26.05.2012 01:26 | Meine Presse Merkliste 0

Blackwater: "Privat-Rambos" im Irak im Visier des US-Kongresses

03.10.2007 | 15:31 |   (DiePresse.com)

Ein offizieller Kongress-Bericht über die private Sicherheitsfirma Blackwater fördert immer mehr schockierende Details zu Tage.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Amok-Fahrten durch Bagdads Straßen, Schüsse aus fahrenden Autos heraus auf irakische Zivilisten, tödliche Salven in Volltrunkenheit, fast 200 Schießereien in zwei Jahren - die Irak-Bilanz der Sicherheitsfirma Blackwater ist alles andere als ein Ruhmesblatt. Ein Bericht des US-Kongresses stellt nun die Blackwater-Männer als aggressive und schießfreudige Privat-Rambos bloß.

Schlimmer als Abu Ghraib

Was die Mitglieder des Kontrollausschusses des US-Repräsentantenhauses Montag und Dienstag der Öffentlichkeit präsentierten, gibt einen Einblick in eine raue, gesetzlose Welt. Die gut bezahlten Mitarbeiter von Blackwater träten im Irak auf "wie die Cowboys", sie hätten "ihre Finger sehr schnell am Abzug", zitierte der Ausschuss in seinem Bericht einen Vertreter der US-Armee. Und weiter: "Deren Verhalten könnte die Einstellung der Irakis zu unseren Truppen noch mehr verschlechtern, als das durch die Vorfälle in Abu Ghraib (dem berüchtigen Folter-Gefängins, Anm.) der Fall war."

Trotzdem blüht das private Geschäft mit der Sicherheit im Irak. Nach der US-Invasion im Jahr 2003 war eine wahre Schattenarmee in den Irak eingerückt. Es sind die privaten Dienstleister der Staatssicherheit: Bodyguards, Wachleute, Verhörspezialisten, mitunter wenig charmant auch als "Huren des Krieges" bezeichnet. Sie unterstehen keinem Militärkommando und keinem Rechtssystem und die US-Regierung lässt sich ihre Dienste viel Geld kosten.

Mehr als 1 Milliarde Dollar seit 2001

Seit 2001 hat Blackwater mehr als eine Milliarde Doller aus den Verträgen mit der US-Regierung erwirtschaftet - und die Kosten explodieren: 2001 verdiente der Sicherheitsdienstleister 736.906 Dollar durch Kooperationen mit dem US-Militär. Mit der Irak-Invasion 2003 stiegen die Einnahmen auf 25,4 Millionen, mittlerweile sind sie bei 593.601.952 Dollar (Stand 2006) angelangt.

1222 Dollar pro Mitarbeiter verdient Blackwater im Irak jeden Tag, im Jahr 455.000 Dollar. Eiskalt kalkuliert: Ein US-Soldat mit vergleichbarer Ausbildung und Einsatzgebiet verursacht gerade einmal ein Siebtel der Kosten. Für deren Tod wäre allerdings die US-Regierung verantwortlich, was man in Washington tunlichst zu vermeiden sucht. Und den Soldaten drohen, anders als bei Blackwater-Mitarbeitern, strafrechtliche Konsequenzen für ihr Handeln.

Kaum kontrollierbar

Die privaten Dienstleister sind praktisch kaum kontrollierbar, weil sie in einem rechtsfreien Raum agieren. Die US-Übergangsverwaltung gewährte ihnen nach der Besetzung des Irak 2003 im "Dekret 17" Immunität, wie sie weltweit auch Diplomaten genießen. So konnte auch ein Blackwater-Mitarbeiter straffrei die Heimreise antreten, 36 Stunden nachdem er am 24. Dezember 2006 im Alkoholrausch einen Leibwächter des irakischen Vize-Präsidenten Adel Abdel al-Mahdi erschossen hatte.

Die damalige Reaktion der US-Botschaft im Irak: Blackwater sollte eine "angemessene Zahlung" leisten und sich entschuldigen, um zu verhindern, "dass die ganze Sache noch schlimmer wird". Vorgeschlagen wurden 250.000 Dollar Entschädigung vor die Familie des ermordeten Leibwächters. Zu viel für den Diplomatic Security Service des US-Außenministeriums: Eine Zahlung dieser Größenordnung könnte die Iraker in Versuchung führen, "sich töten zu lassen". Man einigte sich mit Blackwater auf eine Zahlung von 15.000 Dollar.

195 Schießereien in drei Jahren

Vorfälle mit Waffengebrauch sind bei Blackwater keine Seltenheit. In den vergangenen drei Jahren wurden Firmenmitarbeiter 195 Mal in Schusswechsel verwickelt - im Schnitt 1,4 Mal pro Woche. Bei 84 Prozent sind es die Blackwater-Männer, die den ersten Schuss abfeuern - der Kongress-Bericht spricht von "preemtive actions". Dabei dürfen die privaten Sicherheitsdienstleister ihre Waffen nur zur Selbstverteidigung benutzen.

Blackwater selbst bestätig, dass bisher 16 irakische Zivilisten durch seine Mitarbeiter getötet worden sind. Allerdings konnte der Bericht des US-Kongresses nachweisen, dass die Mitarbeiter größtenteils den Schauplatz der Gefechte verlassen, ohne zu überprüfen, ob Menschen ums Leben gekommen sind.

Die demokratische Abgeordnete Carolyn Maloney kritisierte am Dienstag die mangelnde Rechenschaftspflicht der Sicherheitsdienste: "Ich bin wirklich besorgt, diese Situation ist sehr ungerecht", sagte sie. Auch ihr Parteikollege und Vorsitzender des Blackwater-Ausschusses, Dennis Kucinich, verwies bei der Anhörung auf das Risiko privater Kriegsdienstleister: "Wenn der Krieg privatisiert wird, dann haben private Vertragspartner ein Interesse am Andauern des Krieges: Je länger der Krieg ist, desto mehr Geld verdienen sie." (APA/Red.)

 

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

9 Kommentare
Gast: webster
05.10.2007 04:09
0 0

Neoliberales Söldnertum

Auch dieser Auswuchs, die moderne Form der Pretorianergarde ist im Zusammenhang mit der pervertierten Privatisierungswut der Neokonservativen Ideologen zu sehn, jetzt wo selbst das staatlich Gewaltmonopol vom Staat selbst ausgehölt wird gibts kein Halten mehr. Bin mal gespannt wie lange es dauert bis das auch zu uns rüberschwappt.

Ach ja, das Gerichtsvollzieherwesen soll ja bald auf eigene Rechnung arbeiten (kleiner Anflug von Sarkasmus)..Schon mal ein guter Anfang.
Willkommen im corporate fascism!

Gast: Grazer
04.10.2007 09:04
0 0

Mit normalen

militärischen Mitteln bzw. Vorschriften und Gesetzen (Genfer k., UN usw.) lassen sich neuartige Kriege nicht mehr führen und auch nicht gewinnen. Die Amerikaner führen den Krieg so wie er íst: dreckig wie jede Art von Kriegsführung aber notwendigerweise dreckig (keine Wertung der politischen Umstände). Sollte es jemand wirklich seriös nachlesen wollen:
http://www.kriegsreisende.de/

hl_1001
03.10.2007 19:49
0 0

Krieg ist ein dreckiges Geschäft

Und die Amis haben es perfekt Verstanden. Allein deswegen kann der Krieg auch gar nicht enden.

Gast: Ergo
03.10.2007 19:20
0 0

We shoot'em first!

Wenn die Privatkrieger im Dienste des State Departments agieren, gehören sie auch dessen Kommando unterstellt. Inklusive militärrechtlicher Verantwortlichkeit. Die Securities sind arme Schweine, die für besonders gefährliche Missionen eingesetzt werden. In Faludja wurden einige gelyncht.
Wenn's brenzlig wird, haben sie auch von der US Army keine Hilfe zu erwarten. Die ließen einen Blackwatermann verbluten, weil sie sich nicht aus ihren Panzerfahrzeugen trauten.

Michael
03.10.2007 14:30
0 0

Schön

Hat man nun einen Sündenbock gefunden. Die privaten Sicherheitsdienste sind also die wahre Schattenarmee, wogegen sich die reguläre Armee vorbildlich verhält. *lach*

Richtig so, dass man die Unternehmen dann mit EUR 15.000,-- für einen Mord "bestraft". Das schreckt natürlich immens ab.

Wenn man die Beiträge so liest, kommt einem vor, der Artikel wäre in einer anderen Welt geschrieben, in der Menschenleben und Einzelschicksale keine Rolle spielen. Auf der anderen Seite wird bei uns eine abgeschobene Wirtschaftsasylantin zur menschlichen Tragödie hochstilisiert. Das nenne ich einmal mit zweierlei Mass messen.

Antworten Ophicus
03.10.2007 18:30
0 0

Re: Schön

Lesen sie den Artikel nochmal. Dass es gut wäre, dass Menschenleben nur mit 15.000 Dollar (Euro warens ja nie) abgegolten sein soll steht da nirgendwo.
Und dieser Beißreflex gegen die US-Armee ist hier völlig fehl am Platz. In dem Artikel geht es darum, dass Blackwater&Co Mist bauen. Mit keinem Wort wird die US-Armee verteidigt.

Mit zweierlei Maß messen wäre es, wenn man selbst die US-Armee kritisiert aber sich furchtbar aufregt wenn irgendwer Blackwater kritisiert - die sich sicher nicht besser verhalten als die US-Armee, wenn vielleicht auch nicht schlechter.

Ich bin auch mit der US-Armee alles andere als zufrieden. Aber das gehört hier nicht her. Genausowenig wie meine Unzufriedenheit mit der Wehrmacht, der Steuergesetzgebung oder der katastrophalen Klimaanlage in meinem Büro.

Cato
03.10.2007 14:28
0 0

Unglaublicher Skandal

Mich wundert nur, dass da die demokratischen Abgeordneten laut diesem Bericht offenbar keine stärkeren Worte finden als "das ist sehr ungerecht".

Das private Sicherheitsfirmen in Krisengebieten Geschäfte machen, ist zwar einigermaßen normal und verständlich. Aber dass dies im Auftrag der US-Regierung erfolgt, ist an sich schon eine Skandal.
Dass die USA den Mitarbeitern einen Quasi-Diplomaten-Status einräumen, stinkt gänzlich zum Himmel und kann wohl kaum mit dem internationalen Kriegsvölkerrecht vereinbar sein.

Antworten vx
03.10.2007 16:45
0 0

Re: Unglaublicher Skandal

Halten sich die Amerikaner denn generell an internationales Kriegsvölkerrecht?

Gast: speedy
03.10.2007 14:26
0 0

die Söldneramee wird für die schlimmen Dinge herangezogen

damit schafft sich die Angriffsarmee der USA und ihrer willfährigen Verbündeten einen Sündenbock, der für alltägige Schandtaten wie Mord und Totschlag, Vergewaltigung, Folter etc. herhält.

und der "demokratisierung" des Iraks dient....

interessant dabei ist nur die weitgehende kritiklosigkeit der angepassten westlichen Medien dazu.

Insgesamt ein Riesenskandal !