Hoffnungsschimmer für den Frieden

29.03.2013 | 18:53 |  Von THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

In Europa sind Kriege und Krisenherde eingedämmt, im Rest der Welt flackern sie auf kleinerer Flamme.

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Wien. Wie alljährlich zu Ostern wird Sonntagmittag wieder „Urbi et Orbi“, der hoffnungsvolle Friedensgruß des Papstes, vom Petersplatz hinaus in die Welt hallen. Und diesmal schwingt darin eine Aufbruchsstimmung mit, die allein schon die Wahl des neuen Papstes signalisiert, unterstrichen von der symbolischen Bildersprache des Pontifex vom „anderen Ende der Welt“, dem ersten Nichteuropäer seit Menschengedenken.

Die Welt scheint sich einig: Franziskus läutet eine neue Ära ein. Mögen auch die Demonstranten der traditionellen Ostermärsche in Deutschland von der Friedensbotschaft beseelt sein – zu glauben, sie würde über die „Menschen guten Willens“ hinaus auch die Diktatoren dieser Erde erreichen, wäre freilich Illusion. Syriens Despot Bashar al-Assad wird sich ebenso wenig von den Schalmeientönen aus Rom beeindrucken lassen wie Nordkoreas Nachwuchstyrann Kim Jong-un, der skurrile „Dr. Strangelove“ aus Pjöngjang, der mit immer martialischeren Drohungen die Kriegsrhetorik gegen Südkorea und die Schutzmacht USA verschärft.

Seit dem Appell des auf der türkischen Gefängnisinsel Imrali inhaftierten Kurdenführers Abdullah Öcalan an sein Volk zum Neujahrsfest Newroz und der gleichzeitigen Wiederannäherung zwischen Israel und der Türkei blitzt zumindest an der Levante Hoffnung auf. Das jüngst publizierte Konfliktbarometer des Heidelberger Instituts für Konfliktforschung hat diese aktuelle Entwicklung noch nicht erfasst. Es registrierte 2012 weniger Kriege als noch im Vorjahr, einem „Allzeithoch“, wie Ko-Autorin Fiona Byrne konstatiert – ein kleiner Lichtblick also. Im Gefolge des Arabischen Frühlings sei die Zahl der Kriege weltweit zurückgegangen – allerdings nur um zwei, von 20 auf 18.
Eine Ära des Friedens herrscht wenigstens in Europa – dem einzigen Kontinent, in dem kein einziger Krieg tobt. Die Gefahr ist jedoch nicht ausradiert. Für Bosnien verzeichnet der Länderbericht der „International Crisis Group“ (ICG) ein explosives Gemisch aus „Islam und Nationalismus“, den jahrzehntelangen Krisenherd des Kosovo wähnt er immerhin auf dem „Weg der Normalisierung“. „Der Balkan ist entschärft“, erklärt Byrne. Die Eindämmung der ETA und des baskischen Nationalismus sowie des irischen Pendants IRA hat den nationalistischen Terror in Süd- und Westeuropa bereits vor einigen Jahren gebannt. Und auch um die korsischen Separatisten in Frankreich ist es ruhig geworden.

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Weniger „klassische“ Kriege


Für den Rest der Welt gibt es indes keine Entwarnung, wie das Konfliktbarometer anzeigt. Die Anzahl der limitierten Kriege hat demnach zugenommen. Die Heidelberger Politologen differenzieren fünf Eskalationsstufen: Stufe fünf kennzeichnet einen Krieg in seiner vollen Intensität, Stufe vier einen eingeschränkten Krieg mit Potenzial zum vollständigen Ausbruch. Zwischen dem Sudan und Südsudan, erst seit dem Vorjahr ein eigener Staat, ist der Konflikt um Bodenschätze und Land erstmals zum „klassischen“ Krieg eskaliert.

Während die ICG im Bürgerkrieg in Kolumbien „endlich Frieden“ vermeldet und auch den Philippinen einen „Durchbruch“ mit den Moslemrebellen in Mindanao bescheinigt, flackert der „erste afrikanische Weltkrieg“ im Kongo aufgrund ausländischer Interessen immer wieder auf – obgleich bei kleinerer Flamme und weniger Flüchtlingen als vor zehn oder 15 Jahren. Nach Ansicht der International Crisis Group haben die Friedensmissionen – und die Interventionen, zuletzt etwa der Franzosen in Mali – eine durchaus positive Wirkung gezeitigt.
Unbestreitbar ist das Faktum, dass die Zahl der Opfer und der Flüchtlinge in Kriegen gesunken ist. Darauf verweist die zivilisatorische Langzeitstudie „Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit“ des Harvard-Professors Steven Pinker, die den Rückgang der menschlichen Gewalt belegt. Seine These: Die Menschheit sei immer friedlicher geworden – ein Trend, der sich fortsetzt. Mit Einschränkung: In Relation gesetzt zur Weltbevölkerung zur Zeit der mongolischen Feldzüge oder der Sklaverei nimmt sich selbst der Horror des Zweiten Weltkriegs, des größten Gewaltexzesses der Geschichte, weniger ungeheuer aus.

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89 Kommentare
 
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Auch interessant, was das Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement an der Landesverteidigungsakademie in einer vor knapp vier Monaten publizierten Studie zum Konfliktmanagement auf dem Balkan schreibt:

"Aus der Perspektive von Mitte 2012 blieb unklar, ob Bosnien und Herzegowina sich auch mit internationaler Hilfe in naher Zukunft als Staat konsolidieren wird. Die auch aus Sicht der EU negative Alternative zu einem funktionalen Staat
Bosnien und Herzegowina wäre die Vergrößerung des Risikos des Staatszerfalls. Dieser würde wegen der nicht bewältigten Kriegsvergangenheit
in Bosnien und Herzegowina sehr wahrscheinlich nicht friedlich verlaufen. In einem solchen Fall würde in einem kleinen und monoethnischen
Restbosnien der traditionell sehr tolerante bosnische Islam durch ein Erstarken islamistischer Bewegungen in Gefahr geraten."

http://www.bundesheer.gv.at/wissen-forschung/publikationen/beitrag.php?id=2435

Bedauerlicherweise....

steigt der Hass, die Gewalt und der Unfriede auch in Europa wieder an aufgrund der ungebremsten Zuwanderung von schwer kriminellen muslimischen Kopftretern, Mördern, Vergewaltigern und Banditen aller Gattungen.

Kriegsursachen müssen bekämpft werden

Alle Konfliktherde zeigen ein paar Hauptursachen. Wenn man was für den Frieden tun will, dann sollte man bei der Lösung dieser Ursachen anfangen.
1. Nationale Konflikte. Der Mensch hat, (so wie viele Tiere auch), ein ausgeprägtes Rudel-Stammes- und Territorialbewusstsein. Das ist genetisch bedingt und gutmenschlich nicht auszurotten, kann aber natürlich eingedämmt und kanalisiert werden. Lösung: Staatsgrenzen wo immer es geht, nach Nationen, Stämmen, gemeinsamen Sprachen und Kulturen ziehen.
2. Der Raubinstinkt. Die Beute, d. h. das Eigentum, z. B. Rohstoffvorkommen usw. anderen abjagen. Durch freiwilliges Überlassen eines Teiles, d. h. Tribut zum Teil abwendbar, aber nicht auf Dauer. Lösung:
Militärische und wirtschaftliche Stärke bei gleichzeitiger Grosszügigkeit
3. Demütigung und Provokation.
Beispiele sind die Behandlung der Verliererstaaten nach dem WK I, die folgerichtig zur Radikalisierung und zu WK II führte. Auch der Palästina-Konflikt und die israelische Politik gehört zu dieser Art von permanenten Provokationen und Demütigungen.
Es gibt natürlich noch viele andere Ursachen:
Machtwahn und Unkenntnis der Mentalität des Gegners sowie Fehleinschätzungen der Kräfteverhältnissse und Paktfolgen.

Aha!

Kiege sind nun als Kampf gegen den Terrorismus getarnt damit sie nicht in der Statistik aufscheinen.

In den meisten islamischen Ländern

herrscht kein Friede und die jenigen, die darunter am meisten leiden, sind die Christen. http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Alle-fuenf-Minuten-wird-ein-Christ-ermordet-/story/27492516

Raufen und Krieg sind die Folge von Minderwertigkeitskomplexen.

Politiker und Offiziere habens nur weiter gebracht.

Re: Raufen und Krieg sind die Folge von Minderwertigkeitskomplexen.

Sie schon wieder!

"Raufen und Krieg" ist eine Deeskalation von Meinungsverschiedenheiten.

Wobei "Raufen" im Kleinen abläuft, wo hingegen "Kriege" auf nationaler Ebene geführt werden und "nur" von politischer Ebene losgetreten werden - SCHWAMMERL!!!

Denken vor Schreiben (oder besser Denken überhaupt) war noch nie eure Stärke!

Wer bahauptet in Europa würde Frieden herrschen...

"In Europa sind Kriege und Krisenherde eingedämmt, im Rest der Welt flackern sie auf kleinerer Flamme."

Was gleich in der Überschrift verkündet, wird (zum Glück) im Artikel darunter wieder etwas relativiert.

Wer behauptet in Europa würde Frieden herrschen, ist schliechtweg schlecht informiert. Natürlich, es gibt zur Zeit keine "klassischen" Kriege in Europa, doch Konflikte, bedingt durch den Euro und das wachsende Zuwanderungsproblem aus kulturell fremden Ländern, ist unabstreitbar.

Tagtäglich werden Menschen auf offener Straße angegriffen und halbtotgeschlagen, Frauen werden vergewaltigt und westliche (christliche) Einrichtungen, wie Gräber, Kirchen oder öffentliche Gebäude fallen Vandalismus zum Opfer.
Dass die Übeltäter sehr häufig nicht blond, blauäugig, hellhäutig sind, ist gemeinhin bekannt.

Vor allem Frauen fürchten es sich des Nächtens alleine auf der Straße von A nach B zu bewegen.

Und das soll Frieden sein?
Die Kämpfe haben sich auf eine andere Ebene verlagert, doch sie finden statt.

Und der Euro tut ntürlich sein Übriges.

Re: Wer bahauptet in Europa würde Frieden herrschen...

Ja wir haben unsere Josef Fritzel's.

Re: Re: Wer bahauptet in Europa würde Frieden herrschen...

Die Fritzl's gibt's auch in Venezuela (erst vor kurzem in den Medien präsent), oder im Islam generell (Minderjährige werden verheiratet).

Nur so nebenbei - denjenigen den Sie meinen heisst "Fritzl"!!!

Ein alter Schwachsinn

Man sollte doch aus der Geschichte lernen.
Die Hoffnung auf den Ewigen Frieden geht sehr häufig grossen Kriegen voraus.
So war es vor dem WK I in Europa allgemeine Meinung, ein Krieg zwischen den europ. Mächten sei undenkbar, weil ja heutzutage die Menschen schon viel zu vernünftig seien und auch die Kaiser- und Königshäuser schliesslich alle miteinander verwandt seien.
Genau der selbe Schwachsinn wie die Vorstellung, dass der ganze Globus in Friede, Liebe, Eierkuchen versinkt, wenn es nur lauter Demokratien gäbe.

hihi- der Witz des Tages:

Harvard-Professors Steven Pinker->
Seine These:
Die Menschheit sei immer friedlicher geworden.

Genau dasselbe sagte man 1913 in Europa.

UNd dan kam der Untergang des Abendlandes.

Re: Genau dasselbe sagte man 1913 in Europa.

FALSCH !
Das Abendland hat eine neue Herausforderung zu bewältigen und wird erneut wie der "Phoenix aus der Asche" auferstehen !!!

Re: Re: Genau dasselbe sagte man 1913 in Europa.

Vielleicht in ein paar hundert Jahren, wenn die kranken Republiken wieder durch stabile Koenigreiche und Herzogtuemer ersetzt sind.

In Europa sind Kriege und Krisenherde eingedämmt

Wie bitte? Dank EURO sind Konflikte erst wieder im Entstehen!

Re: In Europa sind Kriege und Krisenherde eingedämmt

Ich sage der Euro wurde ausschließlich dafür eingesetzt, um das große ausbeuten der Bevölkerung einzuleiten... Überlegt doch mal, was ist seit dem besser geworden und was schlechter

Re: Re: In Europa sind Kriege und Krisenherde eingedämmt

Der Euro sollte die Deutschen ausbeuten. Das ist die ersten paar Jahre gelungen zugunsten der Ex-kommunistischen Staaten und der Südstaaten. Aber besonders die Südstaaten haben die Verschuldung ihrer Staatsapparate übersehen und jetzt sollen sie dafür selber geradestehen, nicht wie erwartet die Deutschen.

Das ist der Fehler(tm) des Euro: die Verlogenheit der Amtsverbrecher.

Re: Re: Re: In Europa sind Kriege und Krisenherde eingedämmt

Erschreckend, wie die dauerhafte Bombadierung mit Propaganda in den Medien es tatsächlich schafft, die Tatsachen um 180 Grad zu verdrehen.

wenn Mindestsicherung, Sozialhlife udgl. nicht mehr ausbezahlt erden können,

dann reden wir acht Jahre später weiter - die Periodizität des Krieges ist so sicher wie das Amen i. Gebet…..

Re: wenn Mindestsicherung, Sozialhlife udgl. nicht mehr ausbezahlt erden können,

Entweder sie werden mit frisch gedrucktem Geld ausbezahlt oder es gibt Plakate wie damals. "Wer nichts Arbeitet soll auch nichts Essen"

Der Eurozusammenbruch kommt so oder so.

Re: wenn Sozialromantiker

ausgestorben sind, glauben auch nur mehr Sie an den Arbeiteraufstand.

Re: Re: wenn Sozialromantiker

Es sind zur Genüge auch Akademiker und Hochschulabsolventen auf Sozialhilfe angewiesen.

Re: Re: Re: wenn Sozialromantiker

ersten arbeiten die eh nix - sonst wären die ja auch Arbeiter - was nicht ins Bild der Sozialromantiker passt
und bewaffnet werden die von der Caritas als himmlische Heerscharen ? oder wie ?

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Wäre es denn ohne EU wirklich anders gekommen?

Auf jeden Fall hat man erreicht, dass man einstmals lokale Konflikte durch Migration weniger konzentriert auf große Gebiete ausweitet.

Mitten in Wien kämpfen Türken gegen Kurden, Tschetschenen gegen alles mögliche und die Serben mögen die Kroaten immer noch nicht.

Verschleiernde Berichterstattung tut ihr übriges. Was nicht an die Öffentlichkeit kommt ist nie passiert...

Re: Wäre es denn ohne EU wirklich anders gekommen?

Auf der anderen Seite vereinigen sich andere Institutionen (PC natürlich "Rechts") europaweit.

EDL,SDL,GDL,ADL,PDL usw.

Wird noch heiss werden !

 
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