Washington. Erik Prince ist ein Musterbeispiel eines Elitesoldaten: Kurzhaarschnitt, zackiges Auftreten, kantiges Gesicht und ein Oberkörper, der den Anzug zu sprengen droht. Nur eine Eigenschaft passt nicht zu einem Soldaten: Prince ist äußert eloquent.
Diese Eloquenz braucht der Gründer von „Blackwater“ an diesem Tag auch, um seine Sicherheitsfirma vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses zu verteidigen. Elf unbeteiligte Zivilisten sind von „Blackwater“-Söldnern Mitte September im Irak erschossen worden. Ein „Verbrechen“, wie es die irakische Regierung bezeichnet. Reine Selbstverteidigung, wie „Blackwater“ meint. Jetzt untersucht das FBI.
Deshalb bleibt dieser Vorfall bei der vier Stunden langen Befragung von Prince in der Nacht auf Mittwoch ausgeschlossen. Man will sich nicht in die Ermittlungen einmischen. Aber es bleiben auch so genügend Beispiele: Etwa das von dem sechsfachen Familienvater, der erschossen wurde, weil er in der Nähe eines Autos stand, das auf Rufe von „Blackwater“-Wachen nicht anhielt. Die Familie erhielt 5000 Dollar Entschädigung.
Oder der betrunkene „Blackwater“-Wachmann, der bei einer Weihnachtsfeier einen Bodyguard des irakischen Vizepräsidenten tötete. Binnen 36 Stunden flog man ihn aus dem Irak aus, wo ihm aber ohnehin nichts passiert wäre: Private Sicherheitsdienste fallen nicht unter irakische Jurisdiktion. Und auch in den USA sind sie weitestgehend vor Strafverfolgung sicher: Gegen den Söldner wurde bisher keine Anklage erhoben.
Insgesamt, heißt es in einem Bericht des Ausschusses, sei „Blackwater“ seit Anfang 2005 in 195 Schießereien verwickelt gewesen, bei denen 16 Iraker starben (nicht eingerechnet die elf Toten im September 2007). In 84 Prozent der Fälle hätten die Amerikaner zuerst das Feuer eröffnet, obwohl sie laut Vorschrift erst ihre Waffen einsetzen dürfen, wenn sie angegriffen werden.
„Cowboys“ seien es, die erst schießen und dann erst fragen, meint ein demokratischer Abgeordneter. Nein, kontert eine andere Demokratin: Sie würden schießen und gar nicht fragen. Denn in allen Fällen seien die „Blackwater“-Konvois weitergefahren, ohne sich um die Verletzten zu kümmern. Damit schade man am Ende den USA, weil man mit solchem Verhalten die Bevölkerung gegen die Amerikaner aufbringe.
Erik Prince bekommt es an diesem Tag heiß und kalt. Von der rechten Seite, dort wo die demokratischen Mitglieder des Ausschusses des Repräsentantenhauses sitzen, kommen die Attacken. Von der linken, der republikanischen Seite, die Unterstützung und die aufgelegten Fragen, die Prince die Möglichkeit gaben, „Blackwater“ als effektive und erfolgreiche Sicherheitsfirma darzustellen. „Wie viele Personen, die von ihrer Firma beschützt wurden, sind in den vergangenen drei Jahren getötet worden?“, will etwa ein Republikaner wissen. „Keine, Sir“, lautet die knappe Antwort.
Wahlspenden für Bush
Der Schlagabtausch kommt nicht von ungefähr. Es gibt Verbindungen zwischen „Blackwater“, den Republikanern und der Bush-Administration. Princes Schwester, Betty DeVos, war einst Vorsitzende der republikanischen Partei im Bundesstaat Michigan. Im Wahlkampf 2004 sammelte sie mehr als 100.000 Dollar an Wahlkampfspenden für George Bush. Prince selbst unterstützte republikanische Kandidaten in der Vergangenheit mit insgesamt 300.000 Dollar.
Als Prince, ein ehemaliges Mitglied der US-Eliteeinheit Navy-Seal, 1997 „Blackwater“ gründete, war es eine kleine Firma im Bundesstaat North Carolina. 2001 hatte sie einen einzigen Regierungsauftrag im Wert von 200.000 Dollar. Heuer sind es weit mehr als 500 Millionen Dollar, die „Blackwater“ für den Schutz amerikanischer Diplomaten im Irak von der US-Regierung kassiert.
„Wir sind Amerikaner, die für Amerika arbeiten und Amerikaner beschützen“, sagt Prince. Man leiste gute Arbeit. Die 195 Zwischenfälle machten etwas mehr als ein Prozent der 16.000 Missionen aus, die man seit 2005 im Irak durchgeführt habe. Nur einmal kommt der Redefluss des „Blackwater“-Chefs kurz zum Erliegen, als Dennis Kucinich, demokratischer Abgeordneter, fragt: „Sie verdienen recht gut an diesem Krieg. Welches Interesse haben sie, dass es jemals Frieden im Irak gibt?“ Kommentar, S. 39
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2007)
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