BANGKOK. Er kam an, begrüßte seinen jubelnden Anhänger – und stellte sich sogleich der Polizei: Thaksin Shinawatras Rückkehr aus dem britischen Exil in seine Heimat Thailand am Donnerstag verlief so spektakulär, wie es sich für einen exzentrischen Politiker und Geschäftsmann gehört. Nach einer zwanzigminütigen Anhörung durfte Thaksin wieder gehen, nachdem er eine Kaution von 165.000 Euro hinterlegt hatte.
Feierlich verkündete der wegen Korruption und Amtsmissbrauch angeklagte Ex-Premier sodann auf einer Pressekonferenz, dass eine Rückkehr in die Politik für ihn nicht in Frage komme: „Ich habe das Herz eines Sportsmanns – und wenn das Spiel vorbei ist, dann ist es vorbei.“
Seine Anhänger hatten Thaksin am internationalen Flughafen Suvarnabhumi einen stürmischen Empfang bereitet. „Willkommen Zuhause“ und „Wir lieben Dich“ hieß es auf Spruchbändern.
Als Grund für seine Heimkehr nannte der geschasste Regierungschef die gegen ihn laufenden Korruptionsermittlungen. Sein Anwälteteam hatte ihm denn auch geraten, sich nach Betreten thailändischen Bodens sogleich den Behörden zu stellen. Thaksins Heimkehr, die für den Lauf des Frühjahrs angekündigt worden war, erfolgte mit dem gestrigen Tag nun überraschend schnell.
Wird Amnestie vorbereitet?
Das dürfte nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass ihm das Außenministerium, dessen neuer Chef der frühere Thaksin-Anwalt Noppadol Pattama ist, erst vor wenigen Tagen seinen Diplomaten-Pass zurückgegeben hatte. Der Pass war dem Ex-Regierungschef von der militärgestützten Interimsregierung entzogen worden.
Zudem gehen Beobachter davon aus, dass die bei den Wahlen vom Dezember siegreiche People Power Party“ (PPP), die überwiegend aus Anhängern Thaksins besteht, eine Amnestie für den ehemaligen Premier vorbereitet.
Bereits im Jänner war Thaksins Ehefrau Frau Pojaman nach längerem Auslandsaufenthalt zurückgekehrt. Auch sie muss sich wegen mutmaßlicher Korruption verantworten. Unter anderem wird ihr vorgeworfen, sich während der knapp sechsjährigen Amtszeit ihres Mannes Grundstücke in Bangkok für Schleuderpreise angeeignet zu haben. Nachdem sie eine Kaution in Höhe von umgerechnet knapp 110.000 Euro hinterlegt hatte, kam Pojaman Shinawatra auf freien Fuß, darf aber das Land nicht verlassen. Es wird gemutmaßt, Thaksin habe seine Frau vorgeschickt, um die Reaktion der Militärs zu testen.
Gelassene Militärs
Diese üben sich derzeit in Gelassenheit – unter der Voraussetzung, dass sich der Ex-Premier aus der Politik heraushält. Armeechef General Anupong Paojinda selbst rief zur Ruhe auf und ermahnte insbesondere die Thaksin-Gegner, dessen Rückkehr zu akzeptieren. Schließlich solle sich dieser den juristischen Vorwürfen stellen.
Damit habe die „Peoples Alliance for Democracy“ (PAD) kein Problem, erwiderte PAD-Sprecher Suriyasai Takasila. Allerdings drohte die Gruppe, die 2006 die Massendemonstrationen gegen Thaksin angeführt hatte, mit neuen Protesten, falls die neue Regierung sich in das juristische Prozedere einmische: „Wir warnen vor einer noch schlimmeren Krise als 2006, sollte die Regierung weiter versuchen, Thaksin von den Beschuldigungen reinzuwaschen.“
Familienclan kassierte ab
Thaksin war im September 2006 von den Militärs aus dem Amt geputscht worden. Dem Staatsstreich waren monatelange Massenproteste vorausgegangen. Auslöser war der umstrittene Verkauf von Anteilen des einst von Thaksin gegründeten Telekommunikationskonzerns Shin Corp an eine Investmentgesellschaft in Singapur. Für den Deal, offiziell eingefädelt von Thaksins Kindern, hatte der Familienclan umgerechnet 1,6 Milliarden Euro kassiert, ohne dafür Steuern zu zahlen.
Seit dem Putsch lebte der Milliardär überwiegend im Exil in London und Peking, hatte sich auf Golfplätzen getummelt und nebenher den britischen Fußballclub „Manchester City“ gekauft.
Der Ex-Polizist Thaksin Shinawatra (*26.7.1949) stieg zu einem der reichsten und mächtigsten Geschäftsleute Thailands auf. 2001 wurde er vor allem mit Unterstützung der ländlichen Bevölkerung zum Premierminister gewählt, 2005 wurde er wiedergewählt.
Im September 2006 putschte ihn das Militär nach dem Auftauchen schwerer Korruptionsvorwürfe gegen seine Familie von der Macht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.02.2008)



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