WILDBAD KREUTH. „Wenn China einmal ernsthaft mit Gefahren für seine Energiesicherheit konfrontiert sein sollte, wird es nicht zögern, alle seine wirtschaftlichen, politischen und militärischen Ressourcen zu mobilisieren, um die Energieversorgung sicherzustellen“, schrieben zwei Experten im vergangenen Jahr in der „Far Eastern Economic Review“. Natürlich, fügten sie beschwichtigend hinzu, wären chinesische Gegenmaßnahmen aber nur der allerletzte Schritt, den Peking gehen würde.
Die Frage wird zuletzt immer öfter gestellt: Wird es im 21. Jahrhundert zum Krieg um Ressourcen kommen? Vor allem mit China, dessen Energiehunger von Jahr zu Jahr größer wird? Auch bei einer Fachtagung der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung in Wildbad Kreuth über europäische-chinesische Sicherheitskooperation nahm die Energiefrage breiten Raum ein.
Chinas Wunschwelt
Professor Ren Xiao von der Fudan Universität in Schanghai hält es für unwahrscheinlich, dass es zu einem Krieg der großen Mächte kommen wird. Militärisch, technisch, wissenschaftlich würden die USA die dominierende Weltmacht bleiben, wenn sie nach dem Irak-Fiasko auch angeschlagen seien. Und China?
Professor Rens Beschreibung der von Peking gewünschten Weltordnung fiel eher vage aus: Die künftige Welt solle „gerechter und vernünftiger“ sein als die heutige; in ihr solle es keine Druckausübung durch die stärkeren auf die schwächeren Länder geben; die zwischenstaatlichen Beziehungen sollten „harmonisch“ sein.
Genau solche, von chinesischer Seite so geliebten Formeln bringen Experten wie Frank Umbach von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik auf die Palme: „Der chinesische Ansatz, globale Sicherheitsfragen zu diskutieren, führt in den USA und in Europa regelmäßig zu Frustrationen. Die wahren Herausforderungen, die sich uns stellen, drehen sich doch um die Gewährleistung der Rohstoffversorgung sowie um die gemeinsame Verantwortung für eine funktionierende Weltordnung. Da geht es um konkrete Fragen wie den Umgang mit Regionalkonflikten, etwa die Darfur-Krise in Sudan. Die Chinesen aber reden über harmonische Beziehungen.“
Umbach gab zu, dass gerade in Europa bis vor drei Jahren gar nicht registriert worden sei, wie gewaltig der Energie- und Rohstoffhunger Chinas gewachsen ist und die weltwirtschaftliche Entwicklung mitbestimmt. Dazu präsentierte er ein paar Zahlen:
•China ist mit 13 Prozent der Weltenergienachfrage zum global zweitgrößten Energiekonsumenten nach den USA aufgestiegen;
•von 2000 bis 2004 war China allein für 40 Prozent des Anstiegs der globalen Rohölnachfrage verantwortlich und einer der maßgeblichen Faktoren für die Verdreifachung des Erdölpreises seit 2002;
•China selbst verfügt nur über 2,4 Prozent der derzeit weltweit nachweisbaren Rohöl- und nur 1,2 Prozent der Erdgasreserven;
•die energiepolitische Nachfrage verlagert sich zunehmend aus den USA und Europa in die asiatisch-pazifische Region; schon in drei Jahren, wird China bis zu 40 Prozent seines gesamten Energieverbrauchs durch den Import fossiler Energieressourcen decken müssen.
Die Gefahren, die für einer sicher Energieversorgung ausgehen, betreffen Chinesen genauso wie Europäer oder Amerikaner:
•Dass 65 Prozent der Öl- und 34 Prozent der Weltgasreserven sich im Pulverfass Nahost befinden;
•dass jederzeit mit Terroranschlägen auf die Ölversorgungs-Infrastruktur zu rechnen ist.
Politisch stabile Rohstoff-Förderländer können auch eine sicherere Versorgung garantieren. Nur, klagt Umbach: „Autoritäre Regime und grassierende Korruption, wie es sie bei einigen seiner Handelspartner in Afrika gibt, interessieren Peking gar nicht.“ Wenn Europäer und Chinesen aber über die gemeinsame Sicherung der Energie- und Rohstoffversorgung reden wollten, müssten gerade auch solche Themen offen angesprochen werden.
2050 will China 35 Prozent des Energiebedarfs aus Kohle decken (dzt. 65%); Öl und Gas sollen dann zusammen 45 bis 50 % ausmachen, Wasser-, Kernkraft und andere Energieträger 15 bis 20 %. Bis 2025 will China 24 bis 32 Kernkraftwerke bauen, die vier bis sechs Prozent des Energiebedarfs abdecken würden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2007)

Yigg
Webnews
Mr. Wong
Delicious
Facebook
Scoop
Google
Präsident, Drogenboss & Co Die mächtigsten Menschen
Politik skurril ''Kann Solarien nur empfehlen''
ÖVP-Casting Spaßbewerber und Gegenkampagnen











