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Verkehrte Wahlkampfwelt in Serbien

17.01.2008 | 18:31 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS ROSER (Die Presse)

Der proeuropäische Staatschef Tadic mimt den Patrioten, der Ultranationalist Nikolic den Biedermann. Am Sonntag steigt die erste Runde der Präsidentenwahl. Ausgang: ungewiss.

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NIS. Das Schlagen der Trommeln steigert sich. „Serbien, Serbien – Sieg, Sieg, Sieg!“, skandieren die 7000 Menschen auf den Rängen der Cair-Halle im südserbischen Nis. „Hebt die Nationalflaggen!“, bellt Minister Dragan Djilas ins Mikrofon: „Bei diesen Wahlen zählen keine Parteien, nur noch Serbien!“ Rot leuchtet bengalisches Feuer über dem Fahnenmeer.

Über die Leinwände flimmern die Bilder von Staatschef Boris Tadic beim Küssen der Flagge, dem Abschreiten der Ehrengarde, dem Händedruck mit Wladimir Putin. Spot-Strahler erfassen das früh ergraute Haupt des Amtsinhabers, als sich der Präsident unter tosendem Beifall Händeschüttelnd den Weg zum Rednerpult bahnt.


„Glaubt an Serbien!“

Immer wieder spreizt Kandidat Nr.3 Daumen, Mittel- und Zeigefinger zur Drei: zum serbischen Gruß. Mit erhobenen Armen dirigiert er Sprechchöre. „Glaubt an Serbien!“, beschwört Boris Tadicsein Publikum: „Wir verteidigen unsere Interessen – und gehen mit Kosovo nach Europa.“

Neun Kandidaten buhlen bei Serbiens Präsidentenwahl am kommenden Sonntag um die Gunst des Publikums. Aussicht auf den Einzug in die Stichwahl am 3.Februar haben allerdings nur zwei: Im Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem prowestlichen Amtsinhaber Tadic hat der nationalistische Oppositionschef Tomislav Nikoliczunehmend Aufwind.


Verehrung für Kriegsverbrecher

Inbrünstig stimmen die 30.000 Menschen in der voll besetzten Belgrader Arena die Nationalhymne an. Rhythmisch klatschend stimmt die Pop-Ikone und Eurovisions-Siegerin Marija Serifovic die Massen auf den Auftritt des Herausforderers ein. Vor dem Podium recken die Anhänger der Radikalen Partei die Bildnisse der flüchtigen Kriegsverbrecher Radovan Karadcic und Ratko Mladic in die Kameras. Ihr Hoffnungsträger auf der Bühne hat hingegen den Solidaritäts-Anstecker mit seinem im Gefängnis des UN-Kriegsverbrecher-Tribunal einsitzenden Parteichef Vojislav cecelj im Wahlkampf vorläufig abgelegt.

Ob für Albaner, Roma oder Ungarn, er werde als Präsident für „alle Brüder in Serbien“ streiten, versucht sich Nikolic stattdessen in der Rolle des überparteilichen Landesvaters. „Sie behaupten, dass Ihr keine Ahnung habt und ungebildet seid,“ ruft der Mann im dunklen Anzug seinen Anhängern zu: „Doch alle verkünden nun unser Programm. Denn Ihr seid stark und habt schon jetzt gewonnen.“

Die Rollen scheinen vertauscht in Serbiens verkehrter Wahlkampf-Welt. Der Europäer Tadicmimt den patriotisch gesinnten Vaterlandslandsverteidiger, Nationalist Nikolic hingegen den um Ausgleich bemühten Biedermann.

Die aufgeheizte Kosovo-Debatte, die dürftige Regierungsbilanz könnten Nikolic den Weg in den Präsidentenpalast bahnen. Die Umfragen sehen Nikolic im ersten Wahlgang mit sieben Prozent vorn, bei der Stichwahl prognostizieren sie einen Vorsprung für Tadic.


Zwischen Russland und EU

Etwas angestrengt versucht sich der Amtsinhaber im europäisch-patriotischen Spagat. „Ihr habt die Wahl zwischen dem Rückfall in die Vergangenheit oder dem klaren Weg in eine europäische Zukunft“, warnt Tadic in Nic.

Das Land stehe am Scheideweg, sagt Milan Nikolic, Direktor des Zentrums für Politische Studien in Belgrad. Tadic wolle das Land in die EU und Nato führen. Sollte sein Rivale gewinnen, sei eine „Art Selbstisolation“ mit stärkeren Banden zu Russland und zu China zu erwarten. Viele Serben würden den drohenden Verlust des Kosovo als „große Ungerechtigkeit“ empfinden, so der Politologe. Hinzu komme, dass Tadic sich der Unterstützung des nationalkonservativen Koalitionspartners DSS von Premier Vojislav Koctunica nicht sicher sei: „Tadic hat kaum Manövrierraum. Er muss Koctunica zeigen, dass er in Sachen Kosovo bei der Stange bleibt.“

Immer wieder unterbricht in der Arena frenetischer Beifall die heiseren Stakkato-Sätze des nationalistischen Kosovo-Serben Milan Ivanovic. Die Wahl des Kosovo sei klar, verkündet der Serbenführer mit sich überschlagender Stimme. Nur Nikolic kämpfe für die territoriale Integrität des Kosovo.

Ein Mann in einer abgewetzten Ski-Jacke hat das Bildnis seines Hoffnungsträgers auf ein Schild geklebt. Seinen Namen will der 50-Jährige nicht nennen, die Gründe für seine Wahl hingegen schon. Nur Nikolic sei nämlich der Garant für eine bessere Zukunft, sagt der schnauzbärtige Familienvater aus Krucevac: „Ich bin schon seit acht Jahren ohne Arbeit. Sie haben die Fabriken geschlossen und alles verkauft. Niemand von uns hat mehr einen Job.“

Nur der kleinere Teil der Fans von Nikolic seien hart gesottene Nationalisten, sagt Meinungsforscher Marko Blagojevic: „Seine Wähler sind Wendeverlierer.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2008)

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6 Kommentare
natannever
18.01.2008 22:28
0 0

noch ist Serbien...

...nicht verloren,aber der Kosovo schon.Also liebe Serbenfreunde:findet euch damit ab&kümmert euch um den Rest des Landes.Immerhin bleibt euch der sandschak,die Voivodina und einige andere bulgarischew und albanische Gemeinden.Vergrault die nicht!Der Kosovo kommt für euch so schön wieder wie für die Deutschen die Ostgebiete-also gar nicht!Sorry aber Hitler und Milosevic habens vermasselt.

Gast: Dusan
18.01.2008 18:26
0 0

Kosovo

Nikolic ist Serbien und Srbien ist Nikolic!!!

Gast: rene pauls
17.01.2008 22:57
0 0

Korrespondent Roser

Sie sind mir hier in der presse schon mehrfach aufgefallen
und das als Serben-hetzer!!
NUR NEGATIV
Oder verstecken sie sich unter dem Namen Roser,und sind
in wirklichkeit Erich Rattenfelder?

Sie sehe ich eher als einer der die meinung von der
I C G übernimmt!
Und das die International Crises Group-mit all ihren
Mitgliedern (Joschi Fischer-Wesley Clark-Ahtissari-mit sponser ,,Gehirnwäscher-propagandist Milliardär SORROS)
vorreiter sind was die abartigkeiten gegenüber Jugoslawien
bzw.Serbien angeht-ist doch schon allgemein bekannt!!

Zu ihren Artikel:

BEWEISEN SIE EINMAL OB DIESER TOMISLAV NIKOLIC

JEMALS ETWAS RASSEN-HETZERISCHES ÜBER
IHRGENDEINER NICHT SERBISCHEN VOLKSGRUPPE
IN SERBIEN GEÄUSSERT HAT!

Können sie das? Wohl kaum!

Sie haben ein Interview mit ihm geführt-und,was können
sie über ihn schlechtes behaupten?

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/356121/index.do?parentid=0&act=2&isanonym=1#kommentar0

WAS???

Antworten Gast: Illyrer
18.01.2008 16:55
0 0

Re: Korrespondent Roser

Herr rene pauls
Sie sind öfters aufgefallen und zwar nur NEGATIV ODER SEHR NEGATIV. Wenn jemand eure serbische Meinung nicht teilt, dann werdet ihr Serben sofort agressiv.

Sehr geehrter Herr Roser, lassen Sie sich nicht von diesen respektlosen Serben beindrucken. Ich persönlich bin begeistert von ihre wertvolle Arbeit. Einen großen Fan haben Sie schon.
Ich wünsche Ihen alles Gute auch für die Zukunft.
Hochachtungsvoll
ein Albaner

Johnny
18.01.2008 09:53
0 0

Re: Korrespondent Roser

Kurzer Prozess wird gemacht mit Ihren Link
Nr.1
http://forwardme.de/63f9fc.go
Nr.2
http://tinyurl.com/2kap8z
Schaut besser aus lange URL`s werden nicht TOLERIERT!!!!!!!!!!!!!!

Joe1000
18.01.2008 04:52
0 0

Nikolic gehört zu einen der wenigen,

die nicht nach der Pfeife der EU und USA tanzen!

Somit Störfaktor, unter anderem auch für den Herrn Roser.

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