die Regierung fürchtet, „dass sich künftig immer mehr Stämme oder Banden an dieser Art Geschäft beteiligen", so ein hoher Beamter.
In einer ähnlichen Aktion war im letzten Jahr der saudische Vizekonsul Abdullah entführt und an al-Qaida weiterverkauft worden. In den vergangenen 15 Jahren sind schätzungsweise 200 Ausländer im Jemen als Geiseln genommen worden, in der Regel von Stammeskämpfern, die gegenüber der Zentralregierung konkrete Anliegen wie eine neue Straße, eine Anbindung an die Stromversorgung oder die Freilassung inhaftierter Verwandter durchsetzen wollten. Ungewöhnlich war bisher, dass die Opfer - wie im Fall des österreichischen Studenten und des saudischen Vizekonsuls - eine Videobotschaft aufsagen müssen und mit dem Tode bedroht werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2013)

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479 Kommentare
 
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Der Dominik

achtet die Kultur des Jemens und die arabische Sprache, sagt die Mutter.
Das ist sehr löblich.

Weniger löblich ist allerdings die Tatsache, dass sich Dominik allen Warnungen zum Trotz sich in die Höhle des Löwen gewagt und seine Entführung riskiert hat.

Warum in den Jemen und nicht nach Marokko zum Sprachstudium??

dieses forum

offen zu lassen ist hochgradig respektlos der familie gegenüber. die kommentare sind tw nicht nur von unüberbietbarer dummheit, mehr noch aggressiv verletzend und herabwürdigend.

Re: dieses forum

Ich gebe Ihnen ja eigentlich recht. Andererseits ist es auch recht informativ (und desillusionierend) was sich in Österreich so an selbstgerechtem Pöbel rumtreibt. In solchen Foren wird für mich immer wieder schmerzhaft das Niveau der Klientel, die die österreichischen Gegenstücke von italienischen "Clowns" (Zitat Steinbrück) zweifelsohne wählen wird, evident: einseitige Sichtweise, rambomäßige Pseudolösungen, Unwissen und Rücksichtslosigkeit. Tja, wie Sie schon sagten, Dummheit eben.

Das Außenministerium warnt seit Monaten vor Reisen in den Jemen

und fordert alle Österreicher/innen auf, das Land zu verlassen (siehe deren homepage). Solche Warnungen zu negieren und dort noch dazu zu studieren, zeugt von einer Naivität sondergleichen. Solche Leute gehen dann im Sinne der österreichischen Versorgungsmentalität davon aus, der Staat wird's schon wieder richten.

spindis comment

erschüttert die entführer bis ins mark.

Vielleicht sollte man zahlen

und Regress an die Regierung stellen.

Sollte die Geisel dann freikommen, könnte auch eine Verpflichtung auf Rückzahlung an die Geisel gestellt werden, sollten aus diesem Titel Gelder für Interviews, Bücher, Filme, etc... lukriert werden.

Re: Vielleicht sollte man zahlen

nope, ab dem zeitpunkt ist jeder österreicher ein potentieller "filmkandidat".

wenn sich der staat auch nur einmal erpressen lässt, ist seine funktion nicht mehr gegeben!

die verwandten haben die möglichkeit ihre assets zu verkaufen!

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Könnte nicht unser BP H.Fischer

Sich in die Verhandlungen begeben ,der hat das doch so toll in der Votivkirche gemacht,seine Erfahrung und weltpolitische Gewandheit sollten unbedingt ins Spiel kommen.

Da wird sich der jemitische Staatschef freuen

Wenn über Umwegen Geld aufs Konto kommt ,er ist genauso wie unsere auch, eben ein Politiker .

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Irgendwie ist da was faul an dem Ganzen


Vorschlag

informiert die Entführer, dass wir Faymann zum Verhandeln schicken ... wir hätten dann ein Ergebnis, dass wir das Doppelte des verlangten Lösegeld bezahlen und 2 weitere österreichische Geiseln in den Fängen der Entführer .... hätte evtl. den Effekt, dass die Entführer als Mitleid die Geisel freilassen, denn sie sehen, dass wir Österreicher mehr als bestraft sind mit diesem Politgesi'n'del

Re: Vorschlag

SChickten wir Dr. Schüssel zahlten wir noch mehr.

2006 (Sshüssel) Nettozahlung max 0,33% des BIP
2013 (Faymann) Nettozahlung max 0,31% des BIP

Die letzte Hoffnung wäre wohl nur, wenn er...

zum Islam konvertiert. Dann ist es gegen ihr Gesetz ihn zu töten. (Vorrausgesetzt es sind Muslime)

Re: Die letzte Hoffnung wäre wohl nur, wenn er...

Ja sieht man jeden Tag im Irak, Afghanistan, Syrien wie Moslems sich nicht gegenseitig töten. Auf Spon haben sie in irgendeiner Themenserie zum Islam ein Interview mit einem Selbstmordattentäter. Seine Aussage über die Opfer: "Allah wird sie bitten mir zu verzeihen"

Die sind so krank im Hirn, das ist für einen normalen Menschen nicht mehr annähernd zu verstehen.

Holt ihn aus dieser Situation heraus.

Allerdings frage ich mich, warum wir Österreicher Soldaten bzw. Sanitäter nach Mali schicken müssen (Frankreich beruft sich auf den Vertrag von Lissabon) und es noch immer keine europäische Anti-Terroreinheit gibt. Für jeden Mist wird das Geld herausgepresst und dann hinausgeworfen aber eine Spezialeinheit bekommt die EU nicht hin - was für ein Verein.
Zu dem Entführungsopfer: klar ist es Leichtsinn sich in ein solches Gebiet zu begeben, aber man sollte ihm helfen. Man lässt keinen Mitbürger in den Händen von Verbrechern. Denken Sie nur an Gilad Schalit - der israelische Soldat wurde gegen knapp 500 Gefangene getauscht.

Österreich leicht erpressbar

Bürger aus einem Land, das relativ leicht erpressbar ist (Arigona Zogaj, Votivkirche) sind für islamische Kriminelle natürlich besonders attraktiv. Die Chancen zu Lösegeld zu kommen sind ungleich größer als wenn etwa eigene Landsleute entführt und freigepresst werden sollten...

Wo sind EU und NATO?

EU und NATO sollten sich mal überlegen, ob man solche Länder in denen irgendwelche Stämme ständig Staatsbürger westlicher Länder kidnappen, vl mal angreifen sollte.

Nicht falsch verstehen, ich bin kein Kriegsfanatiker, aber irgendwo muss halt Schluss sein.

Re: Wo sind EU und NATO?

Vielleicht aber geht es einfacher: die westlichen Staatsbürger reisen einfach so weit als irgendwie möglich dort nicht hin. Daher sollten dann dort nur noch "Westler", die beruflich dort sein müssen.
Was ich mich auch noch frage,warum werden eigentlich keine Russen entführt? Sind die dort nicht oder behandeln die solche Dinge anders?

Re: Re: Wo sind EU und NATO?

Russland ist ein grosse Land, bekannt für seinen Ruf. Den Winzling Österreich kennt niemand, und man hat auch keine Angst vor uns.

Re: Wo sind EU und NATO?

Winziges Problem dabei: Weder Österreich noch Finnland sind bei der NATO...

Re: Re: Weder Österreich noch Finnland sind bei der NATO

Das gibt doch noch Hoffnung!

Re: Wo sind EU und NATO?

Wieso haben Sie dann das Posting geschrieben?

1. Ist meiner Meinung nach jeder selbst Schuld wenn er in solche Länder reist.

2. Haben viele Soldaten auch eine Familie zuhause - und die würden Sie opfern?

3. Gewalt erzeugt IMMER noch mehr Gewalt!

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Besser Kopfgeld als Lösegeld...

Man sollte lieber den halben Betrag des geforderten Lösegeldes als Kopfgeld für die Erlegung der Entführer aussetzten, falls der Entführte nicht binnen einer Woche freigelassen wird.
Das mag zwar bei dem einen Entführten schlecht ausgehen, aber in der Zukunft werden sich Terroristen hüten, Österreicher zu entführen...

Re: Besser Kopfgeld als Lösegeld...

Die fürchten sich schon!

Wie bitte sollte man in solchen Ländern Entführer dingfest machen??? Und wie festnehmen und vor ein internationales Strafgericht bringen???

Probieren Sie es einmal - auch für Sie würde dann Lösegeld gefordert werden.

Re: Re: Besser Kopfgeld als Lösegeld...

Wie bitte sollte man in solchen Ländern Entführer dingfest machen???

dafurgibt es doch die hier im forum sonst so verteufelten amerikanischen (jetzt auch mit osterr. komponenten) DROHNEN!

Re: Re: Re: Besser Kopfgeld als Lösegeld...

oder die Eliten wie Navy Seals. Oder aber auch Geheimdienste (der Mossad machte das gerne mit Na..-Verbrechern).

 
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