Nordkorea: Ein militärischer Riese mit schwachen Muskeln

26.03.2013 | 18:29 |  WOLFGANG GREBER (Die Presse)

Die Kriegsdrohungen werden immer bizarrer, zuletzt tönte man, Hawaii angreifen zu wollen. Obwohl das Land eines der größten Heere hat, ist dessen Kampfwert aber moderat. Ein Angriff auf den Süden würde scheitern.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Am Dienstag ging das Säbelrasseln aus Nordkorea weiter. Nachdem das verarmte Land von Jungdiktator Kim Jong-un (30) jüngst den Waffenstillstand nach dem Koreakrieg (1950–53) gekündigt und den USA mit Atomkrieg gedroht hatte, startete das Regime weitere rhetorische Raketen: Man habe alle Artillerieeinheiten und Raketentruppen in Kampfbereitschaft versetzt; sie sollten auch Hawaii und die US-Pazifikinsel Guam ins Visier nehmen.

Mehr zum Thema:

Aus Südkorea hieß es zwar, man habe keine besonderen Truppenbewegungen bemerkt, China mahnte Pjöngjang zur Mäßigung. Dennoch stellt sich abgesehen von der Frage, welches Motiv hinter den Verbaleruptionen steckt, auch jene, wie Nordkoreas Chancen bei einem Waffengang wären. Die Antwort laut Militärexperten: Es könnte einen begrenzten Einmarsch im Süden kurzzeitig durchhalten und eventuell Seoul besetzen, erlitte aber enorme Verluste und würde einem Gegenstoß Südkoreas und der USA nicht widerstehen. Für erfolgversprechende Angriffe auf die USA gibt es auch kaum Indizien.

 

Schwieriges Kampfgebiet

Dabei ist Nordkorea auf dem Papier stärker (Zahlen vom Institut für Strategische Studien in London): Das stehende Militär zählt 1,1 Millionen Mann gegenüber 680.000 im Süden, die Masse sind Heeressoldaten (950.000 versus 560.000). Der Norden hat 3500–4500 Kampfpanzer (Südkorea: 2800), 3000 Schützenpanzer (2500), über 10.000 schwere Rohr- und Raketenartilleriewaffen (4600) und 570 Kampfjets (Süden: 430). An größeren Schiffen soll Nordkorea 63 U-Boote und drei größere Einheiten haben, dazu 150 kleine Raketen- und Torpedoschnellboote. Südkorea hat 47 größere Schiffe, 13 U-Boote und 76 Wachboote.

Das Gros der Truppen steht an der 250 Kilometer langen Grenze. Doch die Zahlen trügen: Das Gelände ist großteils gebirgig, Aktionen mit mechanisierten Truppen sind kaum möglich, allenfalls langsame Infanterieangriffe zu Fuß. Leichtere Angriffsrouten (Flach- und Hügelland) sind nur ein Streifen an der Ostküste und Gebiete nördlich von Seoul (die Kaesong- und Chorwon-Korridore), das 30 bis 50 km von der Grenze entfernt ist. Also hat der Norden die Masse seiner Armee an den Zugängen der Routen stationiert, während der Süden vor allem diese verteidigt und durch Minen und Sperren sichert; Flüsse, Reisfelder und Orte stören dort aber Truppenbewegungen. Ein Angriff Nordkoreas würde sicher mit mächtigen Artillerieangriffen eröffnet, Seoul würde verwüstet, doch wären Bodenstöße nur unter riesigen Verlusten möglich und würden zum Massaker.

 

Geringer Kampfwert des Nordens

Zudem ist der Norden dem Süden technisch unterlegen, die Hälfte seiner Waffen sind aus den 1950ern- und 1960ern, ihr Zustand ist fraglich, seine Verbände haben schwachen Kampfwert: Obwohl seine mechanisierten Einheiten nach Pentagon-Modellen zahlenmäßig zehn US-Divisionen entsprechen, soll ihr Kampfwert 2,5 US-Divisionen entsprechen. Nordkoreas Armee soll gesamt fünf US-Divisionen gleichen. Iraks Armee galt im Golfkrieg 1990/91 als äquivalent zu sechs US-Divisionen.

Nordkoreas Luftwaffe gilt als chancenlos, höchstens 50 bis 60 Jets sind modern, die Piloten fliegen kaum 20 Stunden im Jahr. Massive Luftangriffe Südkoreas und der USA würden von Anfang an die Angriffswellen zerstückeln und Nachschubrouten stören.

Die USA haben rund 30.000 Mann in Südkorea sowie 300 Jets im Umfeld Koreas. Diese Kräfte würden binnen zehn Tagen verdreifacht, etwa durch die 25. Infanteriedivison aus Hawaii, zwei Brigaden würden rasch folgen, weitere später. Also würde ein Stoß aus dem Norden wohl nach ein bis zwei Wochen gestoppt; ob der Norden dann Seoul und andere Räume halten kann, ist fraglich.

 

Kaum Langstreckenwaffen

Was Drohungen gegen US-Gebiete betrifft: Nordkorea soll über 900 ballistische Raketen haben, von denen es die meisten nicht einmal nach Japan (530 km entfernt) schaffen. Guam ist 2300 km entfernt, Hawaii 7200. Für Hawaii ist nur die „Taepodong-2“ geeignet, davon gibt es nur wenige, der bisher einzige Testflug scheiterte. Die neue „Musudan“ könnte Guam erreichen, doch flog die noch nie.Nordkorea könnte einige der 22 „Romeo“-U-Boote für Hochseeeinsätze umrüsten, um mit Raketen ferne Häfen anzugreifen. Sie sind aber alt und leicht aufzuspüren.

In Nordkoreas Atombombenarsenal dürften nur zwei bis fünf kleinere Bomben von fragwürdiger Funktionfähigkeit stehen; jedenfalls zu wenig, um zu gewinnen.

Auf einen Blick

Nordkorea hat in den vergangenen Wochen seine Rhetorik gegenüber Südkorea und den USA verschärft. Es kündigte den Waffenstillstandsvertrag nach dem Koreakrieg (1950–53) auf, drohte mit Atomangriffen auf die USA und am Dienstag mit Attacken auf Hawaii, Guam und andere US-Gebiete. Möglicherweise ist es eine überzogene Reaktion auf Manöver der USA und Südkoreas; einen offensiven Waffengang gegen den Süden und die USA dürfte Nordkorea trotz seines Riesenheeres nicht lange durchhalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

52 Kommentare
 
12

Ein militärischer Riese mit schwachen Muskeln

Sollte heißen mit Schwachköpfen.

Die Legende lehrt uns....

daß es bei einem vermeindlichen Riesen ( Goliath) nur eines kleinen David mit einer Steinschleuder bedarf .....

Re: Die Legende lehrt uns....

David hatte Gott als Backup, wo liegt da das Problem?

Re: Re: Die Legende lehrt uns....

welches "Problem" ?????

Re: Re: Re: Die Legende lehrt uns....

Dein Problem!

Re: Re: Re: Re: Die Legende lehrt uns....

Weißt wohl nichts weiter zu sagen -- also dann lassen wir´s auch.

2 1

Der kleine Blade bei seiner ersten Klavierstunde!

Rührend, wie seine Onkels sich um ihn kümmern.
Was wurde eigentlich aus der nordkoreanischen Fußballmannschaft, welche zuletzt bei der WM kein einziges Spiel gewonnen hat?

Kim Jong-un

ist ein Beispiel dafür, dass Cäsarenwahn vererbbar ist.

12 1

das Foto ist süß...

....das "Mailüfterl" auf Nordkoreanisch...und Kim drückt drauf rum, während ein Trupp hundertjähriger Uniformträger zusieht....

1 1

Re: das Foto ist süß...

Für den internen Gebrauch...

3 0

Re: Re: das Foto ist süß...

Das ist das selbstentwickelte Mischpult für die erste nordkoreanische Discothek!

17 1

Hart, aber wahr

Militärisch ist die Analyse vollkommen richtig. Die Zeiten von "Masse statt Klasse" sind vorbei, es gibt umfangreiche Berechnungen und auch "Feldversuche" zu dem Thema. Was allerdings bedacht werden sollte ist, dass es für Südkorea und die USA (und gegebenenfalls Japan) keinesfalls ein Spaziergang wäre. Und eine Kleinigkeit sollte man auch nicht übersehen:

" Ein Angriff Nordkoreas würde sicher mit mächtigen Artillerieangriffen eröffnet, Seoul würde verwüstet, doch wären Bodenstöße nur unter riesigen Verlusten möglich und würden zum Massaker."

In Seoul leben fast 10 Millionen Menschen, in der Metropolregion 20-25 Millionen. Man kann sich unschwer ausmalen, was eine massive Bombardierung da bewirken würde.

Trotzdem (oder gerade deswegen?) ist es Zeit, dass das Sozialistische (Alb-)traumgebilde Nordkorea verschwindet...

Und nein, China wird nicht eingreifen. Chinas Führung besteht aus eiskalt berechnenden Leuten. Die wissen ganz genau, dass sie nichts gewinnen können wenn sie Nordkorea militärisch stützen, dann aber Gefahr laufen alles zu verlieren was sie in den letzten Jahren erreicht haben.

Re: Hart, aber wahr

Wer sich nicht sicher ist, dass die Chancen einen Angriffskrieg zu gewinnen mindestens bei 90% liegen, der wird ihn auch nicht führen. Es sei denn, mann spekuliert auf den eigenen Untergang mit Bomben und Granaten...

Re: Re: Hart, aber wahr

Hahaha. Der Witz war gut.
Wenn Sie tatsächlich der Meinung sind, dass ein Diktator logisch und vernünftig denkt, dann sind sie sehr weit weg von der Realität.

Re: Re: Re: Hart, aber wahr

nur vorsicht! "diktator" ist nicht gleich "vollidiot".

nordkorea weiss sehr wohl, dass es einen krieg nicht gewinnen kann und das seine militärische "stärke" dem westen sehr gut bekannt ist.
dennoch ist das alles sicherlich bis ins kleinste detail kalkuliert. ich gehe davon aus, dass es zu einem krieg kommen wird der nie gewonne werden soll. nordkorea möchte von südkorea besiegt und danach wirtschaftlich aufgebaut werden. das geht ohne gesichtsverlust nur mit einem kurzen krieg. umso größer man das maul vorher aufreißt umso kürzer wird der krieg dauern.

Re: Re: Re: Re: Hart, aber wahr

Oh mein Gott. Sie meinen das auch noch ernst was Sie da an Schw.chsinn von sich geben?

Re: Hart, aber wahr

unser BP Heinzi und seine roten freund haben schon sicher schlaflose nächte...die sorgen sich ungemein um ihre ideologischen freunde in nordkorea !

china würde einen krieg nie zulassen!

denn fakt ist die beiden kommunistischen "brüderstaaten" verbindet nur noch sehr wenig, ein beherztes eingreifen der chinesen wie 1950 um den nord koreanern den a... zu retten wird es zu 100% sicherheit nicht mehr geben!

auch ist die unfähige regierung nord koreas nicht im stande das land ohne chinesische hilfe am laufen zu halten.

china hingegen kann sich einen zweiten koreakrieg nicht leiste, aus folgenden gründen:

1) ein krieg würde große teile der küste und damit defacto alle Exportrouten chinas blockieren.
chinas wirtschaft und unternehmen sind aber massiv vom export abhängig, auch zu einem beträchlichen teil nach südkorea.
das alle chinesischen spitzenbeamte am export der großteils staatlichen firmen kräftig mitverdienen würde sich die KP wohl gehörig ins eigene fleisch schneiden

2) nord korea hätte wohl keine chance der hochmodernen südkoreanischen armee und der bald herbeieilenden amerikanischen verstärkung standzuhalten, es würde verlieren und die führung nord koreas würde wohl am nächsten baum hängen, dies würde den einfluss der USA im südchinesischen meer festigen, was ob der anhaltenden streiterein mit japan und diversen anderen nachbarn nicht im interesse chinas sein dürfte

fazit: das ganze theater mit den beiden staaten ist eine nette unterhaltung und eine spannende geschichte aber über einen kriegsausbruch müssen wir uns absolut keine sorgen machen!

1 1

Re: china würde einen krieg nie zulassen!

Die chinesischen Militärs ticken anders als die wirtschaftlich orientierten Partefunktionäre. Wenns drauf ankommt, dann sind die USA und Südkorea inklusive Japan FEINDE.

1 13

Re: china würde einen krieg nie zulassen!

vollkommen richtig:
und das ganze Theater hätte man sich ersparen können, wenn die Amis und die südkoreaner ihre Militärübung abgesagt hätten.
abgesehen davon zweifle ich daran, dass da alle nordkoreanischen Soldaten mitgespielt hätten. die wären alle bzw ein Großteil davon über die Grenze geflüchtet

14 2

Bei manchen Linksgrünen steht Korea hoch im Kurs.


Re: Bei manchen Linksgrünen steht Korea hoch im Kurs.

Was wollen sie damit sagen?

2 0

Re: Re: Bei manchen Linksgrünen steht Korea hoch im Kurs.

Vielleicht, dass es hierzulande nicht nur heimliche Bewunderer dieses Regimes gibt?
Der ehemalige Direktor des Wiener Museums für Angewandte Kunst ist so ein Fall. Er ließ sich für seine Ausstellung "Blumen für Kim il Sung" sogar einen nordkoreanischen Orden umhängen.

18 0

Der Nordkoreanische Fettsack

ist eine reine Witzfigur, er macht sich und leider seinem Land nur probleme mit dieser sinnlosen Droherei gegen andere Länder.
Sobald dieser Psycho die erste Rakete gegen eine andere Nation abfeuert ist das der Untergang von Nordkorea, das sollte ihm eigendlich bewusst sein.

1 0

Re: Der Nordkoreanische Fettsack

Ebenso kann er auch als Sprachrohr und Testballon einer Clique in Peking angenommen werden, die dort im Untergrund agiert.

10 1

wenn china nicht währe würde es das problem nicht mehr geben


 
12
AnmeldenAnmelden