Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist tot

06.03.2013 | 08:55 |   (DiePresse.com)

Der sozialistische Staatschef starb im Alter von 58 Jahren an Krebs. Die Regierung lässt nun Truppen aufmarschieren, um "den Frieden zu garantieren".

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Für die einen war er ein machthungriger Autokrat, für die anderen ein Revolutionär im Kampf gegen Armut und Ausbeutung: Hugo Chávez ist tot. Am Dienstag um 16.25 Uhr Ortszeit hat Venezuelas sozialistischer Präsident die  "Schlacht ums Leben" verloren, wie er seinen Kampf gegen den Krebs nannte. Venezuala rief daraufhin eine siebentägige Staatstrauer aus.

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Chávez hatte sich am 11. Dezember in Kuba seiner vierten Krebsbehandlung innerhalb von eineinhalb Jahren unterzogen. Seitdem wurden lediglich ein paar Fotos von ihm in einem Krankenhausbett veröffentlicht. Vor seiner Abreise nach Kuba im Dezember hatte Chávez seinen Vizepräsidenten Nicolas Maduro als Wunschnachfolger genannt. Maduro wird nun vorübergehend die Amtsgeschäfte übernehmen, in 30 Tagen sollen Neuwahlen stattfinden. Das erklärte Außenminister Elias Jaua am Dienstagabend. Unterdessen ließ die Regierung in ganz Venezuela Truppen aufmarschieren, um den Frieden zu sichern. Jaua erklärte dennoch, das Land befände sich in "völliger Normalität".

 Venezuelas Praesident Hugo Chvez

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Hochrangige Armeechefs sprachen Maduro im Staatsfernsehen ihre Treue aus. Dabei sieht die venezolanische Verfassung im Fall einer permanenten Amtsunfähigkeit des Präsidenten eigentlich vor, dass der Parlamentspräsident bis zu den gesetzlich vorgeschriebenen Neuwahlen innerhalb von 30 Tagen die interimistische Leitung des Staates übernimmt. Eigentlich wäre daher Diosdado Cabello und nicht Maduro am Zug gewesen.

Nachruf
Venezuela hat mit Hugo Chávez den schillerndsten Präsidenten seiner Geschichte verloren. Einen Sozialreformer, der viel mehr anpackte als die meisten Vorgänger zusammen - und der kaum etwas davon zu Ende brachte. Mehr ...
Vize-Präsident Maduro bezeichnete den Tod des seit 14 Jahren an der Spitze des venezolanischen Staates stehenden Politikers am Dienstag als "die tragischste und bedrückendste Information die wir unserem Volk mitteilen können". "Unser Comandante President Hugo Chávez Frias ist heute um 16.25 Uhr (21.55 Uhr MEZ) gestorben", erklärte er weiter, "es handelt sich um einen Moment großen Schmerzes".

Erst im Oktober wiedergewählt

Maduro rief seine Landsleute zur Besonnenheit auf. "Im immensen Schmerz dieser historischen Tragödie, die unser Vaterland berührt, rufen wir alle Landsleute auf, Wächter des Friedens, der Liebe, des Respekts und der Ruhe in diesem Vaterland zu sein", sagte er in seiner Rundfunkansprache.

Erst im Oktober war Chávez mit 54 Prozent der Stimmen erneut für eine siebenjährige Amtszeit wiedergewählt worden. Offiziell angelobt werden konnte er jedoch bis zu seinem Tod nicht. Zur geplanten Amtseinführung am 10. Jänner 2013 lag Chávez, noch schwer angeschlagen nach seiner Krebsoperation, in einem Krankenhaus im befreundeten Kuba. Bereits damals wurden die Spekulationen über einen möglichen Tod des Comandante immer lauter. Als der 58-Jährige dann am 18. Februar aus Kuba zurückkehrte und in eine Militärkrankenhaus nach Caracas verlegt wurde, beruhigte sich die Stimmung vorübergehend.

Dreitägige Staatstrauer in Argentinien

Die Anteilnahme in Lateinamerika ist groß. Sowohl Ecuador als auch Argentinien, deren Präsidenten Rafael Correa und Cristina Kirchner ein enges politisches und persönliches Verhältnis zu dem 58-Jährigen Linkspopulisten pflegten, riefen eine dreitägige Staatstrauer aus. Kirchner machte sich gemeinsam mit dem uruguayischen Präsidenten Jose Mujica noch in der Nacht auf den Weg in die venezolanische Hauptstadt Caracas, berichteten argentinische Medien.

"Der Tod Hugos ist ein Verlust für das gesamte große Vaterland. Ein Revolutionär ist von uns gegangen", erklärte ein sichtlich bewegter Correa, wie Tageszeitung "El Comercio" berichtete. Chavez sei nicht tot, "in den Augen jenes venezolanischen Kindes, das nun über eine Schulausbildung verfügt, in den Augen jenes Venezuelas, das nun über Rechte verfügt, ist er lebendiger als je zuvor." Der ecuadorianische Präsident schloss seine Rede mit den Worten "Hasta la victoria siempre! Que viva Hugo Chavez Frias!" (Unaufhörlich bis zum Sieg! Es lebe Hugo Chavez Frias!).

Der bolivianische Präsident Evo Morales kündigte ebenfalls an, in den kommenden Stunden nach Venezuela reisen zu wollen, um seine Anteilnahme am Tod des Comandante persönlich auszudrücken. Auch Venezuelas engster politischer Verbündeter, das sozialistische Kuba, will drei Tage lang um Chavez trauern. Der Venezolaner sei für den ehemaligen Präsidenten Fidel Castro "wie ein Sohn" gewesen.

Obama: "Ein neues Kapitel"

Nach dem Tod des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez hat US-Präsident Barack Obama sein Interesse an besseren Beziehungen zu dem ölreichen Land bekundet. Venezuela schlage nun ein neues Kapitel in seiner Geschichte auf, erklärte Obama am Dienstag in Washington. Die USA seien daran interessiert, mit der Regierung in Caracas in einen konstruktiven Dialog zu treten. Sein Land sei weiterhin bereit, der venezolanischen Bevölkerung zu helfen. Dabei würden die USA ihrem Grundsatz treu bleiben, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte zu fördern.

Während seiner 14-jährigen Regierungszeit pflegte Chavez sein Image als Erzfeind der USA mit Leidenschaft. So beschimpfte er 2006 Obamas Amtsvorgänger George W. Bush in der UN-Vollversammlung als Teufel. Ungeachtet dessen sind die Vereinigten Staaten weiterhin der wichtigste Käufer von venezolanischem Öl. Mit den Petro-Dollars finanzierte Chavez wiederum einen Großteil seiner Sozialprogramme.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sprach der venezolanischen Bevölkerung sein Beileid aus. Der russische UN-Botschafter Witali Schurkin sagte zum Tod von Chavez: "Es ist eine Tragödie. Er war ein großartiger Politiker."

Hollywood-Stars würdigen Chavez

Auch die Hollywood-Größen Sean Penn und Oliver Stone haben den verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez als großen Staatsmann gewürdigt. "Die Bevölkerung in den USA hat einen Freund verloren, von dem sie nicht wusste, dass es ihn gibt", erklärte Schauspieler Penn in Los Angeles. Chavez sei ein "Champion" für die Armen gewesen. "Ich trauere um einen großen Helden für die Mehrheit seines Volkes und jene, die überall auf der Welt um ihren Platz kämpfen", sagte Stone, der 2009 einen Dokumentarfilm über Chavez gedreht hatte.Penn und Stone pflegten trotz der angespannten Beziehungen zwischen Washington und Caracas während Chavez' Amtszeit eine Freundschaft mit Chavez. Als der Politiker vor zwei Jahren gefragt wurde, wen er sich für den vakanten US-Botschafterposten in seinem Land wünsche, scherzte er vor laufenden Kameras: Sean Penn oder Oliver Stone.

Hugo Chávez: Der ''Soldat des Volkes'' ist tot

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(APA/Reuters/red.)

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181 Kommentare
 
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Parallele zu Österreich

Bei uns versucht schon seit geraumer Zeit ein Taxifahrer den Sozialismus zu retten . . . mit eher mäßigem Erfolg würde ich sagen . . .