Häftlingstod: Palästinenser werfen Israel Folter vor

24.02.2013 | 20:33 |   (DiePresse.com)

Ein Palästinenser soll Steine auf Zivilisten geworfen haben. Jetzt starb er in israelischer Haft. Der Fall könnte neue schwere Unruhen auslösen.

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Ein in israelischer Haft ums Leben gekommener Palästinenser ist nach Angaben des Chef-Pathologen der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah an den Folgen "extremer Folter" gestorben. Saber Alul äußerte sich am Sonntag, nachdem er einer Autopsie israelischer Experten des am Vortag gestorbenen Arafat Jaradat beigewohnt hatte. Von israelischer Seite hieß es, die Todesursache stehe noch nicht fest.

"Die ersten Ergebnisse lassen noch keine Angaben zu. Die Todesursache kann erst ermittelt werden, wenn die mikroskopischen und toxikologischen Befunde vorliegen", teilte das israelische Gesundheitsministerium mit. Nicht auszuschließen sei, dass kleinere äußere Verletzungen die Folge von Wiederbelebungsversuchen seien. "Die Untersuchung ist kompliziert und wird Zeit in Anspruch nehmen", sagte Polizeisprecher Mickey Rosenfeld auf Anfrage.

Steine auf israelische Zivilisten geworfen

Jaradat aus der Nähe von Hebron war am 18. Februar festgenommen worden. Er soll Steine auf israelische Zivilisten geworfen haben. Am Samstag teilten die israelischen Behörden mit, er sei im Gefängnis Megiddo an Herzversagen gestorben. Wiederbelebungsversuche seien erfolglos geblieben. Aus Protest waren am Sonntag etwa 4.500 Palästinenser in israelischer Haft in einen eintägigen Hungerstreik getreten. In Israel wird befürchtet, dass der Tod des Häftlings einen dritten Palästinenseraufstand, eine neue Intifada, auslösen könnte.

Im Westjordanland gingen die gewalttätigen Demonstrationen gegen die israelische Besatzung und für die Freilassung von Häftlingen unterdessen weiter. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu forderte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas auf, für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Jaradat war zum Zeitpunkt der Festnahme nach Angaben seiner Familie bei guter Gesundheit, meldete die palästinensische Nachrichtenagentur Maan. Die Familie hatte Israel schon vor der Autopsie vorgeworfen, Jaradat sei an den Folgen von Folter oder harter Verhörmethoden gestorben.

Der Tod des Vaters von zwei Kindern, dessen Frau schwanger ist, verschärfte die Spannungen im Westjordanland weiter. Hunderte Palästinenser bewarfen israelische Sicherheitskräfte mit Steinen - in Hebron und vor allem in der nahe gelegenen Stadt Sair, aus der Jaradat stammte. Sie forderten erneut die Freilassung von vier Palästinensern aus israelischer Haft, die seit Monaten im Hungerstreik sind. Das israelische Militär setzte Tränengas und Gummigeschoße ein. Mehrere Demonstranten und mindestens ein Soldat wurden verletzt.

 
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15 Kommentare
Mores
25.02.2013 13:22
4

Wie nennt sich Israel selbst?

Vorzeigedemokratie?

Der Dissident
25.02.2013 12:20
1

Kann man nicht in Ruhe ein paar Steine werfen,

ohne gleich verhaftet zu werden? Ich meine, ganz ehrlich, in Österreich kann man in aller Ruhe jemanden durch zehn Messerstiche in den Rücken töten, chillt ein bisschen in der U-Haft und ist wieder ein freier Bürger. So Israel, zur Strafe werde ich heute keine von Juden hergestelltes Eisbären-Schnitzel aus dem Westjordanland essen.

Dr.House
25.02.2013 11:28
2

Wann hören denn die Österreicher auf,

die Palästinenser für Holocaust verantwortlich zu machen?

Antworten halvarvonflake
25.02.2013 13:03
3

Re: Wann hören denn die Österreicher auf,

herr dr. house, das tut keiner. sie rennen gegen eine behauptung an, die sie selbst in den raum stellen.
abgesehen davon war der mufti von jerusalem ein freund hitlers und gern gesehener gast in berlin, auch gab es eine arabische SSBrigade,
doch dies nur nebstbei.

Antworten Antworten jhau
25.02.2013 22:43
0

ein Freund Hitlers - es gab gute Freundschaften

Boas Jacob. “A Nazi Travels to Palestine.” History Today. Vol. 30, issue 1 (1980) pp. 33-38
http://de.scribd.com/doc/37999500/Boas-Jacob-%E2%80%9CA-Nazi-Travels-to-Palestine-%E2%80%9D-History-Today-Vol-30-issue-1-1980-pp-33-38

http://randompottins.blogspot.co.at/2007/05/coin-with-two-sides.html

cc745
25.02.2013 09:15
3

und immer wieder israel


Antworten halvarvonflake
25.02.2013 11:20
2

Re: und immer wieder israel

eher immer wieder palästina, oder?

Umbiculus
25.02.2013 08:31
8

Sicher...

wird Herr Netanjahu nun einen Sachverständigenrat einsetzen, der uns dann erklären wird, auf welche Weise der Palästinenser Selbstmord verübt hat.

Streupfeffer
25.02.2013 07:58
9

Vater von zwei Kindern, ...

... seine Frau erwartet das dritte Kind, und diese Intelligenzbestie hat nichts Besseres zu tun, als mit Steinen nach anderen Leuten zu werfen.

gregor127
25.02.2013 06:47
8

Folter?

Nein das machen die sicher nicht. Israel ist doch ein Rechtsstaat. Der darf so etwas doch gar nicht.

Antworten kritikus.at
25.02.2013 10:12
3

Re: Folter?

Warum? Ein berühmter Friedensnobelpreisträger tut es ja auch... ;-)

jhau
24.02.2013 22:26
4

israelische Sicherheitskräfte

Besatzungssoldaten wäre im Westjordanland der Ausdruck, der der Wahrheit eher entsprechen würde.
Oder ist Unabhängigkeit in der Berichterstattung nicht erwünscht?

cc745
24.02.2013 21:03
6

steine gegen atomwaffen das nenne ich ausgeglichenheit


Antworten halvarvonflake
25.02.2013 11:22
3

Re: steine gegen atomwaffen das nenne ich ausgeglichenheit

ja, und das ist gut so, denn wenn ich mir die charta ihrer hamasfreunde ansehe, die hasstriefenden freitagsgebetsreden in gaza und dem wdl,.....

mil1977
24.02.2013 20:45
9

System!

"internationale Untersuchungskommission" Davon hört und sieht man in der Regal auch nichts, wenn es darum geht, Menschenrechtsverletzungen in Gefängnissen in muslimischen Ländern näher unter die Lupe zu nehmen. Scheint System dahinter zu stecken!

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