"Die Begeisterung über den neuen Staat hält sich auch unter denen in Grenzen, die sich jetzt einmal kräftig freuen sollen. Zu viel Blut ist geflossen, seit die Kosovo-Albaner 1990 ihre Provinz zum ersten Mal für unabhängig erklärt haben. Die vielen Friedhöfe, die man überall im Land sieht, erzählen trotz der bronzenen Heldenfiguren und stolzen Flaggen zunächst von Trauer. Aber auch wer in diesen schlimmen 18 Jahren keinen Angehörigen verloren, nicht seine Jugend verpasst oder eine sichere Stellung im Leben eingebüßt hat, hat jetzt wenig Grund zum Jubel. Die endlich erreichte Unabhängigkeit verdient kaum ihren Namen. Verfassung, Flagge und Wappen, sogar der Tag der Proklamation wird den Kosovaren gleich welcher Nationalität von den Aufsicht führenden Westmächten oktroyiert. Was jetzt als die Geburt eines neuen Staates gefeiert wird, ist kaum mehr als die Gründung eines weiteren europäischen Semi-Protektorats auf dem Balkan."
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