WIEN/Moskau(gau). Kein Globus verrät ihre Existenz. In keiner internationalen Organisation sind sie vertreten. Ihre Botschaften sucht man vergeblich. Und doch haben Sie Flaggen, Zöllner und Präsidenten – vor allem aber eine traurige Geschichte von ethnischen Säuberungen, Bürgerkrieg und wirtschaftlichem Verfall.
Abchasien und Südossetien gelten völkerrechtlich als Teil Georgiens, Transnistrien gehört zu Moldova. Doch nicht nur UNO und Völkerrecht entscheiden über Sein oder Nichtsein. Denn der Einfluss der Zentralregierungen auf die abtrünnigen Gebiete ist gleich null. „Stabilisierte De-facto-Regime“ nennen das Politologen.
Entstanden Anfang der 90er-Jahre aus der Konkursmasse der zerfallenden Sowjetunion, kämpfen die Gebilde von der Größe Salzburgs, Kärntens oder des Burgenlandes seitdem um internationale Anerkennung. Bis vor kurzem schien ihr Weg vom Phantom zum Staat noch endlos. Der „Präzedenzfall“ Kosovo eröffnet nun erstmals konkrete Perspektiven.
„Südossetien hat alle Kennzeichen eines Staates, anders als Kosovo“, behauptet der dortige Präsident Eduard Kokojty. „Dieses ganze Gerede über den ,einzigartigen Fall Kosovo‘ ist ein Beispiel für Doppelmoral“, poltert Abchasiens Präsident Sergej Bagapsh. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner kontert: Der Kosovo sei keine „Blaupause“, ein Vergleich sei „weder korrekt noch hilfreich“.
Endziel: Heim nach Russland
Der Grund für das neue Selbstbewusstsein: Die Separatisten wissen Russland hinter sich. Auch ohne Anerkennung wurden sie von ihrer Schutzmacht wirtschaftlich und militärisch unterstützt. Putin hielt sie als Trümpfe im Kosovo-Poker lange in der Hinterhand. Nun spielt er sie aus: Ein anerkannter Kosovo werde „Russland zwingen, seine Strategie anzupassen“.
Das Endziel der Sezessionisten ist ein Anschluss an Russland. Schon heute haben die meisten Abchasen russische Pässe. Russische Minderheiten waren es gewesen, die sich von Georgien und Moldova abspalteten. Der Preis war hoch: In den georgischen Provinzen wurden Hunderttausende vertrieben. Nur Transnistrien profitiert auf zweifelhafte Weise von seinem ungeklärten Status: als Drehscheibe für den Schmuggel von Drogen und Waffen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2008)
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