„Sie werden sehen, was sie davon haben“

17.02.2008 | 18:26 |  Aus Belgrad berichtet HELMAR DUMBS (Die Presse)

Wiewohl Serbiens Medien vor Nationalismus schäumen, ist Kosovos Sezession vielen Belgradern egal.

Ach lassen Sie mich mit Kosovo in Ruhe!“, sagt der Spaziergänger im Kalemegdan-Park, grüßt, und geht. Eine Hausfrau meint: „Sicher gehört Kosovo uns. Aber wenn der Westen ihn nehmen will, was können wir machen?“ Mehr interessieren sich die sorgsam geschminkte Dame und ihre Tochter für die in Belgrad stattfindende Kosmetik-Messe. „Sollen sie ihre Unabhängigkeit kriegen. Sie werden schon sehen, was sie davon haben“, meint ein Arbeitsloser mit abfälliger Geste; dazu verwendet er für die Albaner das Schimpfwort „Siptari“. Groß ist der Kontrast zwischen dieser Unaufgeregtheit und den Schlagzeilen serbischer Zeitungen: „Okkupation!“ schmettert der „Kurir“ seinen Lesern entgegen. „Kosovo bleibt bei uns!“ greift eine Titelzeile im Blattinneren den Slogan einer Demo vom Vortag auf, ohne ihn als Zitat auszuweisen.

2500 Menschen hatten Samstag vor Sloweniens Botschaft gegen die EU-Mission im Kosovo demonstriert. Slowenien hat derzeit den EU-Vorsitz, und man hat dem Land nicht vergessen, dass es in den 90ern als erstes Jugoslawien verließ. „Faschisten!“, brüllt einer in Richtung Botschaft. Der Platz davor ist abgesperrt, doch brechen Demonstranten mehrfach durch den Polizeikordon.


Kirche wünscht russische Militärhilfe

Auf einigen Fahnenstangen, von denen serbische Fahnen flattern, stecken Kreuze, und viel ist in den Ansprachen die Rede vom „christlichen, orthodoxen Serbien“. Mönche bringen eine Ikone: ein Geschenk Russlands. Die Ikone führt den Zug „durch unser orthodoxes Belgrad“ hinauf zur Sava-Kathedrale an, wo im Schneegestöber schon Geistliche im Festtags-Ornat warten.

Die Demonstranten sind junge, böse blickende Männer, viele vom Fußballklub „Roter Stern“, und Pensionisten. Die Generationen dazwischen fehlen. „Wir waren in jedem Krieg auf der richtigen Seite. Gegen die Türken, Hitler. Ist das der Dank?“, so ein Pensionist. Er trägt einen „Ich will nicht nach Europa“-Button. „Wir demonstrieren, bis Kosovos Verbleib bei Serbien gesichert ist“, knurrt ein Mann mit Tschetnik-Mütze.

Serbiens Regierung zeigte Sonntag Präsenz im Kosovo: Viele Minister fuhren in die Serben-Enklaven. Kosovo-Minister Slobodan Samardzic sagte in der geteilten Stadt Mitrovica, nach dem „Völkerrechtsbruch“ sei „die Welt nicht mehr dieselbe“. Während man betonte, friedlich um Kosovo zu kämpfen, kamen von Bischof Artemije, Oberhaupt der orthodoxen Kirche Kosovos, kriegerische Töne: Serbiens Armee solle eingreifen – und Russland Waffen und Freiwillige schicken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2008)


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18 Kommentare
 
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Von towercon am 19.02.2008 um 12:48

alle rechtlichen massnahmen gegen die orthodoxe kirche einleiten...

ich hoffe die kosovarische regierung leitet alle möglichen verfahren gegen die serbisch orthodoxe kirche ein.

den der aufruf zu krieg und mord darf nicht geduldet werden.

zitat;
"Serbiens Armee solle eingreifen – und Russland Waffen und Freiwillige schicken."

ich hoffe dieser bischof landet hinter gitter, der anscheinend einen hang zu gewalt hat.

mfg

Von Gast: Beobachter am 19.02.2008 um 10:25

Das andere Verbrechen von Al GORE

AL Gore, Armand Hammer, Oxydental Petroleum und Albanien/Kosovo. Ja, und der Familinehintergrund von Frau Tipper ist natuerlich auch aus der Gegend....
Es war Al Gore, der den Kosovo-Krieg so unbedingt wollte. Schon sagenhaft, wie der Vizepraesident in den USA immer der Kriegstreiber ist....

Von Gast: Weiden am 19.02.2008 um 01:16

Shqiptar

Shqiptar - Eigenbezeichnung der Albaner
Siptar - ergibt in der serbischen Sprache meines Wissens nach einen gänzlich anderen Sinn ;)

Jojo, die Jugos :)

Antworten Von Gast: viceversa am 19.02.2008 um 13:49

weiden:

"(abwertend) sich in hämischer od. sadistischer Weise an etw. ergötzen, was für einen andern unangenehm ist, worunter ein anderer leidet: sich an jmds. Angst, Verzweiflung, Not, Pein, Qualen w." (Duden)

Welchen gänzlich anderen Sinn ergibt denn die Bezeichnung "Siptar" in serbischer Sprache - ihres Wissens nach?

Eigenbezeichnung der Albaner (nicht nur meines Wissens nach): Siptar = Shqiptar = Skipetar = Shkiptar.

Von Gast: viceversa am 18.02.2008 um 13:07

>>dazu verwendet [der Serbe] für die Albaner das Schimpfwort „Siptari“<<

Nun frage ich mich, ob sich die Albaner selbst beleidigen wollten, als sie den öffentlich-rechtlichen Sender Albaniens mit Sitz in Tirana "Radio Televizioni Shqiptar" nannten oder aber >>vor Nationalismus schäumen[de]<< Serben für den Namen verantwortlich sind.

Antworten Von Gast: Beobachter am 19.02.2008 um 04:28

Karl May lesen....

Im Land der Skipetaren.
Auch heute noch sehr lehrreich.

Von Gast: Beobachter am 18.02.2008 um 10:47

Seit wann ist Skipetar ein Schimpfwort????

Jedenfalls ist Kosovo fuer Serbien das, was Jerusalem fuer Israel ist: Das nationale Symbol, nur leider hauptsaechlich von anderen bewohnt. Nur ist Israel eben staerker, und kann Jerusalem (noch?) halten.

Von Gast: Weiden am 18.02.2008 um 10:13

AUT - Steiermark?

Der Vergleich zwischen Österreich und der Steiermark ist absolut lächerlich und an den Haaren herbeigezogen. Schließlich handelt es sich bei den Kosovaren und den Serben zwischen 2 vollständig verschiedenen Ethnien die schon seit mehr als 500 Jahren im Konflikt stehen.
Meines Wissens nach handelt es sich bei den Steirern nicht um eine andere Ethnie...

Für mich onehin nicht nachvollziehbar was die Serben vom Kosovo wollen, einem Stück Land in dem mehr als 95% einer anderen Ethnie - mit der man im Konflikt steht - leben...

Antworten Von Gast: Beobachter am 19.02.2008 um 10:46

Das Resultat der Umvolkung

Vor einer Generation hatten die Serben in Albanien noch die Mehrheit. Nur hatten die Serben dann eben auch nur einkommajosef Kinder pro Paar, und die Albaner eben Duzende.
Kosovo ist Resteuropa-Fast Forward: Bald gibt es auch bein uns die Islamische Republiken Oberstan, Niederstan mit der Hauptstadt Wienerbad, Steierstan, Burgenstan etc.
Good luck - and good night.

Von Aill am 18.02.2008 um 00:18

"schäumen"... oder prolongierte NATO-propaganda

die einen schäumen vor nationalismus, die anderen sind liebreizend...
so unterschiedlich werden nationale affekte beurteilt... und das soll nicht im kontext der nato-propaganda stehen?

Von Stimme der Vernunft am 17.02.2008 um 22:11

Sie werden sehen, was sie davon haben“

Kaum fassbar ist die Geschichte vom Nationalismus in den Medien. Leute, wie würden wohl Österreichs Medien ausschauen, wenn morgen z.B. die Steiermark in Slowenien aufwachen würde? Ich wundere mich nur das nicht wieder etwas über großserbische Aktivitäten berichtet wird, während das Fundament von Großalbanien erbaut werden soll. Eine nationalistische Massenhysterie im Zentrum von Pristina die von der Welt verfolgt wurde und der Schreiber dieses Artikels möchte wieder einmal mit irgendwo unter der Lupe entdecktem serbischen Nationalismus groß auftrumpfen und vom Thema ablenken.
Privateigentum, Privatbesitz das ist doch heilig in der westlichen Welt, schreiben sie doch mal etwas darüber! Wem was gehört im Kosovo. Allein die EPS (serbische Stromgesellschaft) un das serbische Militär haben im Kosovo Eigentum von 3Mrd.Euro, welches ihnen gestohlen wurde und an andere meist US-Firmen weiterverkauft wurde. Wem gehört TREPCA? Für das zahlt Serbien heute noch Kredite zurück. Sie werden sehen..

Von Stimme der Vernunft am 17.02.2008 um 21:58

Sie werden sehen, was sie davon haben“

...Diese selbsternannte Unabhängigkeit, ist etwas womit man gerechnet hat. Wieviel genau sie Wert ist, bleibt noch ein paar Tage abzuwarten. Ich dürfte wetten das es bestenfalls 60 bis 70 Staaten weltweit sein dürften, die diese "Totgeburt" anerkennen werden. Institutionen wie die UN oder OSZE wird die Regierung Kosovos weiterhin nur im TV sehen können.
Sie werden sehen was sie davon haben, heißt soviel wie ein Staat zu sein kostet Geld. Man hat Einnahmen und Ausgaben. Wenn man bedenkt das Kosovo, von internationaler Hilfe abgesehen, nur 2 Einnahmeposten hat: Das Geld der albanischen Gastarbeiter und das Geld der Mafia, dann kann man leicht ausrechnen wie weit dieses Land im Versuch, kommen kann. Eine Wirtschaft existiert so gut wie gar nicht. 80%Arbeitslose, die Stromversorgung aus eigener Kapazität liegt bei ca 60%von dem was 1999 die serbische Stromgesellschaft unter NATO-Bomben im Kosovo produziert hat. Wovon soll dieses Land im Versuch wohl leben. Von wessen Steuergeldern?

Von Stimme der Vernunft am 17.02.2008 um 21:43

Sie werden sehen, was sie davon haben“

Endlich mal ein Artikel, wo man tagelang darüber kommentieren könnte. Dieser Artikel zeigt das gesamte Unverständnis der Lage, er zeigt eine verdeckte, nennen wir es mal Böswilligkeit (man kann aber auch angesichts der heutigen Stimmung in Pristina "Freudentaumelartikel" dazu sagen), in dem einzig die Überschrift eine klare und deutliche Aussage über die heutigen Geschehenisse machen kann.
Viel Unkenntnis und Täuschung, kurz gesagt. Angefangen vom angeblichen Schimpfwort "Siptari". Siptari heißt auf serbisch soviel wie Albaner. Auch die Albaner selbst bezeichnen sich als Siptaren (Squiptar, so wird es glaube ich auf albanisch geschrieben).
Was die sorgsam geschminkte Dame angeht, wer einmal in Belgrad war, der weiß welch eine Schönheit der Frauen auf Belgrads Straßen tag täglich zu bestaunen ist.
Trotz des großen Unrechts das ihnen zugefügt wird, bleiben die Menschen cool und gelassen, sie sind es ja schließlich gewohnt, von der westlichen Welt wie Dreck behandelt zu werden...

Antworten Von Gast: net-diver am 18.02.2008 um 13:29

Re: Sie werden sehen, was sie davon haben“

Und Sie nennen sich Stimme der Vernunft?

Antworten Von Ingenieur am 18.02.2008 um 00:26

Re: Sie werden sehen, was sie davon haben“

bin ganz deiner meinung

Von Gast: Unfassbar am 17.02.2008 um 19:48

propaganda

dieser artikel entbehrt jeglicher grundlage und logik. was da für obskure Argumente, wie z.B.: ein Nichtverzeihen eines Verlassens Jugoslawiens gegenüber der Republik Slowenien, angewandt werden, ist nicht tragbar.

Die konservative österreichische Presse übt sich in falsch verstandener liberaler Polemik. Schuster bleib' bei Deinen Leisten...

Von chilly am 17.02.2008 um 19:44

@redaktion

sagen sie mal wie fühlen sie sich wenn sie menschen die für ihr interntionl grntiertes recht das ihnen rechtswiedrig genommen wurde demonstrieren als bestien bezeichnen, knurren böse blicke etc.
sie wollen es vieleicht nicht wahr haben das das völkerrecht auf der seite serbiens ist und beschwöhren deshalb wie auch die albanischen poster hier einen hauch von milosevic, serbien ist heute demokrtisch und wird um sein recht mit friedlichen mitteln weiterkämpfen.

Antworten Von Gast: Amsel am 18.02.2008 um 08:55

was davon haben

Werde das Gefühl nicht los, es geht hier nicht um Kosovaren , sondern um die Nato und USA. Die haben was davon, so wie in Afghanistan und Iran.

 
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