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Tag der Entscheidung für Kosovo

09.12.2007 | 17:48 | Von unserem Korrespondenten THOMAS ROSER (Die Presse)

Brüssel und Washington warnen Kosovo-Albaner vor überstürzter Unabhängigkeit. Schlägerei zwischen Serben und Nato-Soldaten zeigt: Nerven an der Basis liegen blank.

BELGRAD. „D-Day“ für den Kosovo: Heute, Montag, läuft offiziell die Frist für die Gespräche über den künftigen Status der von Serbien wegstrebenden Provinz aus. Diese wurden bereits offiziell für gescheitert erklärt. Die internationale Gemeinschaft wartet nun mit Spannung darauf, wie die im Kosovo regierenden Albaner auf diese Situation reagieren werden.

Obwohl die Regierung von Premier Hashim Thaçi und die Opposition am Sonntag in einer gemeinsamen Stellungnahme den Westen „dringend“ um Unterstützung für die Unabhängigkeit des Kosovo baten, deutet vieles darauf hin, dass sie bereit sind, in Absprache mit den USA und der EU einen überlegteren Weg in die Unabhängigkeit zu gehen.


Warten auf Ban Ki-moon

Nach seinem Wahlsieg Mitte November hatte Hashim Thaçi die Ausrufung der Unabhängigkeit noch für die Zeit unmittelbar nach Veröffentlichung des Berichts der Kosovo-Troika (EU, USA, Russland) angekündigt. Zwar erklärt der Ex-Rebellenführer den Verhandlungsprozess mit Serbien für „definitiv beendet“, aber beim Zeitplan zur Umsetzung der Eigenstaatlichkeit gibt er sich kompromissbereit. So will er abwarten, bis UN-Generalsekretär Ban Ki-moon seinen Bericht über die Verhandlungen zum Kosovo-Status vorgelegt hat. Dieser aber wird frühestens Mitte Jänner erwartet. Laut Österreichs Außenministerin Ursula Plassnik hat die EU der Regierung Thaçi deutlich gemacht, dass eine voreilige Ausrufung der Unabhängigkeit kontraproduktiv wäre: „Die EU hat Pristina klar zu verstehen gegeben, übereilte einseitige Schritte zu unterlassen – diese Botschaft wird auch verstanden“, erklärte Plassnik in einer Aussendung.

Die ungewöhnlich klare Botschaft Brüssels – unterstützt von Washington – dürfte in Pristina tatsächlich angekommen sein. In einem Interview mit der „International Herald Tribune“ sagte Thaçi: „Wir werden nichts ohne die Unterstützung Washingtons, Brüssels und der Nato unternehmen.“

Dass eine „koordinierte Unabhängigkeitserklärung“ auch die von Pristina bevorzugte Vorgangsweise ist, wurde der „Presse“ auch vom österreichischen EU-Abgeordneten Hannes Swoboda bestätigt, der vor kurzem Gespräche mit Kosovo-Albanern geführt hat.

Abseits des Geschehens auf politischer Ebene bleibt die Situation an der „Basis“ aber höchst gespannt. Das zeigte eine Massenschlägerei zwischen Serben und Soldaten der Kosovo-Schutztruppe (Kfor) am Wochenende im Dorf Gorazdevac. Bei der Schlägerei wurden mehrere Personen verletzt. Der Zwischenfall ereignete sich anlässlich eines Besuchs des Chefs der UN-Mission, Joachim Rücker, und von Kfor-Befehlshaber Xavier Bout de Marnhac. Die beiden mussten per Hubschrauber weggebracht werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2007)


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