Fall Beresowski: Angst im Paradies der Oligarchen

26.03.2013 | 18:29 |  Gabriel Rath (Die Presse)

Die britische Polizei spricht von Selbstmord des Kreml-Kritikers. Doch nach einer Reihe mysteriöser Todesfälle wird man in der Diaspora nervös.

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London. Erhängt also. Und auch durch die Autopsie „keine Hinweise auf einen gewaltsamen Kampf“. Das sind die vorläufigen Angaben der britischen Polizei zum Tod des russischen Oligarchen Boris Beresowski in seinem Haus in Ascot. Obwohl „weitere Untersuchungen“ in den kommenden Wochen folgen, scheint derzeit alles auf einen Selbstmord des 67-Jährigen hinzudeuten, der einst als „Pate des Kreml“ in Macht und Reichtum schwelgte und nun ein einsames Ende südwestlich von London fand. Neben seiner Familie hinterließ er einen Schuldenberg.

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Beresowski war Samstagnachmittag von seinem Leibwächter, einem ehemaligen Mossad-Agenten und letzten verbliebenen Angestellten, tot im Badezimmer aufgefunden worden. Der Raum war von innen versperrt. Beresowski war bekleidet. Er hinterließ keinen Abschiedsbrief. Nikolaj Gluschkow, einer seiner Freunde, sagte danach dem „Guardian“: „Boris wurde erwürgt. Ich glaube nicht, dass es Selbstmord war. Das war kein normaler Tod.“ Die britische Polizei sieht jedoch „kein Anzeichen für die Involvierung einer dritten Seite“.

Bei allen Beschwichtigungsversuchen der Behörden bedeutet der plötzliche Tod des gefallenen Oligarchen einen tiefen Schock für die Exilgemeinde aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion in London. Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit, großzügige Steuerregeln für reiche Ausländer und gesellschaftliche Anerkennung hatten die Profiteure des Zerfalls des Roten Imperiums angelockt.

 

Geld spielt keine Rolle

Bei der rasenden Jagd nach Prestige spielt(e) Geld keine Rolle: Roman Abramowitsch erwarb 2003 den Fußballverein Chelsea FC und hat bis heute beinahe eine Milliarde Pfund in den Klub gesteckt. Der Stahlmilliardär Alischer Usmanow ist zweitgrößter Aktionär des Lokalrivalen Arsenal. Wenn eine absurd überteuerte Immobilie auf den Markt kommt, findet sie mit Sicherheit einen Oligarchen als Käufer: Der reichste Mann der Ukraine, der Metallmagnat Rinat Achmetow, erwarb vor zwei Jahren ein Penthouse mit Blick über den Hyde Park um den Rekordpreis von umgerechnet 160 Millionen Euro. Und der Kreml-Kritiker Alexander Lebedew besitzt heute mit dem „Independent“ und Londons „Evening Standard“ zwei der einflussreichsten Zeitungen des Landes. Aus der Betreuung der Russen – von der Hausvermittlung über die Sicherheitsüberwachung bis zur Einschulung des Nachwuchses in britischen Eliteinternaten – ist ein kompletter und lukrativer Wirtschaftszweig entstanden.

„Die Hälfte unserer Verkäufe allein dieses Jahr haben wir mit Russen gemacht“, berichtet Simon Ashwell von der Immobilienagentur Savills. Und die lassen sich weiter nicht lumpen: „Der Durchschnittskaufpreis liegt bei sieben Millionen Pfund.“ Ebenso buttert Abramowitsch weiter Millionen in seinen müden Fußballverein („Die teuerste Lebensversicherung der Welt“), während Alexander Lebedew den „Evening Standard“ auf den Straßen Londons sogar gratis verteilen lässt.

Geld kann aber, wie schon die Beatles wussten, keine Liebe kaufen. Morde und ungelöste Todesfälle haben zu einer tiefen Verunsicherung in der Exilgemeinde geführt. Der Ex-Agent Alexander Litwinenko wurde 2006 mit Polonium vergiftet, der georgische Geschäftsmann Badri Patarkatsischwili starb 2008 an einem dubiosen Herzinfarkt, der Informant Alexander Perepilitschni, der mit der Schweiz in Steuerermittlungen kooperierte, wurde im November tot aufgefunden. Das sind nur die aufsehenerregendsten Fälle.

 

Der Kreml triumphiert

„Am liebsten bleibt man heute unter sich“, sagt der Autor Edward Gurwitsch der „Presse“. Statt Reichtum demonstrativ zur Schau zu stellen, verbirgt man ihn heute hinter hohen Mauern. „Viele Russen wollen nicht einmal mehr voneinander wissen.“ Der Kreml erlaubt sich siegessichere Gelassenheit und höhnische Kommentare. Statt KGB-Kommandos sendet man eine klare Botschaft: Wer gegen die Mächtigen in Moskau in der Fremde sein Heil sucht, wird einsam sterben wie Beresowski.

Boris Beresowski war ein Intimus des ersten russischen Präsidenten Jelzin und unterstützte später dessen „Erben“ Putin. Mit ihm überwarf er sich jedoch bald und ging 2000 ins Londoner Exil, wo er bis zu seinem Tod lebte. [Reuters]

Roman Abramowitsch (*1966) ist einer der bekanntesten russischen Oligarchen. Er machte sein Geld unter anderem mit Öl und Aluminium. In London, wo er seinen Wohnsitz hat, gehört ihm der Traditions-Fußballklub Chelsea. [AP]

Alexander Lebedew (1959) kommt aus dem Geheimdienst KGB. Seine Karriere als Geschäftsmann begann er im Bankensektor. In Großbritannien gehören ihm die Zeitungen „Evening Standard“ und „Independent“. [AP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2013)

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40 Kommentare
 
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die frage ist ohnehin warum es gegen russland noch keine uno sanktionen gibt

putin errichtet einen faschistischen staat und räumt alle aus dem weg die ihm gefährlich werden können auch menschenrechtsorganisationen

Aha, interessant, die Diaspora wird also nervös.

Damit sollten jene recht behalten, die behaupten die Diaspora sei eine mafiöse Verbrecherorganisation...

Und nun

Die in der "Diaspora" werden langsam nervös. Nicht das die auf die gleichen Ideen kommen wir ihr Gegner. Geld haben die ja genug!

für putin gilt die unschuldsvermutung


Gaddafi abgemurkst: na und? Chavez früh verstorben: war halt Krebs, was sonst? Beresowskij hat sich aufgehängt: Oh mein Gott, da stecken doch sicher die Russen dahinter!


ohne

gleich wieder dem "online-zensoristen" zum opfer fallen zu wollen empfehle ich auch das letzte Frobes interview lesen .

http://www.mirror.co.uk/news/uk-news/boris-berezovskys-last-interview-before-1782467

Ich glaube sehr wohl das ein mann der einen entschuldigungsbrief an putin schreibt und sich sogar 5000$ leihen muss in anbetracht seiner vergangenheit mehr als geknickt ist .

Re: ohne

Frage:

a) Welches Vermögen begehrt nun offiziell der Russische Staat ?

b) Erhängen ist Strangulation ob eigen oder fremd, wird hoffentlich geklärt!

c) GIFT ? Zuerst sich selbst oder fremd vergiften und dann erhängen!

d) ....und nun etwas sehr Persönliches. gut gemeinter Tip mit dem Artikel, aber der Inhalt des Chats bescheinigt, dass viele Poster nicht einmal der deutschen Sprache mächtig sind ...nicht zu hohe Ansprüche stellen !!!

Re: Re: ohne

50:50 oder telefon-joker komm ich da natürlich nicht raus.
-> der rubel-roman hat seinem liquiden vermögen sicherlich zugesetzt
->erinnert sicher ein wenig an litvinenko nur war der eine kgb spion und nicht jelzins busenkumpel
wirklich interessant finde ich daß er gerade in diesen zeiten offenbar in seine doch konfliktbehaftete heimat zurück wollte .
persönlich wäre es mir lieber wenn mehr leute heutzutage bar jeder rechtschreibung oder grammtik denken würden als sich überhaupt noch eigene gedanken machen.

Re: Re: ohne

Toller Sarkasmus, besonders Punkt d). Und das in Kombination mit Ihrem sehr speziellen Deutsch. Gratulation!

Re: Re: Re: ohne

Lieber Streupfeffer, deine hervorragenden Deutschkenntnisse sind uns inzwischen ein Begriff. Du alterierst dich über Rechtschreibfehler, die heute keine Sau mehr hinterm Ofen hervorlocken. Dieses wichtigtuerisch Oberlehrerhafte Zurechtweisen ist eines intelligenten Menschen eigentlich unwürdig. Nix für ungut, dein PaprikaSchüttler

Re: Re: Re: Re: ohne

Wenn du meinst, dass die Rechtschreibfehler "keine Sau mehr hinterm Ofen vorlocken", warum hast du dich denn dann zu Wort gemeldet?
Auch ich finde, dass Menschen mit guten Rechtschreibkenntnissen mehr für voll genommen werden. Besonders auf dem Arbeitsmarkt ist das zu erkennen speziell bei Bewerbungen von Jugendlichen. Wer natürlich nicht will, denn kann man nicht zwingen, der soll sich aber auch nicht beschweren darüber irgendwie und irgendwann. Ich würde mir aber trotzdem nie anmaßen, solche Menschen als „Säue“ zu bezeichnen, die sich nicht hervorlocken lassen (wollen)...

Re: Re: Re: Re: Re: ohne

den oder denn?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: ohne

Sehr gut. Dann trifft schon mal der letzte Satz meines Kommentars auf dich nicht zu.
Gratuliere :-))

Selbstmord

Ha, ha. ha - dreimal kurz gelacht !

Tod eines russischen Kriegsgegners

Soros bezeichnete seinen ehemaligen Geschäftspartner Beresowski, der gestern im Londoner Exil verstarb, als “Raubtierkapitalisten”.

http://aron2201sperber.wordpress.com/2013/03/24/das-ende-eines-russischen-kriegsgegners/

Beresowski mag (wie Soros) ein Raubtierkapitalist gewesen sein. In Putins Ungnade fiel er jedoch nicht als Raubtierkapitalist, sondern als Gegner der Kriegspolitik seines Präsidenten. Ein Recht, das sich der amerikanische Oligarch Soros bei Bush (so wie alle anderen amerikanischen Gegner des Irak-Kriegs) ganz selbstverständlich herausnehmen durfte.


Re: Tod eines russischen Kriegsgegners

ihr Blog ist ja nur wirres Zeug..

Re: Tod eines russischen Kriegsgegners

Einletztes Mal: Lassen Sie Ihr albernes PSEUDO-Sie mein Herr haben nicht das Mindeste zu tun, mit-DEM JÜDISCHEN PHILOSOPHEN UND SCHRIFTSTELLER-Manes SPERBER!
Gäbe es eine Möglichkeit dazu-WÜRDE ICH SIE ZUR ANZEIGE BRINGEN!!
Sie täuschen nämlich, weil Ihr eigenes-"persönliche Gewicht nicht ausreicht"-EINEN ENGEN VERWANDTSCHAFTSGRAD-zu Manes SPERBER VOR!!
Ich bin fest überzeugt, Sie haben diesen ehrbaren Mann-NIEMALS ZU GESICHT BEKOMMEN!
Schändlicher!

"Oligarch"gilt ja heute schon als Ehrenbezeichnung,

tatsächlich sind diese Herrschaften ganz was anderes. Zu ihrem Glück wissen wir nicht,wieviele
Menschen die eiskalt über die Klinge haben springen lassen,der so vom Westen geschätzte Chorodowski sitzt nicht zu unrecht, auch der hat sich den Knast mehr als redlich verdient. Kritik an Putin adelt aber nicht diese Verbrecher.

Scharrt die Leich ein...

...und aus.

Er könnte sich ja auch aus 30 m selbst erschossen haben.


er war pleite und soll einen brief an putin geschrieben

haben, mit der bitte nach rußland sterben kommen zu dürfen. Tolles ende eines oligarchen.
auslösend war wahrscheinlich ein gerichtsurteil zu ungunsten von b. und zu gunsten man lese und staune Abramovichs.

Ein Strick um den Hals kann wohl als Gewalteinwirkung..

... von außen gesehen werden.
Ob wir jemals die ganze Wahrheit erfahren?

kein Guter

er war aber kein Guter- sondern einer derer, die Russland mit an den "neuen Abgrund" führten - was aber eine staatlich angeordnete Ermordung nicht rechtfertigt

Re: kein Guter

hat sicher Putin persönlich gemacht;-)

franz fuchs, udo proksch, unterweger machten es vor...

...schrecklich: hat sich wieder ein regimegegner in betäubtem zustand, aus moralischen gründen, selbst erhängt...

Re: franz fuchs, udo proksch, unterweger machten es vor...

Aber klar doch... Und den Osterhasen gibt es auch nicht, weil der nur ein verkleideter Weihnachtsmann ist...
Dafür gibt es aber tatsächlich sehr viele Ahnungslose auf dieser Welt, die sich immer wieder gerne in Verschwörungstheorien versetzen :-))

 
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