Geburtsstunde der französischen "Tea Party"

24.04.2013 | 18:15 |  VON RUDOLF BALMER (Die Presse)

Auch nach der Absegnung der Homo-Ehe durch das französische Parlament setzen Gegner ihre Proteste fort. Die Galionsfigur des Anti-Hollande-Sammelbeckens ist eine schrille Komikerin. Sie geht jetzt in die Politik.

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Paris. Die Abstimmung in Frankreichs Nationalversammlung war deutlich: Mit 331 zu 225 Stimmen wurde die „Homo-Ehe“ verabschiedet. Die bürgerliche Opposition hat sogleich eine Verfassungsbeschwerde eingereicht, deren Chancen aber eher gering eingeschätzt werden. Das Ende der Parlamentsdebatte wird die Gegner der Homo-Ehe nicht davon abhalten, ihren hartnäckigen Widerstand dagegen fortzusetzen, weil diese ihrer Meinung nach „unheilvolle Auswirkungen“ auf die Familie und kommende Generationen haben werde. Und auch sonst wird diese heftige Auseinandersetzung in der französischen Gesellschaft und Politik Spuren hinterlassen.

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Präsident François Hollande und seine Linksregierung haben womöglich in den beiden Parlamentskammern einen Pyrrhussieg erfochten, über den sie sich nicht so recht freuen mögen. Die Staatsführung ist durch die massive Ablehnung ihres Gesetzes auf der Straße derart unter Druck geraten, dass die regierende Linke sich nun in der Defensive befindet.

 

Gescheiterte Sängerin

Hollande dürfte es sich in den kommenden Monaten zweimal überlegen, bevor er mit einer gesellschaftspolitischen Reform erneut einen Konflikt riskiert, in dem er mit denselben konservativen Kräften konfrontiert sein dürfte: Das gilt für den besonders umstrittenen Zugang zu den medizinischen Technologien der künstlichen Befruchtung. Hollande hat diese Frage aus seinem Gesetz ausgeklammert und möchte dazu ein Gutachten des nationalen Ethik-Komitees. Problematischer erscheint im neuen Kontext nun aber auch die von den Rechten bekämpfte Einführung des lokalen Ausländerstimmrechts.

Mit der Durchsetzung seines Wahlversprechens Nummer 31, Homo-Ehe und Adoptionsrecht für Homosexuelle, wollte Hollande eigentlich auf einfache Weise einen politischen Erfolg erzielen und von dringenderen Problemen – Rezession und steigende Arbeitslosigkeit – ablenken, für die der Präsident bisher kein Rezept gefunden hat. Stattdessen hat das Gesetz „Heirat für alle“ am Ende alle Gegner der Regierungspolitik vereint.

Die Bewegung gegen die Homo-Ehe hat in den vergangenen Wochen immer mehr die Züge eines Sammelbeckens aller mit dem Regierungskurs Unzufriedenen angenommen. Politologen ziehen darum bereits einen Vergleich mit den Anfängen der „Tea Party“-Bewegung in den USA.

Die Galionsfigur der Homo-Ehe-Gegner in Frankreich, Frigide Barjot, glaubt an einen Fortbestand der Bewegung. Barjot ist eine studierte Politikwissenschaftlerin, die sich nach einer gescheiterten Karriere als Sängerin selbst als Humoristin bezeichnet. Sie hat es mit ihrem unkonventionellen Look einer frivolen Partygängerin verstanden, der Bewegung ein buntes Aussehen zu verleihen. Barjot wollte damit verhindern, dass wegen der Ablehnung der Homo-Ehe diese Demonstrationen gegen Hollandes Vorhaben als „homophob“ und generell reaktionär abgestempelt würden.

Unter dem Eindruck ihrer eigenen plötzlichen Berühmtheit hat Barjot nun angekündigt, sie wolle bei den Gemeindewahlen 2014 eigene Listen aufstellen. Angesichts der doch sehr heterogenen politischen Zusammensetzung der Front gegen die Homo-Ehe dürfte das sehr schwierig sein. Barjot möchte aber dafür sorgen, dass man auch noch in einigen Wochen von der Homo-Ehe spricht, wenn andere längst wieder zur Tagesordnung übergehen wollen.

 

Zusammenstöße mit der Polizei

Vor der Schlussabstimmung in der Volksvertretung protestierten die Gegner der Homo-Ehe jeden Abend mit Mahnwachen und Kundgebungen vor den Parlamentsgebäuden. Dabei kam es auch immer wieder zu Zusammenstößen mit der Polizei. Offensichtlich wurde da auch der Einfluss gewisser, sonst als marginal eingestufter rechtsradikaler Gruppen, die bewusst eine Eskalation des Konflikts anstreben.

Zwei Tage vor der Abstimmung hatten am Sonntag erneut fast hunderttausend Menschen in Paris friedlich demonstriert. Erstmals sah man dabei Spitzenvertreter der bürgerlichen UMP Seite an Seite mit Politikern des Front National FN hinter demselben Spruchband. Das wurde vom UMP-Parteichef Jean-François Copé als „Fehler“ bezeichnet. Einen Schulterschluss mit der UMP dementierte auch FN-Chefin Marine Le Pen.

Auf einen Blick

Frankreichs Parlament hat mit 331 zu 225 Stimmen ein Gesetz verabschiedet, das gleichgeschlechtlichen Paaren das Recht auf Ehe und die Adoption von Kindern zusichert. Die Gegner der Homoehe waren dagegen seit Monaten auf die Straße gegangen. Ihre Galionsfigur ist eine ehemalige Sängerin mit dem Künstlernamen
Frigide Barjot. Sie will jetzt bei
den Gemeindewahlen antreten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2013)

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75 Kommentare
 
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die us-teepartei

zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie ein problem mit demokratie hat: sie erkennt manche mehrheitsentscheidung nicht an und versucht, ihre minderheitsmeinung mit viel lärm und aktionismus durchzusetzen.

so nun offenbar in frankreich:
die homo-ehe war bestandteil der wahlversprechen von hollande. hollande erhielt die stimmen der mehrheit. nun setzt er sein wahlversprechen um (was für ein unerhörter vorgang!).
wer damit ein problem hat, hat auch mit der demokratie ein problem!

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Re: die us-teepartei

Der wirkliche Kampfplatz liegt doch ganz wo anders:

In Frankreich (und z.B. auch im doch links geprägten Schweden) ist das Bewußtsein von Familien, Kindern und Demografie derart, dass jede Art von Unterstützung sowohl bei Vereinbarkeit von Arbeit und Beruf als auch finanzieller Hilfe gegeben ist

In Ö gibt es seit mehr als zwanzig Jahren lediglich Gerede, die SPÖ hat alle Steuerbefreiungen abgeschafft, Familienbeihilfen eingefroren (zwischendurch ganz abgeschafft, nur VfGH hat geholfen) und nur leeres Gerede bezüglich Beruf und Familie abgesondert - Ergebnis: die ggw Demografiekurven

In Frankreich greift eben jetzt die Angst um sich, dass die Austerity zu Lasten der Familien gehen wird.

"Die Galionsfigur der Homo-Ehe-Gegner in Frankreich, Frigide Barjot,"

nomen est omen ?

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Re: "Die Galionsfigur der Homo-Ehe-Gegner in Frankreich, Frigide Barjot,"

"Marineminister"
nomen est omen für die Verteidigungsdebatte in Ö?

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ich bin FÜR

die Homo-Ehe: wenn sie nicht nur GLEICHE Rechte, sondern auch gleiche PFLICHTEN wie die Ehe hat.

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die angeblichen CHristen sind eine Katastrophe

Sehr christlich das Theater was die aufführen.....

Der liebe Gott, bewahre uns vor den Christen!!!!

Re: die angeblichen CHristen sind eine Katastrophe


„Gegen das Gesetz […] hatten die konservative Opposition und die katholische Kirche mobil gemacht“



Re: die angeblichen CHristen sind eine Katastrophe

immerhon sprengen sie keine leute in die luft, so wie manch andere...

Re: Re: die angeblichen CHristen sind eine Katastrophe


Die Demonstranten „attackierten die Polizisten […] Später warfen die Randalierer auch Gegenstände von einer Baustelle wie Pflastersteine und Eisenstangen.“

http://diepresse.com/images/uploads/1/f/7/1393143/A35039A9-0B32-4517-9F25-E95BE543A0B1_v0_h.jpg



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Re: Re: die angeblichen CHristen sind eine Katastrophe

Die rk sind für den Tod von hunderten Millionen Menschen verantwortlich!
Die sind auch jetzt noch dafür verantwortlich, das viele tausende sterben (Kondomverbot zum Schutz vor Aids)
Um Menschen zu töten braucht man nicht unbedingt Bomben!

Es gibt Leute aus der LGBT- Community, die sagen es geht ihnen um Freiheit, daher soll Kindern eine der beiden schönsten Beziehungsformen (Vaterbeziehung, Mutterbeziehung) die Kinder erleben können absichtlich vorenthalten werden,

damit sie selber die Freiheit haben die Eltern-Kind-Beziehung erleben zu dürfen.

Sie sagen es geht ihnen um "Nichtdiskriminierung" und wollen daher, dass zwar manche zur gemeinsamen Adoption freistehende Kinder eine Mutter und einen Vater bekommen, aber den anderen soll entweder die Mutter oder der Vater absichtlich vorenthalten werden = diese Kinder sollen vorsätzlich diskriminiert werden, damit sie selber nicht das Gefühl haben diskriminiert zu werden.

Sie sagen es geht ihnen um ihren Anspruch auf "Diversität" und alternative Lebensmodelle, daher sollen die Jüngsten auf Beziehungsvielfalt (Mutterbeziehung + Vaterbeziehung = Vielfalt bzw. Diversität) im Rahmen der Beziehungen zu ihren Eltern verzichten, damit sie selber ihre "Diversität" ausleben dürfen.

Vor lauter denken an sich selber, wird die Kindesperspektive übersehen. Meine Meinung dazu: Verwerflich und menschenverachtend ist das.

Und was die Ehe betrifft: Manche Leute aus der LGBT- Community scheuen keine Mühen, um herauszustreichen, dass ihre Familienmodelle anders sind, und sie nennen diese ausdrücklich "Regenbogenfamilien". Sie differenzieren also ausdrücklich auch sprachlich. Aber, obwohl ganz offensichtlich eine Lebensgemeinschaft von Mann + Frau nicht dasselbe ist wie eine Lebensgemeinschaft von zwei Personen gleichen Geschlechts, soll nicht differenziert werden. ??? Daraus soll sich einer einen Reim machen.

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Re: Es gibt Leute aus der LGBT- Community, die sagen es geht ihnen um Freiheit, daher soll Kindern eine der beiden schönsten Beziehungsformen (Vaterbeziehung, Mutterbeziehung) die Kinder erleben können absichtlich vorenthalten werden,

Es wäre besser, wenn ihnen jemand aus der LGBT-Community antworten würde, aber ich antworte mal als jemand, der mit einer Regenbogenfamilie befreundet ist:

Grundsätzlich kann man nur etwas vermissen, was man gekannt und verloren hat, d.h. wenn Kinder mit zwei Mamas (und als männliche Bezugspersonen Opa und Onkel) aufwachsen, vermissen sie keinen Papa, denn ihre Familienkonstellation war von Anfang an so und ist für die Kinder daher etwas ganz Normales.

Solange ihren ihr Umfeld nicht einredet, dass ihre Familie *schlechter* ist als eine Vater-Mutter-Kind-Familie, sondern einfach nur anders, haben sie nicht das Gefühl, dass ihnen etwas fehlen würde.

Auch sind zwei Mütter ja nicht völlig gleiche Menschen, d.h. Vielfalt und Diversität in der Beziehung zu ihren zwei unterschiedlichen Elternteilen ist für die Kinder durchaus gegeben.

Die Behauptung, homosexuelle Paare würden nur deshalb Kinder adoptieren wollen, um sich selbst nicht diskriminiert zu fühlen, finde ich besonders beleidigend. Homosexuelle Eltern haben dieselben Vater/Mutterinstinkte und -gefühle wie heterosexuelle Eltern, das hat mit sexueller Orientierung nichts zu tun. Die Gründe, eine Familie zu gründen und Kinder großziehen zu wollen, sind haargenau dieselben wie bei Mann + Frau.

Was das Wort "Regenbogenfamilie" angeht, bin ich nicht sicher, ob es wirklich von der LGBT-Community geprägt wurde oder nicht eher von den Medien, zumal Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern nur im Deutschen so genannt werden.

Re: Re: Es gibt Leute aus der LGBT- Community......

"Solange ihren ihr Umfeld nicht einredet, dass ihre Familie *schlechter* ist als eine Vater-Mutter-Kind-Familie, sondern einfach nur anders, haben sie nicht das Gefühl, dass ihnen etwas fehlen würde."
Eigenartiges Argument.
Das Argument entbindet Eltern (bzw. auch dem Staat bei Adoptivkindern) nicht von der Verwantwortung ihren Kindern das allerbeste und allerschönste zu bieten, unabhängig vom "Gefühl" der Kinder über ihr Leben oder Lebensituation.

Kinder haben ein starkes Vermögen ihren Eltern fast alles zu verzeihen. Sie akzeptieren das Leben das ihre Eltern ihnen bieten. Diesen Umstand sollte man aber, zumindest, wenn es um fundamentale Interessen des Kindes geht, nicht ausnutzen, und es heisst lange nicht, dass es richtig wäre Kindern beispielsweise die Vaterbeziehung absichtlich vorzuenthalten.

Robert Oscar Lopez wuchs ohne Vaterbeziehung, mit zwei "moms" auf. Er macht seine "moms" keine persönlichen Vorwürfe, und er sagt er liebt beide. Trotzdem hat er nach der Kindheit, als junger Erwachsener erkannt, dass diese Familienkonstellation ihn geschadet hat.

http://www.thepublicdiscourse.com/2012/08/6065/

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Re: Re: Re: Es gibt Leute aus der LGBT- Community......

Was das „Allerbeste“ und „Allerschönste“ für ein Kind ist, das sind sehr relative, persönliche Werte.

Jemand, der z.B. in einer Mehrgenerationen-Familie aufgewachsen ist und ein wunderbares Verhältnis zu seinen Großeltern hatte, wird der Überzeugung sein, das wäre das Allerbeste für ein Kind.
Ich selbst bin aber z.B. ohne Großeltern aufgewachsen, denn meine Großmütter leben beide nicht in Österreich und meine Großväter habe ich gar nicht gekannt, da sie beide vor bzw. knapp nach meiner Geburt gestorben sind. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, meine Großeltern würden mir fehlen und war in der Lage, ein normales, gesundes Verhältnis zu älteren Menschen zu entwickeln!

Würden Sie also auch meinen Eltern den Vorwurf machen, mir absichtlich und aus egoistischen Gründen die Großelternbeziehung enthalten zu haben?

Familien sind nun einmal nicht alle gleich, und es gibt kein Patentrezept für die „ideale“ Familie. Solange alle Familienmitglieder voneinander Liebe, Geborgenheit und Unterstützung erhalten, ist die Zusammensetzung meiner Meinung nach völlig gleichgültig.

Und Robert Oscar Lopez wird immer mit Zach Wahls zu kontern sein: www.youtube.com/watch?v=zOeGgvfcxcQ

(Lopez‘ Fall beweist für mich nur, dass homosexuelle Paare – ganz genauso wie heterosexuelle Paare – trotz der besten Absichten bei der Kindererziehung auch Fehler machen können. Jemanden deshalb verbieten zu wollen, Kinder großzuziehen, ist trotzdem inakzeptabel.)

Re: Re: Re: Re: Es gibt Leute aus der LGBT- Community......

"Und Robert Oscar Lopez wird immer mit Zach Wahls zu kontern sein" bzw. "Lopez‘ Fall beweist für mich nur, dass homosexuelle Paare – ganz genauso wie heterosexuelle Paare – .... auch Fehler machen können. Jemanden deshalb verbieten zu wollen, Kinder großzuziehen, ist trotzdem inakzeptabel".

Das ist nicht der Punkt. Natürlich können sowohl Heterosexuelle wie auch Homosexuelle erzieherische Fehler machen. Lopez geht es aber nicht darum, sondern, um die Beschreibung eines inhärenten, fundamentalen Problems der Familienkonstellation 2xMutter+Kind ohne Vaterfigur aus der Kindesperspektive. Das Problem existiert inhärent bei Mutter-Vater-Kind Familien nicht.
Kinder sind verschieden. Es ist denkbar, dass nicht wenige Kinder, die völlig vaterlos aufwachsen, damit gut zu Recht kommen und sich nicht benachteiligt fühlen. Aber es reicht schon, wenn ein kleiner Prozentsatz negativ betroffen sein könnte.
Staaten wären verpflichtet bei gemeinsamem Adoptionen Kindern ausschliesslich die beste und verlässlichste Unterbringungsform aus der Kindesperspektive zu bieten. Perspektive und Interessen der Erwachsenen sind nicht massgeblich. Art 21 KRK fordert dies eindeutig. Die Mutter-Vater-Kind Familie ist mMn die verlässlichste und beste Unterbringungsform aus der Kindesperspektive.

"Was das „Allerbeste“ und „Allerschönste“ für ein Kind ist, das sind sehr relative, persönliche Werte". Dass die Vater- und die Mutterbeziehung die beiden schönsten sind die Kinder erleben können, halte ich nicht für relativ, sondern für eine Tatsache. Das lässt sich logisch begründen. Man sollte Kindern die Möglichkeit geben diese beiden schönsten Beziehungsformen zu erleben. Da in Europa generell mehr als genug heterosexuelle adoptivwerbende Paare zur Verfügung stehen,

haben Staaten die Möglichkeit Adoptivkindern Mutter + Vater zu schenken. Jedenfalls sollte man mMn generell danach streben Kindern analoge fundamentale Rechte wie die, die wir Erwachsene für uns selber in Anspruch nehmen, zu ermöglichen, ausser, wenn erzieherische Gründe dagegen sprechen. Was würden sie sagen, wenn jemand bestimmen würde, dass die für Sie aller wichtigsten Menschen nur männlich sein dürfen? Ich nehme an Sie würden sich dagegen zur Wehr setzen. Nötigenfalls juristisch! (Von der EMRK, kann das Recht auf Interaktion mit beiden Geschlechtern abgeleitet werden). Experiment: Hören Sie sich 2 Wochen lang ausschliesslich Lieder mit männlichen Vokalisten an (auch keine weibliche Backgroundsängerinnen), ob mp3, TV, Radio, Internet, live etc. Auswahl gibt es genug. Ich bin überzeugt, dass Sie danach genug davon haben werden. Warum? Weil Menschen Abwechslung und Wahrnehmungsvielfalt brauchen. Sie werden sich nach schöne weibliche Singstimmen sehnen, weil sie einmalig sind und vom Vertreter des anderen Geschlechts hervorgehen. Das kleine Experiment zeigt, dass alleine schon die Entbehrung der weiblichen Akustik eine Deprivation zur Folge hat. Kleinkinder lieben es die unterschiedlichen geschlechtsspezifischen Merkmale ihrer Eltern zu erforschen und wahrzunehmen. Akustisch, visuell, taktil und olfaktorisch. Eine wichtigere Kategorie von Wahrnehmungsvielfalt für die Erlebniswelt von Klein(st)kindern gibt es nicht. Männlich / weiblich sind archetypisch.

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Re: "Was das „Allerbeste“ und „Allerschönste“ für ein Kind ist, das sind sehr relative, persönliche Werte". Dass die Vater- und die Mutterbeziehung die beiden schönsten sind die Kinder erleben können, halte ich nicht für relativ, sondern für eine Tatsache. Das lässt sich logisch begründen. Man sollte Kindern die Möglichkeit geben diese beiden schönsten Beziehungsformen zu erleben. Da in Europa generell mehr als genug heterosexuelle adoptivwerbende Paare zur Verfügung stehen,

(Fortsetzung)

Davon abgesehen ist wovon Sie ausgehen, nämlich dass sich Vater und Mutter hingebungsvoll um ihre Kinder kümmern und ihnen eine echte Bezugsperson sind, zwar schönes Ideal, jedoch leider bei Weitem nicht die Regel. Ich kenne genug Familien, wo sich vor allem die Väter kaum bis gar nicht um die Erziehung der Kinder scheren, und die einzige Bezugsperson die Mutter (manchmal die Großmutter) ist.

Ich frage Sie, was nützt so ein Elternteil, das zwar existiert, dem aber seine Kinder egal sind (weil es sie z.B. eigentlich gar nicht wollte, aber dem Partner nachgegeben hat, oder die Verhütung nicht funktioniert hat)?
Inwieweit ist das besser für ein Kind als zwei Mütter oder zwei Väter, die sich wirklich kümmern – weil sie sich das Kinderkriegen gründlich überlegt und sehr viel Mühen auf sich genommen haben, damit es wahr wird? Kinder homosexueller Eltern sind *immer* Wunschkinder, und das kann für ihre psychische und emotionale Entwicklung nur gut sein.

Darum sollte das Jugendamt bei der Vergabe von Adoptivkindern mMn immer von Fall zu Fall entscheiden und darf homosexuelle Paare nicht von vornherein kategorisch ablehnen, bloß weil es homosexuelle Paare sind.

Zitat:

"Ich frage Sie, was nützt so ein Elternteil, das zwar existiert, dem aber seine Kinder egal sind (...)?
Inwieweit ist das besser für ein Kind als zwei Mütter oder zwei Väter, die sich wirklich kümmern – weil sie sich das Kinderkriegen gründlich überlegt und sehr viel Mühen auf sich genommen haben, damit es wahr wird? Kinder homosexueller Eltern sind *immer* Wunschkinder, und das kann für ihre psychische und emotionale Entwicklung nur gut sein."

Ihr Argument ist nicht valide in Bezug auf das gemeinsame Adoptieren. Und das ist die kontroversielle Forderung um die es geht (abgesehen von der Ehe-Frage). Kinder heterosexueller Adoptiverwerber sind immer Wunschkinder. Eine Adoption wird nach langer Wartezeit, gründlicher Vorbereitung und strenger Prüfung durch die Behörden oder ein Gericht genehmigt. Ein "Elternteil, das zwar existiert, dem aber seine Kinder egal sind (weil es sie z.B. eigentlich gar nicht wollte, aber dem Partner nachgegeben hat, oder die Verhütung nicht funktioniert hat)" wird bei gemeinsamen Kindesadoptionen unter Aufsicht des Staates wohl nicht vorkommen!

Errata:

Kinder heterosexueller AdoptivELTERN...

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Re: "Was das „Allerbeste“ und „Allerschönste“ für ein Kind ist, das sind sehr relative, persönliche Werte". Dass die Vater- und die Mutterbeziehung die beiden schönsten sind die Kinder erleben können, halte ich nicht für relativ, sondern für eine Tatsache. Das lässt sich logisch begründen. Man sollte Kindern die Möglichkeit geben diese beiden schönsten Beziehungsformen zu erleben. Da in Europa generell mehr als genug heterosexuelle adoptivwerbende Paare zur Verfügung stehen,

Ihr haarsträubendes Denkbeispiel vom „ausschließlich männliche Vokalisten hören“ führt mich zu der Annahme, dass Sie zu jenen gehören, die unergründlicher Weise glauben, homosexuelle Menschen würden in einer Art gesellschaftlichem Vakuum leben, abgeschottet von allen Personen des anderen Geschlechts, und in diesem ausschließlich schwulen bzw. lesbischen Umfeld würden dann auch ihre Kinder aufwachsen? Hand auf’s Herz: kennen Sie überhaupt jemanden, der offen schwul oder lesbisch ist?

Falls Sie jetzt Lopez anführen: ja, in seinem Fall war es so, dass die Mütter abgeschottet und ohne Kontakt zu Verwandten gelebt haben, aber das waren die 70er Jahre, als es noch wenig Toleranz für Homosexualität gab. Am Beispiel von Zach Wahls, der 20 Jahre später in den viel offeneren 90ern und ohne, dass sich seine Familie verstecken musste, aufgewachsen ist, zeigt sich mMn, dass Lopez‘ Trauma weniger von seinen beiden Müttern herrührt sondern von der Tatsache, dass seine Familie gezwungen war, im Verborgenen zu leben und seine Mütter ihm daher keine männlichen Bezugspersonen bieten *konnten*.

Sie dürfen mir glauben, dass das heute nicht mehr so ist und sich die meisten homosexuellen Eltern sich vor der Geburt/Adoption wirklich gründlich Gedanken darüber machen, wie sie gewährleisten können, dass ihre Kindern auch Bezugspersonen des anderen Geschlechts in ihrem Leben haben – durch regelmäßigen Kontakt zu Großeltern, Onkel und Tanten, KindergärtnerInnen, LehrerInnen etc.

Ich wüsste nicht was an dem Denkbeispiel haarsträubend wäre. Es gilt für Heterosexuelle und Homosexuelle gleichermaßen. Es sollte ins Bewusstsein rufen, wie fundamental wichtig Verschiedengeschlechtlichkeit für alle Menschen ist. So eine Deprivation erleben wir als Erwachsene für gewöhnlich nicht. Es sind ja i.d.R. ausreichend Frauen und Männer, so dass wir immer die Freiheit haben weibliche und männliche Freunde, Kollegen, Schüler, Nachbaren, Verwandten usw. zu erleben.

Selbstverständlich glaube ich nicht, dass Homosexuelle in einen gesellschaftlichen Vakuum leben. Ich spreche hier nicht von Unterschieden zwischen heterosexuellen und homosexuellen *Einzelpersonen* sondern von dem Unterschied das auch aus der *Kindesperspektive* ergibt, wenn ein heterosexuelles *Paar* oder ein gleichgeschlechtliches *Paar* Kinder grosszieht. Man sollte Kinder nicht unterschätzen. Es ist gut, wenn sich homosexuelle Eltern Gedanken darüber machen, wie Kinder Bezugspersonen des anderen Geschlechts haben können. Denn natürlich gehört unter anderem zur Ausbildung der Identität auch ein Erleben mit beiden Geschlechtern. Aber Kinder spüren den unterschied zwischen echten primären Bezugspersonen und Ersatzpersonen. Einen eigenen Vater kann eine männliche Ersatzperson nicht ersetzen. Ein echter Vater (oder Adoptivvater) will mit seinem Kind gemeinsam leben, volle Verantwortung übernehmen, elterliche Rechte, verfügbar sein, dass eine dauerhafte, liebevolle Bindung besteht. Diese besondere Hingabe spürt ein jedes Kind, und sie begründet ein einmaliges Vertrauensverhältnis die Ersatzpersonen nicht bieten können. Es mag für manche Erwachsenen eine angenehme Lösung darstellen, aber es handelt sich immer um einen Kompromiss zu lasten der Kinder, wenn diese auf Ersatzpersonen als männliche bzw. väterliche oder weibliche bzw. mütterliche Bezugspersonen angewiesen sind. Manchmal verursacht das Schiksal eine solche Lebenssituation. Bei Adoptivkindern kann man sie vermeiden

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Re: Ich wüsste nicht was an dem Denkbeispiel haarsträubend wäre. Es gilt für Heterosexuelle und Homosexuelle gleichermaßen. Es sollte ins Bewusstsein rufen, wie fundamental wichtig Verschiedengeschlechtlichkeit für alle Menschen ist. So eine Deprivation erleben wir als Erwachsene für gewöhnlich nicht. Es sind ja i.d.R. ausreichend Frauen und Männer, so dass wir immer die Freiheit haben weibliche und männliche Freunde, Kollegen, Schüler, Nachbaren, Verwandten usw. zu erleben.

> “ Einen eigenen Vater kann eine männliche Ersatzperson nicht ersetzen. Diese besondere Hingabe spürt ein jedes Kind, und sie begründet ein einmaliges Vertrauensverhältnis die Ersatzpersonen nicht bieten können (…) Kinder spüren den Unterschied zwischen echten primären Bezugspersonen und Ersatzpersonen.“

Gibt es Studien, die das wirklich belegen, oder ist das ihr subjektiver Eindruck?

Ich denke eher, dass Sie hier Kinder unterschätzen bzw. ihre Fähigkeit, sich verschiedensten Familienkonstellationen anzupassen und darin gesund und normal zu entwickeln, solange ihnen ausreichend Liebe und Zuwendung und verschiedene Bezugspersonen geboten werden.

Auch bin ich dafür, dass wir diese Diskussion beenden, denn sie scheint nirgends hinzuführen. Da Sie meiner Frage ausgewichen sind, ob Sie überhaupt persönlich jemanden kennen, der schwul oder lesbisch ist, nehme ich an, dass Sie dies nicht tun. Folglich hatten Sie nie die Gelegenheit, sich ein vollständiges, eigenes Bild von homosexuellen Menschen und ihren Kindern und Familien zu machen, und können nur rein theoretisch über dieses Thema diskutieren, was meiner Meinung nach nicht sinnvoll ist.

Es wird jedenfalls spannend sein, zu sehen, wie sich die Situation in Frankreich bzw. der Welt in den nächsten Jahren entwickeln wird – dass die Adoption in Österreich so bald erlaubt wird, ist ja eher nicht anzunehmen, aber zumindest ist Aufnahme von Pflegekindern in Wien erlaubt (übrigens seit mehr als 15 Jahren).

Re Ich wüsste nicht was an dem Denkbeispiel haarsträubend wäre. Es gilt für Heterosexuelle und Homosexuelle gleichermaßen. Es sollte ins Bewusstsein rufen, wie fundamental wichtig Verschiedengeschlechtlichkeit für alle Menschen ist.......

>>>Es stellt eben einen Kompromis dar, wenn Kinder nicht die Freiheit haben, nach Belieben oder Bedürfnis, in vertrauter Umgebung (=Lebensgemeinschaft!), über eine weibliche oder männliche primäre Idenfikationsfigur zu verfügen, sondern auf Ersatzpersonen angewiesen sind, und es ist mMn auch ein Kompromis im Falle von Klein(st)kindern, wenn diese Verschiedengeschlechtlichkeit nicht direkt bei ihren Eltern erleben können. Denn Sie präferieren die Wahrnehmung der Eltern *bei weitem* gegenüber allen anderen Wahrnehmungen. Sie können von Ersatzpersonen bei weitem nicht so positiv geprägt werden wie von den Eltern. Tiefes Urvertrauen zu beiden Geschlechtern können Kleinkinder nur von heterosexuellen Eltern erleben. MMn ist das für Kleinkinder ein wunderschönes Erlebnis.

Errata

....von dem Unterschied das SICH aus der *Kindesperspektive* ergibt....

>>>Fortsetzung

Die Freiheit, nach Belieben oder Bedürfnis, in vertrauter Umgebung, über eine weibliche oder männliche primäre Idenfikationsfigur zu verfügen gehört zu den Aspekten eines Kindeslebens die Kindern das Gefühl geben ganze, selbstbestimmte, freie Menschen zu sein. Genauso wie Ihr Recht auf Interaktion mit beiden Geschlechtern Ihnen ein analoges Gefühl gibt. Beziehungsvielfalt ist lebensbereichernd. Klein(st)kindern profitieren besonders von verschiedengeschlechtlichen Eltern, denn bei diesen liegt der Fokus ihrer Aufmerksamkeit von Natur aus.

>>>Fortsetzung

>>>Fortsetzung. Die Freiheit, nach Belieben oder Bedürfnis, in vertauter Umgebung über eine männliche oder weibliche primäre Idenfikationsfigur zu verfügen gehört zu den Aspekten eines Kindeslebens die Kindern das Gefühl geben ganze, selbstbestimmte, freie Menschen zu sein. Genauso wie Ihr Recht auf Interaktion mit beiden Geschlechtern Ihnen ein analoges Gefühl gibt. Darüberhinaus ist Beziehungsvielfalt ist eine Quelle von Freude und Lebensinhalt. Klein(st)kindern profitieren besonders von verschiedengeschlechtlichen Eltern, denn bei diesen liegt der Fokus ihrer Aufmerksamkeit von Natur aus.

 
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