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Wenn Soldaten vom Militärleben genug haben

05.02.2008 | 18:21 |  BURKHARD BISCHOF (Die Presse)

In den Streitkräften der USA und Russlands verübt jedes Jahr eine erschreckend hohe Zahl von Soldaten Suizid. Im Fall der USA ist gerade der Anstieg der Selbstmorde beunruhigend.

Wien. Große Staaten, große Armeen, hohe Suizidraten unter den Soldaten: Auf diese einfache Formel könnte man angesichts der Statistiken kommen, die von den USA und Russland über die Zahl der Selbstmorde in ihren Streitkräften für vergangenes Jahr veröffentlicht wurden. 121 amerikanische Soldaten haben sich 2007 das Leben genommen, wovon 32 Fälle noch untersucht werden. Im selben Jahr verübten auch 224 russische Soldaten Selbstmord.

Im Fall der USA ist gerade der Anstieg der Selbstmorde beunruhigend. Im Jahr 2001, als die Regierung in Washington nach dem Terrorgroßangriff vom 11. September den weltweiten Krieg gegen den Terrorismus ausrief, betrug die Zahl der Suizide in den Reihen der US-Streitkräfte noch 52. 2007 waren es mehr als doppelt so viele.

Aber warum der Anstieg? Die USA führen asymmetrische Kriege in Afghanistan (seit 2001) und Irak (seit 2003). An beiden Schauplätzen toben besonders hinterhältige Kriege. Einen traurigen Höhepunkt erreichte die zynische Terrorkriegsführung des irakischen Netzwerks von al-Qaida, als am vergangenen Wochenende zwei geistig verwirrte Frauen als Selbstmordattentäterinnen auf zwei Bagdader Märkte losgeschickt wurden, wo Bomben an ihren Körpern dann ferngezündet wurden.

Kein Wunder, dass die psychischen Belastungen der Soldaten beim Einsatz in einer derart feindseligen Gegend enorm ist und dies auch nach der Heimkehr entsprechende Folgen hat. Von 750.000 US-Veteranen, die seit 2001 in Afghanistan und Irak im Einsatz waren, haben über 100.000 Anträge auf Behandlung wegen psychischer Probleme gestellt. Die meisten leiden am sogenannten posttraumatischen Stress-Syndrom (PTSD), das Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Angstzuständen, Depressionen und Persönlichkeitsveränderungen bewirkt.

Offenbar sind die Mehrfacheinsätze im Irak besonders belastend. Mehr als ein Viertel der 2007 verübten Selbstmorde von US-Soldaten soll direkt mit dem Irak-Einsatz zu tun haben. Als weitere Suizidgründe nennen Armee-nahe Psychiater Beziehungsprobleme der Soldaten, juristische und finanzielle Probleme sowie Alltagsstress. Die Beziehungsprobleme hängen mit den langen Einsätzen zusammen; so wurde die Dauer des Dienstes im Irak für manche Kampfeinheiten zuletzt von zwölf auf 15 Monate verlängert.


Das russische Krebsübel

Die Zahl der Selbstmorde in den russischen Streitkräften war 2007 freilich fast doppelt so hoch wie unter US-Soldaten. 224 russische Soldaten schieden nach Angaben des Verteidigungsministeriums freiwillig aus dem Leben. Das Ministerium nennt weitere Todesursachen von Soldaten: Unfälle (126 Tote), Verkehrsunfälle (41), Mordfälle und fahrlässige Tötungen (23), Amtsmissbrauch und Misshandlungen von Rekruten (15), falscher Umgang mit Waffen (13).

Das Krebsübel der russischen Streitkräfte versteckt sich hinter der Bezeichnung Amtsmissbrauch und Misshandlung von Rekruten. „Dedowschtschina“ heißt das zu trauriger Berühmtheit gelangte russische Wort. Es bedeutet „Herrschaft der Großväter“ – die systematische Drangsalierung, Erniedrigung, Demütigung und brutale Machtausübung von Längerdienenden über jüngere Wehrmänner. „Dedowschtschina“ ist sicher auch die Hauptursache für die Mehrzahl der Selbstmorde unter den Soldaten, aber darüber machte das Verteidigungsministerium keine Angaben. Obwohl schon zu Sowjetzeiten als „Krankheit der Armee“ erkannt, ist in den Streitkräften des modernen Russland diese grausame Praxis offensichtlich noch immer gang und gäbe.

AUF EINEN BLICK

in den US-Streitkräften haben sich im vergangenen Jahr 121 Soldaten das Leben genommen, wobei 32 Fälle noch weiter untersucht werden. 121 wäre eine Steigerung um 20 Prozent gegenüber 2006 (102 Suizide). Zudem gab es 2100 Selbstmordversuche bzw. Selbstverstümmelungen unter US-Soldaten.

In den russischen Streitkräften kam es 2007 zu 224 Selbstmorden. Ein großer Teil davon ist auf „Dedowschtschina“ zurückzuführen – die grausame Schikanierung von Rekruten durch längerdienende Soldaten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2008)


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6 Kommentare
 
1
 
Von Aaron Fishhof am 06.02.2008 um 05:49

In den US

melden sich die Soldaten aber freiwillig,in Rußland und auch Österreich werden sie aber zwangsweise eingezogen!

Ausnahmen hier sind nur Zivildiener

und Politiker,die sich die Wehrpflicht ganz,wie z.B. unser Bundeskanzler, aus politischen Gründen einsparen.

Das ist der Unterschied.

Also weg mit der Whrpflicht

Noah von der Arche am Berg der Freude

Antworten Von William of Orange am 06.02.2008 um 07:46

Weg mit der Wehrpflicht

Vollkommen richtig. Unser Heer taugt doch sowie nur zu Katastropheneinsätze. Eine kleine schlagkräftige Berufsheer-Truppe von 50.000 Mann aus Freiwilligen wird sich schon ausgehen, mehr brauchen wir eh nicht. Aber dann fehlen dem Staat ja führ Hungerlöhne zwangsrekrutierte Hilfsarbeiter bei Heer und Zivildienst....moderne Sklaverei!

Antworten Antworten Von Gast: benny am 06.02.2008 um 23:11

Re: Weg mit der Wehrpflicht

...und wahrscheinlich würden unzählige (nutzlose) jobs vernichtet... (unteroffiziere und weitere ausbildner für die gwd)

zivildienst: was spricht dagegen, den aufrecht zu erhalten? statt der wahl zwischen bundesheer und zivildienst gibt es halt nur mehr zividienst?

lg, benny

Antworten Antworten Von Markus60 am 06.02.2008 um 11:58

Weg mit der Wehrpflicht

Weg mit der Wehrpflicht und weg mit
der Armee den wozu brauch man eine Arme
man sieht es ja nicht um unser Land zu schützen sondern
um als Handlanger der USA und anderer interessen zu dienen als Hündchen and er Hundeleine
ist unsere Armee noch gut zuerst Bundeswehr nur zur hilfe in Afganistan dann für ganz Afganistan
und so weiter und so fort aber wir Deutschen werden dazu nicht gefragt
Genauso wie mit der Einführung des Euros
Die meiesten in Deutschland lebenden Menschen Wollten den Euro ganz bewusst nicht und wir wurden auch ganz bewusst nicht gefragt
...

Antworten Antworten Antworten Von der-schlingel am 06.02.2008 um 12:11

Re: Weg mit der Wehrpflicht

Seit langem das Dümmste was ich hier gelesen habe. Es gibt Argumente gegen eine Wehrpflicht, aber die österreichischen Truppen als Handlager der USA zu sehen, ist doch in der Tat eine der schönsten Realitätsverweigerungen.

Vor allem hier geht es um das österreichische BundesHEER nicht um die Bundeswehr. ;-)

Antworten Antworten Von Markus60 am 06.02.2008 um 11:58

Weg mit der Wehrpflicht

Weg mit der Wehrpflicht und weg mit
der Armee den wozu brauch man eine Arme
man sieht es ja nicht um unser Land zu schützen sondern
um als Handlanger der USA und anderer interessen zu dienen als Hündchen and er Hundeleine
ist unsere Armee noch gut zuerst Bundeswehr nur zur hilfe in Afganistan dann für ganz Afganistan
und so weiter und so fort aber wir Deutschen werden dazu nicht gefragt
Genauso wie mit der Einführung des Euros
Die meiesten in Deutschland lebenden Menschen Wollten den Euro ganz bewusst nicht und wir wurden auch ganz bewusst nicht gefragt
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