22.11.2009 04:20 | Meine Presse Merkliste0

von uno zu eu: Unabhängig – aber noch lange nicht souverän

17.02.2008 | 18:28 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS ROSER (Die Presse)

Von Serbien hat sich der Kosovo verabschiedet, doch die internationale Fremdbestimmung bleibt.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Pristina. Ein großes „Danke!“ prangt auf den Plakaten mit der Flagge der USA oder dem europäischen Sternenbanner im Zentrum von Pristina. Tatsächlich hat Europas jüngster Staat seine Geburt vor allem den westlichen Schutzmächten zu verdanken. Doch auch nach der Unabhängigkeitserklärung wird Kosovo noch lange unter fremder Kuratel stehen: Bis zur vollen Souveränität des seit 1999 international verwalteten Gebiets könnten Jahre oder gar Jahrzehnte vergehen.

„Kosovo wird unabhängig von Serbien – aber nicht von der internationalen Gemeinschaft“, stellt der Politologe Ilir Dugolli in Pristina klar. Tatsächlich bleiben die 16.000 Soldaten der Kfor-Truppe der Nato aus Sicherheitsgründen bis auf weiteres im Kosovo stationiert. Die 4000 Mann starke UN-Verwaltung Unmik soll in vier Monaten der EU-Mission „Eulex“ weichen: Deren insgesamt 2200 Polizisten und Berater sollen den Aufbau demokratischer Institutionen begleiten und überwachen.

Diese Eigenstaatlichkeit sei „sicher nicht die, für die wir gekämpft haben“, meint Präsidentenberater Muhamet Hamit: „Doch manchmal schlägt die Realität eben die Ideale.“ Im Gegensatz zu Unmik werde die EU-Mission aber immerhin keine Regierungsfunktionen übernehmen. Doch auch hier meldet sich die Realität: Die Kosovo-Regierung kann zwar ihre Außenpolitik selbst gestalten. Der Zutritt zu den meisten internationalen Organisationen dürfte dem neuen Staat wegen des Widerstands Serbiens und Russlands indes noch lange verwehrt bleiben.


Pässe erst in einigen Monaten

Auch bis zur Ausgabe eigener Kosovo-Pässe müssen sich die zwei Millionen Einwohner des neuen Staates noch einige Monate gedulden: Reisedokumente stellt nach wie vor die Unmik aus. Bis auf weiteres sind auch die Festnetz-Telefonnummern nur über die serbische Vorwahl zu erreichen, die Mobilnummern des Landes tragen gar die Vorwahl von Monaco oder Slowenien.

Die internationalen Institutionen aber haben im Kosovo Hochkonjunktur. Da ist zum einen der politische Planungsstab (ICO), der die Umsetzung der international überwachten Unabhängigkeit betreuen soll, wie sie von UN-Vermittler Martti Ahtisaari entworfen wurde. Da ist zum anderen die „Eulex“-Mission mit 2200 Mitgliedern und einem mit 80 Diplomaten besetzten Verbindungsbüro zur EU-Kommission. Dazu kommt, dass trotz des offiziellen Datums für die Übergabe der UNO an die EU der Zeitpunkt des Abzugs von Unmik ungewiss ist. Russland lehnt die EU-Mission aus rechtlichen Gründen ab, der UN-Sicherheitsrat ist deshalb in der Frage des Abzugs blockiert. „Nichts ist klar, es gibt keine Instruktionen aus New York, ob und wann wir die unbefristete Mission beenden sollen“, klagt Unmik-Sprecher Alexander Ivanko. Eine kleine Repräsentanz könnte auf jeden Fall bleiben – schon um die Kommunikation mit Serbien aufrechtzuerhalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2008)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

1 Kommentare
Aill
18.02.2008 01:03
0 0

Fremdbestimmung?

Ich würde eher sagen: Fremdfinanzierung!

Schlagzeilen Politik

  • EU-Topjobs: Schüssel und Plassnik bis zuletzt im Rennen
    Die Dänen und Osteuropäer waren für Ex-Kanzler Schüssel als Ratspräsident der EU. Aber Bundeskanzler Faymann will nichts gehört haben.
    Strache: "Hass gegen demokratische Bewegung"
    FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache betonte die Friedlichkeit des Festkommers der Burschenschafter in der Wiener Hofburg. Rund 500 Personen demonstrierten am Ring.
    Hofburg-Wahl: Gerüchte über Fischers Wiederkandidatur
    Angeblich will Bundespräsident Fischer am Donnerstag seine Wiederkandidatur bekanntgeben. Aus der Präsidentschafts-Kanzlei kam bloß: "Kein Kommentar".
  • Regierungsbilanz: Das verlorene Jahr
    Das Kabinett „Faymann I“ hat in seinem ersten Jahr viel getan. Nur das Wichtigste nicht. Selten war die Zeit für die Vorbereitung unpopulärer, aber notwendiger Reformen besser als im Vorjahr. Eine verpasste Chance.
    Heinisch-Hosek: Eine Mutter auf Zeit
    Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek erzählt u.a. wie ein schwerstbehindertes Kind drei Jahre lang ihr Leben bereichert hat, was ihr von dieser ungewöhnlichen Beziehung geblieben ist.
    Adoption: Zwei Mütter für Janis
    Adoption bleibt im Gesetz zur Homo-Ehe für schwule und lesbische Partner verboten. Doch viele Paare mit Kinderwunsch haben längst ihren Traum vom Nachwuchs verwirklicht.
  • Grünen-Chef Özdemir: "Das Türkische ist keine In-Kultur"
    Seit einem Jahr ist Cem Özdemir Chef der Grünen Deutschlands. Mit der "Presse am Sonntag" spricht er über Integration, Bildung und seine Elternzeit: "So modern, wie wir immer tun, sind wir in Mitteleuropa nicht".
    Davutoglu: Der Kissinger aus Konya
    Lernen von den Osmanen: Ahmet Davutoglu richtete die türkische Außenpolitik neu gen Osten aus: Europa muss sich Ankaras Aufmerksamkeit nun teilen. Mit seiner Brille, seiner zierlichen Gestalt wirkt Ahmet Davutoglu manchmal wie ein gealterter Student.
    Kabul: Rakete schlägt in Luxushotel ein
    Bei dem Anschlag stürzte eine Wand des Gebäudes ein. Es gab sieben Verletzte. Die Regierung in Kabul will die afghanischen Polizei- und Militärkräfte auf 400.000 Mann ausbauen.
  • Bürgerkrieg: "Es war eine Diktatur. Punkt."
    Umstrittenes Gedenken an 1934: Vor 75 Jahren war Bürgerkrieg in Österreich, ideologische Gräben verhindern eine gemeinsame Aufarbeitung. Prominente Historiker wollen jetzt die Opfer des Ständestaates rehabilitieren.
    Avraham Burg: „Traumawettbewerb“
    Avraham Burg provoziert: Der Sohn eines Holocaust-Überlebenden und frühere Knessetpräsident fordert die Überwindung des Holocaust-Traumas. Leistet er damit einen Beitrag zur Schlussstrichdebatte?
    Gasstreit: Putin als Timoschenkos Wahlhelfer
    Mit seiner „Großzügigkeit“ unterstützt Russland die einstige Erzfeindin. Die Ukraine darf fortan ohne Angst vor Sanktionen weniger Gas einkaufen als bisher vertraglich vereinbart war.