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In Belgien wuchert der politische Spaltpilz

09.10.2007 | 18:40 |  Von unserem Korrespondenten HELMUT HETZEL (Die Presse)

Staatskrise. Das Fehlen einer Regierung nährt Forderung nach Teilung des Landes.

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Brüssel/Den Haag. Die politische Lage in Belgien wird immer verworrener. Nachdem sich die flämischen Christdemokraten und die wallonischen Liberalen mittlerweile seit vier Monaten in den Haaren liegen und keine gemeinsame Regierung zustande bringen, wuchert nun auch der Spaltpilz unter den Flamen. Die flämisch-liberale VLD, die mit Guy Verhofstadt noch immer den Premierminister stellt, macht jetzt gegen die flämischen Christdemokraten (CD&V) mobil.

Karel de Gucht (VLD), Noch-Außenminister und für seine oft derben Sprüche berühmt-berüchtigt, startete einen Frontalangriff gegen die flämischen Christdemokraten und deren Spitzenmann Yves Leterme, den Wahlsieger vom 10.Juni. Leterme und seine Partei hätten mit ihrer Forderung nach einer weiteren großen Staatsreform „die Latte einfach so hoch gelegt – so hoch, dass sie nun nicht mehr übersprungen werden kann. Auch wir Flamen müssen kompromissbereit sein und einen Preis für eine Einigung bezahlen“, sagte de Gucht und trat Leterme damit verbal mächtig gegen das Schienbein.

Leterme, der momentan im zweiten Anlauf versucht, ein flämisch-wallonisches Koalitionskabinett zustande zu bringen, hat die Wahl nur deshalb gewonnen und 800.000 Erststimmen erhalten, weil er den Wählern eine Staatsreform versprach. „Mehr Autonomie für Flandern“ war sein Motto. Unterstützt wurde der Christdemokrat in dieser Forderung von den gemäßigten flämischen Nationalisten (N-VA), die mit den Christdemokraten eine Listenverbindung eingingen.


„Endlich den Mund halten“

Auch die Nationalisten wurden von Karel De Gucht gemaßregelt. Sie sollten sich „flach auf den Bauch legen und endlich den Mund halten“, donnerte der Außenminister. Worauf N-VA-Chef Bart de Wever konterte: „De Gucht ist illoyal. Er schwächt unsere Verhandlungsposition gegenüber den Wallonen.“

Da die Regierungsbildung in Belgien nun schon rund vier Monate dauert, sorgt sich De Gucht mittlerweile auch um die Reputation des Königreichs der niederländisch-sprachigen Flamen und der frankophonen Wallonen im Ausland. In einer Eildepesche hat De Gucht die belgischen Botschafter daher angewiesen, sie sollten bei öffentlichen Auftritten klarstellen, dass Belgien „nicht vor einer Spaltung steht“. Um diese Botschaft glaubwürdig zu kommunizieren, müssen sich die belgischen Botschafter aber einiges einfallen lassen.

Denn die Debatte über eine mögliche Aufteilung des Landes mit dem Ziel eines unabhängigen Flandern, wird bereits seit Ende Juli heftig geführt – sowohl in Flandern als auch in den Niederlanden. Dort haben Umfragen ergeben, dass eine Mehrheit der Niederländer einem Zusammenschluss mit den gleichsprachigen Flamen positiv gegenübersteht. Genau das aber wollen die meisten Flamen keinesfalls. Sie wollen zumindest mehr Autonomie oder überhaupt gleich die staatliche Selbstständigkeit.


Vlaams Belang für Autonomie

Diese Forderung wird auch von den extremen Nationalisten des ausländerfeindlichen „Vlaams Belang“ unterstützt. Bei einer Demonstration in Brüssel verbrannten sie die schwarz-rot-goldene belgische Flagge und zogen die Flagge mit dem gelben flämischen Löwen hoch.

Nicht zuletzt wegen dieser Vereinnahmung durch den rechten Rand zeichnet sich mittlerweile innerhalb der flämischen Gemeinschaft, die mit rund 6,5 Millionen Einwohnern die klare Mehrheit im Zehn-Millionen-Land Belgien stellt, eine immer größere Spaltung ab: zwischen denen, die für die Erhaltung des Einheitsstaates Belgien sind, und denen, die sich aus diesem Staat am liebsten heute noch verabschieden möchten.

Prominente Flamen haben inzwischen eine Unterschriftenaktion für den Erhalt Belgiens gestartet. Bisher konnten sie 60.000 Unterschriften sammeln. Doch je länger die Regierungsbildung in Belgien dauert und der Streit zwischen Flamen und Wallonen eskaliert, umso mehr wächst die Gefahr, dass die Separatisten in Flandern noch mehr Zulauf bekommen und der Ruf nach staatlicher Unabhängigkeit in Nordbelgien immer lauter wird. Meinung Seite 39

WISSEN. Die Flamen

Rund 60 Prozent der belgischen Bevölkerung sprechen Flämisch. Wichtiger als die demografische Übermacht aber ist, dass Flandern nach dem Niedergang der Schwerindustrie zum Wirtschaftsmotor wurde und auf Basis eines komplizierten Finanzausgleichs die ärmere Wallonie subventioniert. Dies nährt seit langem die „Sezessionsdebatte“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2007)

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9 Kommentare
Gast: Eupener
26.02.2009 16:01
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Ich stehe für ein familiäres Belgien

Ich kann einfach nicht verstehen warum es in Belgien nach so langer Gemeinsamkeit nicht mehr laufen soll. Ich bin so Stolz ein Belgier zu sein, doch jetzt habe ich das Gefühl mich schähmen zu müssen für mein Land. Es ist einfach nur traurig, dass die belgischen Politiker das nicht hinbekommen.
Ich hoffe soooo sehr das dieses durcheinander bald ein Ende hat und Belgien einfach nur Belgien sein kann.

Gast: Belgier
19.11.2007 14:24
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Keine trennung

Ich bin Flame aber in erster sicht bin ich Belgier und werde es auch immer sein , auch wenn ich in diesem land nicht mehr lebe und in Deutschland aufgewachsen bin werde ich dieses Land immer lieben und werde niemals
stillschweigen wenn die Politiker in Belgien
meinen eine trennung muss sein.
Die Wallonen und Die Flamen gehören zusammen wie Frau und Man, und nur zusammen hat Belgien ein zukunft
und wenn die Politiker jetzt meinen das sie sich trennen mussen dan ohne mich,
dan werde ich wie mein Grossvater und mein Vater gegen die Wallonen gekempft haben gegen die teilung Belgiens Kempfen.
Hochlebe das vereinigte Belgien

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Belgien

Und was unterscheidet den Flamen vom Belgier oder vom Rest der Welt?
Es ist ja nicht so als wenn Flandern mal unabhängig gewesen wäre und dann gezwungen worden ist mit dem rest von Belgien zusammen sein zu müssen.
Und mal ehrlich früher als es den Wallonen dank ihrer Stahlindustrie besser ging und sie die Flamen mitgezogen hatten da kam kein Flame auf die Idee sich von der Wallonie zu trennen da war die Welt noch in ordnung und jetzt wo sich das Blatt gedreht hat jetzt wollen die Flamen ihre Unabhängigkeit.
Die Wallonen können ja bleiben wo sie sind, ich hätte mal gerne die Reaktionen der Flamen gesehen wenn die Wallonen das gleiche vor 30 Jahren gesagt hätten.
(wenn ich von den Flamen oder den Wallonen spreche dann meine ich Politiker).

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Belgien

Das Problem sind nicht die Sprachen oder Kulturen.
Die Bevölkerung an sich will ja gar keine Teilung Belgiens, sondern wir bekommen Tag für Tag von den Politikern eingeredet wie zerstritten die Flamen und Wallonen sind. Aber die einzigen die total zerstritten sind das sind unsere Politiker, die zu feige sind eine Volksabstimmung zu machen wie bei
der Einführung des Euro oder bei der Europäischen Verfassung aus Angst sich im Inn- und Ausland zu blamieren wenn die Bevölkerung für ein gemeinsames Belgien entscheidet.
Hier geht es nur um Macht und um nichts anderes keiner will zuviel einstecken müssen und in ihrer beinahe schon perversen Gier nach Macht ziehen unsere Politker ehr eine teilung Belgiens in betracht als etwas von der Macht abzugeben.
Und das ist das einzige problem was Belgien hat skrupellose nach mehr Macht sabbernde Politiker.

Antworten Gast: blotejan
13.10.2007 12:12
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Re: Belgien

Problem ist das Gefuehl der Identitaet: ich bin Flame, ich bin nie Belgier gewesen.

Gast: Freies Europa
09.10.2007 23:20
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Wo ist das Problem?

Die Trennung der Slowakei von der Tschechei ist unter wesentlich schwierigeren wirtschaftlichen Bedingungen ohne ernste Konflikte durchaus zivilisiert vor sich gegangen. Warum sollte das in Belgien nicht gelingen, wenn es der Wunsch der Selbstbestimmung der Flandern ist? Ein freies Eurropa braucht freie Volker.

Antworten Gast: FreeKosovaSandzakVojvodina
11.10.2007 10:12
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Re: Wo ist das Problem?

Stimme ich zu! Freiheit sollte genauso für Kosovo, Sandzak und Vojvodina, die unter serbischer Fremdherrschaft leiden, gewährt werden! Auch die Katalanen, Basken und Galicier in Spanien; die Bretonen, Elsässer und Korsen, sowie die Kolonien Martinique, Guadeloupe, Tahiti und Französisch(besetzt)-Guayana sollten ihre Unabhängigkeit von Frankreich erlangen! Ebenso wie Schottland und Wales von GB! Es gibt noch so viele Regionen in Europa, die ihre Freiheit nicht erhalten haben und deren Kulturen durch die Zwangsassimilation bedroht sind!

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zu viele Politiker

Das Problem in unserem Land ist das wir ganz einfach zu viele Parteien und zu viele Politiker haben,die immer eine Heidenangst davor haben eine Volksabstimmung machen zu lassen( siehe Einführung des Euros oder in sache der Europäischen Verfassung) es könnte ja mal sein das die Bevölkerung sich einig ist und gegen die Politiker abstimmt.
Warum braucht der deutschsprachige Teil Belgiens(1 Prozent der Belgischen Bevölkerung) 4 Minister und die Rede ist vom 5.!
Warum braucht der eine Prozent der Bevölkerung eine dauerhafte Vertretung in Berlin?
Es sind nicht die Sprachen die Probleme machen sondern wie fast immer nur die Politiker , man sollte den Grossteil abschaffen dann hätte Belgien viel weniger Probleme!!!

Antworten hammbrun
10.10.2007 10:51
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Re: zu viele Politiker

Das große Problem ist die zweisprachige Hauptstadt Brüssel. In der Tschechoslowakei gab es die zwei Hauptstädte Prag und Preßburg.