Hamas bietet der Fatah Gespräche an

11.10.2007 | 18:26 |  Von unserer Korrespondentin SUSANNE KNAUL (Die Presse)

Palästinenser. Die islamistische Hamas sieht ihre Herrschaft über Gazastreifen als „vorübergehend“. Fatah stellt Bedingungen.

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JERUSALEM. Die Worte von Ismail Haniyeh sorgten für Aufsehen: „Die Kontrolle des Gazastreifens durch die Hamas ist nur vorübergehend“, meinte der Chef der Hamas im Gazastreifen am Donnerstag. Und er sprach „von ernsthaften Schritten im Bereich des palästinensischen Dialogs“. Konkret bot er der verfeindeten Fatah von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas Verhandlungen an. Diese sollten nach dem muslimischen Fastenmonat Ramadan starten, der je nach Region diesen Freitag oder Samstag endet. Ort der innerpalästinensischen Gespräche soll „eine arabische Hauptstadt“ sein, möglicherweise Kairo.

Bevor es zu diesen Verhandlungen kommt, müsste sich aber auch die Fatah verhandlungsbereit zeigen. Doch die stellt Forderungen: „Unsere Bedingungen für einen erneuten Dialog mit der Hamas sind sehr klar“, meinte Walid Awad vom Zentralkomitee der Fatah auf Anfrage der „Presse“: „Die Hamas muss die Kontrolle über den Gazastreifen aufgeben, erst dann werden wir uns wieder an den Verhandlungstisch setzen.“ Seit der gewaltvollen Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen Mitte Juni liegen die Beziehungen zur Fatah auf Eis.


Moderate Töne aus Gaza

Taher Al Noonoo, Sprecher der Hamas-Führung im Gazastreifen, ist zuversichtlich, dass die Fatah an den Verhandlungen teilnehmen wird, obwohl die Hamas nicht vorhabe, die Bedingungen der Fatah schon im Vorfeld zu erfüllen. „Wir reden nicht über die Aufgabe von Gaza“, meint Al Noonoo bestimmt. Der Hamas ginge es unverändert um „die Bildung einer Einheitsregierung“, die sowohl über den Gazastreifen als auch über das Westjordanland Kontrolle haben werde. Die Hamas stimmt gut einen Monat vor dem geplanten israelisch-arabischen Gipfeltreffen in den USA moderatere Töne an als bisher.

Im Gazastreifen besteht die berechtigte Sorge, man werde keinen Einfluss auf die internationale Nahost-Konferenz haben, während für Palästinenserpräsident Abbas der rote Teppich ausgerollt wird. Abbas strebt in seiner Funktion als PLO-Chef eine Nahostlösung an, die von der Mehrheit der Palästinenser unterstützt wird, damit er ein Referendum und vorgezogene Neuwahlen abhalten kann.

Diese Woche umriss der Palästinenserpräsident zum ersten Mal seine Vorstellungen über den künftigen Palästinenserstaat. „Wir haben 6205 Quadratkilometer Land im Gazastreifen und im Westjordanland. Nicht weniger als das ist es, was wir fordern.“


Abbas akzeptiert Landtausch

Dabei zeigte sich Abbas flexibel, sollte Israel Veränderungen des Grenzverlaufs wünschen. „Solange es um dieselbe Qualität des Landes und den gleichen Umfang geht, haben wir keine Einwände gegen einen Landtausch.“ Damit wäre theoretisch der Fortbestand von jüdischen Siedlungsblocks im Westjordanland möglich.

Der Palästinenserpräsident drängt darauf, dass auf dem in Annapolis geplanten Gipfeltreffen die sechs Kernthemen des Konflikts behandelt werden: Jerusalem, Flüchtlinge, Grenzen, Siedlungen, Wasser und Sicherheit.

WISSEN

Im Juni 2007 hatten Kämpfer der islamistischen Hamas handstreichartig die Kontrolle über den Gazastreifen übernommen. Seither sind die Palästinensergebiete zweigeteilt: In Gaza regiert die Hamas, im Westjordanland die Fatah von Palästinenserpräsident Abbas.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2007)

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6 Kommentare
Gast: Andreas F.
15.10.2007 19:31
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Bitte richtig lesen die II.

@Cicero am 15.10.2007 um 10:35:
Zitat:
"Soll der Westen die Zerstörung Israels finanzieren? Sind Sie dieser Meinung?"

Ich hatte Ihnen dazu bereits meine Antwort gegeben!
Geht's nicht ne Nummer kleiner?
Sie werde ich von nun an negieren.


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Was alles eine Beleidigung sein kann

Wenn Sie mich negieren, werde ich das aushalten! Ist es bereits ein unzulässiger Angriff auf Sie, Sie um Ihre Meinung zu fragen?
In der Sache selbst bekomme ich ja keine Antworten von Ihnen. Denn daß Sie Verwandte in Haifa haben, erklärt gar nichts zur Frage, ob die Hamas Israel zerstören will und ob Israel und der Rest der Welt das widerspruchslos hinnehmen soll.
Im übrigen, ob es Ihnen schmeckt oder nicht, wer der Hamas Geld gibt, finanziert die (beabsichtigte) Zerstörung Israels! Damit Sie mich nicht gleich wieder auffordern zu lesen, Sie haben nicht verlangt, der Hamas Geld zu geben.
Gerne wüßte ich auch noch, wie Sie sich das vorstellen, wie kann man die Hamas von Wahlen fernhalten, wenn man freie Wahlen in Palästina will. Wenn aber das Wahlvolk in freien Wahlen durch entsprechende Mehrheiten der Zerstörung Israels Vorschub leistet, dann muß es auch die Konsequenzen tragen.
Die Hamas wird die Zerstörung Israels aufgeben müssen, soll der internationale Boykott enden.

Gast: Andreas F.
14.10.2007 17:22
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Bitte richtig lesen

@Cicero,

Sie haben meinen Kommetar nicht richtig gelesen.

Den Zusammenhang, den ich habe versucht herzustellen, ist folgender:
Vor der letzten Wahl in Palästina haben sich weder die Regierung Israels noch die USA, und schon garnicht die EU GEGEN eine Teilnahme der Hamas ausgesprochen, im Gegenteil.

Es wurde gelobt, daß sich Hamas dem demokratischen Prozeß stellt.
Warum bitte schön haben diverse nicht im Vorfeld der Wahl erklärt, daß Hamas an dieser Wahl nicht teilnehmen soll?

Es geht mir mit Sicherheit nicht um eine Zerstörung Israels, ich selbst habe Verwandte in Haifa.
Ist das genehm oder muss ich das auch noch erklären!
Wohl kaum!

Offenbar haben Sie kein Gespür für Zusammenhänge.
Anders ausgedrückt: Warum geht es nicht eine Nummer kleiner, als mir direkt vorzuwerfen, daß ich die Zerstörung Israels für richtig heiße!?




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Demokratie ist, wenn man freie Wahlen behindert? So, so!

Wenn Sie nicht mißverstanden werden wollen, müssen Sie sich nur klarer ausdrücken. Insbesondere geht es nicht mit einer eklatanten Geschichtsverfälschung. Den Konflikt im Gaza hat die Hamas begonnen, das läßt sich nicht wegreden.
Neuerlich operieren Sie mit einer Geschichtsklitterung. Der Westen boykottiert die Hamas aus eigenem Antrieb, weil diese die Zerstörung Israels will. Israel übt in diese Richtung keinen Druck aus, braucht es auch gar nicht, die Welt ist sich einig.
Ihr Demokratieverständnis ist eigenartig. Wer freie Wahlen will – wie der Westen – der muß alle politischen Bewegungen antreten lassen. Wenn dann aber Mehrheitsverhältnisse entstehen, die den Nachbarn bedrohen, wird man gerade noch gegen das Wahlergebnis sein dürfen. Die Palästinenser müssen eben wissen, wen sie wählen. Die Hamas nicht!
Die Palästinenser können ohne westliche Finanzhilfe nicht einmal ihre Beamtengehälter zahlen. Soll der Westen die Zerstörung Israels finanzieren? Sind Sie dieser Meinung?

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Soll Israel ausgelöscht werden?

Schon viele Geschichtsklitterungen habe ich hier zum Thema Palästina erlebt und vor allem widersprochen, denn bislang skurrilsten liefern Sie, Hr. Andreas F.!
Zwar ist es richtig, daß die Fatah in massivem Ausmaß korrupt ist. Man denke nur an Yasser Arafat, der in der Lage war, seiner in Paris lebenden Frau für deren bescheidene Haushaltsführung monatlich US$ 120.000,-- zu überweisen. Ein Betrag, den er nicht verdient haben kann.
Richtig ist aber auch, daß auch die Hamas nicht frei von Korruption ist.
Jedoch zu behaupten, wie Sie das machen, die Fatah hätte den Konflikt im Gazastreifen angezettelt, ist im Sinne des Wortes skurril.
Die Fatah hat erkannt, daß Israel nicht mehr zu zerstören ist und die Palästinenser daher zu einem Ausgleich mit den Juden kommen müssen. Die Hamas dagegen träumt immer noch von der Auflösung Israels. Das hat den Konflikt ausgelöst.
Ihre Betrachtung der Dinge läßt die Vermutung aufkommen, Sie hielten die Auslöschung Israels für richtig!

Gast: Andreas F.
11.10.2007 19:38
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Fatah hat sehr viel gelernt

Eines, aber dies ganz sicher, muss der in weiten Teilen Palästinas als korrupt geltenden Fatah zugute gehalten werden, sie -Fatah - hat sehr viel gelernt.

War es in der Vergangenheit die israelische Regierung, welche Bedingungen für Gespräche mit den Palästinensern gestellt hat, ist es nun die Fatah, welche die Bedingungen stellt.

Nicht, daß ich der Fatah etwas unterstelle, aber es ist unglaublich, daß diese Gruppierung, welche den Bürgerkrieg im Gaza angezettelt und somit zu verantworten hat, nun auch noch Bedingungen an Hamas für Gespräche stellt.

Statt auf Hamas zuzugehen, begeht die Fatah seit Jänner 2006 die gleichen Fehler wie weite Teile der westlichen Regierungen, welche Hamas nach der Wahl im Jänner 2006 auf Druck Israels boykottierten.

Frage: Was will Fatah?
Ein Marionettentheater eröffnen, in dem Fatah und Abbas die Hauptrolle spielen?




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