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Blackwater: Die „Cowboys“ von Bagdad

03.10.2007 | 18:24 |  Von unserem Korrespondenten NORBERT RIEF (Die Presse)

Irak. Der privaten US-Sicherheitsfirma Blackwater wird vorgeworfen, brutal und rücksichtslos zu agieren.

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Washington. Erik Prince ist ein Musterbeispiel eines Elitesoldaten: Kurzhaarschnitt, zackiges Auftreten, kantiges Gesicht und ein Oberkörper, der den Anzug zu sprengen droht. Nur eine Eigenschaft passt nicht zu einem Soldaten: Prince ist äußert eloquent.

Diese Eloquenz braucht der Gründer von „Blackwater“ an diesem Tag auch, um seine Sicherheitsfirma vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses zu verteidigen. Elf unbeteiligte Zivilisten sind von „Blackwater“-Söldnern Mitte September im Irak erschossen worden. Ein „Verbrechen“, wie es die irakische Regierung bezeichnet. Reine Selbstverteidigung, wie „Blackwater“ meint. Jetzt untersucht das FBI.

Deshalb bleibt dieser Vorfall bei der vier Stunden langen Befragung von Prince in der Nacht auf Mittwoch ausgeschlossen. Man will sich nicht in die Ermittlungen einmischen. Aber es bleiben auch so genügend Beispiele: Etwa das von dem sechsfachen Familienvater, der erschossen wurde, weil er in der Nähe eines Autos stand, das auf Rufe von „Blackwater“-Wachen nicht anhielt. Die Familie erhielt 5000 Dollar Entschädigung.

Oder der betrunkene „Blackwater“-Wachmann, der bei einer Weihnachtsfeier einen Bodyguard des irakischen Vizepräsidenten tötete. Binnen 36 Stunden flog man ihn aus dem Irak aus, wo ihm aber ohnehin nichts passiert wäre: Private Sicherheitsdienste fallen nicht unter irakische Jurisdiktion. Und auch in den USA sind sie weitestgehend vor Strafverfolgung sicher: Gegen den Söldner wurde bisher keine Anklage erhoben.

Insgesamt, heißt es in einem Bericht des Ausschusses, sei „Blackwater“ seit Anfang 2005 in 195 Schießereien verwickelt gewesen, bei denen 16 Iraker starben (nicht eingerechnet die elf Toten im September 2007). In 84 Prozent der Fälle hätten die Amerikaner zuerst das Feuer eröffnet, obwohl sie laut Vorschrift erst ihre Waffen einsetzen dürfen, wenn sie angegriffen werden.

„Cowboys“ seien es, die erst schießen und dann erst fragen, meint ein demokratischer Abgeordneter. Nein, kontert eine andere Demokratin: Sie würden schießen und gar nicht fragen. Denn in allen Fällen seien die „Blackwater“-Konvois weitergefahren, ohne sich um die Verletzten zu kümmern. Damit schade man am Ende den USA, weil man mit solchem Verhalten die Bevölkerung gegen die Amerikaner aufbringe.

Erik Prince bekommt es an diesem Tag heiß und kalt. Von der rechten Seite, dort wo die demokratischen Mitglieder des Ausschusses des Repräsentantenhauses sitzen, kommen die Attacken. Von der linken, der republikanischen Seite, die Unterstützung und die aufgelegten Fragen, die Prince die Möglichkeit gaben, „Blackwater“ als effektive und erfolgreiche Sicherheitsfirma darzustellen. „Wie viele Personen, die von ihrer Firma beschützt wurden, sind in den vergangenen drei Jahren getötet worden?“, will etwa ein Republikaner wissen. „Keine, Sir“, lautet die knappe Antwort.


Wahlspenden für Bush

Der Schlagabtausch kommt nicht von ungefähr. Es gibt Verbindungen zwischen „Blackwater“, den Republikanern und der Bush-Administration. Princes Schwester, Betty DeVos, war einst Vorsitzende der republikanischen Partei im Bundesstaat Michigan. Im Wahlkampf 2004 sammelte sie mehr als 100.000 Dollar an Wahlkampfspenden für George Bush. Prince selbst unterstützte republikanische Kandidaten in der Vergangenheit mit insgesamt 300.000 Dollar.

Als Prince, ein ehemaliges Mitglied der US-Eliteeinheit Navy-Seal, 1997 „Blackwater“ gründete, war es eine kleine Firma im Bundesstaat North Carolina. 2001 hatte sie einen einzigen Regierungsauftrag im Wert von 200.000 Dollar. Heuer sind es weit mehr als 500 Millionen Dollar, die „Blackwater“ für den Schutz amerikanischer Diplomaten im Irak von der US-Regierung kassiert.

„Wir sind Amerikaner, die für Amerika arbeiten und Amerikaner beschützen“, sagt Prince. Man leiste gute Arbeit. Die 195 Zwischenfälle machten etwas mehr als ein Prozent der 16.000 Missionen aus, die man seit 2005 im Irak durchgeführt habe. Nur einmal kommt der Redefluss des „Blackwater“-Chefs kurz zum Erliegen, als Dennis Kucinich, demokratischer Abgeordneter, fragt: „Sie verdienen recht gut an diesem Krieg. Welches Interesse haben sie, dass es jemals Frieden im Irak gibt?“ Kommentar, S. 39

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2007)

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9 Kommentare
Gast: webster
05.10.2007 04:09
0 0

Neoliberales Söldnertum

Auch dieser Auswuchs, die moderne Form der Pretorianergarde ist im Zusammenhang mit der pervertierten Privatisierungswut der Neokonservativen Ideologen zu sehn, jetzt wo selbst das staatlich Gewaltmonopol vom Staat selbst ausgehölt wird gibts kein Halten mehr. Bin mal gespannt wie lange es dauert bis das auch zu uns rüberschwappt.

Ach ja, das Gerichtsvollzieherwesen soll ja bald auf eigene Rechnung arbeiten (kleiner Anflug von Sarkasmus)..Schon mal ein guter Anfang.
Willkommen im corporate fascism!

Gast: Grazer
04.10.2007 09:04
0 0

Mit normalen

militärischen Mitteln bzw. Vorschriften und Gesetzen (Genfer k., UN usw.) lassen sich neuartige Kriege nicht mehr führen und auch nicht gewinnen. Die Amerikaner führen den Krieg so wie er íst: dreckig wie jede Art von Kriegsführung aber notwendigerweise dreckig (keine Wertung der politischen Umstände). Sollte es jemand wirklich seriös nachlesen wollen:
http://www.kriegsreisende.de/

hl_1001
03.10.2007 19:49
0 0

Krieg ist ein dreckiges Geschäft

Und die Amis haben es perfekt Verstanden. Allein deswegen kann der Krieg auch gar nicht enden.

Gast: Ergo
03.10.2007 19:20
0 0

We shoot'em first!

Wenn die Privatkrieger im Dienste des State Departments agieren, gehören sie auch dessen Kommando unterstellt. Inklusive militärrechtlicher Verantwortlichkeit. Die Securities sind arme Schweine, die für besonders gefährliche Missionen eingesetzt werden. In Faludja wurden einige gelyncht.
Wenn's brenzlig wird, haben sie auch von der US Army keine Hilfe zu erwarten. Die ließen einen Blackwatermann verbluten, weil sie sich nicht aus ihren Panzerfahrzeugen trauten.

Michael
03.10.2007 14:30
0 0

Schön

Hat man nun einen Sündenbock gefunden. Die privaten Sicherheitsdienste sind also die wahre Schattenarmee, wogegen sich die reguläre Armee vorbildlich verhält. *lach*

Richtig so, dass man die Unternehmen dann mit EUR 15.000,-- für einen Mord "bestraft". Das schreckt natürlich immens ab.

Wenn man die Beiträge so liest, kommt einem vor, der Artikel wäre in einer anderen Welt geschrieben, in der Menschenleben und Einzelschicksale keine Rolle spielen. Auf der anderen Seite wird bei uns eine abgeschobene Wirtschaftsasylantin zur menschlichen Tragödie hochstilisiert. Das nenne ich einmal mit zweierlei Mass messen.

Antworten Ophicus
03.10.2007 18:30
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Re: Schön

Lesen sie den Artikel nochmal. Dass es gut wäre, dass Menschenleben nur mit 15.000 Dollar (Euro warens ja nie) abgegolten sein soll steht da nirgendwo.
Und dieser Beißreflex gegen die US-Armee ist hier völlig fehl am Platz. In dem Artikel geht es darum, dass Blackwater&Co Mist bauen. Mit keinem Wort wird die US-Armee verteidigt.

Mit zweierlei Maß messen wäre es, wenn man selbst die US-Armee kritisiert aber sich furchtbar aufregt wenn irgendwer Blackwater kritisiert - die sich sicher nicht besser verhalten als die US-Armee, wenn vielleicht auch nicht schlechter.

Ich bin auch mit der US-Armee alles andere als zufrieden. Aber das gehört hier nicht her. Genausowenig wie meine Unzufriedenheit mit der Wehrmacht, der Steuergesetzgebung oder der katastrophalen Klimaanlage in meinem Büro.

Cato
03.10.2007 14:28
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Unglaublicher Skandal

Mich wundert nur, dass da die demokratischen Abgeordneten laut diesem Bericht offenbar keine stärkeren Worte finden als "das ist sehr ungerecht".

Das private Sicherheitsfirmen in Krisengebieten Geschäfte machen, ist zwar einigermaßen normal und verständlich. Aber dass dies im Auftrag der US-Regierung erfolgt, ist an sich schon eine Skandal.
Dass die USA den Mitarbeitern einen Quasi-Diplomaten-Status einräumen, stinkt gänzlich zum Himmel und kann wohl kaum mit dem internationalen Kriegsvölkerrecht vereinbar sein.

Antworten vx
03.10.2007 16:45
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Re: Unglaublicher Skandal

Halten sich die Amerikaner denn generell an internationales Kriegsvölkerrecht?

Gast: speedy
03.10.2007 14:26
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die Söldneramee wird für die schlimmen Dinge herangezogen

damit schafft sich die Angriffsarmee der USA und ihrer willfährigen Verbündeten einen Sündenbock, der für alltägige Schandtaten wie Mord und Totschlag, Vergewaltigung, Folter etc. herhält.

und der "demokratisierung" des Iraks dient....

interessant dabei ist nur die weitgehende kritiklosigkeit der angepassten westlichen Medien dazu.

Insgesamt ein Riesenskandal !