Zentralafrika: Rebellen erobern Präsidentenpalast

24.03.2013 | 18:45 |   (DiePresse.com)

Aufständische haben den Palast von Präsident Francois Bozize gestürmt. Dieser soll über den Fluss in den Kongo geflohen sein. Die Rebellen sprechen von einem "entscheidenden Tag".

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Dreieinhalb Monate nach dem Beginn ihrer Offensive haben die Rebellen in der Zentralafrikanischen Republik die Hauptstadt Bangui übereinstimmenden Angaben zufolge unter ihre Kontrolle gebracht. Am Sonntagmorgen stürmten Kämpfer der Seleka den Präsidentenpalast, wie sie selbst bekannt gaben. Der Aufenthaltsort von Staatschef François Bozize war zunächst unbekannt.

"Es ist sicher, dass sie die Stadt eingenommen haben", sagte ein ranghoher Vertreter der Streitkräfte des Landes; die Aussagen wurden von einer Quelle bei den internationalen Truppen im Land bestätigt. "Wir haben den Präsidentenpalast eingenommen", sagte einer der Militärführer der Rebellen, Djouma Narkoyo, der Nachrichtenagentur AFP. Staatschef Francois Bozize sei "nicht dagewesen".

Aufenthaltsort des Präsidenten unklar

Bozize habe "in einem Hubschrauber des nationale Territorium verlassen", hieß es aus informierten Kreisen in Bangui. Unklar war jedoch, wohin sich Bozize abgesetzt haben könnte. Angeblich floh der Staatschef demnach über den Fluss Oubangui Richtung Zongo in das südliche Nachbarland Demokratische Republik Kongo.

Dem widersprach jedoch der Kommunikationsminister der Demokratische Republik Kongo, Lambert Mende: Bozize habe nicht um Einreiseerlaubnis gebeten, "er ist hier nicht angekommen, er ist nicht angekündigt", sagte Mende, der zugleich Regierungssprecher ist. Das habe auch der Bürgermeister der Stadt Zongo in einem Telefonat bestätigt.

Auch der Außenminister der benachbarten Republik Kongo, Basile Ikouebe, dementierte, dass Bozize sich in seinem Land aufhalte. "Weder der Präsident noch ich wurden über seine Ankunft auf kongolesischem Boden informiert", sagte er in Oyo rund 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Brazzaville. In Oyo fand ein Regionalgipfel mit Vertretern der Republik Kongo, der Demokratischen Republik Kongo, Ugandas und Ruandas statt.

Zahlreiche Plünderungen

Ein in Paris ansässiger Sprecher der Seleka-Rebellen sagte, die Aufständischen verteilten sich derzeit auf die gesamte Hauptstadt, um die Sicherheit zu gewährleisten und Plünderungen zu verhindern. Augenzeugen berichteten jedoch von zahlreichen Plünderungen in Bangui. Kriminelle, aber auch Rebellen und Ordnungskräfte beteiligten sich demnach an den Beutezügen durch Geschäfte und Privathäuser. "Wir haben Angst. Ich gehe nicht mehr raus, ich bleibe im Haus", sagte ein Einwohner im Stadtzentrum.

Paris rief alle Landsleute in dem Land auf, möglichst nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Es leben heute noch etwa 1200 Franzosen in dem krisengeschüttelten Land, die meisten davon in Bangui. Zugleich kündigte Frankreich an, keine weiteren Soldaten in die Zentralafrikanischen Republik schicken zu wollen. Frankreich hat in dem Land derzeit 250 Soldaten stationiert.

Stromausfall verschärfte Situation

Verschärft wurde die Lage in der Stadt zudem durch einen Stromausfall am Samstagabend. Der Stromausfall betreffe das gesamte Stadtgebiet, sagten Einwohner. Zwar gibt es in Bangui häufig begrenzte Stromausfälle, doch könnte in diesem Fall auch der Machtkampf im Land ursächlich sein.

Die Rebellen hatten sich im Dezember im Norden des Landes gegen die Regierung erhoben und waren in den vergangenen Tagen auf die Hauptstadt vorgerückt. Unter internationalem Druck hatten sie ihre Offensive im Jänner zunächst 75 Kilometer vor Bangui eingestellt. Am 11. Jänner wurde im gabunischen Libreville ein Friedensvertrag unterzeichnet. Später warfen die Rebellen dem Bozize-Clan jedoch vor, die Vereinbarungen gebrochen zu haben, und setzten ihre Offensive am Freitag fort.

(APA/AFP/Reuters)

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6 Kommentare

legio patria nostra

die Legionäre werden schon unterwegs sein

Re: legio patria nostra

Sind schon da!

heftige Schüsse

Frankreichs Imperium zerfaellt.

Re: heftige Schüsse

SO ein schwachsinniger Kommentar!

nichts zu "fressen" aber Krieg führen

Afrika wie es leibt und lebt - aber die bösen bösen Europäer sind bereits als Schuldige ausgemacht (zuwenig Entwicklungshilfe, es reicht nur für Kalaschnikows)

Re: nichts zu "fressen" aber Krieg führen

Deswegen spende ich auch nichts mehr... Und die Regierungen in Europa sollten gezwungen werden, keinen müden Euro mehr dorthin zu schicken...

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