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Neuwahl in Serbien: Flucht nach vorne – aber wohin?

09.03.2008 | 18:19 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS ROSER (Die Presse)

Südosteuropa. Serbiens Problem-Koalition zerfiel über Kosovo und die EU-Annäherung.

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Belgrad. Zumindest zum Ende ihres nur zehn Monate kurzen Regierungs-Trauerspiels demonstrierten Serbiens zerstrittene Koalitionäre ungewohnte Einigkeit. Als „ehrenwert“ bezeichnete Mladjan Dinkic, Chef der wirtschaftsliberalen Partei „G17-Plus“, die Ankündigung des nationalkonservativen Premiers Vojislav Kostunica, den Regierungsauftrag zurückzugeben und Neuwahlen anzustreben.

Er akzeptiere die Entscheidung, erklärte auch Präsident Boris Tadic, Chef der proeuropäischen Demokraten, seine Bereitschaft zum vorzeitigen Urnengang: Sobald das Kabinett die Auflösung des Parlaments beschließe, werde er die Neuwahlen ausschreiben.

Überraschend hatte der große „Schweiger“ Kostunica am Wochenende zu einer außerordentlichen Pressekonferenz gebeten: Normalerweise pflegt der wortkarge Premier seine Entscheidungen den Medien per Kommuniqué mitzuteilen. Und auch mit der Ankündigung seines Rücktritts sollte der 63-Jährige die einbestellten Chronisten überraschen: Die meisten Analysten in Belgrad hatten allenfalls mit Koalition-Rochaden gerechnet – und einem fliegenden Partnerwechsel des gewieften Strippenziehers.


Keine stabilen Mehrheiten

Doch statt wie erwartet mit den ultranationalistischen Radikalen ins Regierungsboot zu steigen, entschied sich Kostunica für die Flucht nach vorn. Wenn eine Regierung keine gemeinsame Politik habe, könne sie auch „nicht mehr funktionieren“, begründete er das abrupte Ende der dahinsiechenden Koalition: „Wir geben das Mandat an die Nation zurück.“

Gepurzelt ist die Koalition des sogenannten „demokratischen Lagers“ im Streit über Kosovo und die Haltung des Landes zur EU. Kostunicas DSS wollte für eine von den Radikalen eingebrachte Resolution stimmen, die einen EU-Beitritt nur mit Kosovo als Teil Serbiens vorsieht. Ihre proeuropäischen Koalitionspartner lehnten eine Verknüpfung der Kosovo-Frage mit den Beitrittsplänen ab, weil sie darin zurecht ein Abrücken vom vereinbarten Europa-Kurs witterten – und überstimmten Kostunica im Kabinett.

Bei der für 11.Mai anvisierten Neuwahl können zwar die oppositionellen Radikalen mit kräftigen Gewinnen auf Kosten der DSS rechnen. Doch eine entscheidende Änderung der Kräfteverhältnisse ist nicht in Sicht. Stabile Mehrheiten seien von der vorzeitigen Wahl kaum zu erwarten, sagt Zoran Lucic, Direktor des Meinungsforschungs-Institut Cesid: „Das schlimmste wäre, wenn nach der Wahl keine neue Regierung gebildet werden könnte.“


„Gefühl für Realität verloren“

Tatsächlich bestätigen Umfragen die politische Teilung des Landes, die bereits die Präsidentenwahl im Februar offenbart hatte. Den nationalistischen Kräften steht ein fast ebenso großer Block proeuropäischer Parteien gegenüber. Auch geschrumpft dürfte im nächsten Parlament erneut die DSS das Zünglein an der Waage sein. Im Kosovo-Konflikt schlägt Kostunica zwar dieselbe nationalistische Rhetorik an wie die Radikalen. Doch die Basis seiner DSS steht einem Bündnis mit den Populisten eher skeptisch gegenüber und will im Gegensatz zum Premier auch nicht unbedingt die EU-Perspektiven des Landes aufs Spiel setzen.

Bei Kostunicas Konfrontationskurs gegenüber dem Westen und seiner starren Kosovo-Politik fühlt sich der Belgrader Politologie-Professor Cedomir Cupic an die bleierne Ära des verstorbenen Ex-Autokraten Slobodan Milosevic erinnert: „Kostunica hat das Gefühl für die Realität verloren und verbarrikadiert sich in Positionen, die früher Milosevic vertreten hatte.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2008)

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18 Kommentare
chilly
12.03.2008 19:22
0 0

nur mit fakten zu überzeugen

den lehren versprächungen der eu glaubt keiner in serbien mehr, alle nationen im umfeld haben so eine art belohnung bekommen auch durch völkerrechtswiedrige schritte, den serben wurde nur weggenommen. jetzt muss die eu den serben mit einer tat, und keinem lehren papier zeigen das es serbien in der eu haben will. dann wird das volk auch pro-europäisch wälen, (wie wärs mit selbstbestimmungsrecht der kosovoserben)

der wille schwedens und frankreichs allein wird nicht reichen den angerichteten schaden wiedergutzumachen

http://www.merkur-online.de/politik/art8808,899846

konkretes handeln wird gefordert

Gast: Gast
11.03.2008 12:00
0 0

Re: ...

Da zieht wohl der Wolf das Schafsfell an!


towercon
10.03.2008 14:22
0 0

man braucht nicht ein politiker sein um zu erkennen...

mit was kann dieser kostunica denn punkten?
mit kaum etwas, denn wirtschaftliche sachen werden von tadics leuten geregelt und nationalsitische angelegenheiten, bestens von der radikalen partei srs.

diesem mann ist nicht viel geblieben.
denn in verschiedenen medien berichten, im bezug auf kostunicas partei dss, ging man sogar davon aus das er nicht einmal mehr die hürde schafft ins parlament gewählt zu werden.

da sehe ich doch nur einem politischen kampf ums überleben. und nachdem diese dss kaum was zu bieten hat, springt man auf den radikalen zug auf.

geht es diesen kostunica überhaupt um kosova? wahrscheinlich kaum, wie so oft in der politik werden dinge wie z.b. das kosova einfach nur dafür (aus)genutzt um sich zu profilieren.

und meine einschätzung zu dieser kommenden wahl ist, dass die radikalen es schaffen an die macht zu kommen.

und ich bedauere das überhaupt nicht, denn man kann nicht immer die anderen für seine fehler verantworltich machen.

mfg

chilly
10.03.2008 15:23
0 0

Re: man braucht nicht ein politiker sein um zu erkennen...

kostunica ging es schon immer um kosovo

http://de.wikipedia.org/wiki/Vojislav_Ko%C5%A1tunica

towercon
10.03.2008 15:53
0 0

Re: Re: man braucht nicht ein politiker sein um zu erkennen...

wenn es dem so ist, dann bleibt nur noch die frage, ist er einfach nur dumm oder lebt dieser mensch in einer parallelwelt, oder doch alles nur ein kalkühl auf kosten des kosovas?

ich glaube er ist weder dumm, noch lebt er in anderen parallelwelten.
denn die forderungen die er dem westen stellt, sind doch mehr als lächerlich. und dieses weiss er bestimmt. auch die bisherigen verbalen atacken auf die eu, waren alles andere als zweckdienlich.

aber wenn seine erklärungen und sein kampf um den verbleib kosovas in serbien, weder im ausland noch in serbien fruchten, für was oder wen kämpft er?

oder ist es normal für etwas zu kämpfen, aber alles was man tut ist kontraproduktiv.

dieser mensch will einfach nur seine macht behalten bzw. ausbauen und hoft durch den aufsprung auf den nationalistischen zug wäre es besser. denn es ist doch fast sicher das bei neuwahlen die radikalen gewinnen werden und ob das zweckdienlich für das thema kosova ist, bleibt die frage, eher weniger.

mfg

chilly
10.03.2008 20:10
0 0

Re: Re: Re: man braucht nicht ein politiker sein um zu erkennen...

kostunica hätte ohne wahlen nur durch die parlamentsmehrheit das erreichen können was sie so prophezeien, (regierung mit der srs) hatt er aber nicht. er ist ehrenhaft zurückgetreten. und wieso,? weil er nicht das bündniss mit den radikalen eingehen will sondern erst mal das volk sprechen lassen will, damit die eu begreift das tadic die presidentschaftswahlen nur gewonnen hatt weil die wähler von kostunica ihn unterstüzt haben.
er wird die partei sein die einen von den den beiden blocks in serbien die regierungsbildung ermöglichen wird.
also erst folgen monate lange koalitionsverhandlungen die vieleicht (beim scheitern) neu-neuwahlen nach sich ziehen werden, bis die proeuropäer und auch eu die nerven blankgerieben bekommen, dann kommt seine forderrung bezüglich der int.anerk. teritorialen integrität serbiens mehr zum ausdruck. serbischer poker halt!

towercon
11.03.2008 11:44
0 0

Re: Re: Re: Re: man braucht nicht ein politiker sein um zu erkennen...

@chilly

dann kann ich nicht viel dazu sagen, wenn sie meinen das es serbischer pokern ist, dann wird es so sein ;-)

mfg

chilly
11.03.2008 12:35
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: man braucht nicht ein politiker sein um zu erkennen...

naja die eu sucht nach einem weg wie sie den serbischen wähler erreichen, ich helfe mal nach zwingt nicht die serbengebiete in einem kosovo zu leben, wenn auch die serben einen grund zu feiern haben wird alles anders sein. (der letzte satz könnte auch von dir sein nur mit anderen akteueren)
jetzt ist die frage nur will die eu frieden oder profitiert wieder der einzelne eu politiker.

chilly
10.03.2008 18:50
0 0

Re: Re: Re: man braucht nicht ein politiker sein um zu erkennen...

das ist quatsch er springt nicht auf den nationalistischen zug denn sonst hätte kostunica jetzt mit der srs (nikolic) zusammen die jetzige parlamentsmerheit mit der er eine neue neue regierung bilden könnte, das macht er aber nicht, sondern er zieht erhrenhaft neuwahlen vor. damit das volk in der jetzigen situation abstimmen kann.
und wie es scheint werden beide blocks ihn als koalitionspartner werben und brauchen.
und er bleibt bei seinen prinzipiällen haltung das die lösung fürs kosovo nur möglich ist wenn auch die serbische seite diese mitträgt. und das was jetzt im kosovo mit illegalen mittelln durchgeboxt wird das wird er nie mittragen. ganz einfache und prinzipälle haltung.
eu hatt sich im kosovo gegen serbien entschieden. was wollen wir serben dann noch in der eu. lasst uns einfach in ruhe

towercon
11.03.2008 11:54
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Re: Re: Re: Re: man braucht nicht ein politiker sein um zu erkennen...

@chilly

wenn er nicht auf den nationalistischen zu aufspringt, was macht er dann?
wie kann ich für etwas kämpfen, indem ich alles was ich angeblich für diese sache mache ins negative rücke?

das ist mal wieder serbische logik und mit dieser habe ich es in der tat nicht ;-)

aber von einem politiker in solch einer position, glaube ich schon das er genau weiss was er verlangen kann und was nicht.
und das was kostunica die letzten wochen gemacht hat, zeigt eher das er sich durch dieses thema eben profilieren will.

aber es ist nicht mein problem ;-)
und es ist auch nicht mein problem, wenn sie sagen das die serben nicht in die eu wollen.

ich lasse sie gerne in ruhe, wenn sie uns kosovaren doch auch endlich in ruhe lassen würden. wir haben nichts gemein mit serbien, aber einige poster glauben immmernoch das wir zu serbien gehören ;-)

mfg

Antworten Antworten Antworten Gast: xxxxg
10.03.2008 16:38
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Re: Re: Re: man braucht nicht ein politiker sein um zu erkennen...

Nun, die verbalen Attacken waren völlig rechtmäßig, denn ein Bruch des Völkerrechts ist nunmal ein Bruch des Völkerrechts. Kosovo wurde künstlich von Serbien abgetrennt, wobei internationale Gesetze gebrochen wurden.

Somit sind alle Forderungen nach der Rücknahme der Anerkennung völlig rechtmäßig.

Dieser Politiker geht sehr persönlich an die Sache heran und kämpft für das, was er für richtig hält. Mag sein, dass er sich teilweise falscher Mittel bedient und teilweise etwas übertreibt.. Dennoch will er lediglich Gerechtigkeit, welche von den EU Staaten und ihren Oberpaten USA untergraben wurde.

Kosovo ist eigentlich immer noch Serbien, und es bleibt so lange, bis es noch ehrliche und dem Grundgedanken der Demokratie treuen Menschen gibt.

towercon
11.03.2008 12:05
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Re: Re: Re: Re: man braucht nicht ein politiker sein um zu erkennen...

@xxxxg

lassen wir mal das recht beiseite, denn mit recht hatte es serbien in der vergangenheit auch nicht so genau genommen.

damit ich nochmal auf kostunica kommen kann, was für berater hat er den?
oder ist es normal von einem premier nicht durchdachte sachen zu machen?
aber wenn er es wirklich mit herzblut und ohne hintergedanken das alles macht was er eben macht, dann kann ich euch serben nur noch bedauern. denn dann lebt dieser mensch in der tat in einer parallelwelt oder ist einfach nur dumm.

aber was derzeit schlecht für die serben ist, ist gut für uns kosovaren ;-)

in diesen sinne, viel erfolg herr kostunica und mach sie weiter so :-)

um so mehr das image von serbien zerstört wird, um so mehr kann sich auch das kosova fehltritte leisten. die auch kommen werden, denn keine regierung ist perfekt, siehe als bestes beispiel serbien :-)

mfg

chilly
11.03.2008 12:30
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: man braucht nicht ein politiker sein um zu erkennen...

wieso nicht durchdacht, wenn die eu tadic haben will, muss sie den serben etwas positives geben, und nicht nur lehre versprechungenn machen, und wenn eu keine neue regierungskriese oder regierungsbildungskriese in serbien haben will (also ds 50%+) sollte sie die serbengebiete im kosovo von kosovo trennen und an das mutterland angliedern lassen. dann würden alle kosovoserben tadic wählen. (konkrete taten der eu in richtung volk)
mann kann die menschen nicht nur andauernd bestrafen mann muss sie auch belohnen.
mit der andauernden bestrafungspolitik ist es kein wunder das viele in serbien anti eu gesinnt sind.

towercon
11.03.2008 12:49
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Re: Re: Re: Re: Re: Re: man braucht nicht ein politiker sein um zu erkennen...

was wollen sie hören?
die eu momentan zu vielem bereit. aber eben nicht bereit land an x oder y zu verteilen. denn genau dieses verteilen bringt die eu immer mehr unter druck.

ob nun das kosova ein fehler war oder auch nicht, spielt dabei keine rolle.
denn durch weitere teilung entsteht noch mehr unruhe und chaos.

für mich ist die rechnung einfach. die eu ist bereit serbien die hand zu reichen (geld, subventionen, visaerleichterung und dergleichen), nur eben nicht land.

aber was machen die serben, im kollektiven rausch beweinen sie das ach so tolle kosova, wo kaum ein serbe jemals war.

wie schreiben sie so schön, die menschen werden bestraft und genau das sehe ich anderst, sie bestrafen sich selber mit ihrem heuchlerischen getue vonwegen das kosova sei herz, wiege und dergleichen.

aber meinetwegen braucht ihr nie in die eu, ich brauch nicht darauf hinzuweisen das jenes und dieses besser wäre.
keiner zwingt euch zum glück und ich am aller wenigstens.

mfg

chilly
12.03.2008 10:46
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Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: man braucht nicht ein politiker sein um zu erkennen...

tja der wähler will nur gerecht behandelt werden. die eu hat die heimliche macht über dieses gebiet und wenn sie den serben nur den serben nichts politisches anbieten, dann weden die serben eben anders wählen.
unabhängig davon obs gut oder schlecht (primär für das gesicht der eu) ist

Gast: Leka Doc
10.03.2008 12:10
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Ist das eine Frage, wohin mit den Serben?

In den Karpaten den, von dort sind auch die gekommen!!!!


Antworten Gast: Gast
11.03.2008 12:41
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Re: Ist das eine Frage, wohin mit den Serben?

Falsch nicht die Albaner sondern die Serben kommen von den Karpaten.

chilly
10.03.2008 11:15
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realität

die realität sieht nach umfragen so aus das die überwiegende 70%+ mehrheit der bevölkerrung serbiens für einen eu beitritt ist aber in dem kosovo als ein teil serbeins mit rein in die eu kommt. und genau auf diese realität stüzt sich kostunicas politik.
ich kann die eu meinung verstehen das sie sich nur einen teil der realität wünschen, aber das kosvo kann mann aus der identität der serben nicht löschen, unter zwang wurden fakten im kosovo geschaffen aber der serbe ist soetwas gewöhnt und wird, an seiner haltung kosovo ist serbien auch in 50 oder 100 jahren noch festhalten. die eu hatt sich gegen eine kompromisslösung zwischen serben und albanern eingesetzt, und das wird denn efekt haben wie im tito-jugoslawien das die probleme nur eingefrohren sind aber nicht gelöst.
also seien wir bereit ein kriesenherd in der eu begrüssen zu müssen, das wir nicht lösen wollten.

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