Israel/Türkei: Netanjahu entschuldigt sich

22.03.2013 | 18:33 |  von THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Israels Premier tat beim türkischen Premier Erdoğan Abbitte für die Kaperung der Gaza-Flotte. Bei der Erstürmung der Mavi Marmara starben neun Menschen.

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Jerusalem/Wien. Barack Obamas Besuch im Nahen Osten dürfte zumindest ein handfestes Ergebnis für die Krisendiplomatie erbracht haben – wenngleich nicht im Nahost-Konflikt, sondern bei der Normalisierung zwischen Israel und Türkei. Der US-Präsident hatte zumindest seine Hände im Spiel bei der Wiederannäherung zwischen den einstigen engen Verbündeten Israel und Türkei.

Es war jedenfalls kein Zufall, dass sich Israels Ministerpräsident, Benjamin Netanjahu, am Freitagnachmittag – dem Ende des ersten offiziellen Besuchs Obamas in Israel – persönlich beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in einem Telefonat für einen Vorfall entschuldigte, der seit beinahe drei Jahren die Beziehungen zwischen Jerusalem und Ankara verdüsterte: die Erstürmung des türkischen Hilfsschiffs Mavi Marmara, die neun Todesopfer forderte.

Wie es hieß, arrangierte der US-Präsident hinter den Kulissen das Gespräch. Dies fällt umso schwerer ins Gewicht, als sich die geostrategische Position Israels im Laufe des Arabischen Frühlings deutlich verschlechtert hat: Jerusalem rückte immer stärker in die Isolation, Freunde und Partner in der Region wandten sich von Israel ab.

Als im Morgengrauen des 31. Mai 2010 die israelischen Seestreitkräfte eine aus sechs Schiffen bestehende Hilfsflotte für den Gazastreifen enterten, in der Folge nicht nur Warnschüsse mit Gummigeschossen abgaben, sondern auch mit scharfer Munition feuerten und dabei neun türkische Aktivisten töteten, stürzten die bilateralen Beziehungen ins Bodenlose.

Symbolträchtige Aktion

Die Türkei zog ihren Botschafter aus Tel Aviv ab, brach ihre Kontakte mit Israel weitgehend ab – und dies betraf vor allem die militärische Kooperation. Umringt von einer Vielzahl von Feinden, galt die Türkei lange als vitaler Verbündeter Israels in der Mittelmeer-Region. Die Israelis entdeckten wiederum die Türkei als Touristendestination.
Nach dem Vorfall tat sich Erdoğan, unter dem Jubel der arabischen Straße, als scharfer Israel-Kritiker hervor.
Netanjahu versuchte jetzt das Zerwürfnis zu beenden. In dem Telefonat bedauerte er erneut das Handeln Israels, ging mit seiner formellen Entschuldigung jedoch darüber hinaus. Denn darauf hatte Ankara stets gepocht, die Regierung in Jerusalem wollte die Kaperung der Mavi Marmara nicht als Fehler eingestehen. Der israelische Premier sprach nun von „tragischen Resultaten“ und „operativen Fehlern“, er drückte namens seines Landes offiziell die Reue für die Erstürmung des Schiffes aus. Nun hat Netanjahu bekräftigt, das Embargo an Zivilgütern aufzuheben – eine Konzession sowohl gegenüber den Palästinensern als auch gegenüber der UNO.

Ende Mai 2010 war die Flotte mit etwa 1000 Aktivisten an Bord des halben Dutzends Schiffe, darunter auch der schwedische Schriftsteller Henning Mankell, von Zypern aus ausgelaufen. In einer symbolträchtigen Aktion sollte sie Hilfsgüter in den von Israel abgeriegelten Gazastreifen liefern und so das Embargo umgehen, das Israel de facto verhängt hat – für Jerusalem ein Akt der Provokation, den es letztlich mit Waffengewalt beantwortete. Wegen der ständigen Angriffe der Hamas und des Raketenbeschusses auf Israel hatte die israelische Regierung 2007 eine harte Sanktion ergriffen: eine Blockade des schmalen palästinensischen Küstenstreifens.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2013)

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48 Kommentare
 
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Türken

Was habt ihr alle gegen Türken?Habt ihr unter der Türken Belagerung so gelitten das der Hass genetisch ist.

1 5

Sehr schwacher Bericht

Voller Vorurteile und Propaganda. Vielleicht sollte man erwaehnen , dass die "Friedensschiffe" voller Terroristen und Verblendeter war?

Re: Sehr schwacher Bericht

Auf der Mavi Marmara war sogar der schwedische Schriftsteller Henning Mankell...

3 0

Re: Sehr schwacher Bericht

du redest so ein müll da waren sogar deutsche dabei

5 5

Warum - die IDF hat nichts falsch gemacht ...


Re: Warum - die IDF hat nichts falsch gemacht ...

wauuuuu
...............IDF ........alle achtung
-----------------MIFI-MIFI

Re: Warum - die IDF hat nichts falsch gemacht ...

aus ihrer, von jeglichem Anzeichen von Verstand entschuldigter, Sichtweise schon. die türkei ist halt keine Bananenrepublik - das musste österreich (Stichwort plasnik) auch bereits spüren. und jetzt ärgern sie sich weiter...

Re: Re: Warum - die IDF hat nichts falsch gemacht ...

genau, die türkei ist eine fortschrittliche republik, die klaren Blick auf ihre Armeniermassaker hat, ihre Minderheiten, wie Kurden in ihren Rechten unterstützt, Frauen ehrt, Journalisten nicut mindtot macht und laecherliche paragrafen, wie beleidigung des turkentums aus ihrem strafgesetzbuch verbannt hat.
guten morgen....

kleine israel


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Re: kleine israel

das was israel gemacht hat ist ein verbrechen ein sorry bringt nix

Re: Re: kleine israel

hahaha. kurden massakrieren, armenier ausloeschen und dann leugnen jedoch dann wegen ein paar strammen fundis, die absichtlich provozieren sich aufregen.

Israel hatte recht.

Und die Türken können nur mit den rückgratlosen Europäern so umspringen - nicht mit Israel.

Israel hatte recht? Warum dann diese Entschuldigung?

Rückgratloser sind in diesem Fall doch wohl Israel! Warum dann etschuldigen, wenn Israel doch Recht hat? 1.-Entweder versucht sich Israel aufgrund der Isolation bei der Türkei dadurch einzuschleimen -> RÜCKGRATLOS, oder aber 2.- Israel fürchtet die islamistischen Flammen in Syrien und braucht dringend einen Feuerwehr, also die Türkei und versucht nun diesen regionalen Feuerwehr für sich zu gewinnen und versucht sich damit bei der Türkei einzuschleimen -> RÜCKGRATLOS. Warum jetzt auf einmal doch entschuldigen, wenn Zion doch so mächtig ist? Allah ist doch wohl mächtiger, sieh es ein! Wenn ihr noch so weiter macht, werdet ihr ein 3. mal von eurem Heimat im Nahen Osten rausgeschmissen! Also hört auf damit und gebt endlich euren arabischen Minderheiten auch deren Menschenrechte..

12 4

Re: Israel hatte recht.

Warum hatte Israel recht? Wehrlose Menschen töten ist in Ordnung?Es wahren keine Waffen im Schiff nur Hilfsgüter.Man hätte das Schiff ohne jemanden zu töten stoppen können.

Re: Re: Israel hatte recht.

hilfsgüter. lachhaft.

die hamas hat genug geld fuer wafffen und raketen, daher die blockade, ubrigens auch von seoten der aegypter....

9 23

Es hätte sich die Türkei entschuldigen müssen.


Re: Es hätte sich die Türkei entschuldigen müssen.

Ja klar die Türkei wird sich schon rechtzeitig entschuldigen nicht nur bei den Israelis sondern auch bei Europa.Die 3.Türken Belagerung ist am Anmarsch.

2 0

Re: Re: Es hätte sich die Türkei entschuldigen müssen.

es wandern mehr türken aus als wie sie einwandern

und was

tut er, wenn das näxte Schiff mit fanatikern einen anlauf nimmt auf Israel.
Die werden wieder kommen und wieder...

Bravo Obama!

Ich bin froh, dass Präsident Obama konnte sowohl Netanyahu als auch Erdogan überzeugen, den Streit zwischen ihnen zu beenden. Als die beiden einzigen Demokratien und alten Verbündeten in der Region, sie brauchen einander!
Menschen können Fehler machen, aber es ist auch in ihren Händen, die Dinge richtig zu stellen. Gott sei Dank, eine gute Nachricht!

57 3

Re: Bravo Obama!

...und die einzige Demokratie sperrt Millionen Menschen in einGetto,umgeben von 6m Mauern ,Wachtürmen,und "Soldaten",die nur darauf warten,zu morden.Und die täglich den Menschen im WJL Land und Eigentum klaut!
wie war das mit den milliardenteuren deutschen U-Booten?Und den versprechen,den Siedlungsbau einzustellen..,?

Bravo Obama!

Ich bin froh, dass Präsident Obama konnte sowohl Netanyahu als auch Erdogan überzeugen, den Streit zwischen ihnen zu beenden. Als die beiden einzigen Demokratien und alten Verbündeten in der Region, sie brauchen einander!
Menschen können Fehler machen, aber es ist auch in ihren Händen, die Dinge richtig zu stellen. Gott sei Dank, eine gute Nachricht!

entschuldigung?

warum denn?

Re: entschuldigung?

Die Entschuldigung sagt nur - probiert es noch einmal und wir verfahren wieder so mit euch.

Re: entschuldigung?

ich nehme an, dafür kriegt er was viel Wichtigeres...

intelligenter schachzug

beide länder sind auf der hut vor den islamisten.... beide haben ein syrien mit mehr als hunderttausend buergerkriegstoten als nachbarn und einem enormen terroristischen potenzial..

aegypten sperrt ja genauso den gazastreifen....


 
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