Serbien und Russland wollen weiter neue Verhandlungen über den Status des Kosovo erzwingen, der sich vor einer Woche für unabhängig erklärt hatte. Ziel sei es, dass möglichst wenige Staaten den Kosovo anerkennen und dieser "in einem völkerrechtlichen Vakuum" bleibe, sagte der serbische Außenminister Vuk Jeremic der Tageszeitung "Vecernje novosti" (Dienstagsausgabe). Damit soll Pristina zurück an den Verhandlungstisch gezwungen werden, erläuterte Jeremic das mit dem russischen Vizepremier Dmitrij Medwedew am Montag in Belgrad akkordierte Vorgehen.
"Es ist unsere Strategie, dass beide Seiten (Belgrad und Pristina) an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn sich herausstellt, dass es keine Möglichkeit gibt, die Souveränität der sogenannten Republik Kosovo zu bestätigen", sagte Jeremic. Bei der UNO-Generalversammlung im September solle sich zeigen, dass eine große Mehrheit der Staaten die Loslösung des Kosovo von Serbien nicht akzeptiere. Von den 192 UNO-Mitgliedern haben bisher 23 den Kosovo anerkannt, ergibt eine Zählung der mit den Anliegen der Kosovo-Albaner sympathisierenden Internetseite http://www.kosovothanksyou.com. 30 weitere seien "bereit, den Kosovo anzuerkennen". Kosovo-Premier Hashim Thaci hat vor der Unabhängigkeitserklärung am 17. Februar von 100 Anerkennungen gesprochen.
Jeremic sagte, dass Serbien in den kommenden Wochen und Monaten ein "intensiver diplomatischer Kampf" bevorstehe. Er drohte in diesem Zusammenhang mit schärferen diplomatischen Maßnahmen gegen jene Staaten, die den Kosovo anerkennen. Die beschlossene Zurückbeorderung der Botschafter aus diesen Ländern könnte permanenter Natur werden, "was faktisch eine Herabstufung der Ebene der diplomatischen Beziehungen wäre". Serbien wird auch seinen Botschafter aus Wien abberufen, wenn Österreich den Kosovo anerkannt haben wird. Bundespräsident Heinz Fischer dürfte noch diese Woche die für die Anerkennung notwendige Ermächtigung an Außenministerin Ursula Plassnik (ÖVP) erteilen.
Ausschreitungen in Banja Luka
Unterdessen protestierten am Dienstag etwa 20.000 bosnische Serben in Banja Luka gegen die Unabhängigkeit des Kosovo. Wie bosnisch-serbische Medien berichten, folgten sie einem Aufruf eines Verbandes mehrerer nationalistischer Organisationen folgten Menschen aus der gesamten Republika Srpska, berichteten.
Bei der Demonstration kam es auch zu Ausschreitungen. Medienberichten zufolge wurden zwei Polizisten verletzt, die junge Protestierende vom Marsch auf das US-Konsulat abhalten wollten. Einem großen Polizeiaufgebot gelang es unter anderem mit Einsatz von Tränengas, eine Gruppe von rund hundert Demonstranten daran zu hindern, zum Konsulat vorzudringen. Die Demonstranten, die die Polizei mit Steinen bewarfen, demolierten daraufhin einige Wagen und ein kroatisches Geschäft unweit des Konsulates, meldeten Medien.
Der Protest findet unter dem Motto "1244" in Anspielung auf die immer noch gültige UNO-Resolution statt, laut der der Kosovo ein Bestandteil Serbiens ist. Protestteilnehmer riefen immer wieder aus: "Der Kosovo ist das Herz Serbiens, wir geben den Kosovo nicht her, wir geben die Republika Srpska nicht her". Zu sehen waren auch Plakate mit der Aufschrift "Eigenständigkeit für die Republika Srpska". (APA/Red.)

Ausschreitungen: Demo: ''Kosovo ist Serbien''

