Korea: "Ein kurzer, dreitägiger Krieg"

22.03.2013 | 18:33 |  Von unserer Korrespondentin ANGELA KÖHLER (TOKIO) (Die Presse)

Nordkorea zeigt in einem wüsten Drohvideo, wie es sich einen geplanten Einmarsch in Seoul vorstellt - militärische Wiedervereinigung mit dem Süden inklusive.

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Ein Trommelfeuer aus tausenden Geschützen und Raketenwerfern setzt an der Grenze ein. Infanterie- und Panzermassen durchbrechen aus dem Norden die zwei Kilometer breite Grenzsperre am 38. Breitengrad, überrollen die neutrale Zone vorbei an südkoreanischen und US-Truppen. Aus heiterem Himmel fallen tausende Fallschirmjäger auf Seoul. Stunden später ist die nur 40 Kilometer entfernte Hauptstadt des Südens in der Hand von Kims Elitetruppen. Im Kasernenton verkündet ein Sprecher, man habe beim Einmarsch 150.000 US-Bürger als Geiseln genommen.

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Gott sei Dank handelt es sich bei diesem Szenario nur um das Video „Ein kurzer, dreitägiger Krieg“, ein filmischer Böller aus dem Arsenal der KP-Propagandaabteilung in Pjöngjang (s. Internethinweis). Das Machwerk zeigt im weiteren Verlauf aber auch, wie sich der rund 30-jährige Diktator Kim Jong-un und seine eher greisen Genossen der Partei- und Militärspitze die koreanische Wiedervereinigung vorstellen: Drei Tage nach der Invasion bricht in der Zehn-Millionen-Metropole Seoul und den übrigen Ballungszentren Südkoreas endgültig das Chaos aus. Wasser und Nahrungsmittel sind am Ende, Mobilfunk, TV, Radio und Zeitungen existieren nicht mehr. Präsidentin Park Geun Hye, ihre Minister, Berater, Leibwächter und anderen „Verräter“ haben sich in den atombombensicheren Bunkern des Seouler Amtssitzes Blaues Haus verkrochen. Nun schickt der „Retter der Nation“, Kim Jong-un, den Rest seines 1,1-Millionen-Heers über die Grenze und sichert die längst überfällige Wiedervereinigung des Vaterlandes. So tönt jedenfalls der Filmsprecher.

 

„Schneidet ihre Luftröhren durch!“

Wer an einen stark verfrühten Aprilscherz glaubt, kennt offenbar die Tagträume der Kim-Diktatur nicht, nachzusehen auch auf der Website www.urimizokkiri.com, über die Nordkorea global Werbung macht. Doch auch wenn es vielleicht unseriös und realitätsfremd klingt, die politische Absicht Pjöngjangs ist nicht zu unterschätzen. Seit Wochen schon droht es Südkorea und den USA mit Krieg und atomarer Vernichtung. Zuerst wurde der Waffenstillstand von 1953 infrage gestellt, dann der Nichtangriffspakt mit Südkorea gekündigt. Vor wenigen Tagen kündigte Nordkorea gar einen Angriff auf die seegrenznahe Insel Baengnyong im Gelben Meer an, wo sich neben 10.000 Zivilisten eine Basis der Marine des Südens befindet.

Und stets verbindet Kim seine Drohungen mit martialischer Brachialgewalt: So soll Baengnyong nicht nur „in ein Meer von Flammen verwandelt“ werden: Der Herr eines Heeres von – samt Reservisten – schätzungsweise sieben Millionen Männern und Frauen ruft gar zu Gräueltaten auf. „Sobald der Befehl erteilt ist, sollt ihr das Genick der Feinde brechen, ihre Luftröhren durchschneiden und denen deutlich zeigen, was ein echter Krieg ist.“

Leider haben sich solche Sprüche nicht immer als großmäulig erwiesen: Im November 2010 beschoss nordkoreanische Küstenartillerie ohne Vorwarnung die südkoreanische Grenzinsel Yonpyong, wobei zahlreiche Zivilisten starben.

 

Großmanöver in Südkorea

Offiziell nimmt Nordkorea bloß an der jährlich stattfindenden US-südkoreanischen Stabsübung „Key Resolve“ Anstoß, die jedoch schon vorbei ist. Dennoch löste Pjöngjang am Donnerstag landesweit Luftalarm aus, weil ein B-52-Langstreckenbomber der USA nahe der Grenze vorbeigeflogen war. Als Vergeltung sollen nun auch die US-Pazifikinsel Guam und Basen in Japan vernichtet werden, ließ Kim am Freitag verkünden.

Kein Wunder, dass Washington und Seoul nun erst recht den Ernstfall proben. Das gemeinsame Feldmanöver „Foal Eagle“ wird verlängert und soll noch bis Ende April dauern, daran sind 250.000 südkoreanische und knapp 30.000 US-Soldaten beteiligt. Nicht auszuschließen aber, dass zu diesem Zeitpunkt die Lage weit über einen Propagandakrieg hinaus eskaliert.

Hintergrund

Nordkoreas stehendes Militär (1,1 Mio. Mann, 3500 Panzer, 600 Kampfjets) ist zahlenmäßig dem Süden überlegen (690.000 Mann, 2300 Panzer, 420 Jets, plus 20.000 US-Soldaten im Land), aber total veraltet und in fragwürdigem technischen Zustand. Ein Angriff auf den Süden würde sicher, auch mit US-Reserven, bald abgewehrt, doch könnten das grenznahe Seoul und andere Grenzräume fallen und als Faustpfand dienen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2013)

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76 Kommentare
 
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Zahlreiche tote Zivilisten?

Es starben bei der Beschiessung im November 2010
2 Zivilisten und 2 Soldaten. Zahlreich ist sicher etwas anderes, aber jeder einzelne Tote ist einer zuviel!

Egal

wer der Produzent dieses Schw.chs.nns ist, derjenige kann nicht alle Tassen im Schrank haben.

Innerhalb von 3 Tagen könnte Nordkorea wahrscheinlich zwar substantielle Erfolge verzeichnen, aber nach relativ kurzer Zeit hätte der Süden durch massivste Unterstützung durch die Amerikaner wieder die Oberhand. Die Amis würden es nämlich niemals zulassen, dass Südkorea auf Dauer besetzt wäre. Dafür ist Südkorea einfach zu wichtig, insbesondere im technologischen Bereich.

Dem stimme ich zu!

Wer sich mit dem Verlauf des Koreakrieges 1950-53 beschäftigt weiß, dass dieser Krieg in relativ schnellen Operationen zwischen Pusan an der Südspitze bis an den Jalu Fluß an der Grenze zu China abgelaufen ist.

Der Grund ist die Geografie: Korea besteht im Kernland aus unzugänglichen Bergen und dazwischen langgezogenen breiten Tälern, solche Operationen ermöglicht. Der Krieg wird also nicht durch Landgewinn, sondern durch Vernichtung der gegnerischen Streitkräfte entschieden. Das wäre heute nicht anders als es damals war.

Dazu kommt, dass China heute vermutlich kein Rückzugsgebiet für die Nordkoreaner sein wird, das für die Amerikaner aus naheliegenden Gründen militärisch unerreichbar war.

Im übrigen weiß ich aus Gesprächen mit (Süd-)Koreanern, dass ihre wirkliche Sorge nicht die militärische Drohung ist, sondern der wirtschaftliche Zusammenbruch des Nordens (siehe Kosten der deutschen Wiedervereinigung).

Re: Dem stimme ich zu!

Stimme mit Ihnen großteils überein. Nur frage ich mich schon was den in Nordkorea noch wirtschaftlich zusammenbrechen könnte. ;-) Dieses Land ist ja wirtschaftlich gesehen nicht wirklich erfolgreich. ;-)

falsch verlinkt

für die, die es interessiert:

http://www.uriminzokkiri.com

beim presselink fehlt das "n"

www.urimizokkiri.com enthält einen Virus (Warnung beim öffnen)


hat denn nordkorea überhaupt keine rohstoffreserven?

oder wieso können dann die grossen mächte wissend, diesem mehr als brutalem regime jahrzehntelang bei der unterdrückung der bevölkerung zusehen. im irak, lybien... war man ja auch immer schnell und ganz uneigennütz zur stelle.

die bevölkerung kann einem ja sehr leid tun, weil sonst, so ganz ohne natürliche ressourcen, ist kaum internationaler beistand in sicht.

Re: hat denn nordkorea überhaupt keine rohstoffreserven?

Nordkorea hat gewaltige Rohstoffreserven, quasi die Schatztruhe von China. Googeln sie halt nächstes mal, dann muss man ihnen nicht wie einem Kind alles erklären.

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Typisch diese Wahnsinnigen!!!

Nix zum Fressen aber Krieg spielen.
Die haben echt einen kompletten Dachschaden!!

ist eigentlich der "IchbinamKloHeinzi"

immer noch Im Club der Freunde Nordkoreas? Wir sind wirklich geschlagen mit unserer Parteielite! Der eine ein Ultrakummerl, der andere ein ehemaliger Taxifahrer.

Ein Posting von Ultradummerl!

Aber wahrscheinlich sind sie nur blau.

Re: ist eigentlich der "IchbinamKloHeinzi"

Kaum erscheint ein Bericht über Nordkorea, schon wird über unseren BP gelästert.
Kindischer als im Kindergarten!

Re: Re: ist eigentlich der "IchbinamKloHeinzi"

@stirnrunzler, in diesen Lästereien steckt tiefer kämpferischer Frust

so sieht es aus wenn

Kommunisten an der macht sind das eigene Volk verhungert und wird der totalen Gehirnwäsche unterzogen

Immer wieder

Nordkorea hat allen Grund zur Nervosität .
Die USA planen und simulieren seit längerem Atombombenangriffe mit B52 Bombern vor der nordkoreanischen Küste .

Wie immer ,
verkehren die Systemmedien das Bedrohungspotential

Re: Immer wieder

& wie immer gibt es verklärte Typen wie Sie, die ein verbrecherisches Regime unterstützen und gegen die "imperialistischen" USA wettern. Glauben´s ernsthaft, dass die US nur eine Atombombe brauchen würden um die 60er Jahr Armee im Norden unter Kontrolle zu bringen ?. Bevor der erste verrostete Panzer der nordkoreanischen Armee beim Kasernentor raustuckern würde, würden schon ein paar Marines Divisionen an der Haustür vom Kim Jong Un höflich, aber bestimmt anläuten und bei der Haushälterin nachfragen, ob er zu Hause ist.

Re: Immer wieder

Aber das Frohvideo mit Angriff auf Südkorea hat doch wohl Norkorea gedreht, oder stimm das auch nicht?

Im übrigen aus welchen Handlungen schließen Sie auf einen Angriff aud Nordkorea?

Militärmaöver haben sowohl Süd-, wie auch Norkorea unternommen, oder dürfen dies nur die Norkoreaner?

Re: Re: Immer wieder

nein, nein das Video stammt vom CIA, der´s dann auf eine nordkoreanische Website gestellt hat, die übrigens auch vom CIA den Nordkoreanern "untergejubelt" wurde. Die friedliebenden Nordkoreaner wissen´s aber nicht, weil Sie keinen Zugang zum Web haben. ALLES PROPAGANDA - genau so, wie die "gestellte Mondlandung", die selbstverursachten 9/11 Anschläge, der "gefakte" Zugriff auf Osama Bin Laden und so weiter. Den "Imperialisten" ist nichts zu blöd um das "friedliebende" und "erfolgreiche" fortschrittliche System in Nordkorea zu diskreditieren. Sie verstehen gar nichts und fallen auf die gesteuerten Zeitungsmeldungen des imperialistischen Westens auch noch rein. Ich würde manchem nur 5 Wochen "Urlaub" in dem "fortschrittlichen Nordkorea" unter Lebensbedingungen eines durchschnittlichen Nordkoreaners wünschen.

Re: Re: Re: Immer wieder

Ein wiklich sehr ironischer Kommentar. Gratulation.
Ohne den letzten Satz könnte man fasdt gleuben Sie meinten es ernst.

Re: Immer wieder

in den USA gibt es keine sklavenhaltung mehr und keine Lager für politische Gefangene

Re: Re: Immer wieder

USA keine Lager für politisch Gefangene. Ich musste herzhaft lachen.

Re: Immer wieder

Sicher - und in Ottakring patroullieren die Außerirdischen.

Re: Re: Immer wieder

Genau rund um die Brauerei ;-))

Der muss mit dem Rücken zur Wand stehen

Lang geht das nicht mehr

Wenn in der Realitaet nicht moeglich ist

Muss Nordkorea auf nur Propaganda beschraenken. Denn mit Waffen Nordkoreas den Sueden unter amerikanischen Schutz anzugreifen grenzt an einem Selbstmord.

Re: Wenn in der Realitaet nicht moeglich ist

Da bin ich mir nicht so sicher. Der Grossraum Seoul liegt praktisch im Feuerbereich der Nordkoreanischen Artillerie, und wenn ein paar Millionen Maxeln mit aufgepflanztem Bajonett über die Grenze stürmen, ist auch Süden Schluß mit Lustig...

 
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