Der Jihad eines Wiener Salafisten

02.04.2013 | 18:29 |  HELMAR DUMBS (Die Presse)

Die Staatsanwaltschaft beantragte die Auslieferung von Mohamed Mahmoud aus der Türkei. Woraus speist sich die radikale Ideologie des Hasspredigers?

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Wien. Seinen Pass hat der Austro-Islamist Mohamed Mahmoud zwar videogerecht verbrannt – aber wenn es nach der Staatsanwaltschaft Wien geht, wird er ihn zur Einreise nach Österreich ohnehin nicht brauchen. Sie hat, wie am Dienstag bekannt wurde, bereits am Freitag einen Auslieferungsantrag an die Türkei gestellt.

Dort, in der Grenzprovinz Hatay, war er vor etwa zehn Tagen festgenommen worden, offenbar wollte er sich islamistischen Rebellen im syrischen Bürgerkrieg anschließen. Gesucht wird Mahmoud wegen „Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung“. Mitte März war ein Video aufgetaucht, in dem er unter anderem zu Anschlägen in Österreich aufgerufen hatte.

Bereits 2008 und – nach Aufhebung des Urteils – erneut 2009 war er wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Nach seiner Entlassung im September 2011 setzte er sich nach Deutschland ab – und hielt den dortigen Verfassungsschutz auf Trab, bevor er, um seiner Abschiebung zu entgehen, 2012 weiter nach Ägypten zog. Mahmoud war zwar nur bis Mai 2012 in Deutschland, machte sich in der salafistischen Szene dort aber rasch einen Namen.

 

Leben wie zu Zeiten Mohammeds

Salafisten sind streng fundamentalistische Muslime, deren Vorbild die Lebensweise der islamischen Gemeinschaft zur Zeit Mohammeds und in den ersten Generationen danach ist. Viele halten sich an einen Dresscode aus knöchellangem Kaftan, Käppchen und ungestutztem Bart.

Die Salafisten, laut den Behörden die „dynamischste islamistische Bewegung in Deutschland“, sind aber keine homogene Gruppe. Es gibt jene, die einfach ein gottgefälliges Leben, so wie sie es verstehen, führen und nichts mit Politik zu tun haben wollen. Auf der anderen Seite des Spektrums sind die Militanten, die den Jihad, den Heiligen Krieg, propagieren – und in letzter Konsequenz selbst an ihm teilnehmen, wie das offenbar auch Mahmoud vorhatte.

Die Grenzen zwischen Salafismus und Jihadismus sind fließend. Deutschlands Verfassungsschutzchef, Heinz Fromm, brachte den Zusammenhang so auf den Punkt: Nicht jeder Salafist werde zum Jihadisten, aber jeder „Heilige Krieger“ sei ideologisch in der salafistischen Szene geprägt worden.

Eine solche gibt es auch im hessischen Solingen. Dort dockte Mahmoud Ende 2011 an, entwickelte sich rasch zum Wortführer und trug zur Radikalisierung bei. Im Juni 2012 schlugen die Verfassungsschützer zu: Die Millatu-Ibrahim-Moschee, wo er predigte, war einer von 80 Orten in sieben Bundesländern, wo zeitgleich Razzien stattfanden. Sie wurde geschlossen, der Verein verboten.

Zu diesem Zeitpunkt war das Wort „Salafisten“ in Deutschland gerade in den allgemeinen Sprachgebrauch vorgedrungen, nach einer medienwirksamen Gratis-Verteilaktion zehntausender Koran-Ausgaben in deutscher Übersetzung: Die Kampagne, initiiert vom Verein „Die wahre Religion“ des Predigers Ibrahim Abu Nagie, trug den einfachen Titel „Lies!“. Sofort setzte in der deutschen Politik hektische Aktivität ein, wurde diskutiert, ob man derlei nicht verbieten könne. Plötzlich war das Wort Salafismus in aller Munde.

 

„Wir sind Frohnaturen“

Damals schon gut bekannt war den Deutschen Pierre Vogel. Der Konvertit und Exboxer ist der bekannteste Salafist des Landes. Er handelt in seinen unzähligen im Internet kursierenden Videos nicht nur religiöse Fragen ab, sondern bemüht sich, gerade im Umgang mit „Ungläubigen“, um eine positive Stimmung: „Wir sind gut drauf, wir sind kölsche Frohnaturen“, sagte er einer Interviewerin.

Um im nächsten Moment zu erklären, warum man Strafen wie das Abhacken der Hände von Dieben „hier in dieser Zeit“ nicht anwenden könne. Erfolg bei der Mission haben die Salafisten vor allem bei Jugendlichen der zweiten oder dritten Einwanderergeneration mit wenig Perspektiven, denen die Moschee-Vereine ihrer Eltern nichts bieten können, weil sie nicht die Sprache der Jugend sprechen. Ein Vakuum, in das Pierre Vogel und Konsorten vorstoßen.

Vogel, der übrigens regelmäßig bei Gesinnungsgenossen in Österreich zu Gast war und predigte, spricht sich öffentlich gegen islamistische Gewalt in Deutschland aus: Man wolle nur mit Überzeugungsarbeit missionieren. Es ist eine Grenze, die die meisten Salafisten einhalten: nicht zu Gewalt aufzurufen. Wird sie überschritten, fackeln die Behörden mittlerweile nicht mehr lange: Mitte März wurden nach Razzien in Nordrhein-Westfalen und Hessen mehrere Vereine verboten und vier Männer festgenommen, die offenbar einen Mordanschlag auf einen rechtsextremen Politiker geplant hatten.

Auf einen Blick

Mohamed Mahmoud (27) wurde 2008/2009 zu vier Jahren Haft wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung verurteilt. Vor Kurzem drohte er in einem Video mit Anschlägen in Österreich. Wenig später wurde er in der Türkei festgenommen. Die Staatsanwaltschaft fordert seine Auslieferung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2013)

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143 Kommentare
 
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Arm im Geiste...

seelig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist...

nein! dem ist nicht immer so !!!

wir waren ihn los ..

bis ein besondes dienstbesoffener seine auslieferung beantragt hat. in syrien haette er ein held sein duerfen; eigentlich schade um die maertyrerkarriere.

Der islamische Radikalismus

ist im Kern eine romantische Bewegung. Als Gegenentwurf zu einer komplexen und vielfältigen modernen Wert wird das Wüstenleben vor eineinhalb Jahrtausenden mitsamt seinen damaligen Werten als verlockend simple Lösung für alle Probleme angepriesen. Natürlich ist das für Modernitätsverlierer attraktiv. Noch dazu wo Gott seine Finger im Spiel hatte und in angeblich seinem Buch alles stehen soll, was es zur perfekten Gesellschaft braucht. Ist doch viel bequemer als der moderne Zweifel in der Zeit in der man Heraklit umdrehen und sagen kann "Alles ist leer von Göttern."

Der Schärdinger

Er wird sich schon auf die zwei Monate bedingt freuen! Dann wird er ein Buch schreiben und vom Heinzi belobigt werden!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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Re: Der Schärdinger

Die 'Heinzi Witze' sind langweilig !

Re: Der Schärdinger

der Schärdinger ist ein Troll

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Re: Der Schärdinger

Da er schon 4 Jahre gesessen ist, werden es bestimmt nicht 2 Monate bedingt werden.

türkischer Knast wäre besser ...

Im türkischen Knast versauern lassen, denn einösterreichische Gefängnis ist dazu eine Art Ferienlager.

Lasst ihn dort wo er ist.

Re: türkischer Knast wäre besser ...

Wozu diesen kriminellen Narren in Österreich durchfütteren? In der Türkei ist er sicher besser aufgehoben. Daher die Staatsbürgerschaft rasch aberkennen!!!

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Re: türkischer Knast wäre besser ...

Ich wäre auch Ihrer Meinung.

Leider holen wir aber diese Leute zurück und weisen normal aus.

Re: Re: türkischer Knast wäre besser ...

"Leider holen wir aber diese Leute zurück und weisen normal aus"
An Normalen hat die Asyl- und Sozialindustrie kein Interesse da an diesen nichts verdient werden kann. Daher schikaniert man die Normalen andauernd.

sorry, aber schwacher artikel

Ich hätte mir bei der Einleitung ein paar Hintergrundinformationen über den Herrn Passverbrenner erwartet. Lg

Was kommt da noch auf uns zu....

Sollte der jetzt wirklich nach Österreich ausgeliefert werden, hat er enormes Schwein gehabt- denn hier blüht ihm ein Prozesse, wo sicher wieder "er ist in der Kindheit schief am Topf gesessen und das hat ihn traumatisiert, den Armen" mit einer lächerlichen Haftstrafe durchkommt. Vielleicht dann noch, nach vorzeitiger Entlassung mit Handshake am FH Wien abgefertigt wird, von der soz. Regierung natürlich. Der Arme!

Abgesehen davon

dass Solingen nicht in Hessen sondern in Nordrhein-Westfalen liegt, ist der Artikel aufschlussreich und informativ. Doch eines vermisse ich, die Betonung auf die Gefahr, die von den Typen wie Mahmoud ausgeht. Die Gefahr einer starken Beeinflussung auf die jungen männlichen Muslime, die aufgrund mangelhafter Bildung keine Perspektiven haben und diesem Rettenfänger und seinen Glaubensgenossen folgen. Es ist hinlänglich bekannt, dass viele junge Muslime sich immer mehr religiös fanatisieren und dadurch mehr und mehr zu kriminellen Delikten neigen. Der deutsche Verfassungsschutz hat darüber berichtet. Dieser Typ hier ist einer von vielen und in der Masse sind sie dann brandgefährlich. Sie sind international gut vernetzt und genießen noch dazu den Schutz einiger radikaler Imame in islamischen Ländern, die sie "zum Sturz westlicher Demokratien" aufhetzen. Mahmoud wird man, wenn die Türkei korrekt handelt, verurteilen und ins Gefängnis stecken, doch viele radikale Salafisten werden weiterhin ihr gefährliches Unwesen treiben und durch die massive Beeinflussung junger Muslime eine Gefahr für die Demokratie bleiben.

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die jungen männlichen Muslime, die aufgrund mangelhafter Bildung keine Perspektiven haben

..............das sind doch unsere Pensionszahler........

"Leben wie zu Zeiten Mohammeds"

Hält er sich daran, dann ist er ohnehin eine Gefahr.

Als Karawanenführer einens Beduinenstammes, der als Angriffswaffe maximal einen Krummsäbel hat, stellt der für uns keine Gefahr da, zumal er sich dann sowieso in der arabischen Wüste aufhalten sollte.

Lange leben wird er auch nicht, da wir seit Mohammed enorme Fortschritte in der Medizin gemacht haben, und er sich diesen ebenso verweigern wird. Lebenserwartung: 40-50 Jahre.

Was soll denn die ganze Aufregung?

Der Typ ist doch am ehesten als Djihadisterln, oder Islamisterl zu definieren. Würde der wirklich in den Kampf ziehen, dann hätte er vermutlich beim ersten Schuss das Höschen voll, oder die wirklich harten Typen würden ihn als Kanonenfutter vorschicken.

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Der Djihad....

ist ein Verteidigungssystem gegen "Ungläubige" die muslimischen Boden betreten.
Terrorismus im Westen hat nichts mit der Pflicht zum Djihad zu tun. Das sind nur Spinner die ihre Religion als Rekrutierungswerkzeug benutzen. Denn den "heiligen" Kriegern können sie für ihre Anstrengungen nichts anbieten außer ein tolles Leben nach dem Tod.

Re: Der Djihad....

Aber wenn diese Leute jedes Stück Erde, das ein Muslim irgendwann in der Geschichte betreten hat, als muslimischen Boden betrachtet, haben's an Argumentationsnotstand....

das stimmt nicht...

...djihad ist der kampf mit sich selbst - gegen die dunkle seite der macht in jedem menschen.
alles andere ist ein gschichtl - wie die jungfrau maria. und zum grossen entsetzen aller fehlgeleiteten - ist das mit den 72 jungfrauen auch ein übersetzungsfehler....

Re: das stimmt nicht...

Stimmt nicht.
Es gibt den großen Djihad, das ist der den Sie meinen(gegen die eigene dunkle Seite) und den kleinen Djihad-das ist der, den Djihadisten gegen den Westen führen.

Re: das stimmt nicht...

Im Koran ist bei Djihad fast ausschließlich die Rede vom KAMPF mit der WAFFE.

Wie kann man mit einer Waffe möglichst effektiv gegen sich selbst kämpfen..?

Oder ist etwa der Djihad als Kampf gegen sich selbst ein Gschichterl?

Re: das stimmt nicht...

... wissen DIE das auch ??? Ich glaub' nicht, denn ansonsten wäre die Geschichte der Menschheit um einige grauenvolle Kapitel herumgekommen ...

nein. wissen sie leider nicht.

da stehen machtgeile verkommene alte männer vor...

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Re: das stimmt nicht...

'Heiliger krieg' ist auch eine irreführende Übersetzung. religiöser Eifer wäre treffender. Aber wohl zu wenig reißerisch .. sowohl für die Medien als auch für die Islamisten ..

mal ne Frage

Wie lang kann denn der maxi/minimal ausfassn?
Pardon sollte das wo gestanden sein

 
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