Frankreich will "Rasse" aus Gesetzen streichen

17.05.2013 | 08:18 |   (DiePresse.com)

Das Rassenkonzept sei irrsinnig und Grundlage schlimmer Ideologien gewesen, kommentierte der zuständige Berichterstatter Alfred Marie-Jeanne.

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Das Wort "Rasse" soll aus allen französischen Gesetzen verschwinden. In einem ersten Schritt nahm die Nationalversammlung am Donnerstagabend einen von Linkspolitikern eingebrachten Vorschlag zum Thema an. Er sieht vor, den Begriff unter anderem aus dem Strafgesetzbuch und dem Arbeitsrecht zu streichen.

Das Rassenkonzept sei irrsinnig und Grundlage schlimmer Ideologien gewesen, kommentierte der zuständige Berichterstatter Alfred Marie-Jeanne. Um die strafrechtliche Verfolgung von Diskriminierung weiter uneingeschränkt zu ermöglichen, soll ausdrücklich festgeschrieben werden, dass der Staat Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit bekämpft. Der Gesetzentwurf geht nun in die zweite Parlamentskammer, den Senat.

Frankreichs Präsident Francois Hollande hatte im Wahlkampf versprochen, dass Wort "Rasse" auch aus der Verfassung entfernen zu lassen. Dieses Vorhaben ist nach Angaben des Elyseepalastes allerdings zeitaufwendiger als zunächst gedacht. In Artikel 1 der Verfassung heißt es bisher: "Frankreich (...) gewährleistet die Gleichheit aller vor dem Gesetz, ohne Unterscheidung von Herkunft, Rasse oder Religion."

Anti-Rassismus-Gruppen sind skeptisch

Anti-Rassismus-Gruppen äußerten sich am Freitag skeptisch zu dem Gesetzestext. "Das Symbol eines Textes ersetzt nicht die Maßnahmen der Politik, deren Zurückhaltung oder sogar Abwesenheit wir bedauern", erklärte SOS Racisme. Die Bewegung gegen den Rassismus und für die Freundschaft zwischen den Völkern erklärte, die Streichung des Wortes "Rasse" bedeute noch lange kein Ende des Rassismus. Der Kampf gegen den Rassismus verlange "tägliche Wachsamkeit" und "Rechtsgleichheit für alle". Der Gründer von SOS Racisme, Harlem Désir, ist gegenwärtig Vorsitzender der französischen Sozialisten.

(APA/dpa)

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59 Kommentare
 
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In der Politik ist es wie im täglichen Leben: Man kann eine Krankheit nicht dadurch heilen, dass man das Fieberthermometer versteckt. (Yves Montand)


Die sollten lieber das Wort Schulden aus allen Texten streichen.

Die Franzmänner sind nämlich pleite....aber Hauptsache Multikulti....

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Wenn schon denn schon

Vorsichtshalber sollten auch die Farbbezeichnungen weiß, schwarz, braun, gelb und rot verboten werden. Evtl. auch grün, falls es mal Zuzug von Marsmännchen geben sollte.

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Okay, dann streichen die das Wort halt,

aber irgendeine Ersatzdefinition müssen sie ja doch anbieten.

Irgendeine Definition muss es ja geben dafür, dass es verschiedene Typen von Menschen gibt, oder verbietet man dann auch bei Hunden, von Rassenunterschieden zu sprechen??

Dackel und Schäferhund gibt's nicht mehr, das wär rassistisch, neue Bezeichnung ist daher nur mehr Hund, oder wie???

Richtig ist sicherlich, keinen Unterschied zu machen aufgrund der "Rasse", sie aber zu ignorieren finde ich dann doch ein bisschen eigenartig, eine typisch linke Idee eben!

Ähm, der Artikel birgt gewisse Komik.

Man will Diskrminierung aufgrund der Rasse bekämpfen und deswegen bei Satz:
"Frankreich (...) gewährleistet die Gleichheit aller vor dem Gesetz, ohne Unterscheidung von Herkunft, Rasse oder Religion."
die Rasse heraussreichen?

Lol wat?

Naja so sinds unsere Linken.

Wissenschaftlicher Standpunkt übrigens:
Rassen sind ein veraltetes Konzept und nicht brauchbar weil Menschen einer Rasse sich genetisch so stark unterscheiden können, dass das die Einteilung sinnlos macht.
Oder anders gesagt:
Zwei Eskimos können unterschiedlicher als ein Eskimo und ein Japaner.
Wozu dann noch einteilen...

Re: Ähm, der Artikel birgt gewisse Komik.

Das heißt nicht eskimo, das heißt innuit ;)

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Innuit

Bitte: wie dekliniert man das korrekt (damit wir das auch richtig verwenden können)?

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Re: Ähm, der Artikel birgt gewisse Komik.

ist aber auch komisch, denn ein Eskimo kann gleich groß oder klein uns so weiter sein wie ein Japaner, wird aber immer als Eskimo erkennbar sein.
Ein verfahrener Karren, und alle, die daran herumzerren, führen ihn weiter in den Dreck.
Abgesehen davon: muss ein Eskimo, der bei uns lebt von dem Japanaer, der auch bei uns lebt, geliebt werden (getreu orwells liebesministerium) oder genügt Respekt und Anerkennung?
Man kan diese Frage natürlich in aller Konsequenz für alle möglichen Varianten durchspielen.
Natürlich müßte man die Geschichtsschreibung, die Genese der Menschheit usw. auch überdenken.
Es wird dann einfach kompliziert und den Alexander, der den Knoten zerschlägt, wird wegen politischer Unkorrektheit nicht zugelassen.

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Re: Ähm, der Artikel birgt gewisse Komik.

Wenn zwei Eskimos unterschiedlicher sein können als ein Eskimo und ein Japaner, dann misst man wohl die falschen Parameter!

Re: Re: Ähm, der Artikel birgt gewisse Komik.


Nein, das ist wirklich so.

Zitat:
"
In der Biologie wird die Art Homo sapiens heute weder in Rassen noch in Unterarten unterteilt. Molekularbiologische und populationsgenetische Forschungen seit den 1970er Jahren haben gezeigt, dass eine systematische Unterteilung der Menschen in Unterarten ihrer enormen Vielfalt und den fließenden Übergängen zwischen geographischen Populationen nicht gerecht wird. Zudem wurde herausgefunden, dass der größte Teil genetischer Unterschiede beim Menschen innerhalb einer geographischen Population zu finden ist. Die Einteilung des Menschen in biologische Rassen entspricht damit nicht mehr dem Stand der Wissenschaft.
"

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Wer zitiert, beweist noch gar nichts,...

...hat mir ein kluger Lehrer einmal gesagt. Der zitierte Text kann auch inhaltlich einfach falsch sein.

Jeder kennt die Unterschiede: Ein Eskimo wird in der Kalahari nicht lange überleben - und umgekehrt.
Und Asiaten werden mit unserer Milch nicht froh...
Kleine Unterschiede können große Auswirkungen haben. Und wenn man die Unterschiede zwischen Populationen nur über molekularbiologische Parameter definiert, ohne deren Auswirkungen zu berücksichtigen, dann misst man eben falsche, nicht aussagekräftige Parameter.

Jetzt muß nur noch einmal ein Koreaner den Marathon gewinnen.


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Frankreich ist das erste europäische Land...

...welches vom Islam übernommen wird. Wahrscheinlich wird dieser Begriff deshalb aus dem Gesetz gestrichen, damit in einigen Jahren autochthone Franzosen nicht diskriminiert werden können.

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Wunschdenken der französischen Linken

Wenn die wirklich glauben, Integrations- und Migrationsprobleme würden durch das streichen eines Wortes auch nur ansatzweise zu lösen sein, kann man diesen Leuten wirklich nicht mehr helfen!

Wie wäre es denn, das Problem einfach ganz offen anzusprechen und über richtige Lösungen nach zu denken?

In Russland kann man das anscheinend. Solche Artikel (Link unten) wären bei uns auch mal wünschenswert!
Auch Frankreich und Deutschland kommen darin vor!

http://de.rian.ru/zeitungen/20130517/266136264.html

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Re: Wunschdenken der französischen Linken

ja, die denken nach, oder besser vor!

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Re: Re: Wunschdenken der französischen Linken

Da gebe ich Ihnen absolut Recht!
Der größte Fehler unserer Politiker ist ihre Kurzsichtigkeit!

Ich bin auch vehement dagegen, ...

... davon zu faseln, dass Deutsche Schäferhunde intelligenter seien als Zwergpinscher. Diese empörende Aussage habe ich von einem Hundetrainer selbst gehört.
Wie wir wissen, gibt es keine Unterschiede, alle Hunde sind gleich.

Re: Ich bin auch vehement dagegen, ...

Was wollen Sie mit dem Posting aussagen?

Bei Hunden macht die Einteilung in Rassen Sinn, weil die Rassen genetisch stark unterschiedlich sind.

Bei Menschen weisen die "Rassen" kaum genetische Unterschiede auf, also macht eine Einteilung keinen Sinn.

Nein.

Was bitte ist an Hunden "genetisch stark unterschiedlich"? Entscheidend für das breite Spektrum von Körperbau, Farben und Größe der Hunde sind Veränderungen in nur wenigen Teilen des Erbguts. Den Größenunterschied zwischen einem Dackel und einem Rottweiler etwa regelt die Abfolge, die Sequenz der Bausteine in einem einzigen Gen.

Es sind nur rund 50 molekulare Schalter auf wenigen Genen, die Körpergröße, Felllänge, Felltyp, Nasenform, Stellung der Ohren, Fellfarbe und andere Merkmale eines Hundes bestimmen. Der Unterschied zwischen hängenden und aufrecht stehenden Ohren geht auf eine einzige genetische Region auf dem Hundechromosom 10 (CFA10) zurück.

Wenn Ihre Argumente irgendwie stichhaltig wären, dürfte es auch keine Rinder-, Katzen-, Pferde- oder Hühnerrassen geben; die Genome dieser Tiere lassen keine so großen Unterschiede wie zwischen den Hunden zu.


Was sagt der französische Verband der Kynologen?

Wüff?

"Rasse"

Frankreichs Präsident Francois Hollande sich weniger um "Rasse" als um seine "Kasse" kümmern.

Bitte auch den vorbelasteten Begriff "Blutgruppe" streichen.

Wir sind ja alle gleich. Wir haben alle das gleiche Blut.

Ausgezeichnet

Wenn es den Begriff Rasse im juristischen Sinn nicht mehr gibt, ist auch eine Rassendiskriminierung im rechtlichen Sinn nicht mehr möglich. Scheint ein Bombeneigentor zu werden.

Linke Träumer

Gutmenschgeplänkel!

"Frankreich (...) gewährleistet die Gleichheit aller vor dem Gesetz, ohne Unterscheidung von Herkunft, Rasse oder Religion."

Einfach ändern durch:
"Frankreich (...) gewährleistet die Gleichheit aller vor dem Gesetz, ohne Unterscheidung."

Das funktioniert auch mit Krankheiten

Wenn man den Namen einer Krankheit nicht sagt, verschwindet sie ganz von selbst.

 
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