04.02.2012 11:11 | Meine Presse Merkliste0

Polen: Abtreibung weiterhin erlaubt

13.04.2007 | 20:07 |   (DiePresse.com)

Fünf Anträge auf eine Verfassungsänderung zum "Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis an" verfehlten im polnischen Parlament die Zwei-Drittel-Mehrheit.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

In Polen ist am Freitag der Versuch gescheitert, durch eine Änderung der Verfassung die Möglichkeit von Schwangerschaftsabbrüchen weiter einzuschränken. Keiner von insgesamt fünf Anträgen, die den Schutz menschlichen Lebens von der Empfängnis an in der Verfassung festschreiben sollten, erhielt bei der Abstimmung im polnischen Parlament die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit. Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski sprach anschließend von einem "traurigen" Tag im Parlament und "hässlichem politischen Spiel".

Parlamentspräsident will zurücktreten 

Parlamentspräsident Marek Jurek kündigte nach der gescheiterten Verfassungsänderung an, er wolle auf der nächsten Plenarsitzung zurücktreten. Er ziehe damit die persönliche Konsequenz, sagte er vor Journalisten. Jurek selbst hatte sich für eine Verankerung des Schutzes menschlichen Lebens in die Verfassung eingesetzt und empfand den Abstimmungsausgang auch als persönliche Niederlage.

Kaczynski hatte sich unmittelbar vor dem letzten Antrag an die Abgeordneten gewandt und an alle appelliert, "denen am Schutz des Lebens liegt", doch noch für den letzten Antrag zu stimmen. "Es besteht eine Chance, die Verfassung zu ändern", sagte er angesichts der hohen Zahl von Enthaltungen bei zwei Anträgen der national-klerikale Liga Polnischer Familien (LPR) und zwei Anträgen zu einem Vorschlag von Staatspräsident Lech Kaczynski. Der LPR-Vorsitzende und stellvertretende Ministerpräsident Roman Giertych nannte das Abstimmungsergebnis eine "empfindliche Niederlage".

Die LPR wollte den "Schutz menschlichen Lebens von der Empfängnis an" in der Verfassung verankern. In der Praxis wäre dies auf ein vollständiges Verbot der Abtreibung hinausgelaufen. Der Vorschlag von Staatspräsident Kaczynski hätte eine Liberalisierung des Abtreibungsrechts ausgeschlossen und ebenfalls den Schutz menschlichen Lebens in der Verfassung festgeschrieben.

Bereits restriktivstes Abtreibungsrecht Europas

Für den letzten Antrag, den ein Parlamentsausschuss ausgearbeitet hatte, stimmten 269 Abgeordnete bei 121 Gegenstimmen und 53 Enthaltungen. Diesem Antrag zufolge wäre die Verfassung durch den Zusatz ergänzt worden, dass der Mensch "Würde vom Moment der Empfängnis an verdient".

Das polnische Abtreibungsrecht gehört zu den restriktivsten in Europa. Ein Schwangerschaftsabbruch ist nur nach einer Vergewaltigung, bei Gefahr für das Leben der Mutter oder bei einer schweren Schädigung des Fötus erlaubt.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

2 Kommentare
0 0

Endlich ein positives Signal ...

... aus Polen, wenngleich die politische Führung darüber enttäuscht ist. Gerade deshalb müsste in einer europäischen Verfassung das Prinzip des Laiizismus festgeschreiben werden, aber auch in vielen anderen Ländern, etwa in Österreich, der Einfluß der Kirchen zurückgedrängt werden. Die Kündigung des Konkordats ist überfällig!

Antworten Gast: W.A.
18.04.2007 09:26
0 0

Positives Signal?

Was ist denn daran positiv, wenn Menschen von anderen Menschen umgebracht werden dürfen? Noch dazu, wo im Fall von Abtreibung (was nichts anderes als Kindesmord ist) immer absolut unschuldige Menschen vorsätzlich getötet werden. Ich verstehe nicht, wie man sich für ein "Recht" auf Tötung unschuldiger Menschen einsetzen kann. Und man komme mir jetzt nicht mit Vergewaltigungsopfern oder schwer geschädigten Embryos. Weit über 90% der in den Abtreibungsbetrieben vergifteten, zerstückelten, abgesaugten, weggeschmissenen Babies sind bis zu ihrer Hinrichtung ganz gesunde Kinder, denen nichts fehlt - außer vielleicht eine liebe Mutter, ein lieber Vater. Es gibt viele Ehepaare, die sich sehnlichst ein Kind wünschen, aber aus irgendwelchen Gründen keines bekommen können. Jahrelang warten solche Paare auf ein Adoptivkind, während gleichzeitig tausende Babies "legal" ermordet werden! Die Todesstrafe für Unschuldige ist ein Skandal, der besser heute als morgen abgestellt gehört!