USA: Giftgas-Einsatz Syriens würde Spielregeln ändern

27.04.2013 | 09:30 |   (DiePresse.com)

Es gibt neue Hinweise auf einen möglichen Chemiewaffeneinsatz in Syrien. Präsident Obama gibt sich aber zurückhaltend und will diese prüfen lassen.

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Ungeachtet immer neuer Hinweise auf einen möglichen Chemiewaffeneinsatz in Syrien reagiert US-Präsident Barack Obama zurückhaltend. Obama forderte am Freitag eine genaue Prüfung, die nicht "einfach über Nacht" erfolgen könne. Auch der britische Premierminister David Cameron mahnte zu Besonnenheit. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon rief Damaskus auf, Chemiewaffenexperten der Vereinten Nationen ins Land zu lassen und ihnen "vollen und uneingeschränkten Zugang" zu gewähren.

Regierungssprecher Jay Carney betonte, dass für die USA im Konflikt mit Syrien "alle Optionen auf dem Tisch bleiben". Über mögliche Reaktionen der USA wolle er nicht spekulieren.

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"Das würde das Spiel ändern"

Falls sich die Hinweise auf einen Gifteinsatz bestätigen sollten, würde das die Lage und das Kalkül der US-Regierung verändern, bekräftigte Obama bei einem Gespräch mit dem jordanischen König Abdullah II. "Durch den Einsatz von Massenvernichtungswaffen gegen Zivilisten würde eine weitere Linie internationaler Normen und Gesetze überschritten. Das würde das Spiel verändern." Man habe zwar Hinweise auf einen Einsatz von Chemiewaffen. Doch man wisse nicht, "wann sie benutzt wurden und wie sie benutzt wurden", sagte Obama. Das Regime in Damaskus streitet alle Vorwürfe ab.

Einige US-Republikaner verlangten bereits ein Eingreifen der USA - etwa die Durchsetzung einer Flugverbotszone. Das syrische Regime wies die Anschuldigungen des Westens als falsch zurück und warf der bewaffneten Opposition im Land vor, sie habe sich Chemiewaffen aus der Türkei besorgt und setze diese ein. Beobachter in Washington meinten zu den Forderungen nach einer Intervention: Nach zwei Kriegen wolle Washington eine erneutes Militärabenteuer vermeiden.

"Geheimdiensteinschätzungen reichen nicht"

Die US-Regierung hatte am Donnerstag in einem Brief an den Kongress mitgeteilt, es könne mit "unterschiedlichen Graden der Sicherheit" gesagt werden, dass Gift "in einem kleinen Maßstab" zur Verwendung gekommen sei. Es handele sich dabei wahrscheinlich um das Nervengift Sarin. US-Außenminister John Kerry sprach konkret von zwei Fällen, ohne allerdings nähere Details zu nennen.

"Wir glauben, dass jeder Einsatz von Chemiewaffen in Syrien wahrscheinlich vom Assad-Regime ausging", heißt es in dem Brief aus dem Weißen Haus. Ein Regierungsbeamter betonte aber, zunächst müssten eindeutige Beweise dafür vorliegen. "Da die Situation sehr ernst ist, reichen Geheimdiensteinschätzungen allein nicht aus", sagte er.

Regime gibt Rebellen die Schuld

Syriens Regime wies alle Vorwürfe zurück und machte seinerseits die Aufständischen verantwortlich. "Die Rakete ist von einem Ort abgeschossen worden, der unter Kontrolle der Rebellen ist und nahe der Türkei liegt", sagte Informationsministers Omran al-Subi der Agentur Interfax zufolge in Moskau. "Es ist anzunehmen, dass die Waffe aus der Türkei geliefert wurde." Zudem seien auf Aufnahmen der Rakete türkische Inschriften zu sehen, behauptete Al-Subi.

Der Minister wies mit Nachdruck Vorwürfe zurück, das Regime habe Chemiewaffen eingesetzt. Die USA seien in dieser Frage "taub". Al-Subi schlug vor, dass russische Spezialisten den Chemiewaffeneinsatz untersuchen. Russland ist ein enger Partner des syrischen Machthabers Bashar al-Assad.

Wann ist "rote Linie" überschritten?

Obama hatte Assad mit weitreichenden Konsequenzen im Falle eines Chemiewaffeneinsatzes gedroht. Bereits vor Wochen hatte er vom Überschreiten einer "roten Linie" gesprochen. Doch Obama ließ völlig offen, an welcher Stelle genau diese rote Linie gezogen wird und welche Maßnahmen er tatsächlich ergreift.

Sobald ein definitiver Beweis für den Chemiewaffeneinsatz vorliegt, wollen die USA mit ihren Alliierten über Konsequenzen beraten. Kommentatoren verweisen allerdings auf den Irak: 2003 waren die USA nach Geheimdienstberichten über Massenvernichtungswaffen einmarschiert, die sich später als falsch erwiesen.

Russland und China legen sich quer

Als weiteres Hindernis für ein rasches Eingreifen in Syrien gilt das Kräfteverhältnis im UN-Sicherheitsrat. Bisher haben sich die Vetomächte Russland und China einer härteren Gangart gegen Damaskus stets widersetzt.

Cameron sagte am Freitag im BBC-Fernsehen, Großbritannien wolle keine Reaktionen übers Knie brechen. Einen Einmarsch von Soldaten in Syrien sieht Cameron skeptisch.

Briten glauben an Giftgaseinsatz

Großbritannien verfügt nach Angaben der britischen Regierung über "begrenzte, aber überzeugende Informationen", dass in Syrien Giftgas zum Einsatz gekommen ist. Ein britisches Labor hatte offenbar Bodenproben untersucht, die über die syrischen Grenze aus dem Land geschmuggelt worden waren.

Ein Team von UN-Waffenexperten steht seit Wochen bereit, um den Hinweisen auf einen Chemiewaffeneinsatz in Syrien nachzugehen. Die Delegation könne innerhalb von 48 Stunden mit dem Einsatz beginnen, heißt es bei der UN. Das Regime in Damaskus lehnt eine Zusammenarbeit ab.

(APA/dpa)

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55 Kommentare
 
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hinweise also!

ich glaube nicht ein wort den amis, die erfinden was, schauspielern, luegen und biegen alles so hin ( mit hilfe der medien) wies denen passt, . ich glaubs einfach nicht! ist schon wieder die macht und die gier

SADAM

Bei Sadam war es auch Giftgas und Massenvernichtungswaffen,und der englische Geheimdienst der dies zu Vorschein brachte :D bekommen alle den Hals nicht voll :D

.

an dem tag, an dem es assad nicht mehr gibt und diese rebellen gewinnen, an dem tag werden sich 2 mio syrische christen auf die flucht vorbereiten muessen

Laut Thierry Meyssan, einem in Syrien lebenden Schriftsteller und Journalisten, könnte der Krieg in Syrien in einem Monat zu Ende sein!

Syriens Regierung wehrt sich aktiv gegen den Zustrom ausländ. "Wahabs". Im Laufe von 2 Jahren haben sie es geschaft, ihre Zahl auf Syriens Territorium auf 200.000 – 250.000 Personen zu bringen.
Etwa 25% der syrischen Armee ist bei der "Antiterror"-Operation eingesetzt. Rund 75% bewachen die Grenze/n; versuchen diese gegen weitere Eindringliche zu verteidigen.
Laut Thierry Meyssan:
„ Würde der Zustrom ausländ. Agitatoren (Islamisten etc) und Waffenlieferungen durch den Westen nach Syrien gestoppt , so wäre der Krieg in einem Monat zu Ende! „
Quelle:
http://german.ruvr.ru/2013_03_29/Syrien-wehrt-sich-gegen-die-westliche-Invasion/

Bis zu 600 europ. Islamisten sind seit März 2011 inSyrien eingesickert, um salafistische Rebellenorganisationen im Kampf gegen das Assad-Regime zu unterstützen.
Mehr als die Hälfte der „Dschihad-Touristen“ kommt aus Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden. Auch Freiwillige aus Belgien, Bulgarien, Dänemark, dem Kosovo, Spanien und Deutschland sollen nach Erkenntnissen des ICSR nach Syrien gegangen sein.

Ein großer Teil der europ. Islamisten in Syrien ist offenbar erst vor kurzem zum Islam konvertiert. Gegenwärtig kämpfen in Syrien um die 6000 Ausländer.
http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/aussenpolitik/Boomender-Dschihad-Tourismus-in-Syrien;art391,1096818

Will MAN mit getürkten Meldungen
( ähnl. wie szt. im Irak) Gründe zum Eingreifen schaffen?



.





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Re: Laut Thierry Meyssan, einem in Syrien lebenden Schriftsteller und Journalisten, könnte der Krieg in Syrien in einem Monat zu Ende sein!

Typisch für einen Wörterspieler :-(

Dass der Krieg in Europa weitergehen wird, ist ihm egal.

USA: Giftgas-Einsatz Syriens würde Spielregeln ändern?.....

....ich habe gar nicht gewusst, dass das für Amerika ein Spiel ist!

MSM in der heutigen Form haben nicht mehr die Aufgabe Nachrichten zu verbreiten

man muß sich leider von dieser Vorstellung verabschieden

News zu senden ist nicht die oberste Priorität,
oberste Priorität ist die Propaganda

und in ihrer widerlichsten Form, die Kriegshetze


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irgendwie

scheinen Österreicher ein besonderes Naheverhältnis zu Diktatoren aller Art zu haben - wenn die Postings hier sowas wie ein Maßstab sind.

Da wird Saddam und Gaddaffi nachgetrauert, Assad bewundert, Putin frenetisch gefeiert und zeitgleich so ziemlich alle westlichen Demokratien verteufelt.

Aber was solls, ein Volk, das Schicklgruber hervorgebracht tickt vermutlich so.

Re: irgendwie

Hier im Forum ist man anscheinend totalitären Regimen gegenüber aufgeschlossen. Die Postings hier sind aber kein Maßstab für die Denkweise der Österreicher in ihrer Allgemeinheit. In den Foren anderer Zeitungen befürwortet man wiederum eher Demokratie und Menschenrechte. Es gibt also eine Meinungsvielfalt, nur zeigt sie sich in den Foren kaum. Ich würde allerdings vermuten, dass es den meisten hier im Land piepegal ist was in Syrien passiert und wer dort "gewinnt". Ob die USA eingreifen hat überwiegend bestimmt nicht mehr als einen gewissen Unterhaltungswert, wenn überhaupt.

Schon wieder so ein überhebliches, hochnäsiges und undifferenziertes Geschreibsel von ihnen.

Wie Ihnen weiter unten schonmal jemand bestätigt hat. Sie sind ein Kriegshetzer!

Re: irgendwie

ich nenne, das eher den versuch einer objektiven betrachtung, sofern dies durch die medien möglich ist und kein nachtrauern von diktatoren^^ es leben die schwarz-weiß-denker:)

11 0

Re: <<Aber was solls, ein Volk, das Schicklgruber hervorgebracht tickt vermutlich so>>


Komisch, trotzdem hat er dann bei uns kein Leiberl g'rissen?

1 14

Re: Re: <<Aber was solls, ein Volk, das Schicklgruber hervorgebracht tickt vermutlich so>>

so würd ich das nicht sehen. Als er Gröfaz wurde kannte die Begeisterung in Ö keine Grenzen mehr...

Re: irgendwie

Ein paar Österreicher
zumindest dürften gelernt haben
und
fallen auf Kriegspropaganda nicht mehr rein .

ABGEKARTETES SPIEL

EU, Russland und USA unterstützen das Sadat Regime. Die Alternative zu Sadat heisst Islamismus. Das Kalkül ist also: Sadat an der Macht halten und damit Islamismus bekämpfen ohne sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Die sterbende syrische Nation? Ist wohl in dem abgekarteten Spiel der Grossmächte ein Bauernopfer.

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Re: ABGEKARTETES SPIEL

Sadat wurde bereits 1981 ermordet. Der braucht keine Unterstützung mehr.

die Amis haben derzeit wenig Kohle

deshalb wurde noch nichts "gefunden"

21 2

Das gleiche Muster

Die USA wollen mit aller Gewalt einen souveränen Staat mit Bombenteppichen überziehen und dafür wird ein Vorwand gesucht. Im Irak wurden Hunderttausende aufgrund von Lügen ermordet, in Syrien versucht man nun nach dem gleichen Muster vorzugehen.

Ob man Assad glaubt oder nicht, sei dahingestellt......
aber wer, um Himmel Willen, glaubt den Amerikanern überhaupt noch Irgendetwas.

Auf Putin und die Chinesen ist halt doch Verlass

Und selbst wenn es in Syrien mal nach der Diktatur freie und demokratische Wahlen geben sollte, so kann sich die niemand ernsthaft wünschen. Da kommen ja sicher wie in Ägypten nur wieder irgendwelche Moslems an die Macht, oder? /s

14 2

widerlich

du darfst doch jeden tag menschen toeten - kinder, frauen, alte, junge, und du darf auch alles moegliche dabei einsetzen, aber doch nicht chemie waffen mensch assad. denn chemische waffen sind tödlich..und da muessen wir einschreiten...WTF.

11 0

zu viele Konjunktive

und Unschärfen.

24 0

I. "muss Gefahren erfinden"


Im Tagebuch des damaligen israelischen Premierministers Moshe Sharett (israelischer Außenminister von 1948 bis 1956) gibt es einen Ausschnitt vom Mai 1955 indem er Moshe Dayan folgendermaßen zitiert: "[Israel] muss das Schwert als das hauptsächliche, wenn nicht einzige Instrument sehen, um seine Moral und um seine moralische Spannung hochzuhalten. Um dieses Ziel zu erreichen sollte es - nein es muß - Gefahren erfinden, und dafür Methoden der Provokation und Revanche anwenden.... Und vor allem - laßt uns auf einen neuen Krieg mit den arabischen Staaten hoffen, sodaß wir endlich unsere Probleme loswerden und unseren Raum erwerben".
Quelle: Livia Rokach, Israel’s Sacred Terrorism

15 0

Das ist ein starkes Stück !

Da haben die ihre Doktrin seit 1955 kaum verändert ...

Re: I. "muss Gefahren erfinden"

Und was hat das mit diesem Thema zu tun?

9 0

Re: Re: I. "muss Gefahren erfinden"

Bitte noch einmal gaaanz angestrengt nachdenken, vielleicht kommen Sie noch dahinter ...

Und ich sage ihnen, man kann 1000e von Beweisen aufhäufen.

Es gibt einfach Leute wie Helmut71 weiter unten, die nicht an Ihrem Weltbild rütteln lassen.

 
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