Österreich erkennt Kosovo diese Woche an

18.02.2008 | 19:25 |  Von unserer Korrespondentin REGINA PÖLL (Die Presse)

Die EU fand keine gemeinsame Linie. Jetzt kann jedes Land selbst über die Anerkennung entscheiden.

Brüssel. Die Hoffnungen, die der Kosovo in Europa gesetzt hatte, zerbarsten am Montag: Die EU-Außenminister konnten sich bei ihrem Treffen in Brüssel nicht auf eine einheitliche Linie zum jüngsten Staat Europas einigen. Eine gemeinsame Erklärung der Außenminister untermauerte diese Unentschlossenheit noch: Sie sieht vor, dass jedes EU-Land selbst entscheidet, ob es seinen Sanktus zum neuen Staat gibt oder nicht. Alles eine bilaterale Frage also – kein „starkes europäisches Signal“, das man aus Brüssel zwar an die frühere südserbische Provinz schicken wollte, aber offenbar nicht konnte.


Frankreich, Großbritannien, Italien und Deutschland kündigten daraufhin die umgehende Anerkennung an. Auch Österreich will den Kosovo rasch anerkennen. Außenministerin Ursula Plassnik gab nach dem Ende der erfolglosen Beratungen in Brüssel bekannt, sie werde dem Ministerrat am Mittwoch in Wien vorschlagen, den Bundespräsidenten einzuschalten: Dieser muss Plassnik damit beauftragen, ein Anerkennungsschreiben an den Kosovo zu schicken. Dann ist er formell von Österreich anerkannt. Plassnik hat für dieses Vorgehen die Rückendeckung von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der sich bereits mehrfach für eine umgehende Anerkennung ausgesprochen hatte.


Die Mehrzahl der 27 EU-Staaten werde in den nächsten Tagen ihr „Ja“ zum Kosovo erteilen, kündigte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier an.
Auf der anderen Seite wurde der Widerstand heftiger. Mehrere EU-Regierungen erklärten die Unabhängigkeit des Kosovo für „illegal“ oder „ungültig“. Rumäniens Präsident Traian Basescu sieht keine legale Basis für den Staat. Auch Spanien schloss eine Anerkennung kategorisch aus, da dies den Separatisten im eigenen Land Auftrieb geben könnte, so die Sorge. In Spanien wird am 3. März gewählt. „Die Regierung Spaniens wird diesen einseitigen Akt, der vom Kosovo-Parlament proklamiert worden war, nicht anerkennen“, sagte Außenminister Miguel Angel Moratinos laut Austria Presseagentur. Die Unabhängigkeit widerspreche dem internationalen Recht, behauptete er.

Sechs Länder sagen „Nein“


Aus sechs EU-Ländern kam am Montag ein striktes Nein. Neben Rumänien und Spanien waren dies Zypern, Griechenland, Bulgarien und die Slowakei. Zypern befürchtet, dass sich das türkisch besetzte Nordzypern bei einer breiten Anerkennung durch die EU ein Vorbild nehmen und ebenfalls abspalten könnte. Griechenland ist aus Solidarität mit Zypern gegen eine Anerkennung. Bulgariens Außenminister Iwajlo Kalfin warnte vor einem Aufbrechen „eingefrorener“ Konflikte auf dem Balkan. Überraschend deutlich fiel auch das „Nein“ der Slowakei aus. Pressburg werde keine diplomatischen Beziehungen mit dem Kosovo aufnehmen, so Außenminister Jan Kubis.


Einig sind sich die EU-Staaten nur bei der EU-Zivilmission „Eulex“, welche die Kosovaren ab Juni beim Aufbau ihres Staates unterstützen soll. Mehrere Versuche der EU-Außenminister, darüber hinaus eine gemeinsame Position zu definieren, sind gescheitert.
Dabei wäre eine gemeinsame Linie der EU-Staaten für den Kosovo besonders wichtig. Denn die grundsätzlich pro-kosovarischen USA wollen ihr weiteres Vorgehen bei den Vereinten Nationen von den EU-Staaten abhängig machen. Im UN-Sicherheitsrat werden sie mit Großbritannien und Frankreich für den neuen Staat argumentieren. Ganz im Gegensatz zu Russland, das als „Schutzmacht“ der Serben gilt und den Kosovo „nicht zur Kenntnis nimmt“, wie es ein hoher Diplomat ausdrückte.


Der EU drohen mit Serbien, das die Loslösung des Kosovo nicht akzeptiert, erhebliche Spannungen. Die EU-Kommission betont zwar, dass ihre „Hand ausgestreckt“ sei, so Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. Doch auf ein Stabilitäts- und Assoziierungsabkommen als Vorstufe zu einem EU-Beitritt kann Belgrad nicht so bald hoffen: Vor allem die Niederlande drängen darauf, dass zuerst der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladi? an das UN-Kriegsverbrechertribunal ausgeliefert werden muss.

 

Berlin streut Belgrad Rosen


BERLIN (vier). Deutschland versucht sich indessen als Vermittler zwischen der EU und Serbien. „Die serbischen Interessen liegen uns am Herzen“, versicherte Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Gespräch mit der Auslandspresse in Berlin. Es sei jetzt die Gelegenheit, die Gräben zu überwinden. Zum anderen aber betonte sie den Ausnahmecharakter der ehemaligen Unruheprovinz: „Kosovo ist ein Fall sui generis und mit nichts anderem zu vergleichen.“ Es gehe nun darum, „aus der faktischen Realität das Beste zu machen“.


Als oberstes Prinzip bezeichnete Merkel den Respekt vor den Minderheiten im Kosovo. Dies sei die Grundlage für eine europäische Perspektive. Die Beziehungen zu Russland sieht Merkel durch den Streit um die Anerkennung nicht gefährdet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2008)


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22 Kommentare
 
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Von Gernot H. am 19.02.2008 um 18:49

Danke Frau Plassnik

Jugoslawien war ein berechenbarer Partner, die Milsoevics kommen und gehen, ein bißchen Wirtschaftsembargo gegen Jugoslawien 1991 und alles wäre gut gewesen, wir hätten uns den 3. Balkankrieg erspart und ca. 250 000 Flüchtlinge die wir in Österreich durchfüttern durften und die sich dann bei uns breitgemacht haben.

Und jetzt machen die BRD und Österreich wieder den gleichen Fehler wie anno ´91. Warum kann sich Österreich als "neutrales" Land nicht einmal von diesem Wahnsinn zurückhalten und einfach einmal nichts tun???

Von suleika am 19.02.2008 um 10:50

UMVOLKUNG führt zum Ziel?

Zuerst zivil umvolken, dann unabhängigkeit ausrufen...
Ich schlage selbiges modell für Kalifat berlin-neukölln,
Kalifat wien-favoriten, Kalifat wien-ottakring, Republik frankfurt/main, köln und hamburg vor!
Anerkennung durch BRDeutschland und RÖsterreich garantiert!


Von Aill am 19.02.2008 um 10:44

keinen cent in diese korrupte region!

die bisherigen unterstützungen sind - wie auch im fall albaniens - weitgehend in dunkle kanäle geschwemmt worden. dennoch wollen alle parteien außer der fpö weiterhin den geldhahn aufdrehen.
100 euronen für arme österreicher sind ihnen zuviel - aber den sumpf von kriminalität, prostitution und verbrechen im kosovo nährt man gerne!
wenigstens gibt es eine partei, die österreichische interessen vertritt.

Antworten Von Ronnin am 27.02.2008 um 00:52

Re: keinen cent in diese korrupte region!

Da muß ich dir - leider- recht geben.
Wie ich bereits schrieb: ein stabiles Land soll sich um eigene Population kümmern. Ich kenne beispielsweise chronicsh kranke, die bei der GKK gar nichts oder so gut wie gar nichts bekommen- was früher aber anders war. Ich bekomme langsam das Gefühl, man verschwendet das gante Geld an irgendwelche "arme Menschen", die erstens nur ihre Interessen schauen (wie viele Türken, Kurden, Kosovaren, Iraker, Bosnier .. und andere "arme" Nationen gibt es wohl in unserem KLEINEN Land??). Ich ahlte von dieser Politik gar nichts, denn eines schönen Tages gibt es ein böses Erwachen.


Von Weinheber am 19.02.2008 um 10:42

Auf eine Anerkennung folgt

die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit einem Konsulat oder gar einer Botschaft in Pristina.

Dort wird es hoffentlich in der Visa-Abteilung nicht so umtriebig zugehen wie in den anderen österreichischen Balkanvertretungen es der Fall war.

Aber zur Sorge ist Anlass.
Pristina- oder besser gesagt - Kosova ist das europäische Zentrum des organisierten Verbrechens.

Diesen 2 Millionen Leuten den Weg nach Europa ebnen, ist eine kolossale Fehlleistung der EU.
Wäre aber nicht das erste Mal.

Von Gast: Srbska am 19.02.2008 um 09:58

Hoppauf USCHI

Schleim dich ordentlich ein beim Brüsseler Pack, mit einer Anerkennung. Schließlich willst dort ja noch etwas werden weil hier in Österreich erntest du ja sowieso nichts außer Verachtung.

Von McCarthy the Great am 19.02.2008 um 09:07

Was regen wir uns auf

waren ja auch selbtst schuld daran, damals den Milosevic beim Zersprengen Jugoslawiens nicht aufgehalten zu haben. Damals keinen Weitblick bewiesen zu haben. Die Amerikaner gelassen zu haben. Geschichte ignoriert zu haben. Ich prophezeihe ein paar Kleinstaaten mehr, die Vereinigung des Kosovo mit Albanien und die Manifestierung der türkischen Nordzyperninvasion als "gegeben" - und das alles in den nächsten 15 Jahren. Ehrlich - wir Europäer sind dekadente, faule und charakterschwache Dumpfsäcke. Quo vadis, Europa? Ad infernum.

Antworten Von Gast: Wertegemeinschaft am 19.02.2008 um 09:45

Re: Was regen wir uns auf

Supi! Alles wird gut! Jetzt können sich ja die Zogajs für einen Hunderter ein Uschi-Discount-Sammelvisum kaufen und endlich wieder zu uns zurückkehren, wo sie schon an der Grenze von unserer VolxanwältIn und den Grünen mit einer Lichterkette erwartet werden. Der Platti hat ja die Zuwanderungsquote vorausschauend schon kräftig erhöht, so daß einer harmonischen Zuwanderung nicht mehr im Wege steht. Und das ist gut so!

Von Gast: HANDKE66 am 19.02.2008 um 08:49

AUCH ÖSTERREICH WIRD DAS "PEKTORIAT KOSOVA" ANERKENNEN!!!!

EINE FOLGENSCHWERE ENTSCHEIDUNG!!???

DIESE PERSÖNLICHKEITEN MÜSSEN WISSEN
.
- DASS SIE
.
DIE " BÜCHSE DER PANDORA" ÖFFNEN!!

DIE FOLGEN SIND,
nach meiner einschätzung,
UNABSEHBAR!

WELTWEIT - so hört man -
GIBT'S CIRKA 200 ÄHNLICH GELAGERTE FÄLLE!!

WERDEN NUN DIE
- SCHOTTEN - FRANKOCANDADIER - FLAMEN -
RUMÄNEN-UNGARN usw. usf. "AUFWACHEN"
UND DIE SEPARATION AUF IHRE FAHNEN HEFTEN??

Von Peregrin am 18.02.2008 um 23:12

War ja klar

Wenn es eine Möglichkeit gibt, sich bei den Depperten anzustellen, ist Österreich sicher dort zu finden.

Antworten Von Silvester am 19.02.2008 um 07:38

Re: War ja klar

Mock (Österreich) und Genscher (Deutschland) hatten es seinerzeit extrem eilig Slowenien, Kroatien anzuerkennen. Damit leisteten sie einen wesentlichen Beitrag dazu daß das Pulverfaß Balkan explodierte!
Die Anerkennung des Kosovo birgt nicht mehr soviel Sprengstoff aber ganz harmlos ist es auch nicht!

Antworten Antworten Von Ronnin am 24.02.2008 um 01:24

Re: Re: War ja klar

Nur abwarten... Ich denke, eine globale Destabilisierung kommt noch. Wenn nicht auf Balkan , dann im nahen Osten.

Von Gast: Robert C. Schmitt, Wuppertal am 18.02.2008 um 22:16

Unglaublich

Deutschland spielt mal wieder ergeben das hegemoniale Spiel der USA unter Verletzung der eigenen Interessen und tritt dabei das Völkerrecht mit Füßen. Die fortschreitende "Balkanisierung" ist weder im deutschen noch im europäischen Interesse. Trotzdem will Deutschland nun diesen nicht lebensfähigen und bitterarmen Zwergstaat, dessen Wirtschaft überwiegend von Waffen- und Drogenhandel existiert, anerkennen und wird ihn mit Sicherheit in den nächsten Jahrzehnten alimentieren.

Die USA haben das Interesse, diese zukünftig mit europäischen Steuermitteln aufrechterhaltene Minirepublik der Schieber und Mafiosi als kontinentalen Flugzeugträger zu nutzen. Und Deutschland riskiert für diesen Zweck den Streit mit Moskau und den Bruch mit dem geschundenen Serbien.

Unglaublich, wenn die Deutschen nicht so gleichgültig und unpolitisch wären, ein Generalstreik wäre angebracht.

Antworten Von Gast: Euro-Guantanamo am 19.02.2008 um 09:52

Re: Unglaublich

Wahre Worte, wie man sehen kann, wenn man in Google die Suchworte Camp Bondsteel eingibt. Bismarck stellte nüchtern fest: Der ganze Balkan ist nicht den Schienbeinknochen eines pommerschen Grenadiers wert, und Metternich orakelte düster, Europa könnte einmal als amerikanische Kolonie enden. Q. e. d.

Antworten Von Silvester am 19.02.2008 um 07:39

Re: Unglaublich

Wenn Liechtenstein eventuell als Steueroase außer Gefecht gesetzt wird, könnte diese wichtige Aufgabe ja der Kosovo erfüllen!

Von Gast: zoran am 18.02.2008 um 21:49

Danke Europa

respekt weinheber!
es gibt doch noch menschen in europa, die sehen, was für eine ungerechtigkeit hier geschieht. der osten in deutschland ist soweit ausgebaut,den soli (solidaritätszuschlag) gibt es nicht mehr,aber dafür kommt jetzt der koli (kosovosolidaritätszuschlag) auf kosten der europäischen steuerzahler :) gute nacht europa und danke für einen neuen muslimischen staat in europa. serbien hat 500 jahre das osmanische reich bekämpft und europa vor dem islam bewahrt, das ist jetzt der dank dafür :(

Antworten Von heisl am 03.03.2008 um 13:40

Re: Danke Europa

Warum dann die Türkenbelagerungen??????
Das musst mir jetzt erklären!

Und wenn du mit der Geschichte anfängst dann denk das bitte vorher zu Ende:
Serbien muss sterbien!

PS: Mein ich gar nicht so. Soll nur aufregen!

Antworten Von heisl am 03.03.2008 um 13:39

Re: Danke Europa

Warum dann die Türkenbelagerungen??????
Das musst mir jetzt erklären!

Und wenn du mit der Geschichte anfängst dann denk das bitte vorher zu Ende:
Serbien muss sterbien!

PS: Mein ich gar nicht so. Soll nur aufregen!

Von Weinheber am 18.02.2008 um 20:22

Bevor Frau Plassnik

sich zu diesem Schritt hinreißen lässt, sollte sie sich den Artikel „Auf schwachem Fundament“ in der SZ genehmigen.

Aber selbst die Tatsache, dass in dem neuen Staat nicht einmal die Stromversorgung und die Müllabfuhr richtig funktionieren und dass ein Drittel der Bevölkerung mit 1,5 EURO pro Tag das Auslangen finden muss, wird die Frau Minister nicht von ihrer Geburtshelferrolle abhalten können.

Irgendwo in den deutschen Medien steht treffend beschrieben:
Europa ist um ein armen Staat reicher.
Wie wahr!

Antworten Von Gast: kosova am 19.02.2008 um 09:44

Re: Bevor Frau Plassnik

mindest soooo Arm seit Ihr Besserwisser!

Leute, Kosova wird ganz bestimmt viel schneller als viele hier erwarten auf eigene Beine stehen.
Da macht Euch mal mehr Gedanken um Serbien und Serben die, wie man es hier sieht, nichts aber auch nichts gelernt haben.
Und tut bitte nicht so als wen in Serbien alles Rosarot ist.

Eigentlich kein Grund hier zu schreiben aber man kann sich den Mist einfach nicht ansehen.

DANKE DEUTSCHALAND!

Antworten Antworten Von McCarthy the Great am 19.02.2008 um 11:59

Re: Re: Bevor Frau Plassnik

Auf eigenen Beinen? Daß ich nicht lache. Der Ausweg wird ein Großalbanien, also ein Anschluß sein. Gefördert mit Millionen aus der EU.

Antworten Antworten Antworten Von Gast: Kosova am 19.02.2008 um 15:59

Re: Re: Re: Bevor Frau Plassnik

Schade für Sie, haben Sie dann was dagegen wen dadurch die ganze Region demokratisiert wird und überall Frieden herrscht?

 
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