Der Rechtspolitiker reagierte auf den Fall eines sizilianischen Pizzabäckers, der dieser Tage wegen der Vergewaltigung eines vierjährigen Mädchens festgenommen wurde. Dabei stellte sich heraus, dass der Mann aus der sizilianischen Stadt Agrigent bereits vor vier Jahren zwei achtjährige Zwillingsschwestern missbraucht hatte, und deswegen erstinstanzlich zu sechs Jahren Haft verurteilt worden war. Ein Jahr später war er schon frei, musste sich aber täglich bei der Polizei melden.
Hitzige Diskussionen
Der Vorschlag Finis sorgte wieder einmal für hitzige Diskussionen in Italien und könnte gar zum prominenten Wahlkampfthema aufrücken. Der Premierkandidat der Mitte-links-Formation "Demokratische Partei" (PD), Walter Veltroni, forderte scharfe Strafen für Pädophile, meinte jedoch, dass die chemische Kastration mit Italiens rechtlicher Kultur unvereinbar sei.
Chemische Kastration reversibel
Vincenzo Mastronardi, Professor für Kriminologie an der römischen Universität "La Sapienza", unterstrich die Notwendigkeit, Pädophile nicht alleinzulassen, sondern sie zu behandeln. "Genau wie bei Drogensüchtigen gibt es einen hohen Prozentsatz von Besserung, wenn die Person sich freiwillig zu einer Behandlung entschließt", so Mastronardi. Bei der medikamentösen Form der Kastration werden die männlichen Sexualhormone blockiert oder ihre Produktion unterdrückt. Die Behandlung ist in der Regel reversibel.
Nach offiziellen Angaben gibt es in Italien etwa 21.000 Pädophile, täglich würden zwei Kinder Opfer von sexuellem Missbrauch. Im Internet seien 50.000 pornografische Web-Seiten mit Kindern entdeckt worden. Psychologen forderten italienische Eltern auf, ihren Kindern die Gefahr bewusst zu machen, in die sie geraten können.
(APA)