Nordkoreas langer Weg zur Atommacht

02.04.2013 | 18:29 |  Von unserem Korrespondenten FELIX LEE (Die Presse)

Mit der Reaktivierung des 2007 stillgelegten Reaktors nahe Yongbyon könnte Nordkorea seine Plutoniumbestände zum Kernwaffenbau vergrößern. Spätestens seit den 1980ern strebt das Regime nach der Bombe.

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Peking. Eines muss man Nachwuchsdiktator Kim Jong-un lassen: Nordkoreas Propagandamaschinerie ist jeden Tag aufs Neue für eine Überraschung gut. Nach der Kriegserklärung gegen Südkorea und Aufkündigung sämtlicher Vereinbarungen kündigt das Regime in Pjöngjang nun an, seinen Atomkomplex Yongbyon wieder in Betrieb zu nehmen. Sämtliche Anlagen sollen „angepasst und neu gestartet“ werden, heißt es in staatlichen Medien.

Auf dem Gelände von Yongbyon, rund 100 Kilometer nördlich von Pjöngjang, befinden sich ein Fünf-Megawatt-Reaktor, eine Wiederaufbereitungsanlage und eine Anlage zur Urananreicherung. Bis zu seiner vorläufigen Stilllegung vor fünf Jahren war der Reaktor auch eine Produktionsstätte für waffenfähiges Plutonium. Damals hatte das Regime in Pjöngjang versprochen, die Anlage unbrauchbar zu machen. Demonstrativ ließ Pjöngjang 2008 den Kühlturm sprengen. Im Gegenzug erhielt das Land dringend benötigtes Erdöl und Lebensmittelhilfen. Nun will das Regime den Betrieb der Anlage wieder aufnehmen.

 

Reaktor seit 1967 in Betrieb

Yongbyon ist der Inbegriff für Nordkoreas Atomprogramm. 1962 hatte die Führung in Pjöngjang in friedlicher Absicht die Anlage errichten lassen. 1967 ging der erste Reaktor mit sowjetischer Hilfe in Betrieb. In den 1970er-Jahren gelang es Nordkorea, den Reaktor auf hoch angereichertes Uran umzustellen, was die Leistung des Reaktors zur Stromerzeugung deutlich steigerte. Etwa in dieser Zeit begann das Regime einen zweiten Reaktor zu errichten, der auch waffenfähiges Plutonium erzeugen konnte. Aber erst in den 1980er-Jahren dämmerte der Weltgemeinschaft: Nordkorea baut an der Bombe. Es sollte jedoch noch einmal fast ein ganzes Jahrzehnt vergehen, bis die Welt diese Erkenntnis schwarz auf weiß hatte. 1994 erklärte Nordkorea ganz offiziell seinen Austritt aus der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), unterwarf sich zunächst aber weiter den Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag zur Nichtverbreitung von Kernwaffen, den Pjöngjang 1985 unterzeichnet hatte. Als 1998 Nordkorea erstmals eine mehrstufige Rakete in die Luft schoss – angeblich zum Transport eines Satelliten – erhärtete sich der Verdacht, Nordkorea bastle auch an einer eigenen Rakete.

 

Erster unterirdischer Atomtest 2006

2003 trat Nordkorea aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Die Staatengemeinschaft war zu dem Zeitpunkt noch um Verhandlungen bemüht. Doch die ersten Sechser-Gespräche zwischen Nordkorea, Südkorea, den USA, China, Japan und Russland endeten ohne Ergebnisse. Zwei Jahre später war es dann so weit: Das Regime bekannte sich erstmals zum Besitz von Atomwaffen und erklärte sich zur Atommacht. Im Oktober 2006 folgt der erste unterirdische Atomtest. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verhängte daraufhin Sanktionen gegen das inzwischen weitgehend isolierte Land. Denn angesichts des fortschreitenden Atomprogramms war auch Russland vom einstigen Bruderstaat abgerückt. Nur China hielt noch eine schützende Hand über Nordkorea. Die Sanktionen zeigten Wirkung. Der damalige Diktator Kim Jong-il, der Vater des jetzigen Machthabers Kim Jong-un, versprach im Februar 2007 die Schließung der Atomanlage in Yongbyon. Im Gegenzug erhielt er die versprochene Energie- und Wirtschaftshilfe. Im Juli wurde der Reaktor tatsächlich abgeschaltet. Doch bereits ein Jahr später schoss Nordkorea erneut Raketen in die Luft. Dieses Mal handelte es sich sogar um Langstreckenraketen. Und als das Regime auch noch einen zweiten Atomtest startete, verschärften die UN ihre Sanktionen wieder.

Nach dem Tod des Diktators Kim Jong-il kam es Anfang 2012 erstmals seit vielen Jahren wieder zu Gesprächen zwischen Washington und Pjöngjang. Im Gegenzug für Nahrungsmittelhilfen erklärte sich der junge Kim immerhin zu einem Moratorium bereit. Doch bereits im April schoss Nordkorea erneut eine Rakete in die Luft, die wenige Sekunden nach dem Start zerschellte. Im Dezember gelang der Schuss ins All dann doch. Im Februar 2013 unternahm Nordkorea seinen inzwischen dritten Atomtest. Seitdem spitzt sich die Lage Tag für Tag zu.

Doch ist Nordkorea nun eine Nuklearmacht? Nach Schätzungen der Federation of American Scientists (FAS) verfügt das Regime über 30 bis 50 Kilogramm Plutonium. Zusammen mit dem hoch angereicherten Uran könne es sechs bis zehn Atomsprengköpfe bestücken. „Wenn Atommacht bedeutet, dass man in relativ kurzer Zeit einen nuklearen Sprengkopf sicher ans gewünschte Ziel bringen kann“, sagt der Nordkorea-Experte Werner Pfennig von der Freien Universität Berlin, dann sei Nordkorea noch keine Atommacht. Das Regime verfüge über das Material und die Komponenten. Aber das passe noch nicht zusammen.

Auf einen Blick

Der 2007 stillgelegte Reaktor nahe Yongbyon befindet sich in der wichtigsten Atomanlage des Landes. Der Komplex besteht aus einem fünf Megawatt starken Forschungsreaktor sowie Zentren zur Aufbereitung von Plutonium und Brennstäben. Der Ausbau mit einem weiteren 50-Megawatt-Reaktor wurde noch nicht vollendet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2013)

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91 Kommentare
 
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Da hammas - die bladen Bonzen...

und Millionen Nordkoreaner wissen nicht mal, wie sie ihre Kinder ernähren sollen.

Aber auch dieses kranke System wird irgendwann zusammenbrechen.

Re: Da hammas - die bladen Bonzen...

Der fette Erbdiktator und seine Günstlingstruppe sind einfach widerlich! Schlimm finde ich aber auch, dass es bei uns einige Schwachköpfe gibt, die wegen ihres Hasses gegen die "bösen Amis" in diversen Internetforen, das Unterdrückerregime in Nordkorea verteidigen!

na wenn die experten

sagen, dass alles in ordnung ist, kann man in südkorea sicher ruhig schlafen.

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jetzt bin ich gespannt

der iran soll angegriffen werden um zu verhindern dass er atomwaffen baut und was ist jetzt mit nordkore die südkorea mit der vernichtung droht? bin gepannt ob hier mit zweierlei maß gemessen wird

naja

Zum Teil fahren noch Südkoreaner täglich nach Nordkorea um dort zu arbeiten... da wird einfach nur hin und her "provoziert" . WAYNE??!!

ein Zerstörer...

macht noch keinen Krieg

Re: ein Zerstörer...

Heutzutage ist ein Zerstörer eine Art drohender Zeigefinger, der sich zu Wasser vor den Küsten des Widersachers zeigt. Zerstörer sind nämlich nicht mehr kriegsentscheidend, das waren sie nicht mal mehr im letzten Weltkrieg.

völlig übertriebene Reaktion

man darf Nord Korea zwar nicht ganz ignorieren, aber es liegt auf der Hand, dass Kim yong un nur von inneren Problemen ablenken will...

es ist mehr die Frage ober das Regime fünf Jahren noch existieren wird...

Kim wird sich hüten im Süden einzumarschieren oder die USA anzugreifen.

Re: völlig übertriebene Reaktion

Si vis pacem, para bellum!

nuklearbellum?

der spruch war immer dämlich, ist dämlich und wird immer dämlich sein.

Re: nuklearbellum?

Der Spruch hatte immer Gültigkeit und wird auch in Zukunft absolute Anwendbarkeit haben, weil das in der "Natur des Menschen" liegt. Unzählige Male bewiesen durch die Geschichte. Dämlich daher eher, wer die Wahrheit, die Realität nicht anerkennen will, nur weil sie ihm nicht ins eigene Denkschema passt.

Kim wird sich hüten ...

Was macht Sie da so sicher ? Wer kann schon wissen, was diesem Wahnsinnigen in seiner Erkenntnis, dass seine Tage bald gezählt sind, einfällt.

Leute die dem Cäsarenwahn verfallen sind, sind unberechenbar - Beispiel Nero.

Die nehmen im Untergehen so viele mit, wie möglich. Und dass jetzt ein 73jähriger der neue Regierungssprecher wurde ist auch nicht gerade beruhigend - der hat sein Leben (wenn man das in NK so nennen kann) gelebt und sein eigener Abgang ist ihm wahrscheinlich auch ziemlich wurscht ...

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Re: Kim wird sich hüten ...

da ich mich mit asien viel beschäftigt habe, weiß ich wie die lage in nordkorea ist. und das kim mit seinen drohungen nur von den schlechten bedingungen in seinem land ablenken will, ist sicher möglich. trotzdem nehme ich die sache nicht auf die leichte schulter. wie sie schon sagten, man weiß nicht was in so einem vorgeht

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Re: Re: Kim wird sich hüten ...

Ich wiederum sehe es noch anders. An was für Schnürln hängt die Puppe?

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Re: Re: Re: Kim wird sich hüten ...

Ist auch wahr. Kim wird von seinem Onkel sehr beeinflusst. Ich denke, dass Kim großteils von ihm gelenkt wird

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Kindergarten, Exkursion des sp landtagsklub noe

das ist ja wie im Kindergarten, die roten aus Niederösterreich sagen in Nord Korea ist alles ganz chilli, also warum dann die ganze Aufregung.

BP

Dagegen wird sicher "unser" Korea-Heinzi bei Obama protestieren.

Das fragliche Schiff ist die USS John S. McCain.

Das ist ein AEGIS Zerstörer der Arleigh Burke Klasse, der über ein Raketenabwehrsystem verfügt.

Wenn die USA ihre Zusagen für die Verteidigung Südkoreas halbwegs ernst nehmen, dann ist das nach den plumpen (und verzweifelten?) Drohungen Nordkoreas nur ein logischer Schritt.

Wie ein paar lächerliche Figuren hier im Forum daraus wieder alle möglichen Verschwörungstheorien konstruieren, ist einfach nur noch lachhaft.

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Re: Das fragliche Schiff ist die USS John S. McCain.

Ich bin zwar kein Befürworter der Verschwörungstheorien, jedoch:
Jeder, der den Film "Battleship" gesehen hat, weiss mit welchen Waffen die Zerstörer der Arleigh Burke Klasse ausgestattet sind und diese sind vor allem offensiver Natur.
Stichwort: Tomahawk-Marschflugkörper

Die Phalanx des Schiffes dienen vorwiegend dem Selbstschutz und können zum Beispiel keine 20km entfernte Atomrakete treffen.

Bitte informieren Sie sich besser.

Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Arleigh-Burke-Klasse#Bewaffnung

Re: Re: Das fragliche Schiff ist die USS John S. McCain.

Mit einem Gerät, dass nicht über Offensivwaffen verfügt, brauchen Sie erst gar nicht antreten!
Das gilt im Übrigen auch für die Verteidigung eines Binnenlandes: Wer nicht in der Lage ist, dem Gegner nach dessem Erstschlag offenisv entgegenzutreten, um ihn in seinem eigenen Land zu massakrieren, der braucht nicht mal ans Krieg führen denken.
Trotzdem, der Zerstörer dient wohl mehr der Drohgebärde. Wirklich zerstörerische Kräfte kommen massiv, geballt und aus der Luft...

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Sinnerfassendes Lesen ist wohl nicht das Ihre ...

Ihre Quelle sagt, warum das Schiff dort ist: " ... Als seegestützter Beitrag zum nationalen Raketen-Abwehrprogramm der USA ist unter anderem die Ausstattung einiger Schiffe mit SM-3-Raketen vorgesehen. ..." - dass diese Ausstattung schon vorhanden ist kann man als gegeben betrachten.

Und die Tomahawks sind auch ein nettes Asset um Kim Platt zu machen.

Re: Re: Das fragliche Schiff ist die USS John S. McCain.

Was wollen Sie damit sagen? Dieses widerliche Regime in Nordkorea tyrannisiert und terrorisiert die eigene Bevölkerung und versucht die Welt zu erpressen. Es ist ja wohl das gute Recht der USA und Südkoreas sich zu wehren und zu zeigen: Bis hierher und nicht weiter. Ich bin kein bedingungsloser Freund der USA aber in diesem Konflikt ist die Welt nur schwarz-weiß, nicht einmal ansatzweise grau.

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Re: Das fragliche Schiff ist die USS John S. McCain.

Und wo wurde das foto aufgenommen?
weist du das auch??

Re: Re: Das fragliche Schiff ist die USS John S. McCain.

Wenn ich richtig seh´, auf dem Meer....:-)

wo ist ja irrelevant, aber die Aussage stimmt wohl...

siehe http://de.wikipedia.org/wiki/USS_John_S._McCain_%28DDG-56%29

im Artikel ist allerdings nur von dem Zerstörer ... die Rede - keine genauere Angabe bzgl. des Raketenabwehrsystems

Wo bleibt die Friedensbewegung?

Hände weg, weiße Tauben, Ami go home! Schwäche schützt die Freiheit immer noch am Besten.

 
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