Amok-Fahrten durch Bagdads Straßen, Schüsse aus fahrenden Autos heraus auf irakische Zivilisten, tödliche Salven in Volltrunkenheit, fast 200 Schießereien in zwei Jahren - die Irak-Bilanz der Sicherheitsfirma Blackwater ist alles andere als ein Ruhmesblatt. Ein Bericht des US-Kongresses stellt nun die Blackwater-Männer als aggressive und schießfreudige Privat-Rambos bloß.
Schlimmer als Abu Ghraib
Was die Mitglieder des Kontrollausschusses des US-Repräsentantenhauses Montag und Dienstag der Öffentlichkeit präsentierten, gibt einen Einblick in eine raue, gesetzlose Welt. Die gut bezahlten Mitarbeiter von Blackwater träten im Irak auf "wie die Cowboys", sie hätten "ihre Finger sehr schnell am Abzug", zitierte der Ausschuss in seinem Bericht einen Vertreter der US-Armee. Und weiter: "Deren Verhalten könnte die Einstellung der Irakis zu unseren Truppen noch mehr verschlechtern, als das durch die Vorfälle in Abu Ghraib (dem berüchtigen Folter-Gefängins, Anm.) der Fall war."
Trotzdem blüht das private Geschäft mit der Sicherheit im Irak. Nach der US-Invasion im Jahr 2003 war eine wahre Schattenarmee in den Irak eingerückt. Es sind die privaten Dienstleister der Staatssicherheit: Bodyguards, Wachleute, Verhörspezialisten, mitunter wenig charmant auch als "Huren des Krieges" bezeichnet. Sie unterstehen keinem Militärkommando und keinem Rechtssystem und die US-Regierung lässt sich ihre Dienste viel Geld kosten.
Mehr als 1 Milliarde Dollar seit 2001
Seit 2001 hat Blackwater mehr als eine Milliarde Doller aus den Verträgen mit der US-Regierung erwirtschaftet - und die Kosten explodieren: 2001 verdiente der Sicherheitsdienstleister 736.906 Dollar durch Kooperationen mit dem US-Militär. Mit der Irak-Invasion 2003 stiegen die Einnahmen auf 25,4 Millionen, mittlerweile sind sie bei 593.601.952 Dollar (Stand 2006) angelangt.
1222 Dollar pro Mitarbeiter verdient Blackwater im Irak jeden Tag, im Jahr 455.000 Dollar. Eiskalt kalkuliert: Ein US-Soldat mit vergleichbarer Ausbildung und Einsatzgebiet verursacht gerade einmal ein Siebtel der Kosten. Für deren Tod wäre allerdings die US-Regierung verantwortlich, was man in Washington tunlichst zu vermeiden sucht. Und den Soldaten drohen, anders als bei Blackwater-Mitarbeitern, strafrechtliche Konsequenzen für ihr Handeln.
Kaum kontrollierbar
Die privaten Dienstleister sind praktisch kaum kontrollierbar, weil sie in einem rechtsfreien Raum agieren. Die US-Übergangsverwaltung gewährte ihnen nach der Besetzung des Irak 2003 im "Dekret 17" Immunität, wie sie weltweit auch Diplomaten genießen. So konnte auch ein Blackwater-Mitarbeiter straffrei die Heimreise antreten, 36 Stunden nachdem er am 24. Dezember 2006 im Alkoholrausch einen Leibwächter des irakischen Vize-Präsidenten Adel Abdel al-Mahdi erschossen hatte.
Die damalige Reaktion der US-Botschaft im Irak: Blackwater sollte eine "angemessene Zahlung" leisten und sich entschuldigen, um zu verhindern, "dass die ganze Sache noch schlimmer wird". Vorgeschlagen wurden 250.000 Dollar Entschädigung vor die Familie des ermordeten Leibwächters. Zu viel für den Diplomatic Security Service des US-Außenministeriums: Eine Zahlung dieser Größenordnung könnte die Iraker in Versuchung führen, "sich töten zu lassen". Man einigte sich mit Blackwater auf eine Zahlung von 15.000 Dollar.
195 Schießereien in drei Jahren
Vorfälle mit Waffengebrauch sind bei Blackwater keine Seltenheit. In den vergangenen drei Jahren wurden Firmenmitarbeiter 195 Mal in Schusswechsel verwickelt - im Schnitt 1,4 Mal pro Woche. Bei 84 Prozent sind es die Blackwater-Männer, die den ersten Schuss abfeuern - der Kongress-Bericht spricht von "preemtive actions". Dabei dürfen die privaten Sicherheitsdienstleister ihre Waffen nur zur Selbstverteidigung benutzen.
Blackwater selbst bestätig, dass bisher 16 irakische Zivilisten durch seine Mitarbeiter getötet worden sind. Allerdings konnte der Bericht des US-Kongresses nachweisen, dass die Mitarbeiter größtenteils den Schauplatz der Gefechte verlassen, ohne zu überprüfen, ob Menschen ums Leben gekommen sind.
Die demokratische Abgeordnete Carolyn Maloney kritisierte am Dienstag die mangelnde Rechenschaftspflicht der Sicherheitsdienste: "Ich bin wirklich besorgt, diese Situation ist sehr ungerecht", sagte sie. Auch ihr Parteikollege und Vorsitzender des Blackwater-Ausschusses, Dennis Kucinich, verwies bei der Anhörung auf das Risiko privater Kriegsdienstleister: "Wenn der Krieg privatisiert wird, dann haben private Vertragspartner ein Interesse am Andauern des Krieges: Je länger der Krieg ist, desto mehr Geld verdienen sie." (APA/Red.)
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